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Hellboy – Call of Darkness: Vorerst letzter Auftritt des Höllenknilchs?

21 Aug

Hellboy

Von Volker Schönenberger

Fantasy-Action // Die Kultstatus genießenden Graphic Novels von Mike Mignola habe ich nie gelesen. An Guillermo del Toros erste Verfilmung „Hellboy“ von 2004 mit Ron Perlman in der Titelrolle entsinne ich mich kaum noch, seine Fortsetzung „Hellboy – Die goldene Armee“ (2008) habe ich gar nicht geschaut. Das nur vorab, damit ihr meine folgenden Zeilen einordnen könnt. Ich nehme mir „Hellboy – Call of Darkness“ somit völlig unbeleckt vor. Ob Neil Marshalls Regiearbeit eine adäquate Umsetzung der Comic-Vorlage und gegenüber del Toros Versionen einen Fort- oder Rückschritt darstellt, vermag ich nicht zu beurteilen.

Hellboy als Wrestler

Ein Prolog führt uns ins finstere Mittelalter des Jahres 517 nach Christus. König Artus persönlich besiegt die böse Nimue (Milla Jovovich), die sogenannte Blood Queen. Er zerstückelt ihren Körper und lässt die Einzelteile in aller Welt verstreut vergraben, damit Nimue nie wieder Unheil über die Menschen bringen kann.

Hellboy steigt in den Ring

Nach einem Zeitsprung ins mexikanische Tijuana an der Grenze zu den USA lernen wir Hellboy (David Harbour, „Stranger Things“) kennen, der als Ermittler paranormalen Phänomenen auf der Spur ist – ungeachtet dessen, dass er selbst ein solches Phänomen darstellt. In einem Wrestling-Ring trifft er auf seinen Kollegen und Kumpel Esteban Ruiz (Mario de la Rosa), in den während dessen jüngster Mission der vampirische Dämon Camazotz gefahren ist. Nach Ruiz’ Tod wird Hellboy von seinem Ziehvater Trevor Bruttenholm (Ian McShane, „John Wick“-Reihe) nach Colorado verfrachtet, dem Sitz des „Bureau for Paranormal Research and Defense“ (BPRD). Dort erhält er einen Auftrag, der ihn nach Großbritannien führt.

Trevor Bruttenholm hat mit Hellboy etwas vor

Ursprünglich war eine zweite Fortsetzung von del Toros 2004er-„Hellboy“ geplant, aber aufgrund der berühmten „kreativen Differenzen“ stiegen Guillermo del Toro und Ron Perlman irgendwann aus – oder wurden sanft aus dem Projekt herauskomplimentiert, wer weiß das schon? Nun ist aus „Hellboy – Call of Darkness“ ein sogenanntes Reboot geworden, das eine von den beiden vorherigen Kino-Umsetzungen völlig abgekoppelte Geschichte erzählt. Angesichts des Misserfolgs an den Kinokassen und der alles andere als schmeichelhaften Resonanz bei der Filmkritik kann es allerdings gut sein, dass Hellboy im Kino bis auf Weiteres Geschichte ist. Eine Wertung von gerade mal 17 Prozent im „Tomatometer“ bei „Rotten Tomatoes“ spricht eine deutliche Sprache (Stand August 2019).

Der Kampf gegen die drei Riesen

Dabei geizt „Hellboy – Call of Darkness“ nicht mit Schauwerten. Der Kampf des rotgesichtigen Höllenknilchs mit den abgesägten Teufelshörnern gegen drei Riesen macht viel Freude, und Neil Marshall kennt auch kein Pardon, was CGI-blutige Details angeht. Die FSK hatte offenbar einen gnädigen Tag, als sie trotz durchbohrter und zerteilter Körper die Altersfreigabe ab 16 Jahren zückte. In der Folge bekommt es Hellboy mit dem Gruagach zu tun, einem rachsüchtigen Dämon mit Wildschweinkopf, der im Auftrag der Hexe Baba Yaga unterwegs ist, Nimues Körperteile zusammenzutragen, um die Blood Queen wiederauferstehen zu lassen. Es droht die Apokalypse, aber dafür benötigt Nimue offenbar Hellboy. Immerhin erhält er Unterstützung durch Alice Monaghan (Sasha Lane, „American Honey“), die er einst vor Dämonen rettete, als sie ein Baby war, und die seitdem die Fähigkeiten eines Mediums in sich trägt, und den BPRD-Soldaten Ben Daimio (Daniel Dae Kim, „Lost“), einen Gestaltwandler. Dessen Verwandlung in ein Jaguar-ähnliches Wesen erinnerte mich frappierend an die berühmte Transformations-Szene in John Landis’ „American Werewolf“ (1981) – eine schöne Hommage immerhin.

Eine echte Schönheit: Gruagach

Die Story gibt einiges her, ihre Umsetzung erschöpft sich aber im nicht zu leugnenden Einfallsreichtum bei der Visualisierung der Figuren. Sie sind schön, bisweilen hübsch hässlich anzuschauen, wirken aber recht seelenlos. Immer wieder muss sich Hellboy garstige Kreaturen vom Leib halten, die ihm ans widerstandsfähige Leder wollen. Er wird verraten, von Speeren durchbohrt und erleidet weiteres Unbill – zum Glück hat er gutes Heilfleisch. So recht ans Herz will er mir leider nicht wachsen, das erscheint mir aber als durchaus bedeutsame Prämisse, um „Hellboy – Call of Darkness“ fesselnd zu finden. Vermutlich lasse ich Mike Mignola damit Unrecht widerfahren, aber mein Interesse an den Vorlagen hat der Film nicht geweckt. Der Comicautor wird es verschmerzen können.

Was hat Baba Yaga vor?

Ein paar Rückblenden unterbrechen immer wieder die Haupthandlung. Sie sind mal interessant, mal leidlich interessant geraten, stören aber bisweilen den Erzählfluss. Das trägt ab und zu den Charakter einer Nummernrevue. Sonderlich dialogstark erscheint mir das Ganze auch nicht. Ich habe gelegentlich zwischen der deutschen Synchronisation und der englischen Sprachfassung hin und her geschaltet – die Original-Tonspur ist erwartungsgemäß vorzuziehen. Im Finale bricht kurz ein Inferno über London herein, das aber schneller vorbei ist, als es begonnen hat. Da hätte ich mir mehr gewünscht.

Neil Marshall setzt fremdes Drehbuch um

Mit „Hellboy – Call of Darkness“ hat Neil Marshall („The Descent – Abgrund des Grauens“) erstmals ein Drehbuch aus fremder Feder umgesetzt. Vielleicht ist er mit Verfilmungen eigener Skripts besser beraten, bei denen seine Stimme dann auch mehr Gewicht hat – bei der ins Kino gelangten Schnittfassung („Final Cut“) von „Hellboy – Call of Darkness“ hatte er kein Mitspracherecht mehr. Er ist auch für den Regiestuhl von „Skull Island – Blood of the Kong“ vorgesehen. Da ich Marshalls Arbeit mag, freue ich mich darauf, aber gegenüber „Hellboy – Call of Darkness“ muss er eine gehörige Schippe drauflegen.

Das ungleiche Team muss sich …

Das Ende des Films kündigt nach Kräften die wenig überraschende Absicht der Macher an, Fortsetzungen zu drehen, um ein großes Kino-Universum rund um den Höllenknaben zu etablieren: Sowohl ein Epilog als auch eine Szene während und eine nach Ende des Abspanns bieten Cliffhanger dafür. Angesichts des Misserfolgs von „Hellboy – Call of Darkness“ muss sich das Marvel Cinematic Universe aber wohl keine Sorgen machen, vom Franchise-Thron gestoßen zu werden. Ob es je ein Sequel geben wird?

… der bösen Nimue stellen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Neil Marshall sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Milla Jovovich unter Schauspielerinnen, Filme mit Stephen Graham in der Rubrik Schauspieler.

Hellboy im Infight mit Gruagach

Veröffentlichung: 23. August 2019 als 4K UHD Blu-ray (inkl. Blu-ray), Blu-ray im Steelbook, Blu-ray und DVD

Länge: 130 Min. (Blu-ray), 125 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Hellboy
GB/BUL/USA 2019
Regie: Neil Marshall
Drehbuch: Andrew Cosby, nach einer Vorlage von Mike Mignola
Besetzung: David Harbour, Milla Jovovich, Ian McShane, Sasha Lane, Daniel Dae Kim, Brian Gleeson, Mark Stanley, Penelope Mitchell, Nadya Keranova, Maria Tepavicharova, Ana Tabakova, Mario de la Rosa, Atanas Srebrev, Dawn Sherrer, Michael Heath, nur Stimme: Stephen Graham
Zusatzmaterial: „Tales of the Wild Hunt – Hellboy Reborn“ (nicht DVD), entfernte Szenen, Previzualiations, 2 Featurettes, nur Blu-rays: 3 weitere Featurettes („The Forever Warriors – Story and Characters“, „Ye Gods And Devils – Creatures And Gear“ und „Rise Of The Blood Queen – Production“), Trailershow
Label/Vertrieb: Universum Film

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2019 Universum Film

 

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