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Prospect – Die Glücksritter der fernen Zukunft

16 Sep

Prospect

Von Volker Schönenberger

Science-Fiction // Das Langfilm-Debüt der Regisseure Christopher Caldwell und Zeek Earl lief 2018 auf einigen Filmfestivals weltweit, darunter dem deutschen Fantasy Filmfest, und gewann auch ein paar Preise. Ein flächendeckender deutscher Kinostart war dem Independent-Science-Fiction-Film dennoch nicht vergönnt, aber immerhin hat capelight pictures dessen Qualität erkannt und dem Werk eine angemessene Veröffentlichung als Mediabook angedeihen lassen. Hoffen wir, dass sich die Mediabook-Sammler ihr Exemplar nicht nur verschweißt ins Regal stellen, sondern auch tatsächlich anschauen – verdient hat „Prospect“ das definitiv.

Cee und ihr Vater suchen das wertvolle Aurelac

Wir folgen dem Schicksal der Teenagerin Cee (Sophie Thatcher) und ihres Vaters Damon (Jay Duplass), die mit ihrem gemieteten Raumschiff zu einem weit entfernten Mond unterwegs sind. Sie wollen dort wertvolle perlenartige Objekte namens Aurelac erbeuten, Produkte einer fremden Lebensform, um ihre immensen Schulden zu bezahlen. Obwohl die Landung etwas rustikal ausfällt, scheint ihnen das Glück bald hold zu sein – Vater und Tochter finden, was sie suchen. Doch bei der Suche nach mehr davon stoßen sie auf den Glücksritter Ezra (Pedro Pascal) und dessen schweigsamen Begleiter (Luke Pitzrick), die ebenfalls scharf aufs Aurelac sind.

Kurzfilm wird zu Langfilm

Christopher Caldwell und Zeek Earl drehten „Prospect“ nach eigenem Drehbuch, basierend auf ihrem eigenen Kurzfilm desselben Namens von 2014, im Hoh-Regenwald auf der Olympic-Halbinsel im US-Staat Washington. Auf visuelle Effekte und Motive aus dem Computer verzichteten die beiden weitgehend, stattdessen wurden Designer, Zimmerleute, Mechaniker und dergleichen angeheuert, um etwa das Innere des Raumschiffs, Waffen und Astronauten-Anzüge zu gestalten. Und wenn Staub durch die Luft wirbelt, so handelt es sich dabei ebenfalls nicht um CGI, sondern um in einem Keller hochgeworfenen und abgefilmten Staub, der im Anschluss über die Bilder gelegt worden ist. All das passt vorzüglich zu Setting und Plot, denn wir haben es ja nicht mit Hightech-Raumfahrt eines großen Staats-Apparats zu tun, sondern mit Verzweifelten, die vorgeblich das große Glück suchen, tatsächlich aber nur überleben wollen. Hochglanz sieht anders aus, aber den wollen wir hier auch gar nicht sehen.

Auch Ezra ist hinter dem Zeug her

In der Folge entwickelt sich ein faszinierendes Survival-Abenteuer, das manche enttäuschen wird, die mit Science-Fiction heute nur noch das überbordende „Star Wars“-Universum verbinden – genau: die Hochglanz-Science-Fiction. Natürlich sieht man „Prospect“ jederzeit sein geringes Budget an, und das Regisseursduo versucht gar nicht erst, Bildgewalt zu simulieren, was ohnehin zum Scheitern verurteilt wäre. Die visuelle Kraft des Films liegt eher in der Zurückhaltung. „Prospect“ bleibt jederzeit nah an seinen Figuren und thematisiert die Folgen gegenseitigen Misstrauens und der Gier. Alles könnte so einfach sein, aber nein, wir Menschen kriegen es nicht hin und verbocken alles.

Der Glücksritter dringt ins Raumschiff ein

Wo findet sich in „Prospect“ eigentlich die Erde? Nirgendwo, die Menschen oder zumindest einige von ihnen scheint es einfach in die außerirdische Fremde verschlagen zu haben. Bald kommt die Frage auf: Wird Teenagerin Cee eine Heimstatt finden? Wir wissen es nicht. Die Ereignisse, die die Menschheit in jene Welt geführt haben, die „Prospect“ skizziert, werden nicht geschildert, weder der technische Fortschritt noch die politischen Umwälzungen, die damit womöglich einhergegangen sind. Das tut aber auch nicht Not, das Szenario wirkt jederzeit glaubwürdig. Viel geändert hat sich an unseren Gemütern jedenfalls nicht. Die im Film geschilderte Welt ist interessant genug, dass wir mehr darüber erfahren wollen.

Bald sind Ezra und Cee aufeinander angewiesen

Im Interview im Booklet des „Prospect“-Mediabooks nennt Christopher Caldwell „Solaris“ (1972) und „Stalker“ (1979) von Andrei Tarkowski als Einflüsse. Und in der Tat hat „Prospect“ gar nicht so viel mit dem Science-Fiction-Kino US-amerikanischer Prägung gemeinsam. Asche auf mein Haupt – mit dem russischen und sowjetrussischen Science-Fiction-Kino bin ich zu wenig vertraut, um „Prospect“ visuell dort verorten zu können, aber es scheint etwas dran zu sein. Zum Szenario auf einem fremden Planeten gesellt sich das Coming-of-Age-Thema von Cee. Auf den Schultern der Kino-Newcomerin Sophie Thatcher liegt eine gar nicht so geringe Last, die sie aber dank einiger Theater-Erfahrung bravourös meistert.

Das gewohnt sorgfältig produzierte Mediabook von capelight pictures enthält den Film als Ultra HD Blu-ray, Blu-ray, und DVD. Im Booklet findet sich ein interessantes Interview mit den beiden Regisseuren. Geführt wurde es von „Die Nacht der lebenden Texte“-Autor Leonhard Elias Lemke im Auftrag von „Deadline – Das Filmmagazin“. Ein schöner Mehrwert, auf diese Weise mehr über die beiden Filmemacher zu erfahren. Sehenswerte Science-Fiction lässt sich auch mit schmalem Geldbeutel realisieren, das beweist „Prospect“ in eindrucksvoller Weise. Caldwell und Earl sei zu gönnen, dass sie sich mit ihrem ersten abendfüllenden Spielfilm den Weg zu weiteren, womöglich auch mal üppiger finanzierten Produktionen geebnet haben.

Veröffentlichung: 26. Juli 2019 als 3-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (4K UHD Blu-ray, Blu-ray & DVD), Blu-ray und DVD

Länge: 100 Min. (Blu-ray), 96 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Prospect
KAN/USA 2018
Regie: Christopher Caldwell, Zeek Earl
Drehbuch: Christopher Caldwell, Zeek Earl
Besetzung: Sophie Thatcher, Jay Duplass, Pedro Pascal, Luke Pitzrick, Arthur Deranleau, Andre Royo, Alex McCauley, Doug Dawson, Krista Johnson, Sheila Vand, Anwan Glover, Christopher Morson
Zusatzmaterial: Audiokommentar der Regisseure, Behind the Scenes (4:29), Szenenanalyse-Clips, „Inside Prospect“-Featurettes (Helmdesign, 1:11, Das Raumschiff, 1:13), „Die Gestaltung von Prospect“ (19:43) entfallene Szenen (7:01), Kinotrailer, Trailershow, Wendecover, nur Mediabook: 24-seitiges Booklet mit einem Interview mit den Regisseuren sowie Konzeptzeichnungen des Kostümdesigns
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos, Packshot & Trailer: © 2019 capelight pictures

 

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