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Die glorreichen Reiter – Nenn mich nicht Peckinpah!

23 Nov

The Glory Guys

Von Lars Johansen

Western // Sam Peckinpah begann seine Karriere beim Fernsehen. 1958 hatte er die Idee zu der Serie „Westlich von Santa Fé“ („The Rifleman“), von der er ein paar Folgen auch selbst inszenierte und die zu einem großen Erfolg wurde. Dabei lernte er auch Arnold Laven kennen, der vor allem als Produzent arbeitete, sich aber auch als Regisseur versuchte. Irgendwann in dieser Zeit schrieb Peckinpah das Drehbuch zu „Die glorreichen Reiter“ („The Glory Guys“), in dem es relativ unverbrämt um General Custer und die berühmte Schlacht am Little Bighorn ging. Es wurde erst einmal nicht realisiert und Peckinpah wandte sich anderen Aufgaben zu. „Sacramento“ („Ride the High Country“) drehte er 1962 günstig und war damit an den Kinokassen relativ erfolgreich. Also durfte er sich 1965 an „Sierra Charriba“ („Major Dundee“) versuchen – und das geriet zum Desaster. Zwar hatte Hauptdarsteller Charlton Heston Geld zugeschossen, damit die Dreharbeiten halbwegs ordnungsgemäß beendet werden konnten, aber die Produzenten entzogen dem Regisseur den Schnitt und verwässerten die Ideen Peckinpahs bis zur Unkenntlichkeit. Vier Jahre sollte es dauern bis er mit „The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz“ („The Wild Bunch“) wieder einen Film drehen konnte, der seinen Ideen entsprach. In der Zwischenzeit wollte ihn kein Studio einsetzen. Und so wurde „The Glory Guys“ nach Peckinpahs Drehbuch von Arnold Laven („Als Jim Dolan kam“) gedreht, der aus den ganz ordentlichen Möglichkeiten einen merkwürdigen Hybriden machte, dem man ansah, dass er nicht ganz billig gewesen sein kann, der aber gleichzeitig über keinen einzigen Star verfügt, sodass er irgendwo auf dem halben Weg zu einem wirklichen Großwestern versandet.

Ich sehe was, das du nicht siehst

Es geht um Captain Demas Harrod (Tom Tryon), der mit dem Scout Sol Rogers (Harve Presnell) um die Liebe zur Witwe Lou Woddard (Senta Berger) konkurriert. Die beiden Männer sind eigentlich Freunde und werden zu einem Einsatz unter General Frederick McCabe abkommandiert, der in einen Indianerkrieg zieht. Größenwahnsinnig geworden, lässt er gegen die Befehle der Heeresleitung einen Tag zu früh und ohne Verstärkung angreifen. Fast alle Soldaten, darunter auch Rogers, kommen dabei ums Leben. Harrod und ein paar Männer unter seinem Kommando überleben, um am Ende das große Schlachtfeld mit allen Getöteten zu sehen. Die Indianer sind abgezogen.

Golden-Globe-Nominierung für den jungen James Caan

Fast zwei Stunden braucht „Die glorreichen Reiter“, um das zu erzählen. Der Western beginnt als schwaches Liebesdrama und steigert sich dann ein wenig. Wir erfahren einiges über die Ausbildung der Rekruten, darunter der junge James Caan, der für seine Rolle immerhin für den Golden Globe nominiert wurde und ein Jahr später in Howard Hawks’ „El Dorado“ seinen Durchbruch erleben sollte. Die letzte halbe Stunde ist dann richtig gut. Wir sehen nämlich nicht die ganze Schlacht, sondern nur das Vorgeplänkel der kleinen Truppe um Harrod. Das ist zupackend und hautnah inszeniert. Wenn die Überlebenden am Ende auf dem Schlachtfeld ankommen und sehen, dass alle außer ihnen tot sind, dann ist das wirklich überraschend und erschütternd. Der General, den Andrew Duggan leider nicht sehr beeindruckend spielt, ist eine typische Peckinpah-Figur, zerrissen zwischen Pflichtgefühl, Minderwertigkeitsgefühlen und Größenwahn. Unter der Regie von Laven verkommt er jedoch zu einem etwas seltsamen Zausel. Sol Rogers, der Scout, hat eine Frisur, die nach jedem Kampf schon nach Sekunden wieder so aussieht, als sei er gerade vom Friseur gekommen. Das streift die unfreiwillige Komik, auch wenn man sieht, dass die Schläge bei seiner Prügelei mit Harrod immer an den Kombattanten vorbei gehen. Senta Berger erzählt, dass ihre Rolle von Peckinpah extra für sie in das Buch geschrieben wurde. Vielleicht wirkt sie daher wie ein Fremdkörper. Es ist beinahe so, als würde sie ihre Rolle aus „Sierra Charriba“ wiederholen. In beiden Filmen ist sie eine Witwe, in die die Männer sich verlieben, aber ihre genaue Funktion für die Dramaturgie bleibt unklar, außer dass sie einen Konflikt provoziert, der aber für die Story unwichtig bleibt.

„Wo haben Sie diese Schlachtordnung gelernt?“ „In den Karl-May-Filmen.“

Die Musik von Riz Ortolani ordnet sich dem Geschehen unter. Das Einzige, was den Film über das totale Mittelmaß erhebt, ist die Kameraarbeit vom zweimaligen Oscar-Preisträger James Wong Howe, ein Veteran, der schon seit der Stummfilmzeit unterwegs war. Immer wieder gelingen ihm erstaunliche Einstellungen, und dass der Schluss so eindrücklich geraten ist, liegt ebenfalls an seiner Kameraführung. Laven inszenierte in der Folge noch ein paar Kinofilme, arbeitete dann aber nur noch für das Fernsehen, wo er gewiss besser aufgehoben war. Die typischen Peckinpah-Motive sind nur in Rudimenten vorhanden, eine eigene Handschrift gewinnt der Film an keiner Stelle. Man fragt sich unwillkürlich, wie das Ergebnis ausgesehen hätte, wenn Peckinpah selbst die Regie übernommen hätte.

In der „Edition Western Legenden“ gut aufgehoben

Die Veröffentlichung von Koch Films ist wieder einmal außerordentlich gut geworden. Das Bild wurde zwar nicht komplett digital überarbeitet, ist aber mit Ausnahme von ein paar Szenen, die wohl schon im Original mindere Qualität aufweisen, sehr ansehbar. Leider gibt es nur eine englische Untertitelspur, doch die ist immerhin hilfreich. Der Audiokommentar des deutschen Peckinpah-Experten Mike Siegel ist äußerst kompetent und auf jeden Fall hörenswert. Auch die übrigen Extras sind hochwertig, das Interview mit Senta Berger gibt gute Einblicke und das Featurette über den berühmten Kameramann James Wong Howe ist gut geworden. Auch wenn der Film nicht über sehr gutes Mittelmaß hinaus kommt, ist er doch für Peckinpah-Fans ein Muss und Westernfreunden ans Herz zu legen und in der „Edition Western Legenden“ von Koch Films gut aufgehoben. Welche Peckinpah-Filme gehören zu euren Favoriten?

Die Statisten drehen zur Mittagspause ab

Die „Edition Western Legenden“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Sam Peckinpah haben wir unter Regisseure aufgelistet, Filme mit James Caan in der Rubrik Schauspieler.

Wasserspiele

Veröffentlichung: 14. November 2019 als Blu-ray und DVD

Länge: 113 Min. (Blu-ray), 109 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Englisch
Originaltitel: The Glory Guys
USA 1965
Regie: Arnold Laven
Drehbuch: Sam Peckinpah, nach einem Roman von Hoffman Birney
Besetzung: Tom Tryon, James Caan, Senta Berger, Harve Presnell, Andrew Duggan, Slim Pickens, Peter Breck, Jeanne Cooper, Laurel Goodwin, Adam Williams, Wayne Rogers
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Filmhistoriker Mike Siegel, Featurette, Bildergalerie, Booklet
Label/Vertrieb: Koch Films

Copyright 2019 by Lars Johansen
Szenenfotos & Packshot: © 2019 Koch Films

 
 

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18 Antworten zu “Die glorreichen Reiter – Nenn mich nicht Peckinpah!

  1. Thomas Oeller

    2020/01/31 at 23:49

    „Pat Garrett jagt Billy the Kid“ und „Steiner – Das Eiserne Kreuz“

     
  2. Birgit

    2020/01/30 at 10:56

    Mir gefiel vor allem „Abgerechnet wird zum Schluss“ sehr gut, auch „The Getaway“ gehört für mich zu Peckinpahs herausragenden Filmen.

     
  3. Andreas

    2020/01/27 at 21:17

    The Wild Bunch, Steiner und The Osterman Weekend!

     
  4. Rainer Pampuch

    2020/01/27 at 01:34

    Alle ^^
    „Convoy“ ist mit 10-11 mein Erster gewesen, als ich die Super 8-Fassung sehen durfte. *_*

    Ride the High Country
    Cable Hogue

    Selbst für „Osterman Weekend“ muss ich ne Lanze brechen, weil der so für sich recht geil ist.
    Abschalten.

     
  5. Klaus

    2020/01/26 at 12:41

    Meine Favoriten sind „Die Killer-Elite“ und „Pat Garrett jagt Billy the Kid“.

     
  6. Andreas H.

    2020/01/26 at 12:04

    „Straw Dogs“ und „Steiner-Das eiserne Kreuz“ fand ich besonders gut. Dazu natürlich die Klassiker „The Wild Bunch“ und „Getaway“.

     
  7. Martin

    2020/01/26 at 08:17

    Mir hat „Steiner“ am besten gefallen von den Peckinpah Filmen. Ein guter Anti-Kriegsfilm.

     
  8. Thomas

    2020/01/25 at 14:43

    Mir hat „Getaway“ und „Wild Bunch“ recht gut gefallen, aber auch die anderen genannten Filme wie z.B. „Steiner – Das eiserne Kreuz“ und „Wer Gewalt sät“ sind sehr sehenswert!

     
  9. Michael Behr

    2020/01/24 at 17:25

    Mein Herz schlägt für „Convoy“. Nicht besonders heftig, aber immerhin, es schlägt 😉 .

     
  10. Marco Winnig

    2020/01/24 at 10:00

    The Wild Bunch.

    Für mich die klare Nummer 1

     
  11. Markus Tump

    2020/01/24 at 09:56

    „Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia“ ist sein bester Film, „The wild bunch“ sein unterhaltsamster.

     
  12. Dirk Busch

    2020/01/24 at 08:54

    Von den Peckinpah Filme die ich kenne gehören The Wild Bunch…Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia…Convoy & Pat Garrett jagt Billy the Kid zu meinen Favoriten.

     
  13. Christian Eggart

    2020/01/24 at 08:27

    Für mich ist es sein TV Project „Noon Wine“ und „Junior Bonner“.

     
  14. kultgestalt

    2020/01/24 at 08:23

    Da muss natürlich Wild Bunch genannt werden. Dazu auch Straw Dogs und Alfredo Garcia. Eigetnlich generell seine „späten“ Sachen.

     
  15. Frank Warnking

    2020/01/24 at 07:55

    Wer Gewalt sät und Die Killer-Elite 🙂

     
  16. Marco Felici

    2020/01/24 at 07:52

    Wild Brunch und getaway

     
  17. Jens

    2020/01/24 at 07:45

    Also definitiv „Steiner – Das eiserne Kreuz“ und „Wer Gewalt säht“. Sehr unterschiedliche, aber auch beides sehr gute Filme wie ich finde.

     
  18. mathiaswagner2016

    2020/01/24 at 07:33

    Tatsächlich habe ich bisher noch viel zu wenig Peckinpah-Filme gesehen. Meine Favoriten sind bisher aber eindeutig „Straw Dogs“, „Convoy“ und „Wild Bunch“.

     

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