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Joker – Send In The Clowns

08 Okt

Joker

Kinostart: 10. Oktober 2019

Von Florian Schneider

Krimidrama // Gotham City im Jahr 1981: Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) schlägt sich als Mietclown mehr schlecht als recht durch die marode und von Rezession und Gewalt geprägte Metropole. Der psychisch gestörte – beispielsweise muss er unter Stress zwanghaft lachen – und ziemlich abgemagerte Fleck fristet ein tristes Dasein. Nach der Arbeit streift er einsam umher, oder er verbringt die Abende gemeinsam mit seiner pflegebedürftigen Mutter Penny (Frances Conroy) vor dem Fernseher. Dann schauen die beiden sich häufig die Talk-Show des erfolgreichen Moderators Murray Franklins (Robert De Niro) an.

Arthur Fleck hat erheblichen Leidensdruck

Arthur träumt davon, ein erfolgreicher Komiker zu werden und in Franklins Show aufzutreten – sein Problem ist nur, dass er leider überhaupt nicht komisch ist. Auch die Bewerbung des schwerreichen Thomas Wayne (ja, der Vater von Bruce Wayne) um das Amt des Bürgermeisters steht im Fokus der Aufmerksamkeit der Flecks. Penny, die einst als Haushälterin auf dem Anwesen der Waynes arbeitete, schreibt ihrem ehemaligen Arbeitgeber obsessiv Briefe und vergöttert ihn als Heilsbringer für die Stadt und potenziellen Erlöser aus dem eigenen Elend.

Er lebt bei seiner pflegebedürftigen Mutter …

Als Fleck während eines Arbeitseinsatzes Opfer einer Jugendgang wird und ordentlich Prügel bezieht, schenkt ihm ein Kollege aus der Clown-Agentur zum Selbstschutz einen Revolver. Der Schuss geht leider nach hinten los, denn sowohl kostet die Waffe Arthur seine Anstellung als auch drei Yuppie-Schnösel in der U-Bahn das Leben. Als dann auch noch Arthurs Therapieeinrichtung schließen muss, Fleck nicht mehr an seine Psychopharmaka kommt und Penny nach einem Polizeiverhör einen Schlaganfall erleidet, nimmt die Genese des geprügelten Clowns zum wahnsinnigen Joker endgültig Gestalt an. Parallel dazu verfällt auch Gotham City, nicht zuletzt aufgrund des Dreifachmords in der U-Bahn, immer mehr ins Chaos. Der Pöbel rebelliert auf den Straßen und trägt dabei Clownsmasken, während Arthur Fleck die Maske fallen lässt und der Joker erscheint.

… und träumt vom Erfolg als Komödiant

Mit „Joker“ erlebt der Erzfeind Batmans nunmehr seinen dritten großen Auftritt auf der großen Leinwand, wenn auch auf völlig neue Art und Weise. Als Jack Nicholson 1989 in Tim Burtons „Batman“ dem Schurken seinen unnachahmlichen Coolness-Stempel aufdrückte und nebenbei, da an den Einspielergebnissen beteiligt, noch die Rekordgage von ca. 60 Millionen US-Dollar einstrich, lag das heutige Superheldenkino noch in seiner Wiege. Heath Ledgers geniale Darstellung des Jokers in „The Dark Knight“ (2008) bescherte diesem posthum einen Oscar und der gesamten, von Christopher Nolan („Interstellar“) inszenierten Batman-Trilogie einen Höhenflug an den Kinokassen sowie die Wiederbelebung des DC-Franchises.

In den Straßen von Gotham City herrscht Chaos

Doch wo Nolan seinen Antihelden noch in einer klassischen Superheldenwelt ansiedelte (und nebenher einen der besten Actionthriller des neuen Jahrtausends realisierte), geht Regisseur Todd Phillips („Hangover“-Reihe, „War Dogs“) einen ganz anderen Weg. Zum einen konzentriert er sich ausschließlich auf die Vorgeschichte, wodurch man erst ganz am Ende des Films einen klassischen Joker-Auftritt in seiner ganzen bösartigen Lässigkeit serviert bekommt und bis dahin dem gepeinigten Arthur Fleck beim Leiden zusehen darf. Zum anderen reduziert Phillips den gewohnten Superhelden-Action-Bombast der vergangenen Jahre auf ein Minimum. Damit wird „Joker“ beinahe zur Antithese jenes Bewegungskinos, das die Superheldenfilme seit Sam Raimis „Spider-Man“ (2002) so zu dominieren wusste.

Zeit für eine Maskerade

Es ist kein Zufall, dass man sich bei der Rezeption von „Joker“ viel stärker an das zwar aktionsbetonte, aber dennoch deutlich dramatischere Autorenkino eines Martin Scorcese erinnert fühlt als an die artverwandten Comic-Verfilmungen der vergangenen Jahrzehnte. Angesiedelt in den frühen 80er-Jahren, weisen das Setting und die Bildsprache eine frappierende Ähnlichkeit auf mit dem Bild New Yorks, wie es von Scorcese so oft gezeichnet wurde. Und natürlich ähnelt Joaquin Phoenix’ Darstellung des Arthur Fleck alias Joker viel stärker dem Auftritt von Robert De Niro als Travis Bickle in „Taxi Driver“ (1976) als den oben genannten überzeichneten Verkörperungen des Jokers durch Nicholson und Ledger.

Moderator Murray Franklins trifft auf Arthur

Der neue Weg scheint sich zumindest bei der Kritik zu bewähren. „Joker“ erhielt bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2019 einen Goldenen Löwen („Taxi Driver“ übrigens 1976 die Goldene Palme in Cannes). Und auch Joaquin Phoenix darf sich nach inzwischen drei Oscar-Nominierungen sicherlich erneut Hoffnungen auf den wichtigsten Darstellerpreis machen. Abseits dieser Erfolge darf allerdings bezweifelt werden, ob Warner Bros. und DC Comics bei anstehenden Stand-Alone-Filmen erneut diesen Mut haben oder nicht wieder auf bewährte beziehungsweise gewohnte Actionkost zurückgreifen werden.

Doch der ist bereits zum Joker geworden …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Todd Phillips haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Joaquin Phoenix und Robert De Niro unter Schauspieler.

… und bereit, die Stadt zu erobern

Länge: 121 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Joker
KAN/USA 2019
Regie: Todd Phillips
Drehbuch: Todd Phillips, Scott Silver
Besetzung: Joaquin Phoenix, Robert De Niro, Zazie Beetz, Jolie Chan, Marc Maron, Frances Conroy, Mary Kate Malat, Shea Whigham, Bryan Callen, Brett Cullen, Douglas Hodge, Bill Camp, Dante Pereira-Olson
Verleih: Warner Bros. Entertainment GmbH

Copyright 2019 by Florian Schneider

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Warner Bros. Entertainment Inc. All rights reserved. TM & © DC Comics, Szenenfotos: Niko Tavernise

 

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