RSS

Die Totengruft des Dr. Jekyll – War Mr. Hyde ein Werwolf?

13 Sep

Daughter of Dr. Jekyll

Von Volker Schönenberger

Horror // Janet Smith (Gloria Talbott) trifft mit ihrem Verlobten George Hastings (John Agar) auf dem irischen Landsitz ein, wo sie aufgewachsen ist. Die Bediensteten empfangen sie freundlich, das Hausmädchen Maggie (Molly McCard) allerdings deutet an, stets nach Hause zu kommen, bevor der Mond aufgeht, und auf keinen Fall je in dem Anwesen übernachten zu wollen. Janets Vormund Dr. Lomas (Arthur Shields) überbringt ihr die frohe Kunde, dass sie am Folgetag – ihrem 21. Geburtstag – von ihrem verstorbenen Vater ein üppiges Vermögen inklusive des Anwesens erben wird. Doch er deutet an, eine weitere Information für sie zu haben, mit deren Enthüllung sie allerdings erst für morgen warten müsse, da er dies zugesagt habe. Die Nachricht an ihrem Geburtstag schockiert Janet zutiefst: Sie ist die Tochter des berüchtigten Dr. Jekyll …

Janet und ihr Verlobter George …

Robert Louis Stevenson (1850–1894) veröffentlichte seine Novelle „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ („Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde“) im Jahr 1886. Die Geschichte vom Wissenschaftler, der mittels eines Gebräus sein böses Ich zum Vorschein kommen ließ, ist vielfach für Bühne, Film, Radio und Theater umgesetzt worden. „Die Totengruft des Dr. Jekyll“ von 1957 greift lediglich Motive der Novelle des „Die Schatzinsel“-Autors auf und erzählt eine ganz eigene Geschichte.

Dr. Jekyll und der Werwolf

Von der Enthüllung ihres Vormunds zutiefst verstört, wird Janet fortan von Albträumen heimgesucht. Wird sie sich selbst in ein Ungeheuer verwandeln? Mit dieser Frage verbindet Regisseur Edgar G. Ulmer („Santiago der Verdammte“, 1955) eine seltsame Story, die das Jekyll-und-Hyde-Motiv mit Elementen des Werwolf-Films verbindet. Dass der Hausdiener Jacob (John Dierkes) als Mittel gegen Werwölfe einen Holzpflock durchs Herz empfiehlt, spricht nicht unbedingt für Ulmers Vertrautheit mit den Kreaturen des Horrorfilms, gehört das doch eher zu den Waffen gegen Vampire.

… erfahren von Janets Vormund Dr. Lomas ein düsteres Geheimnis

Der Regisseur solch stimmungsvoller Werke wie „Die schwarze Katze“ (1934) mit Boris Karloff und Bela Lugosi und „Detour – Umleitung“ (1945) hat mit „Die Totengruft des Dr. Jekyll“ 1957 nicht unbedingt seine stärkste Arbeit abgeliefert. Man sieht dem Streifen jederzeit sein geringes Budget an, beginnend mit notdürftig von Nebel getarnten Miniaturmodellen wie Haus und Auto. Studiokulissen können auch Charme entfalten, hier verströmen einfach zu viele Einstellungen den Billigfaktor. Trotz geringer Lauflänge zieht sich die Handlung etwas, allzu viel geschieht nicht, vieles erfahren wir mittels Dialogen, nicht immer die eleganteste Lösung. Zum Finale gibt es immerhin einen Twist und eine Verwandlungsszene inklusive Showdown, das und die darstellerische Leistung von Hauptdarstellerin Gloria Talbott („Wir sind keine Engel“) bewahrt „Die Totengruft des Dr. Jekyll“ vor der völligen Beliebigkeit.

Rahmenhandlung für den deutschen Markt

Die Qualität von Bild und Ton ist suboptimal, um es milde auszudrücken. Erstmals hat Anolis Entertainment „Die Totengruft des Dr. Jekyll“ 2012 auf DVD veröffentlicht – im Rahmen der Reihe „Die Rückkehr der Galerie des Grauens“. Diese Edition dürfte gegenüber den späteren DVDs vorzuziehen sein, ist aber vergriffen. Die Neuauflage von Studio Hamburg Enterprises hat als Lauflänge auf dem Cover 77 Minuten stehen, ist aber tatsächlich nur 66:50 Minuten lang. Vielleicht ging man beim Label irrtümlich davon aus, die deutsche Fassung auf Disc zu bannen, die 75 Minuten lang ist. Kurioserweise wurde für den bundesdeutschen Markt eine Rahmenhandlung gedreht, um den Film zu verlängern – nachzulesen im Schnittbericht. Diese Rahmenhandlung findet sich auf der Studio-Hamburg-DVD aber lediglich im Bonusmaterial.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Edgar G. Ulmer sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt. Ein lesenswerter Text zu „Die Totengruft des Dr. Jekyll“ findet sich auch im Filmforum Bremen.

Wird Janet zum Werwolf?

Veröffentlichung: 5. Juli 2019, 29. November 2013 und 24. August 2012 als DVD

Länge: 67 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Daughter of Dr. Jekyll
USA 1957
Regie: Edgar G. Ulmer
Drehbuch: Jack Pollexfen, nach Motiven von Robert Louis Stevensons Novelle „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ („Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde“)
Besetzung: John Agar, Gloria Talbott, Arthur Shields, John Dierkes, Mollie McCard, Martha Wentworth, Marjorie Stapp, Reita Green, Marel Page, Ken Terrell
Zusatzmaterial: Deutscher und englischer Trailer, deutsche Rahmenhandlung, Bildergalerie, Wendecover
Label/Vertrieb 2019: Studio Hamburg Enterprises
Label/Vertrieb 2013: Edel Germany
Label/Vertrieb 2012: Anolis Entertainment

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos: © 2019 Studio Hamburg Enterprises

 

Schlagwörter: , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

 
%d Bloggern gefällt das: