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Attrition – Gnadenlose Jagd: Seagal salbadert spirituell

09 Dez

Attrition

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // Ein Rettungseinsatz der Special-Forces-Einheit von Axe (Steven Seagal) irgendwo im Islamischen Staat endet erfolglos, die weibliche Geisel, zu deren Befreiung das Team ausgerückt war, ist tot. Des Kämpfens und der Gewaltspirale müde, zieht sich der Elitekämpfer zurück und findet sein Seelenheil bei Buddha. In einem Dorf – vielleicht Thailand – wird er sesshaft, praktiziert dort als Heilpraktiker, Medizinmann, Hausarzt ohne Doktortitel, was auch immer. Seine Kung-Fu-Fertigkeiten praktiziert er nur noch zu spirituellen Zwecken.

Da wir uns in einem Actionfilm befinden, ist der Frieden nicht von Dauer. Der Gangsterboss Qmom (Kang Yu) aus der Lasterhöhle Mong La in Myanmar entführt die junge Tara (Ting Sue), weil sie über außergewöhnliche mystische Fähigkeiten verfüge. Axe lässt sich etwas bitten, aber weil der Vater der Gekidnappten ihn vor die Wahl stellt, entweder auf Rettungsmission zu gehen oder auf dessen andere zwei Töchter aufzupassen, entscheidet sich der Ex-Krieger für das, was er am besten kann. Tipp: Es handelt sich nicht um Babysitten.

Axe im Einsatz

Axe trommelt seine alten Mitstreiter Scarecrow (James P. Bennett), Infidel (Rudy Youngblood), Ying Ying (Kat Ingkarat) und Hollywood (Sergey Badyuk) zusammen, mit seinem Freund und Kung-Fu-Gefährten Chen (Siu-Wong Fan) bereitet sich der kleine Trupp auf die Befreiungsmission vor. Schnell kommt es zu einer ersten Begegnung mit Qmoms rechter Hand Black Claw Ma (Cha-Lee Yoon), den Axe noch aus alten Zeiten kennt.

Drehbuch von Steven Seagal

Written by Steven Seagal – diese Zeile im Vorspann lässt immerhin erwarten, dass sich der Gute als Drehbuchautor deutlich mehr Präsenz in der Story gegeben hat als das in einigen seiner jüngsten Filme der Fall war. Und so kommt es dann auch, aber ob das ein Pluspunkt ist, möge jeder Seagal-Fan oder -Hater selbst befinden. Der Actionstar, dessen beste Zeiten mit Filmen wie „Alarmstufe: Rot“ (1992) ewig zurückliegen, gefällt sich darin, über weite Strecken gepflegte Weisheiten über das Kämpfen und das Leben von sich zu geben, gelegentlich auch als Stimme aus dem Off. In Verbindung mit seiner nicht vorhandenen Mimik bringt dieses – Verzeihung – Geseiere ein paar Fremdscham-Momente mit sich. Und es geht zu Lasten der Action, was in einem Actionfilm logischerweise suboptimal ist. Das ist umso bedauerlicher, da sich die Befreiungsmission sehen lassen kann. Bis dahin ist „Attrition – Gnadenlose Jagd“ bedeutungsschwanger vor sich hin geplätschert.

Regisseur Mathieu Weschler („The Borderland“) diente offenbar eher als Erfüllungsgehilfe für Seagal, der auch als Produzent agierte und somit das Heft in der Hand hielt. Gerade die Actionsequenzen funktionieren ganz gut, und ein paar Ideen sind auch zu bemerken. Die Gewalt ist nicht von schlechten Eltern, die FSK hatte bei der Freigabe ab 16 Jahren für die Uncut-Fassung einen gnädigen Tag. Wir bekommen es allerdings nur mit CGI-Blut zu tun, aber daran sind Actionfans ja schon gewöhnt.

„Sammel die Daunen wieder ein!“

Ein paar Kuriositäten sind zu bestaunen. So erscheint die entführte Tara Meister Seagal alias Axe im Traum, und das barbusig. Das hat offenbar einen mystischen Sinn, mir blieb er allerdings verborgen. Kurz zuvor hatte Axe einem bekehrten Kämpfer, der sein Schüler werden wollte, eine denkwürdige Aufgabe erteilt: Er möge mit einem großen Sack voller Daunenfedern auf einen Berg steigen, die Daunenfedern im Wind verteilen, vom Berg herabsteigen und sie alle wieder einsammeln. Seltsam? Aber so steht’s geschrieben …

Der Ex-Elitekämpfer trifft auf Black Claw Ma

Ich war versucht, Seagals eitles Getue in diesem Text noch etwas mehr durch den Kakao zu ziehen, das hat „Attrition – Gnadenlose Jagd“ aufgrund des gelungenen Showdowns im letzten Drittel aber nicht verdient. „Attrition“ bedeutet übrigens so viel wie Zermürbungstaktik oder Materialschlacht – was das mit der Story zu tun hat, hat sich mir ebenso wenig erschlossen wie der deutsche Titelzusatz „Gnadenlose Jagd“. Insgesamt habe ich in den vergangenen Jahren schon Schlechteres gesehen. Wer Machwerke wie „China Salesman“ (2017) und „Code of Honor – Rache ist sein Gesetz“ (2016) kennt, weiß wovon ich rede. Langsam wird es aber Zeit, dass sich Putin-Buddy und Trump-Fan Seagal aus der Öffentlichkeit zurückzieht.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Steven Seagal haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 5. Dezember 2019 als Blu-ray und DVD

Länge: 85 Min. (Blu-ray), 82 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Attrition
THAI/HK/GB/USA 2018
Regie: Mathieu Weschler
Drehbuch: Steven Seagal
Besetzung: Steven Seagal, Rudy Youngblood, Siu-Wong Fan, Kat Ingkarat, Ting Sue, Vithaya Pansringarm, James P. Bennett, Ego Mikitas, Bayra Bela, Sergey Badyuk, Kang Yu, Mei Sheng Fan, Cha-Lee Yoon, Sonny Chatwiriyachai, Tanapol Chuksrida
Zusatzmaterial: Behind the Scenes, Trailer, Bildergalerie, Wendecover
Label: New KSM
Vertrieb: KSM

Copyright 2019 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshot: © 2019 New KSM / KSM

 

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