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Nocta – Sein 40. Geburtstag oder Der falsche Partygast

20 Jan

Nocta

Von Volker Schönenberger

Horror-Action // Licht über Licht. Der Gott führt zu seinem Licht, wen er will. Und der Gott führt den Menschen die Gleichnisse an. Und der Gott weiß über alle Dinge Bescheid. Dieser Ausschnitt aus dem Lichtvers des Korans leitet „Nocta“ ein, die 2019er-Produktion aus dem Hause P.S.Y.C.H.O. Productions. Die rührigen Filmemacher („Das Geheimnis der Zauberpilze“, „Der König der Kannibalen“ und andere) erfreuen sich unter Freunden des deutschen Undergrounds anhaltender Beliebtheit. Vorfreude auf „Nocta“ war in der Gemeinde somit vorhanden.

Till, Shabbi und Ernst (v. l.) trauen ihren Augen nicht

Ernst Lichtenbusch (Jim Aal) wird bald 40 Jahre alt, lebt aber in seiner eigenen, vom fanatisch katholischen Vater geprägten Welt. Freunde hat er keine, eine Freundin schon mal gar nicht. Sein Bekannter Till (Sebastian Zeglarski) überredet ihn, den Geburtstag mit einer zünftigen Fete im Keller zu begehen. Das Organisatorische übernimmt Till mit seinem muslimischen Kumpel Shabbi (Raping Ras), der sich selbst als Afrogermane bezeichnet. Auch um ausreichend Gäste will sich Till kümmern.

Nocta richtet …

Vor allem die vom Organisator in Aussicht gestellte Option, Ernst mit einem Weibe in Kontakt zu bringen, lässt den Naivling frohlocken und dem Abend in gebannter Erwartung entgegensehen. Als die Sause ihren Lauf nimmt, ist er zwar von der obskuren Musik, dem vielen Alkohol, anderen Drogen und dem exzessiven Benehmen etlicher Gäste alles andere als angetan; auch die Bekleidung speziell der weiblichen Gäste missfällt dem Guten: Die Frauen sind alle angezogen wie babylonische Huren. Aber da er sich in die holde Nocta (Resa Elstner) verguckt hat, will er wohl mal ein Auge zudrücken. Doch es kommt alles ganz anders, denn Nocta hütet ein düsteres Geheimnis und blutige Vorlieben. Bald geht es untot zu.

Blut, Gedärme, offene Wunden

Feingeister werden angesichts diverser Körperausscheidungen jeglicher Art die Nase rümpfen, aber für die haben die Regisseure – und P.S.Y.C.H.O.-Productions-Gründer – Crippler Criss, Master W „Nocta“ auch nicht gemacht. Hier wird gesplattert, dass sich die Balken biegen! Blutfontänen, Gedärme, offene Wunden noch und nöcher – handgemacht, ist ja klar. Und das sieht insgesamt gar nicht mal schlecht aus. Etwaige Unzulänglichkeiten kaschieren die beiden mit überzeugenden Licht- und Schattenwechseln, Perspektiven und dem Schnitt. Gedreht wurde größenteils – logisch – im Keller. Hoffen wir für den Eigentümer, dass er für die Wände ohnehin einen roten Anstrich in Planung hatte. Der Humor ist simpel, zotig bis an den Rand des Fäkalen und darüber hinaus gehend – ich will mir hinterher nicht vorwerfen lassen, nicht gewarnt zu haben. Ein paar schräge Gesangseinlagen verflüssigen den Ohrenschmalz.

… einiges Unheil an

Die Leistungen der Darsteller/innen und die Dialogregie hinken da erwartungsgemäß hinterher. Der Underground lebt eben von Laien, die gern mal vor die Kamera treten, sei es aus der Lust am Schauspiel oder weil der Kumpel aus der Schulzeit zum Amateurdreh bittet. Damit können all jene, die dem Underground huldigen, in aller Regel sehr gut umgehen. Und wer das nicht kann, möge diesem Segment der Filmkunst besser fernbleiben.

So hatte sich Ernst sein erstes Date nicht vorgestellt

Wer das turbulente Treiben im Keller aufmerksam verfolgt, wird mit ein paar feinen – oder groben, je nach Sichtweise – Anspielungen belohnt. Peter Jackson („Braindead“) und Ridley Scott („Alien“) lassen grüßen. Und dass zwei Nazis gehörig etwas abbekommen, bringt natürlich Sympathiepunkte. Blu-ray und DVD von „Nocta“ können über die Facebook-Seite von P.S.Y.C.H.O. Productions sowie per E-Mail an shop(at)psychoproductions.com bestellt werden. Die 90 Minuten sind reichlich gefüllt und vergehen dank temporeicher Inszenierung wie im Fluge. Längen habe ich keine zu bemängeln, das ist im Underground-Segment durchaus bemerkenswert. Natürlich ist die Gewalt repetitiv bis redundant, um es weniger bildungsbürgerlich zu beschreiben: Ein paar Mal wiederholt es sich. Aber das haben Splatterspektakel nun mal so an sich, erst recht brachiale wie dieses. Empfehlenswert! Aber was hat nun der zu Beginn thematisierte Lichtvers aus dem Koran mit dem blutrünstigen Treiben zu tun? Womöglich fällt das in die Kategorie: Seltsam? Aber so steht’s geschrieben … Wer entdeckt „Die Nacht der lebenden Texte“-Autor Marco Kraus alias Marco Grindhouse unter den Partygästen?

Die Partygäste haben sich verändert

Veröffentlichung: 23. November 2019 als Blu-ray und Doppel-DVD

Länge: 90 Min.
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: Englisch
Originaltitel: Nocta
D 2019
Regie: Crippler Criss, Master W
Drehbuch: Master W
Produktion: Crippler Criss
Visuelle Effekte: Sebastian Zeglarski
Besetzung: Resa Elstner, Jim-Aal, Sebastian Zeglarski, Raping Ras, Meta Morphosia, Marco Klammer, Jens Schütte, Marc Gore, Uwe Choroba, Marco Kraus
Zusatzmaterial: Audiokommentare, Making-of, „Im Keller des Entsaftens“, Interviews, Bloopers, Jim Aal-Spezial, Musikvideos, Trailer
Label/Vertrieb: P.S.Y.C.H.O. Productions

Copyright 2020 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshots: © 2019 P.S.Y.C.H.O. Productions

 
 

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3 Antworten zu “Nocta – Sein 40. Geburtstag oder Der falsche Partygast

  1. Gregory

    2020/01/22 at 09:54

    Hallo Volker, mir fällt es häufiger bei der Rubrik auf. „Sturmgewehr“ fällt mir ein. Es gab da schon Leute die das auch negativ in den Kommis sagten. Ich drücke es lieber positiv aus

     
  2. Gregory

    2020/01/20 at 09:20

    Ich fand den auch ganz cool für einen Amateurfilm.
    Und danke, das ihr dieses mal nicht alles blind lobt wie das manchmal bei ähnlichen Filmen war

     
    • V. Beautifulmountain

      2020/01/20 at 17:19

      Hallo Gregory,

      danke für deinen Kommentar. Magst du ein paar Filme nennen, bei denen wir deiner Ansicht nach zu blind gelobt haben? Dann prüfe ich das. Wir wollen zwar wohlwollend, aber dennoch kritisch rezensieren. Meinst du mit ähnlichen Filmen unsere Underground-Rubrik?

      Freundliche Grüße,
      Volker (Blogbetreiber)

       

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