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Hotel Mumbai – Tage des Terrors

25 Nov

Hotel Mumbai

Von Andreas Eckenfels

Thrillerdrama // In den USA hat sich der 11. September 2001 ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. In Indien ist der Tag des Terrors der 26. November 2008. Wobei dieser Tag in Mumbai nur den Beginn des Grauens darstellte. Bis die Lage endgültig unter Kontrolle war, dauerte es bis zum 29. November. Bei den Anschlägen kamen nach offiziellen Angaben 174 Menschen ums Leben, mindestens 239 wurden verletzt.

US-Tourist David wird im Taj Mahal Palace willkommen geheißen

Die zehn Täter sollen der islamistischen Terrororganisation Laschkar-e Taiba oder einer ähnlichen Gruppierung angehört haben. In Zweiergruppen führten die Männer an zwölf zentralen Orten der indischen Metropole mit vollautomatischen Gewehren, Handgranaten und Sprengstoff Anschläge aus. Dabei schossen die Attentäter wahllos auf Passanten. Abgesehen hatten sie es hauptsächlich auf westliche Touristen und Andersgläubige. Eines der Ziele war das Luxushotel Taj Mahal Palace – kurz Taj.

Fakten und Fiktion

Als Inspiration für sein Langfilmdebüt nennt Regisseur und Co-Drehbuchautor Anthony Maras die Dokumentation „Surviving Mumbai“ (2009), die erstmals eine andere Sichtweise auf die Anschläge lieferte. Sie erzählt von den persönlichen Erlebnissen der Hotelangestellten und Gäste des Taj, und man erfährt mehr über die Hintergründe der Attentäter. Und so entwickelt Maras ausgehend von dem Mikrokosmos des Hotels, in dem Hunderte von Angestellten und Gästen aus unterschiedlichen Schichten, Nationen, Religionen und Hautfarben ein- und ausgehen, einen packenden Überlebenskampf, der mit vielen, kleinen Geschichten angereichert ist, bei denen Fakten und Fiktion vermischt wurden.

Zwei bewaffnete Terroristen stürmen die Hotellobby

Unter den zahlreichen Figuren, die näher vorgestellt werden: der Sikh Arjun (Dev Patel, „Lion – Der lange Weg nach Hause“), der als Kellner im Taj arbeitet. Weil er seine Schuhe vergessen hat, wäre er am Morgen dieses verhängnisvollen Tages fast wieder nach Hause geschickt worden. In der Luxusherberge herrscht schließlich höchste Perfektion und das Motto lautet: „Der Gast ist Gott!“ Doch Arjun kann seinen Chef Oberoi (Anupam Kher) umstimmen: Er braucht den Lohn, um seine kleine Familie zu versorgen. Seine Frau ist zum zweiten Mal schwanger. Außerdem lernen wir den russischen Geschäftsmann Vasili (Jason Isaacs) näher kennen, der ebenso wie der US-Tourist David (Armie Hammer) mit seiner persischen Frau Zahra (Nazanin Boniadi) gerade beim Essen ist, als die ersten Schüsse fallen. Ihr Baby Cameron wird derweil vom australischen Kindermädchen Sally (Tilda Cobham-Hervey) in ihrer Hotelsuite gehütet. Werden sie ihren Sohn jemals wiedersehen?

Täter und Opfer

„Das Taj beschützt uns“, sollen die Menschen auf den Straßen Mumbais gerufen haben und suchten während der Angriffe im Luxushotel Unterschlupf. Doch wie uns Maras zeigt, schmuggelten sich in den Massen auch zwei der Terroristen in das Haus ein, die alsbald das Feuer eröffneten. Ihre Taten werden schonungslos gezeigt, die Flüchtenden, Hotelgäste und Angestellte wurden systematisch ermordet. Wie perfide die Attentäter vorgingen, zeigen die Szenen, wo sie auf den verschiedenen Stockwerken an die Türen klopfen und so die Menschen, die noch nicht wissen, was in dem riesigen Gebäude vor sich geht, nach draußen locken. Einige versuchen sich in ihren Zimmern zu verstecken, andere werden über die Flure gejagt. Das ist hochspannend, intensiv und teilweise schwer mitanzusehen.

Kellner Arjun auf der Flucht

Maras und sein Mit-Drehbuchautor John Collee („Master and Commander – Bis ans Ende der Welt“) erhielten die Audio-Mitschnitte der Handygespräche der zehn Terroristen und ihrer Auftraggeber, die aus Pakistan gestammt haben sollen. Diese wurden nahezu wortgetreu in den Film eingebaut. Auch durften die Filmemacher die Videos der Polizeivernehmung des einzig verhafteten Attentäters Ajmal Kasab sehen und nutzen. All das sorgt natürlich für einen hohen Grad an Realismus.

Vasili und Zarah werden bedroht

Dennoch stehen in „Hotel Mumbai“ nicht die Täter im Mittelpunkt, sondern die Opfer und ihr verzweifelter Überlebenskampf, ihr Mut und die Hilfe, die sie einander gaben. Auch mit den echten Überlebenden wurden zur Vorbereitung auf den Film Interviews geführt, Maras nimmt so deren Perspektive ein. Zwar zeigt der Regisseur besonders, welche Risiken die Taj-Mitarbeiter eingingen, um die Gäste des Hotels zu beschützen und setzt ihnen damit ein filmisches Denkmal. Aber keiner von ihnen wird zum großen Helden erhoben. Die Geschehnisse im Hotel stehen vielmehr stellvertretend für zahlreiche weitere Akte der Menschlichkeit und des Zusammenhalts, die in Mumbai in diesen Tagen des Terrors zu beobachten waren.

Ausgezeichnet

Vom Publikum des Fantasy Filmfests 2019 erhielt „Hotel Mumbai“ den „Fresh Blood“-Award, den Preis für das beste Debütwerk. Beim Palm Springs International Film Festival 2018 gewann Anthony Maras eine Auszeichnung als „bester Regisseur, den man im Auge behalten sollte“. Diese Ehrungen zeigen, dass das eindringliche Thrillerdrama des Australiers weder Zuschauer, Zuschauerinnen noch Kritiker kalt gelassen hat.

In den Straßen Mumbais regiert das Chaos

Veröffentlichung: 25. Oktober 2019 als Blu-ray und DVD

Länge: 123 Min. (Blu-ray), 118 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Hotel Mumbai
AUS/GB/USA/IND/SING 2018
Regie: Anthony Maras
Drehbuch: Anthony Maras, John Collee
Besetzung: Armie Hammer, Dev Patel, Nazanin Boniadi, Anupam Khe, Jason Isaacs, Tilda Cobham-Hervey, Vipin Sharma, Suhail Nayyar, Amandeep Singh
Zusatzmaterial: Featurettes: „Finding the True Story”, „Humanity within Tragedy”, „Real-Life Heroes”, Interview mit Armie Hammer, Dev Patel und Anthony Maras, Trailer, Trailershow
Vertrieb: Universum Film GmbH

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos, Packshot & Trailer: © 2019 Universum Film GmbH

 

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