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Horror für Halloween (XXII): Comtesse des Grauens – Blutgräfin braucht junges Gemüse

16 Okt

Countess Dracula

Von Volker Schönenberger

Horror // Die ungarische Gräfin Elisabeth Báthory soll junge Frauen auf ihre Burg gelockt und dort nackt zu Tode gefoltert haben. Der Legende nach hat sie sogar in deren Blut gebadet, um sich jung und attraktiv zu erhalten. Die Zahl ihrer Opfer schwankt je nach Quelle zwischen niedrig zweistellig und üppig dreistellig. Welche der ihr zur Last gelegten Exzesse die Dame tatsächlich verübt hat, mag schwer zu ergründen sein, Fakt ist: Sie wurde 1611 als Serienmörderin verurteilt und verbrachte die letzten Jahre ihres Lebens bis zu ihrem Tod als Mittfünfzigerin im August 1614 als Gefangene auf ihrer eigenen Burg. Die auch als Blutgräfin in die Geschichte eingegangene Adlige inspirierte viele Kulturschaffende, ob in Literatur, Videospielen oder anderen Bereichen. Im düsteren Metal finden sich zahlreiche Verweise auf Elisabeth Báthory, etwa der Song „Countess Bathory“ auf dem Album „Black Metal“ von Venom. Die englische Black-Metal-Formation Cradle of Filth widmete der Dame gleich ein ganzes Album: „Cruelty and the Beast“. Weitere Beispiele: „Beauty Through Order“ von Slayer, „Elizabeth“ von Ghost sowie „Woman of Dark Desires“ von Bathory, deren Name ja schon an sie erinnert.

Kann Gräfin Elisabeth in junger Gestalt das Herz von Leutnant Imre Toth gewinnen?

Wenig verwunderlich, dass die Blutgräfin wiederholt in der Filmgeschichte verewigt wurde, etwa 2008 in „Die Gräfin“ von und mit Julie Delpy sowie mit Daniel Brühl. Die Vampirin in „Fright Night 2 – Frisches Blut“ (2013) ist klar erkennbar an Elisabeth Báthory angelehnt, auch in „Blut an den Lippen“ (1971) von Harry Kümel tritt sie in Erscheinung, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Der Jungbrunnen Jungfrauenblut

In „Comtesse des Grauens“ aus dem Hause Hammer Films trägt die Gräfin den Namen Elisabeth Nadasdy (Ingrid Pitt). Nach dem Tod ihres Gatten muss sie es hinnehmen, seine Ländereien mit der gemeinsamen Tochter Ilona (Lesley-Anne Down) zu teilen – so hat ihr Gemahl es testamentarisch verfügt. Durch einen Zufall entdeckt die gealterte Gräfin, dass das Blut junger Frauen ihren Teint enorm verjüngt, sie gar zu der blühenden Schönheit werden lässt, die sie einst war. Ihr Untergebener und treu ergebener Hauptmann Dobi (Nigel Green) führt ihr daher Jungfrauen zu, in deren Blut sie badet. Fatalerweise verflüchtigt sich die Wirkung schnell, lässt die Gräfin sogar schneller altern. Das behindert verständlicherweise ihre romantischen Avancen gegenüber dem Husarenleutnant Imre Toth (Sandor Elès). Der Strom jungen Blutes muss somit schneller fließen …

Der Fund einer blutarmen Frauenleiche versetzt das Volk in Angst

Gräfin Dracula, wie der Originaltitel „Countess Dracula“ andeutet, bekommen wir nicht zu sehen, bei der Gräfin handelt es sich keineswegs um eine blutsaugende Vampirin. Die Verbindung zwischen Gräfin Bathory und dem von Bram Stoker ersonnenen Vampirfürsten liegt aber zugegebenermaßen nahe und ist auch wiederholt hergestellt worden. Ob Stoker aus Berichten über die Blutgräfin Inspiration für seinen Roman gezogen hat, ist nicht belegt und kann daher dahingestellt bleiben.

Etwas mehr Blut hätte Gesicht gehabt

Mehr Blut! Nicht nur die Gräfin benötigt es dringend, auch „Comtesse des Grauens“ hätten ein paar Liter mehr davon gut zu Gesicht gestanden. Angesichts des sich um sexuelle Anziehungskraft drehenden Themas hätte ich mir auch noch etwas mehr nackte Haut gewünscht, zumal der Film 1970 gedreht wurde, die Freizügigkeit mithin gut vertragen hätte. Aber vielleicht geht da auch nur der Voyeur in mir durch, ein paar ausladende Dekolletés und sogar etwas mehr bekommen wir dann doch zu sehen. Und die Kostüme bieten natürlich ebenfalls etwas fürs Auge, desgleichen die Studiokulissen. Dass sich einige der Figuren nicht immer logisch oder clever verhalten – geschenkt.

Der Alterungsprozess schreitet immer schneller voran

Die 1937 in Warschau geborene und 2010 in London gestorbene Ingrid Pitt verleiht ihrer skrupellos selbstsüchtigen Figur ein bösartiges Charisma, und Menschenleben bedeuten ihr nichts, sind sie niederen Standes, sowieso nicht. Nicht alle ihre schauspielerischen Mitstreiter halten Pitts Niveau. Als gealterte Gräfin hat sie keine Hemmungen, sich hässlich zu zeigen. Andere mögen das Mut zur Hässlichkeit nennen, aber das sollte bei einer Schauspielerin keinen Mut erfordern. Ein Jahr zuvor hatte Pitt bereits im Hammer-Film „Gruft der Vampire“ mitgewirkt. In ihrer Filmografie finden sich Rollen in „Totentanz der Vampire“ (1971) und „The Wicker Man“ (1973) sowie in Actionfilmen wie „Agenten sterben einsam“ (1968) und „Das Kommando“ (1982). In „Doktor Schiwago“ (1965) hat sie einen Komparsen-Auftritt.

Peter Sasdy dreimal für Hammer auf dem Regiestuhl

Regisseur Peter Sasdy hatte ein Jahr zuvor für Hammer „Wie schmeckt das Blut von Dracula?“ inszeniert. Kurz nach „Comtesse des Grauens“ drehte er „Hände voller Blut“.

Junges Blut muss her

Das Mediabook von Anolis Entertainment lässt einmal mehr keine Wünsche offen. Bild- und Tonqualität genügen hohen Ansprüchen, für Fans von Audiokommentaren finden sich gleich zwei davon, ein eigens produzierter sowie einer von 2006 unter anderem mit Hauptdarstellerin Ingrid Pitt. Auch das schmucke Booklet mit zwei Texten von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad rechtfertigt die Anschaffung des Mediabooks, das bereits eine Weile nicht mehr im regulären Handel lieferbar ist, sich auf dem Sammlermarkt aber immerhin zu einigermaßen akzeptablen Preisen findet. „Comtesse des Grauens“ hält nicht ganz das Niveau von Hammer-Großtaten wie „Dracula“ (1958), „Der Fluch von Siniestro“ (1961) und „Nächte des Grauens“ (1966), aber das sind auch hohe Messlatten. In der weniger hoch gehandelten 70er-Jahre-Spätphase des Studios hält sich der Horrorfilm wacker.

Die Anolis-Entertainment-Reihe mit Produktionen von Hammer Films haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ingrid Pitt sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen zu finden.

Hauptmann Dobi ist seiner Gräfin treu ergeben

Veröffentlichung: 28. August 2015 als DVD in kleiner Hartbox (zwei Covervarianten à 222 Exemplare), 17. Dezember 2014 als Blu-ray im limitierten Mediabook und Blu-ray, 17. März 2005 als DVD

Länge: 93 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Countess Dracula
GB 1971
Regie: Peter Sasdy
Drehbuch: Jeremy Paul
Besetzung: Ingrid Pitt, Nigel Green, Sandor Elès, Maurice Denham, Patience Collier, Peter Jeffrey, Lesley-Anne Down, Leon Lissek, Jessie Evans, Andrea Lawrence, Susa Brodrick, Ian Trigger
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Ivo Scheloske, Audiokommentar mit Ingrid Pitt , Stephen Jones und Kim Newman (2006), Interview mit Peter Sasdy (2013), Interview mit Ingrid Pitt (1994), Trailer, deutsche Titelsequenz, deutscher Werberatschlag, US Pressbook, Hammer Christmas Folder, Rank Folder, Bildergalerie, nur Mediabook: 24-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad
Label/Vertrieb Blu-ray: Anolis Entertainment GmbH
Label/Vertrieb DVD: Anolis Entertainment GmbH / EMS GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & 2er-Packshot: © 2014 Anolis Entertainment

 
 

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2 Antworten zu “Horror für Halloween (XXII): Comtesse des Grauens – Blutgräfin braucht junges Gemüse

  1. Stepnwolf

    2019/10/18 at 18:00

    Da hab ich doch im Zuge des #Horrorctober zuletzt den erwähnten „Gruft der Vampire“ mit Ingrid Pitt gesehen. Darin gibt es auch wenig Blut und ein paar tiefblickende Dekolletés. 😉

     

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