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Die tödlichen Bienen – Mörderische Stachel

18 Sep

The Deadly Bees

Von Andreas Eckenfels

Horrorthriller // Nach dem Erfolg von Alfred Hitchcocks „Die Vögel“ (1963) setzten auch die britischen Amicus-Studios auf mörderische Schwärme aus dem Tierreich: „Die tödlichen Bienen“ gilt als erster Horrorfilm, in dem die heutzutage leider äußerst gefährdeten Insekten als Killer auftreten. Wicked-Vison Media hat das Werk von Freddie Francis („Die Todeskarten des Dr. Schreck“) erstmals europaweit auf Blu-ray und DVD im Mediabook und auch generell erstmals hierzulande als Heimkino-Premiere veröffentlicht – als „Limited Collector’s Edition #24“.

Popsängerin Vicki erholt sich auf Seagull Island

Während das Playback im Hintergrund weiterläuft, kollabiert Popsängerin Vicki Robbins (Suzanna Leigh) vor laufender Kamera. Nervenzusammenbruch, diagnostiziert der Arzt. Die letzten Wochen waren wohl zu viel Stress für die junge Frau. Deshalb soll sich Vicki auf Seagull Island ein paar Tage erholen. Sie kommt auf der Farm von Ralph Hargrove (Guy Doleman) und dessen Frau Mary (Catherine Finn) unter, die extra für ihren prominenten Gast die Wirtshaustochter Doris (Katy Wild) zur Unterstützung engagiert haben. Vicki erweist sich als frei von Starallüren und zeigt auch Interesse an Hargroves Bienenstock. Zudem freundet sie sich gleich mit Marys Hündin Tess an, streift mit der Vierbeinerin durch die Natur und trifft dabei auf den Nachbarn H. W. Manfred (Frank Finlay). Er besitzt ebenfalls einen Bienenstock, dessen Treiben er durch eine Glasscheibe sogar innerhalb seines Hauses beobachten kann. Die Ruhe wird gestört, als plötzlich ein Schwarm Bienen ihr tödliches Unwesen auf der Insel treibt. Bei ihren Nachforschungen gerät Vicki selbst in große Gefahr.

Von Elvis zu den Bienen

Wie Filmwissenschaftler Dr. Rolf Giesen in der Video-Einleitung erklärt, waren ursprünglich die Horrorveteranen Christopher Lee und Boris Karloff für die Hauptrollen vorgesehen. Doch diese Wunschkombination ließ sich aufgrund des geringen Budgets nicht realisieren. Schließlich engagierte man Suzanna Leigh als Protagonistin, die gerade mit dem Elvis-Presley-Musical „Südsee-Paradies“ (1966) ihren Durchbruch gefeiert hatte. So wurde das Drehbuch von „Psycho“-Autor Robert Bloch von Regisseur Francis und Anthony Marriott hastig umgeschrieben. An Leigh, die den Nachnamen ihres Künstlernamens von ihrer berühmten Patentante Vivien Leigh („Vom Winde verweht“) nutzte, liegt es nicht, dass der Bienen-Horror nie wirklich Fahrt aufnimmt. Sie erweist sich sogar als für die Zeit relativ unüblich kluge weibliche Hauptfigur, die sich, wie in der Badezimmerszene zu sehen, gegen die Killerbienen selbst zur Wehr setzen kann und nicht ständig vom männlichen Helden gerettet werden muss. Später war Leigh unter anderem in den Hammer-Produktionen „Bestien lauern vor Caracas“ (1968) und „Nur Vampire küssen blutig“ (1971) zu sehen.

Enttäuschende Effekte

Dass „Die tödlichen Bienen“ bei einigen Horrorfans dennoch nicht groß im Gedächtnis bleiben werden, liegt vor allem an den enttäuschenden Spezialeffekten: Die Bienenschwärme, die Jahreszeit-bedingt für die Produktion aus Australien nach England importiert werden mussten, wurden bei ihren Angriffen auf das zuvor gefilmte Material einfach lieblos einkopiert. Während sich das Opfer also im Hintergrund wild fuchtelnd gegen die Insekten zu verteidigen versucht und davonrennt, werden im Vordergrund haufenweise Bienen gezeigt, die über die Leinwand wie Schneegestöber herumwirbeln. Dazu ein verstärkendes Summen auf der Tonspur und ein paar aufgeklebte Plastikattrappen auf dem Körper des Schauspielers – fertig ist die recht lächerlich wirkende Attacke.

Ralph und Mary Hargrove haben einander nicht mehr viel zu sagen

Dabei hatte es doch ganz gut begonnen: Beim ersten menschlichen Opfer wurden zusätzlich Archivaufnahmen von Bienen eingefügt, die auf der Haut umherkrabbeln und wirklich zustechen. Hätte man mehr dieser Szenen in die folgenden Angriffe hinzugefügt, hätten diese auch wesentlich bedrohlicher, weil für den Zuschauer spürbar schmerzhafter, gewirkt. Denn wer schaut schon gern dabei zu, wie ein Bienenstachel im Fleisch stecken bleibt?

Die Honigfalle

Auch die Genrebezeichnung „Tierhorror“ erscheint nicht ganz passend, denn hier liegen die Bienenattacken nicht in einer „Rache der Natur“ begründet. Die Insekten werden vielmehr fremdgesteuert und nur vom Menschen als Mordinstrument eingesetzt – was aber auch an der Vorlage liegt: Der Film basiert auf dem Kriminalroman „A Taste for Honey“ (1941) von Henry F. Heard, erster Teil einer Trilogie um einen Detektiv namens Mr. Mycroft. Und so folgt auch „Die tödlichen Bienen“ eher dem Muster eines typischen Whodunit, bei der Sängerin Vicki als Ermittlerin fungiert und viele falsche Fährten gelegt werden – wobei die Auswahl der Verdächtigen bei der geringen Darstellerzahl doch recht klein ausfällt. Die Romanvorlage, die in Deutschland unter dem Titel „Die Honigfalle“ erschien, wurde schon 1955 in der ABC-Reihe „The Elgin Hour“ als „The Sting of Death“ fürs TV verfilmt. Ironischerweise spielte damals Boris Karloff die Hauptrolle.

Tödliche Bienenstiche

Die Frage bleibt hypothetisch, wie heftig „Die tödlichen Bienen“ gestochen hätten, wenn das Drehbuch von Bloch nicht umgeschrieben worden wäre. So bleibt der Film hinter seinen Erwartungen zurück, die der reißerische Titel unter Tierhorror-Fans schürt. Trotz genannter Ärgernisse und der Behäbigkeit der Inszenierung, kann der Horrorthriller aber dennoch durchaus unterhalten, was vor allem an den soliden Darstellerleistungen liegt. Für Amicus-Fans ist er sowieso Pflichtprogramm, weil sich das Studio hier auch mal außerhalb seiner bekannten Anthologie-Filme bewegte.

Vicki und Manfred nehmen die Bienen genauer unter die Lupe

Wer übrigens zu Beginn im Filmstudio genau hinschaut, kann einen zur damaligen Zeit noch nicht so bekannten Gaststar entdecken: Die Band, die vor Vicki auf der Bühne steht, heißt The Birds – an der Gitarre klimpert ein gewisser Ron Wood, der 1975 zu den Rolling Stones stoßen sollte. Im Bonusmaterial der wie üblich qualitativ hochwertigen Veröffentlichung von Wicked-Vision Media, begeistert besonders Suzanna Leigh (1945–2017) mit einem etwa 50-minütigen Interview, in dem sie mit sehr viel Witz ihre Karriere Revue passieren lässt. Zu den Dreharbeiten zu „Die tödlichen Bienen“ berichtet Leigh unter anderem, sie sei die einzige Person am Set gewesen, die nicht von Bienen gestochen wurde – nur weil sie die Insekten zu Drehbeginn freundlich begrüßt hatte. Also, seid nett zu Bienen!

Welchen Kleingetier-Horrorfilm könnt ihr empfehlen?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Freddie Francis sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt.

Veröffentlichung: 29. März 2019 als 2-Disc Limited Collector’s Edition (Blu-ray & DVD) in drei limitierten Covervarianten (Cover A: 333 Exemplare, Cover B: 222 Exemplare, Cover C: 222 Exemplare)

Länge: 84 Min. (Blu-ray), 81 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Deadly Bees
GB 1966
Regie: Freddie Francis
Drehbuch: Robert Bloch, Anthony Marriott, nach dem Roman „A Taste for Honey“ von Henry Fitzgerald Heard
Besetzung: Suzanna Leigh, Frank Finlay, Guy Doleman, Catherine Finn, Katy Wild, Michael Ripper, John Harvey, Ron Wood
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Dr. Gerd Naumann und Dr. Rolf Giesen, „Hives of Horror“: Interview mit Produktionsmanager Ted Wallis und Requisiteur Peter Allchorne, „Monsterama“: Interview mit Suzanna Leigh, Bildergalerie, Originaltrailer, 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Dr. Rolf Giesen
Label/Vertrieb: Wicked-Vision Media

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos, Packshots & Trailer: © 2019 Wicked-Vision Media

 
 

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27 Antworten zu “Die tödlichen Bienen – Mörderische Stachel

  1. Jens

    2019/10/15 at 12:00

    Kommt drauf an, ich würde ja Hitchcocks „Die Vögel“ sagen, aber „Arac Attack“ ist natürlich auch eine coole Nummer 😀

     
  2. Sebastian

    2019/10/13 at 19:10

    Phase 4
    Ameisen- die Rache der schwarzen Königin
    Falls Frösche dazu zählen Frogs
    Slugs!
    Slithers auch wenns kein irdisches Kleingetier ist 🙂
    Squirm
    Sonst fällt mir spontan nichts mehr ein xD aber bin sicher im Nachhinein kommen mir noch einige in den Sinn

     
  3. Birgit

    2019/10/11 at 10:53

    „Das Geheimnis der fliegenden Teufel“ und den gerade erschienenen Film „The Silence“ möchte ich an dieser Stelle nennen.

     
  4. Frank Hillemann

    2019/10/05 at 14:40

    Phase IV, Tarantula, Formicula und das unfassbar schlechte Machwerk Slugs.

     
  5. Julian Conrad

    2019/10/05 at 11:47

    Tarantula mit einem jungen Clint Eastwood den man kaum erkennt.

     
  6. Silvia

    2019/10/05 at 10:58

    Mir fallen neben den genannten Filmen zusätzlich noch Argentos Phenomema ein, Die Fliege, Mimic und Candymans Fluch ein.

     
  7. Markus Tump

    2019/10/05 at 10:23

    „Squirm“ – schreiende Würmer, herrlich!

     
  8. Andreas H.

    2019/10/05 at 07:51

    Da fallen mir mehrere Filme ein. Natürlich der Klassiker „Die Vögel“, aber auch „Phase 4“ und „Mörderspinnen“ und sowie „King Kobra“ (1981)

     
  9. Hendrik

    2019/10/04 at 21:22

    Empfehlen würde ich C2 Killerinsekt. Der ist so richtig schön eklig! 😵

     
  10. Christoph Marek

    2019/10/04 at 20:05

    C2 Killerinsekt und Slugs !!!!

     
  11. DB

    2019/10/04 at 18:13

    Schon alle genannt, die ich soweit kenne..
    Als humorigen Vertreter noch „Arac Attack – Angriff der achtbeinigen Monster“.

     
    • Oliver Danker

      2019/10/06 at 07:53

      Wer’s, wie ich, etwas trashiger und augenzwinkernd mag, dem würde ich „Stung“ empfehlen.

       
  12. Thomas Hortian

    2019/10/04 at 16:59

    PHASE IV, MÖRDERSPINNEN, FEUERKÄFER und SLUGS sind meine persönlichen Favoriten.

     
  13. Rainer Pampuch

    2019/10/04 at 16:52

    Da alle wesentlichen bereits genannt wurden, fallen mir noch „Taranteln“, „The Nest“ sowie „Infestation“ ein.

     
    • twolter

      2019/10/04 at 22:39

      zu den bereits genannten pase IV, slugs, taranteln, feuerkäfer etc. fallen mir noch night Eyes und sssssnake kobra ein. als neuerer Vertreter seiner Zunft stung von 2015

       
  14. Rico Lemberger

    2019/10/04 at 16:34

    Mir fällt da nur BEN ein.

     
  15. Klaus

    2019/10/04 at 15:11

    Mein Topfavorit ist „Phase IV“ – ein Klassiker, der eindrucksvoll zeigt, wie intelligente Ameisen die Welt transformieren können und wie hilflos der Mensch dem gegenübersteht – trotz aller Technik.
    Desweiteren kann ich „Arrak Attack – Angriff der achtbeinigen Monster“ empfehlen – allerdings eher als Komödie, weniger als Gruselfilm.

     
  16. Adrian Lübke

    2019/10/04 at 13:59

    Ich persönlich mag PIRANHA 3D und ZOMBIBER. Beides absolute Trash-Unterhaltung. 🙂

     
  17. Ingo Maaßen

    2019/10/04 at 10:48

    * Der tödliche Schwarm
    * Ameisen – Die Rache der schwarzen Königin
    * Phase IV
    * Mörderspinnen

    Und noch so viele andere…..

     
  18. Thomas Oeller

    2019/10/04 at 10:15

    „Arachnophobia“ fällt mir da spontan ein

     
  19. Dirk Busch

    2019/10/04 at 09:39

    Nicht wirklich meine Genre,aber so auf Anhieb fallen mir Todesschwarm – Heuschrecken greifen an… Spinnen des Todes und Der Tödliche Schwarm ein.

     
  20. Michael Behr

    2019/10/04 at 09:36

    Mehr Spaß, als es wahrscheinlich angebracht wäre, hat mir „They Nest“ gemacht. Ansonsten natürlich der ewige Evergreen „Mörderspinnen“. Heute noch sehr effektiv.

     
  21. Lars

    2019/10/04 at 09:27

    Slugs

     
  22. Frank Warnking

    2019/10/04 at 09:19

    Marabunta – Killerameisen greifen an 🙂

     
  23. Filmschrott

    2019/10/04 at 08:42

    Ich mag ja TICKS. Hierzulanden bekannt als C2 – KILLERINSECT. Carlton Banks muss sich als Möchtegerngangster gegen mutierte Zecken zur Wehr setzen. Ein großer Spaß.

     
  24. mathiaswagner2016

    2019/10/04 at 08:32

    Snakes on a Plane!

     
  25. Jens Albers

    2019/10/04 at 08:29

    Na da würde ich doch glatt noch passend dazu „Der tödliche Schwarm“ empfehlen.
    Genauso aber auch Phase 4 oder Formicular (Them!) Da kann man mal sehen wie eklig Ameisen doch sein können und wenn man es so dazu zählen mag. natürlich auch „Die Fliege“ am liebsten hier aber das Remake.

     

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