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Diego Maradona – Der verlorene Sohn Gottes

21 Jan

Diego Maradona

Von Florian Schneider

Fußball-Doku // Es ist eine müßige Frage, ob Diego Armando Maradona Franco nun der beste oder nur einer der besten Fußballspieler aller Zeiten ist. Genauso unnütz wie der Versuch der Vermessung eines Legendenstatus anhand von Statistiken. Sicherlich haben moderne Fußballstars wie Cristiano Ronaldo und Lionel Messi bedeutend mehr Titel gewonnen, sind weitaus öfters aufgrund ihrer herausragenden fußballerischen Fähigkeiten ausgezeichnet worden, werden ebenfalls von Millionen Fans bewundert und verehrt. Letztlich jedoch bleibt ihre historische Bedeutung auf ihre sportlichen Erfolge beschränkt.

Willkommen in Neapel!

Maradonas Karriere und Leben ist hingegen gefüllt mit Dramatik, Tragik, Hysterie und Ektase – sowohl auf als auch neben dem Platz. So spielt er in der sportlich entscheidenden Phase seines Lebens eben nicht bei einem internationalen Top-Club, sondern wechselt 1984 nach zwei durchwachsenen Jahren beim FC Barcelona zur SSC Neapel, also in die süditalienische Provinz. SSC Neapel, die in der Saison 83/84 nur knapp den Abstieg in die Zweitklassigkeit verhindern konnte, mag zwar nicht Maradonas erste Wahl gewesen sein (andere Angebote lagen ihm allerdings nicht vor), dennoch wird diese Liaison in den kommenden Jahren von einem magischen Zauber erfüllt sein, an deren Ende zwei Meisterschaften sowie ein italienischer und ein europäischer Pokalsieg stehen werden.

75.000 Fans empfangen Maradona beim SSC Neapel

Maradona, 1984 bereits von 75.000 Fans neapolitanischen Fans als Messias empfangen, wird zur gottgleichen Ikone erhoben und mit zahllosen Devotionalien und Liedern (Ho visto Maradona! („Ich sah Maradona!“)) verehrt und besungen. Doch auch die Camorra, die Mafia der Region Kampanien (mit der Hauptstadt Neapel), hat längst ihre Krakenarme ausgestreckt und versorgt den Weltstar in den späten 80ern mit Kokain und Mädchen. Vorher aber noch wird Maradona mit seinem Auftritt bei der WM 1986 endgültig zum weltweit besten Fußballspieler. Bei der legendären Halbfinalpartie gegen England (2:1 für Argentinien) schießt Maradona gleich zwei Tore, die Geschichte machen. Das 1:0 erzielt er durch ein klares Handspiel und spricht später von „der Hand Gottes“. Wohingegen sein 2:0 zu Recht zum „schönsten Tor der WM-Geschichte“ und zum „WM-Tor des Jahrhunderts“ gewählt wird.

Triumph bei der WM 1986 in Mexiko

Nach dem Triumph folgt der langsame Abstieg der Ikone. Zwar gewinnt Maradona noch einmal mit der SSC Neapel die italienische Meisterschaft, fühlt sich aber dem unglaublichen Druck und der absurden Heldenverehrung längst nicht mehr gewachsen und flüchtet in die Kokainsucht. Zum dramatischen und auch grotesken Höhepunkt des Niedergangs wird die WM 1990 in Italien werden. Ausgerechnet Neapel ist Austragungsort des Halbfinales zwischen Italien und Argentinien, woraufhin Maradona die Neapolitaner zu Nicht-Italienern erklärt und zur Unterstützung seiner Mannschaft auffordert. Argentinien gewinnt im Elfmeterschießen, Maradona trifft und ist nun der am meisten gehasste Mann in Italien.

Mit Maradona feiert die SSC Neapel ihre erste Meisterschaft

Regisseur Asif Kapadia gelingt mit „Diego Maradona“ ein faszinierendes Porträt des fußballerischen Genies, das zwar ein außergewöhnliches Talent auf dem Fußballplatz war, doch dessen zweite Identität, die des Menschen Maradona, die Kontrolle verlor. Kapadia greift, wie bereits bei seinem Porträt der Rennfahrerlegende Ayrton Senna („Senna“, 2010), auf bislang unveröffentlichtes Filmmaterial zurück und erschafft daraus ein packendes Drama.

Verbindungen zur Camorra bringen Maradona in die Klemme

Der Dokumentarfilmer ist für seine Amy-Winehouse-Doku „Amy“ (2015) vielfach prämiert worden, darunter mit dem Oscar und dem britischen Filmpreis ( BAFTA) für den besten Dokumentarfilm und einem Grammy für den besten Musikfilm. Auch die erwähnte Doku „Senna“ über die Formel-1-Ikone erhielt zahlreiche Preise. Wer ist euer Lieblingsfußballer? Und welche Sportdokus könnt ihr empfehlen?

Regisseur Asif Kapadia mit dem gealterten Weltstar

Veröffentlichung: 15. November 2019 als Blu-ray und DVD

Länge: 130 Min. (Blu-ray), 125 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Originalsprachen (Englisch, Italienisch, Spanisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Diego Maradona
GB 2019
Regie: Asif Kapadia
Mitwirkende (Archivmaterial): Diego Maradona, Pelé, Claudia Villafañe, Dalma Maradona, Diego Maradona Jr., Jorge Burruchaga, Cristiana Sinagra, Fernando Signorini, Gianinna Maradona, Diego Maradona Sr., Alberto Bigon, Italo Cucci, Daniel Hadad, Roque Villafañe
Zusatzmaterial: keine Angabe
Label/Vertrieb: DCM

Copyright 2020 by Florian Schneider

Szenenfotos, Packshot & Trailer: © 2019 DCM

 
 

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14 Antworten zu “Diego Maradona – Der verlorene Sohn Gottes

  1. Mohrli

    2020/02/17 at 10:01

    Fußballer: für alle Zeiten „mighty mouse“ Keegan, aktuell: Neymar, wenn er sich doch bloß auf Fußball konzentrieren würde.
    Doku: Il Lombardia (Radsport-Doku)

     
  2. Michael Behr

    2020/02/15 at 12:42

    Der Lieblingsfußballer ist gar nicht so einfach. Als (Achtung, Outing) Königsblauer würde ich hier Jiri Nemec nennen, der immer unaufgeregt und unspektakulär einen richtig guten Job erledigt und vor allem abseits des Platzes stets darauf verzichtet hat, sich in irgendeiner Form zu produzieren. Wenn ich die Vereinsbrille absetze, nenne ich Miro Klose.

    An Sportdokumentationen sind mir noch gar nicht so viele vor die Pupille gekommen, die mich wirklich fesseln konnten. Das „Sommermärchen“ war damals allerdings durchaus interessant. Und ich freue mich schon auf die Dokusoap rund um die aktuellen Geschehnisse bei Hertha BSC. Bald auf einem Streamingdienst Ihres Vertrauens 😉 .

     
  3. Thomas Oeller

    2020/02/14 at 22:17

    Lieblingsfußballer: aktuell Thomas Müller, gesamt Franz Beckenbauer (auch wenn ich eigentlich Markus Babbel sagen müsste, da Babbel wegen angeblicher Ähnlichkeit mein Spitzname in der Mannschaft war)
    Sportdoku: Rumble in the Jungle

     
  4. darthoedel

    2020/02/14 at 21:46

    Lothar Matthäus – auf dem Platz eine Legende! Und „Der perfekte Wurf“ über Nowitzki ist absolut sehenswert.

     
  5. Björn 8 Kramer

    2020/02/14 at 13:49

    beste doku: die besten frauen der welt
    lieblingsfussballer: lukas podolski

     
  6. Wulf

    2020/02/14 at 13:12

    als kleiner Junge war das damals defnitiv Kevin Keegan. ich wollte immer genauso ‚groß‘ werden wie er – also 167 cm. Es ist zum Glück anders gekommen 🙂

    sport Doku:
    Da fällt mir sofort „Der perfekte Wurf“ über Dirk Nowitzki ein. Ein super Film über einen großartigen Sportler.
    Sonst „Global Metal“- Metal Sport vom Feinsten :-)))

     
  7. Remco Berents

    2020/02/14 at 10:59

    1. Um ehrlich zu sein, fand ich Maradona immer faszinierend!
    2. Deutschland ein Sommermärchen

     
    • V. Beautifulmountain

      2020/02/14 at 11:31

      Für eine Maradona-Nennung muss man sich meiner Ansicht nach nicht schämen. Bei Weltmeisterschaften finde ich ihn auf der Tribüne zwar oft peinlich, aber er war nun mal ein begnadeter Fußballer, vielleicht der beste (sofern es überhaupt möglich ist, das festzustellen). Und natürlich bei allen Erfolgen auch eine tragische Gestalt, weshalb er sich für eine Doku prädestiniert hat.

       
  8. otto

    2020/02/14 at 09:33

    Mein ewiger Held ist Horst Hrubesch.
    – Red Army
    – Fussball vom anderen Stern (Cosmos New York)
    – Nowitzki – Der perfekte Wurf
    – Klitschko
    – Die Muhammad Ali Story (6-Teiler)
    – Senna
    – Die Schiedrichter (Referees at Work)
    – Projekt Gold (Handball WM)
    – Profis (Ein Jahr mit Breitner und Hoeness)
    – When we were Kings (Ali – Foreman)
    – The Class of 92 (Manchester United)
    – Gib mich die Kirsche (Anfänge der Bundesliga)
    – Trainer!
    – Tom meets Zizou
    – Foreman

     
  9. Christoph

    2020/02/14 at 09:30

    Lieblingsfußballer: Socrates
    Sportdoku: Rebellen am Ball

     
  10. Christoph Leo

    2020/02/14 at 09:06

    Senna ist super

     
  11. Frank Warnking

    2020/02/14 at 09:04

    aktuell Lars Stindl von Gladbach 🙂
    All Time Star für mich ist Bastian Schweinsteiger
    Die Doku „Trainer“ war richtig interessant

     
  12. Stepnwolf

    2020/01/29 at 16:05

    Kapadia zieht seine Dokus immer wie einen Spielfilm auf. Ich mag den Stil vor allem auch, weil er nicht dieses abgedroschene ‚wir fragen Weggefährten und blenden diese während der Antwort ein‘ verwendet, sondern eben durch geschickte Montage einen stetigen Fluss von Bildern erzeugt, in die diese Antworten eingebunden werden.

     
  13. Frank Hillemann

    2020/01/28 at 17:09

    Sportdoku: Red Army über die russische Eishockey Nationalmannschaft. Fussballer: wegen Rainer Bonhof bin ich 1972 Gladbach Fan geworden. Gerd Müller weil ich auch 30 Jahre klassischer Mittelstürmer war und Gerd Müller niemals erreicht wird.

     

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