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Der Fluch – The Grudge (2004): Amerikaner gruseln sich in Tokio

08 Jan

The Grudge

Von Lucas Gröning

Horror // Der Regisseur Takashi Shimizu ist in seiner Karriere vor allem für eine große Errungenschaft bekannt: das Starten der „Ju-on“-Filmreihe. Ihren Ursprung nahm diese in Shimizus Direct-to-DVD-Veröffentlichungen „Ju-on – The Curse“ und „Ju-on – The Curse 2“ aus dem Jahr 2000, welche aufgrund ihrer hohen Popularität im Jahr 2002, ebenfalls unter Shimizus Regie, fürs Kino fortgesetzt wurden. 2003 wiederum bekam diese unter dem Titel „Ju-on – The Grudge“ bekannte Fortsetzung außerdem einen Nachfolger namens „Ju-on – The Grudge 2“ spendiert, der ebenfalls vom bewährten Regisseur inszeniert wurde. Beide Filme fanden ein breites Publikum auf dem asiatischen Markt, sodass man alsbald auch in Hollywood hellhörig wurde und den Stoff so bald wie möglich auch einem US-amerikanischen Publikum zugänglich machen wollte, wohl auch, weil man mit US-Remakes von japanischen Horrorfilmen im Stile von „The Ring“ (2002) bereits einige Erfolge feierte. Da man sich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten meist dem Untertiteln europäischer oder eben asiatischer Filme verweigert und in den USA auch keine nennenswerten Synchronisationsstrukturen existieren, musste die Geschichte für den amerikanischen Markt neu verfilmt werden. Als Regisseur fungierte einmal mehr Takashi Shimizu, der somit seinem eigenen Werk ein US-Remake angedeihen ließ: So erschien im Jahr 2004 „The Grudge“ auf der Bildfläche, der zum deutschen Kinostart Anfang März 2005 den Titel „Der Fluch – The Grudge“ verpasst bekam.

Mit Sarah Michelle Gellar und Bill Pullman

Die Neuverfilmung griff sich aus allen bis dato erschienenen „Ju-on“-Beiträgen einige der wichtigsten Aspekte heraus und versuchte, die Geschichte dieser Werke auf diese Weise in einen Film zu packen. Das amerikanische Remake spielt zwar nach wie vor rund um Tokio, womit es die gleichen Orte benutzt wie die Originalfilme, die wichtigsten Hauptpersonen wurden jedoch mit US-Darstellern besetzt. Die Protagonistin wird von Sarah Michelle Gellar verkörpert, die in „Ich weiß was du letzten Sommer getan hast“ (1997), sowie der Vampir-Serie „Buffy – Im Bann der Dämonen“ bereits Erfahrung im Horror-Genre sammelte. Einen Erfolg außerhalb des Horrors feierte sie außerdem mit ihrer Rolle in „Eiskalte Engel“ (1999). Des Weiteren ist auch Bill Pullman in einer wichtigen Rolle zu sehen, der vor allem durch seine Rolle des US-Präsidenten in Roland Emmerichs „Independence Day“ (1996) und dessen Fortsetzung Independence Day – Wiederkehr (2016) bekannt sein dürfte. Auch die Rolle des Helden in Mel Brooks’ „Star Wars“-Parodie „Spaceballs“ (1987) und die Darstellung der Hauptfigur in David Lynchs „Lost Highway“ (1997) sind prägende Rollen. Mit Wes Cravens herausragendem Zombiefilm „Die Schlange im Regenbogen“ (1988) und dem höchst amüsanten Krokodil-Schocker „Lake Placid“ (1999) hat Pullman schon vor „The Grudge“ Horror-Erfahrung gesammelt.

Ein Potpourri der Originale

Im Zentrum des Geschehens steht die junge Austauschstudentin Karen (Sarah Michelle Gellar), die für ein Auslandssemester mit ihrem Freund Doug (Jason Behr) in Tokio lebt. Karen arbeitet in der japanischen Hauptstadt für ein Institut, das sich um pflegebedürftige Menschen kümmert. Als Yoko, eine andere Pflegekraft, eines Tages nicht mehr zur Arbeit kommt, soll Karen vertretungsweise eine ihrer Kundinnen übernehmen. So kommt es, dass Karen in einen Vorort von Tokio reist und dort auf die pflegebedürftige Seniorin Emma Williams (Grace Zabriskie) trifft, die gerade erst in die neue Wohnung eingezogen ist. Karen findet eine schweigsame, aber auch verängstigt wirkende Frau vor. Die seltsame Dame ist jedoch nicht das einzig Beunruhigende im Haus, findet sich doch hinter einer mit Klebeband zugesperrten Tür ein kleiner Junge (Yuya Ozeki) mit einer Katze. Schnell stellen sich der jungen Studentin einige Fragen: Wer hat den Jungen eingesperrt? Was hat die ältere Dame damit zu tun? Welche seltsamen Dinge gehen in dem Haus vor? Karen begibt sich auf Antwortsuche und kommt den Geheimnissen des Hauses rund um einen drei Jahre alten Fluch im Lauf der Zeit immer näher.

Die Geschichte ist, wie erwähnt, eine Art Potpourri der japanischen Originale und übernimmt folglich recht viele Aspekte dieser. So spielen alle Filme in Tokio beziehungsweise in einem nicht weiter spezifizierten Vorort der Metropole. Auch die Erzählweise wurde übernommen. So haben alle Filme gemeinsam, dass sie eine Rahmenhandlung als Basis nehmen, die auf einer Gegenwartsebene spielt, während die Umstände dieser Gegenwartsebene durch Rückblenden oder Visionen der einzelnen Charaktere aufgezeigt werden. In den einzelnen Abschntten hält sich das US-Remake meist recht klar an die jeweiligen Abschnitte aus den Originalfilmen, auch wenn viele Aspekte aus Zeitgründen wegfallen mussten. Die Unterschiede finden sich hauptsächlich in der Ausgestaltung der Charaktere selbst. Da fast alle wichtigen Figuren mit US-Schauspielern besetzt wurden, musste man verschiedene Erklärungen für die vielen Amerikaner in Tokio finden. So wurde aus der Altenpflegerin Rika im japanischen Film die Austauschstudentin Karen, aus dem von einer verheiratenten Frau verehrten Grundschullehrer Shunsuke Kobayashi der Gastprofessor Peter Kirk (Bill Pullman). An manchen Stellen wirkt dies durchaus holprig, und nicht immer kann man die Entscheidung der Neubesetzungen vollständig nachvollziehen, wirklich gestört wird der Fluss des Films dadurch allerdings nur selten.

Viel Musik, wenig Horror

Weit mehr leidet „Der Fluch – The Grudge“ an einem anderen Problem: Der Film ist nicht wirklich gruselig. Das liegt wohl zum einen an der prominenten Besetzung der Hauptfiguren, liegt doch gerade in der Besetzung unbekannterer Darsteller oftmals ein wichtiger Faktor für die Immersion zahlreicher Horrorfilme. Dadurch, dass wir diese Darsteller meist nicht mit anderen Filmen in Verbindung bringen, sehen wir in ihnen deutlich mehr die Charaktere des Films als die Schauspieler dahinter – das missling bei Pullman und Gellar. Zum anderen kündigt „The Grudge“ seine schockierenden Momente allzu oft durch das Aufkommen beunruhigender Musik an, womit den meisten gruselig angedachten Szenen das Überraschungsmoment fehlt. Dadurch tut sich der Film schwer, in den richtigen Momenten Spannung aufzubauen und dem Zuschauer wirklich ein Gefühl des Unwohlseins zu vermitteln. Ein wenig mehr Ruhe, gerade in Momenten in denen die Protagonisten allein durch das verfluchte Haus schreiten, hätte hier gutgetan. Aus diesem Grund entsteht die Spannung in „The Grudge“ allenfalls durch die interessante und in Form der angesprochenen Rückblenden erzählte Geschichte. Hier schafft es der Film, die Geschehnisse aus den japanischen Vorlagen clever zu verarbeiten, zu verbinden und beim Publikum ein Bedürfnis nach Aufklärung über die Geschehnisse zu erzeugen.

Als reiner Horrofilm scheitert „Der Fluch – The Grudge“ aus den genannten Gründen, sowohl in der Kinofassung als auch im Director’s Cut, der im Gegensatz zur Version auf der großen Leinwand einige schockierendere Überraschungen parat hat. So sind einzelne brutale Szenen wenige Sekunden länger gezogen und auch einige ekligere und verstörendere Bilder mehr mutet der Director’s Cut dem Zuschauer zu, sodass unter dem Strich eine zusätzliche Laufzeit von sechs Minuten herausspringt. Hierbei handelt es sich jedoch auch um Aufnahmen, die durchaus unter den Punkt des Erwartbaren fallen und aus diesem Grund deutlich weniger schockieren, als es ursprünglich vielleicht geplant war. Eine genaue Übersicht aller Unterschiede zur Kinofassung findet sich im Schnittbericht. Albträume wird man von „The Grudge“ so oder so auch durch die zusätzlichen oder verlängerten Szenen nicht bekommen. Mit dem als DVD veröffentlichten Director’s Cut fährt man dennoch besser. Eine Blu-ray des Films ist in Deutschland bis dato nicht erschienen. Bleibt abzuwarten, ob die erneute Neuverfilmung 2020 dem Thema neue und originelle Aspekte abringen kann.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Bill Pullman haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 1. Oktober 2015 als DVD als Bestandteil von „The Grudge 1–3“ (inkl. beider Fortsetzungen), 1. September 2005 als 2-Disc Premium Edition DVD (mit Director’s Cut & Kinofassung) und DVD

Länge: 94 Min. (DVD, Director’s Cut), 88 Min. (DVD, Kinofassung)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Grudge
USA/JAP 2004
Regie: Takashi Shimizu
Drehbuch: Stephen Susco
Besetzung: Sarah Michelle Gellar, Jason Behr, Clea DuVall, William Mapother, KaDee Strickland, Grace Zabriskie, Bill Pullman, Rosa Blasi, Ted Raimi, Ryo Ishibashi, Takako Fuji, Yuya Ozeki, Yôko Maki
Zusatzmaterial: Blick hinter die Kulissen, Interviews, Darsteller-Infos, Der besondere Filmtipp
Label/Vertrieb: Constantin Film

Copyright 2020 by Lucas Gröning

Packshots: © 2005 Constantin Film

 

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