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Horror für Halloween (XXI): Hammer House of Horror – Die komplette Serie: Gänsehaut-Garantie

15 Okt

Hammer House of Horror

Von Andreas Eckenfels

Antholgie-Horrorserie // In den 1970er-Jahren waren die Tage der einst so glorreichen Hammer Studios gezählt. Klassischer Gothic-Horror war beim Publikum nicht mehr gefragt. Und weder der im zeitgenössischen „Swinging London“ spielende „Dracula jagt Mini-Mädchen“ (Dracula A.D. 1972, 1972) noch die Zusammenarbeit mit dem legendären Hongkong-Studio der Shaw Brothers, „Die sieben goldenen Vampire“ (The Legend of the 7 Golden Vampires, 1974), konnten den Abwärtstrend stoppen. 1979 erschien mit dem starbesetzten Hitchcock-Remake „Tödliche Botschaft“ (The Lady Vanishes) der vorerst letzte Kinofilm der Hammer Studios – Firmenchef Michael Carreras (1927–1994) musste Insolvenz anmelden.

Vom Kino ins Fernsehen

Wie Uwe Huber im Blu-ray-Mediabook von Wicked-Vision Media schreibt – übrigens handelt es sich um nahezu den gleichen Text inklusive Episodenbeschreibung, der schon der 2006er DVD-Veröffentlichung von Koch beilag – wurden die Hammer-Mitarbeiter Ray Skeggs (1934–2018) und Brian Lawrence (1920–2004) von den Schuldnern als Insolvenzverwalter eingesetzt. Mit der Anthologieserie „Hammer House of Horror“ wollten sie den traditionsreichen Namen „Hammer“ weiterleben lassen und wechselten vom Kino ins Fernsehen. Dabei gelang es ihnen, einen Deal mit dem britischen Produktionsstudio ITC auszuhandeln, welches einen Großteil der Finanzierung übernahm. So konnten Stars wie Peter Cushing, Denholm Elliott und Sian Phillips sowie erfahrene TV-Autoren wie Anthony Read („Doctor Who“) und Jeremy Burnham („Mit Schirm, Charme und Melone“) verpflichtet werden. Die Premierenfolge „Die Hexe von Woodstock-Farm“ („Witching Time“) von Don Leaver („Kein Pardon für Schutzengel“) feierte am 13. September 1980 auf dem Sender ITV ihre Erstausstrahlung im Vereinigten Königreich. Erst 1989 wurde die Serie unter dem Titel „Gefrier-Schocker“ im deutschen Fernsehen auf Sat.1 ausgestrahlt.

Von Hexen und Werwölfen

Der markerschütternde Schrei und das fiese Lachen in Verbindung mit der pompösen Titelmelodie sorgt schon im Vorspann für Gänsehaut. Bei dem darin sichtbaren altehrwürdigen Anwesen handelt es sich um das Hampden House, ein ehemaliges Mädcheninternat in Great Hampden, welches der Produktion als Hauptsitz diente. Es wäre perfekt als Kulisse für einen klassischen Hammer-Film geeignet, dennoch führt es die Seriengucker ein wenig in die Irre: Unter den 13 Episoden gibt es kein „period piece“, alle Folgen spielen im England der Moderne.

Dafür greifen die jeweils eigenständigen und in sich abgeschlossenen Geschichten klassische Horrorfiguren und -motive auf: In der Pilotfolge entdeckt Filmkomponist David (Jon Finch) eine junge Frau (Patricia Queen) in einer Scheune, die behauptet, eine Hexe zu sein. Um Voodoo geht es in „Charlie Boy“ und um dämonische Besessenheit in „Die Handlanger des Satans“. Auch das Mad-Scientist-Motiv fehlt nicht: Wissenschaftler Terence (Gary Bond) experimentiert in „Die Rache der Ungeliebten“ mit exotischen Pflanzen. Tierversuche liebt auch Peter Cushing in „Die Experimente des Mr. Blueck“ – allerdings weitet er diese auch auf Menschen aus, was Brian Cox als Ex-Knacki Chuck schmerzhaft zu spüren bekommt. In einer seiner ersten Rollen fällt der damals noch unbekannte Pierce Brosnan in „Das Vermächtnis des Falkners“ einem Serienkiller zum Opfer. Auch Kannibalen, Werwölfe und Untote tummeln sich in den jeweils knapp 54-minütigen Folgen. Im „Hammer House of Horror“ findet sich also jeder Horrorfan schnell heimisch.

Makabre Wendungen

Wie bei Anthologieserien üblich, ist die Qualität nicht immer gleichbleibend: Manche der für die damalige Zeit verhältnismäßig blutigen und freizügigen Folgen ragen heraus, manche dehnen ihre knappe Grundidee ein wenig zu sehr in die Länge. Ein Happy End gibt es selten, die Zuschauer und Zuschauerinnen werden meist dank einer makabren Wendung mit einem unwohlen Gefühl entlassen. An den 80er-Look und die mitunter etwas behäbig wirkende Inszenierung muss man sich etwas gewöhnen – besonders, wenn man nur noch das Tempo aktueller Streamingserien zum Vergleich hat. Dennoch: Für Hammer-Fans ist die Serie sowieso ein Muss und auch bei allen anderen Horrorliebhabern wird bei den 13 „Gefrier-Schockern“ garantiert der eine oder andere Schauer über den Rücken laufen. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass einige Folgen nicht komplett synchronisiert auf den drei Blu-rays vorliegen. Hier wird dann kurz in den englischen Originalton gewechselt.

Hammers Aufstieg und Fall in Spielfilmlänge

Neben der kompletten Serie in Top-HD-Qualität bietet das beim Label nur noch in Restbeständen verfügbare Mediabook von Wicked-Vision Media einen weiteren Kaufanreiz: Die großartige 156-minütige Dokumentation „Flesh & Blood – The Hammer Heritage of Horror“ (1994) von Ted Newsom in der erweiterten Fassung als Deutschland-Premiere. Hier erfahren Interessierte alles Wissenswerte über den Aufstieg und Fall des legendären Studios. Dabei kommen zahlreiche ehemalige Cast- und Crewmitglieder zu Wort, zudem fungieren Peter Cushing und Christopher Lee als Erzähler. Die erweitere Fassung wurde 2018 in Großbritannien auf DVD veröffentlicht, die unter anderem ein Kapitel über das Comeback des Studios mit Filmen wie „The Resident“ (2011) hinzufügt. Übrigens eröffnete die aktuellste Hammer-Produktion „The Lodge“ von den „Ich seh, ich seh“-Machern Veronika Franz und Severin Fiala 2019 das Fantasy Filmfest.

Wer danach noch Horror-Nachschub benötigt, dem sei die Nachfolgeserie „Vorsicht, Hochspannung!“ („Hammer House of Mystery and Suspense“, 1984) empfohlen, die Pidax Film auf DVD veröffentlicht hat. Nach dieser schlossen sich allerdings endgültig die Türen von Hammer – bis das Studio einige Jahre später wie oben erwähnt von den Toten auferstand.

01. Die Hexe von Woodstock-Farm (Witching Time)
02. Die Dinner-Party (The Thirteenth Reunion)
03. Alptraum ohne Ende (Rude Awakening)
04. Die Rache der Ungeliebten (Growing Pains)
05. Das Haus des Grauens (The House That Bled to Death)
06. Charlie Boy (Charlie Boy)
07. Das Experiment des Mr. Blueck (The Silent Scream)
08. Kinder des Vollmonds (Children of the Full Moon)
09. Das Vermächtnis des Falkners (Carpathian Eagle)
10. Der Wächter des Höllenschlundes (Guardian oft he Abyss)
11. Besucher aus dem Jenseits (Visitor from the Grave)
12. Die zwei Gesichter des Bösen (The Two Faces of Evil)
13. Die Handlanger des Satans (The Mark of Satan)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Pierce Brosnan und Peter Cushing haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Veröffentlichung: 14. Dezember 2018 als 3-Disc Collector’s Edition im limitierten Mediabook (3 Blu-rays), 15. Mai 2015 als 4-DVD-Set, 15. September 2006 als 4-DVD-Digipack

Länge: 702 Min. (Blu-ray), 666 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Hammer House of Horror
Alternativtitel: Gefrier-Schocker
GB 1980
Regie: Peter Sasdy, Don Leaver, Alan Gibson u.a.
Drehbuch: Bernie Cooper, Francis Megahy, Don Shaw u.a.
Besetzung: Peter Cushing, Nicholas Ball, Denholm Elliott, Anna Calder-Marshall, Denholm Elliott, Sian Phillips, Christopher Cazenove, Julia Foster, Pierce Brosnan, Barbara Kellerman, Brian Cox
Zusatzmaterial: Mediabook: 24-seitiges Booklet mit einem Text von Uwe Huber, Episode 10 „Der Wächter des Höllenschlunds“ als Widescreen-Fassung, Einblender für Werbepausen, „Albtraum ohne Erwachen“ – Archivmaterial, Bildergalerien, Dokumentation „Flesh & Blood – The Hammer Heritage of Horror“ – Extended-Version (ca. 156 min.), DVD 2006: 24-seitiges Booklet mit einem Text von Uwe Huber, Bildergalerie
Label/Vertrieb: Wicked-Vision Media
Label 2015: Pidax Film (Vertrieb: Al!ve AG)
Label/Vertrieb 2006: Koch Media

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

 

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