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Terminator – Dark Fate: Gebt dem Fan, was der Fan will

23 Okt

Terminator – Dark Fate

Kinostart: 24. Oktober 2019

Von Volker Schönenberger

SF-Action // Erinnern wir uns: Am Ende von „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ (1991) war es Terminator T-800 (Arnold Schwarzenegger) gelungen, den weiterentwickelten T-1000 in einen Bottich mit geschmolzenem Stahl zu befördern und auf diese Weise zu vernichten. Er selbst ließ sich anschließend von Sarah Connor (Linda Hamilton) und ihrem Sohn John (Edward Furlong) ebenfalls „terminieren“, damit Skynet der in ihm verbauten Technik nicht habhaft werden kann. Mutter und Sohn fuhren alsdann in eine ungewisse Zukunft.

Ein neuer Terminator …

Das war Mitte der 1990er-Jahre. 1998 halten sich Sarah Connor und John an einem Strand in Guatemala auf, als aus heiterem Himmel erneut ein Terminator auftaucht, der frappierend einem österreichischen Bodybuilding-Champion ähnelt – diesmal aber nicht als Helfer in der Not …

… mit neuen Möglichkeiten

Moment – „Terminator 2“? Ganz recht, für „Dark Fate“ wurden „Terminator 3 – Rebellion der Maschinen“ (2003), „Terminator – Die Erlösung“ (2009) und „Terminator – Genisys“ (2015) aus dem „Terminator“-Universum ausradiert, der jüngste Beitrag dockt an die erste Fortsetzung von „Terminator“ (1984) an.

Jagdszenen in Mexiko-Stadt

Zurück zur Handlung: 22 Jahre nach den Ereignissen am guatemaltekischen Strand lernen wir Dani Ramos (Natalia Reyes) kennen, die mit ihrem Bruder Diego (Diego Boneta) in einer Kfz-Produktionsstätte in Mexiko-Stadt arbeitet. Von jetzt auf gleich gerät ihr Leben vollständig aus den Fugen: Ein Terminator (Gabriel Luna) – Modell Rev-9 – betritt in Gestalt ihres Vaters die Autofabrik und will sie ohne viel Federlesens umbringen. In letzter Sekunde erscheint Grace (Mackenzie Davis) auf der Bildfläche, rettet sie vor den mörderischen Attacken und flieht mit Dani und ihrem Bruder. Rev-9 ist ihnen allerdings dicht auf den Fersen.

Kann Grace ihm Paroli bieten?

Der geneigte „Terminator“-Kenner weiß: Der mörderische Roboter und die mit futuristischer Technik zu einer Supersoldatin gepimpte Grace kommen aus der Zukunft, und Dani wird in dieser Zukunft beim Kampf der Maschinen gegen die Menschen eine herausragende Rolle spielen, weshalb sie eliminiert werden soll. Welche Rolle das ist, will ich hier nicht verraten, obwohl es für die Ereignisse in „Terminator – Dark Fate“ keine entscheidende Bedeutung hat. Als Grace Danis Rolle in der Zukunft zu einem späteren Zeitpunkt des Geschehens enthüllt, hat das bei mir keinen besonderen Wow-Effekt hervorgerufen. Das gilt ebenso für die Erklärung, weshalb die Maschinen überhaupt wieder einen Killer-Roboter aus der Zukunft in unsere Zeit beamen – hatten Sarah und John Connor die Bedrohung doch in „T2“ abgewendet. Auch bei diesem Punkt wäre ein Spoiler keine Todsünde, da die Erklärung einzig dem Zweck dient, die neue Jagdsituation zu begründen, aber ich unterlasse das Spoilern dennoch. Nur so viel: Wenn nicht Cyberdyne und Skynet die Bedrohung darstellen, ist es eben eine andere künstliche Intelligenz, die zu dem Schluss kommt, die Menschheit sei die Wurzel allen Übels und gehöre daher ausgemerzt.

Invasion der Terminatoren

Was für „Genisys“ gilt, lässt sich auch für „Dark Fate“ konstatieren: Der Fan will bedient werden, also wird hinreichend Fanbedienung eingebaut. Das beginnt mit einer Traumsequenz, die einen Angriff etlicher Terminatoren zeigt, effektvoll inszeniert wie eine Invasionssequenz am Strand der Normandie. Dass Linda Hamiltons Sarah Connor eine tragende Rolle spielt, dürfte bekannt sein, da es allerorten verbreitet wurde und ihr Auftritt in den Trailern prominent präsentiert wird (von der Sichtung der Trailer rate ich sowieso ab). Mit der von Mackenzie Davis („Blade Runner 2049“, „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“) verkörperten Grace erhält sie eine toughe Mitstreiterin an die Seite gestellt, was einige fulminante Duelle mit Rev-9 zur Folge hat.

Vielleicht mit Unterstützung von Sarah Connor

Der neuartige Terminator verfügt wie sein Vorgänger T-1000 aus „T2“ über Gestaltwandler-Fähigkeiten und kann seine Arme als mächtige Klingen ausfahren. Wird er zerteilt, verschmelzen die Einzelteile alsbald wieder zu einer Einheit, was bei T-1000 allerdings eleganter aussah – bei Rev-9 wirkt das Ganze wie eine teerartige Klebemasse. Eine spektakuläre neue Fähigkeit verleiht ihm noch mehr Möglichkeiten als seine Vorgänger, doch sie wurde von den Drehbuchautoren und Regisseur Tim Miller nicht zu Ende gedacht, denn bei effektivem Einsatz müsste es Rev-9 viel leichter fallen, Grace und Sarah zu überwinden und Dani zu töten. Ohnehin greift und sticht mir diese an sich doch perfekte Killermaschine etwas zu häufig knapp daneben. Das ist natürlich der Tatsache geschuldet, dass der Film zu schnell vorbei wäre, wenn der Terminator sein Zielobjekt einfach abmurkst, ohne dass irgendjemand in der Lage ist, das zu verhindern. Ein Logikloch bleibt es trotzdem, ebenso wie die Überlegung, weshalb die so mächtige wie fähige künstliche Intelligenz der Zukunft nicht einfach zwei, zehn oder fünfzig weitere Terminatoren gleichzeitig auf die Jagd nach Dani geschickt hat. Die Frage konnte man sich natürlich auch schon 1984 bei T-800 und 1991 bei T-1000 stellen. Vielleicht wurden als Antwort darauf seinerzeit aber auch in einem Nebensatz unbestimmte Produktionsengpässe genannt, die mir entgangen sind. Bei Rev-9 gibt es dafür keine Erklärung.

Vom Regisseur von „Deadpool“

Der Regisseur verpasst es in seiner zweiten Kino-Regiearbeit nach „Deadpool“ (2016), dem „Terminator“-Universum neue Impulse zu geben. Vielleicht ist das ohnehin ein aussichtsloses Unterfangen, sind daran doch schon die drei Vorgänger gescheitert. Die beiden ersten Filme der Reihe thronen so dermaßen hoch über ihren Nachfolgern inklusive „Dark Fate“, dass sie letztlich für sich stehen. Ohne den Unterhaltungswert der Teile 3 bis 6 zu leugnen, bleibt doch festzuhalten, dass sie nur insofern zum Ikonenstatus der Maschinenwesen beigetragen haben, als sie Arnie in Teil 1 und 2 sowie Robert Patrick als T-1000 in „T2“ umso heller leuchten lassen. Obwohl ich zugebe, dass mir Kristanna Loken als T-X in „Terminator 3 – Rebellion der Maschinen“ und nun auch Gabriel Luna als Rev-9 recht gut gefallen haben.

Graces Mission: Danis Leben zu schützen

Zurück zur Fanbedienung, hin zu Arnie: Er ist nicht exakt der T-800 aus „Terminator“ und „T2“, sondern ein minimal modifiziertes „Model 101“, aber viel mehr will ich nicht über ihn verraten. Nur so viel: Trotz ein paar Augenzwinkereien legt Schwarzenegger seine Rolle recht ernsthaft an, und wirft sogar die nicht nur aus „Blade Runner“ bekannte Frage auf, ob künstliche Wesen eine Seele entwickeln können. Diese Interpretation des Terminators ist angetan, von einigen als albern abgekanzelt zu werden, mir hat sie ausgesprochen gut gefallen.

Der alte Terminator greift ein

I’ll be back. Den legendären Oneliner bekommen wir immerhin zu hören, wenn auch … aber lassen wir das. Hasta la vista, baby hingegen erklingt nicht, aber in einer Szene kann sich das Publikum den Satz mühelos dazudenken. Nicht die letzten Wiedererkennungswerte, die „Terminator – Dark Fate“ auffährt – für Fans gibt es viel zu entdecken.

Duell der Frachtflugzeuge

Die Action ist fulminant und over the top, wie wir es erwarten können. Zwei große Sequenzen stechen heraus: zum einen die erste Attacke von Rev-9 in der Fabrik samt anschließender Verfolgungsjagd ohne Rücksicht auf Verluste, zum anderen eine weitere Verfolgungsjagd, diesmal hoch am Himmel mit zwei großen Frachtflugzeugen, die an einem Staudamm ihr Ende findet. Glaubwürdigkeitsfanatiker werden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber für die werden derlei Szenen auch nicht gedreht. Als Armlehnenkraller und zur zeitweiligen Einstellung der Atmung taugen sie allemal.

Wer behält die Oberhand?

Wer gewaltiger Science-Fiction-Action etwas abgewinnen kann und sich mal wieder eine mächtige „Terminator“-Brise um die Nase wehen lassen will, begeht mit dem Kauf des Kinotickets keinen Fehler. Erwartet aber bitte kein visionäres Kino! Die große erzählerische wie technologische Vision haben uns 1984 „Terminator“ und 1991 „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ beschert, wofür wir Genre-Fans James Cameron auf ewig in Ehren halten werden – er findet sich übrigens unter den Produzenten von „Terminator – Dark Fate“. Einer 2017 von Cameron getätigten Aussage zufolge wird es keinen weiteren „Terminator“-Film geben, doch wir wissen ja, was angesichts von Hollywoods „Money Money Money“-Mechanismen alles möglich wird, wenn die Zeit dafür reif ist.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Arnold Schwarzenegger sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Länge: 128 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Terminator – Dark Fate
CHN/USA 2019
Regie: Tim Miller
Drehbuch: David S. Goyer, Justin Rhodes, Billy Ray
Besetzung: Arnold Schwarzenegger, Mackenzie Davis, Linda Hamilton, Natalia Reyes, Gabriel Luna, Diego Boneta, Tom Hopper, Cassandra Starr, Brett Azar, Edward Furlong
Verleih: Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Filmplakate & Szenenfotos: © 2019 Twentieth Century Fox of Germany GmbH

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2019/10/23 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Eine Antwort zu “Terminator – Dark Fate: Gebt dem Fan, was der Fan will

  1. Fatherleft

    2019/10/23 at 11:25

    Ich habe ja schon befürchtet, dass Dark Fate der „The Force Awakens“ des Terminator-Franchises wird. Irgendwie muss man ja noch etwas Geld aus dieser Killermaschine pressen.

    Der t1000 war schon in T2 das größte Logikloch überhaupt, über das man sich keine Gedanken machen durfte, um den Film unterhaltsam zu finden. Das hat mir seinerzeit schon die zweite Pressevorführung so sehr verdorben, dass ich nach der Hälfte herausgegangen bin.

    James Cameron hat schon immer versucht mit Schauwerten von seinen inhaltlichen Belanglosigkeiten abzulenken.

     

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