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Parasite – Wenn sich Arm bei Reich einschleicht

14 Okt

Gisaengchung

Kinostart: 17. Oktober 2019

Von Florian Schneider

Tragikomödie // Die vierköpfige Familie Kim lebt arm und planlos in einem Kellerloch. Durch die Decke und die Wände tropft der Regen, Betrunkene pinkeln an die Hauswand und Besserung ist nicht in Sicht. Doch dann erfährt Gi-u (Choi Woo-sik), der Sohn der Familie, von einer freien Stelle als Hauslehrer bei der schwer reichen Familie Park. Er bewirbt sich um die Stelle und wird sowohl von der Hausherrin (Jo Yeo-jeong) als auch von der minderjährigen Tochter, die Gi-u unterrichten soll, ins Herz geschlossen.

Familie Kim lebt unter ärmlichen Verhältnissen in einem Kellerloch

Einmal im Haus Fuß gefasst, macht sich Familie Kim ans Werk und infiltriert wie ein Parasit die noble Wohnstätte. Unter falschen Identitäten übernehmen die Familienmitglieder alle Aufgaben bei den Parks. Neben der Stelle des Nachhilfelehrers also auch die Funktionen Kunstlehrerin, Chauffeur und Haushälterin. Dass dafür einige der bereits bei der Familie angestellten Dienstboten auf kreative Weise entsorgt werden müssen, stellt für die clevere Familienbande kein größeres Problem dar. Doch als sich die Kims so richtig schön eingenistet haben und die soziale Leiter nach oben zu steigen beginnen, laufen die Dinge aus dem Ruder.

Familie Park hingegen lebt in der schönen Villa …

Regisseur Bong Joon-ho, bekannt für Filme wie „The Host“ (2006) und „Snowpiercer“ (2013) ist mit „Parasite“ ein wahres filmisches Juwel gelungen. Dessen Brillanz offenbarte sich bereits dem Publikum zahlreicher Festivals, was einige Preise untermauern. Höhepunkt hierbei ist sicherlich der Gewinn der Goldenen Palme bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes. Der Filmkritikerin der „Frankfurter Rundschau“ zufolge stellte „Parasite“ an der Croisette sogar Quentin Tarantinos „Once Upon a Time in Hollywoodmühelos in den Schatten. Obendrein wird das Werk für Südkorea bei den Oscar-Verleihungen 2020 als bester fremdsprachiger Film ins Rennen gehen.

… mit reichlich Bildern an den Wänden

Die Auszeichnungen erfolgen völlig zu Recht, liefert der Film doch unter dem Mantel einer tragikomischen Komödie einen entlarvenden Einblick in die soziale Schieflage des modernen Südkoreas. Der scheinbar funktionierende Gesellschaftsvertrag zwischen Arm und Reich, der, wenn auch mit reichlich Trickserei, Familie Kim ein unerwartetes Auskommen beschert und Familie Park ein bequemeres Leben bereitet, ist unter der Oberfläche ein fragiles Gebilde aus Missgunst, Neid und Verachtung.

Familie Kim feiert eher bescheiden …

Wenn sich der Unternehmer mit seiner Frau über den unangenehmen Geruch der Angestellten äußert und die Betroffenen dieser mitgehörten Erniedrigung machtlos gegenüberstehen, wird die gesellschaftliche Sollbruchstelle deutlich. Der Regisseur vermeidet sensibel die eindeutige Parteinahme oder eine klare Aussage zu der Frage, wer denn nun eigentlich der wahre Parasit sein mag – das obliegt dem Auge und Urteil des Betrachters. Ansonsten könnte man ja noch auf die Idee kommen, es sei ein filmisches Manifest aus dem koreanischen Bruderland.

… während es die Parks krachen lassen

Länge: 132 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Gisaengchung
KOR 2019
Regie: Bong Joon-ho
Drehbuch: Bong Joon-ho, Jin Won Han
Besetzung: Song Kang-ho, Lee Sun-kyun, Jo Yeo-jeong, Choi Woo-sik, Jang Hye-jin, Park So-dam, Jung Hyun-jun, Kang Echae, Jeong Esuz, Andreas Fronk
Verleih: capelight pictures / Koch Films

Copyright 2019 by Florian Schneider

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 capelight pictures / Koch Films

 

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