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Archiv für den Monat März 2020

In My Skin – Ein Regisseur verarbeitet seine Vergangenheit

Farming

Von Philipp Ludwig

Drama // Adewale Akinnuoye-Agbaje dürfte insbesondere den Fans der Serie „Lost“ (USA 2004–2010) noch in bester Erinnerung sein. In dieser gab er durch seine imposante körperliche Erscheinung dem mysteriösen Priester Mr. Eko ein überaus passendes Gesicht. Der britische Schauspieler mit nigerianischen Wurzeln feiert mit „In My Skin“ nun sein Regiedebüt, in dem er unter anderem seine eigene, so beeindruckende wie verstörende Lebensgeschichte filmisch verarbeitet. Dem deutschen Kinopublikum blieb das Werk allerdings vorenthalten, sodass es bei uns als Direct-to-Video-Veröffentlichung erschien.

Welche Ziele verfolgt Pflegemutter Ingrid?

Das behandelt die zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren in Großbritannien verbreitete Methode des „Farmings“. Dabei gaben zahlreiche nigerianische Eltern, die es sich leisten konnten, ihre Kinder in die Obhut britischer Pflegeeltern. Um ihnen ein vermeintlich besseres Leben zu ermöglichen, kamen so zehntausende afrikanische Kinder in Pflegefamilien unter. Eines von ihnen war der Regisseur Akinnuoye-Agbaje selbst. In seinem filmischen Erstlingswerk verarbeitet er seine persönlichen sowie die von anderen Betroffenen gehörten Kindheits- und Jugenderinnerungen nun in der fiktiven Figur des Enitan (Damson Idris, bekannt aus der „Black Mirror“-Episode „Smithereens“). Der wird als kleiner Junge von seinen Eltern (der Regisseur übernimmt hier die Rolle des eigenen Vaters) in die Obhut von Ingrid (Kate Beckinsale, „Underworld“-Reihe) gegeben, während diese sich in London ihrem Jurastudium widmen. Die umtriebige Pflegemutter aus einfachen Verhältnissen hat sich in der englischen Provinz illegal gleich eine ganze Reihe an afrikanischen Pflegekindern zugelegt. Sie pendelt dabei in ihrem undurchsichtigen Verhalten stets zwischen deren finanzieller und persönlicher Ausnutzung sowie tatsächlicher mütterlicher Zuneigung.

Nachdem Enitans Eltern ihr Studium beendet haben, geht es für ihn, gemeinsam mit seinen beiden kleinen Geschwistern, zurück in die Heimat. Der introvertierte Junge kommt mit den strengen rituellen Gepflogenheiten in Nigeria allerdings so gar nicht zurecht, sodass seine Eltern keine andere Möglichkeit sehen, als den rebellischen Sohn erst einmal wieder zurück nach England in die Obhut von Ingrid zu begeben. Doch auch hier wächst der in sich gekehrte, künstlerisch begabte Enitan weiterhin sehr isoliert auf und staut aufgrund seiner Abneigung gegenüber der eigenen Herkunft eine Menge Wut in sich. Diese entlädt sich, als er es als Jugendlicher nicht mehr ertragen kann, länger von der örtlichen Skinheadgang aufs Übelste rassistisch beschimpft und malträtiert zu werden. Beeindruckt von seinem Mut und dem Hass, der in Enitan schlummert, nimmt ihn der soziopathische Gang-Anführer Levis (John Dagleish, „Judy“) bald unter seine Fittiche. Doch ob dieser und seine Rowdytruppe tatsächlich die für Enitan lang ersehnten Freunde darstellen oder diese ihn nur zum Spaß wie ein „kleines Äffchen“ halten, bleibt fraglich. Da auch seine Pflegemutter zunehmend den Zugang zu dem stetig gewalttätigeren Sechzehnjährigen verliert, versucht schlussendlich nur noch seine ehemalige Lehrerin, die ebenfalls nigerianischstämmige Ms. Dapo (Gugu Mbatha-Raw, „Belle“), ihm zu helfen. Doch kann sie Enitans Absturz in eine Welt aus Gewalt, Hass und Kriminalität aufhalten?

Harter Tobak

Mit „In My Skin“ bietet Adewale Akinnuoye-Agbaje seinem Publikum keine leichte Kost. Nahezu durchweg begleitet den Film eine unentspannte Grundstimmung. Erleichterung oder einen Comic Relief sucht man vergebens. Gerade dies ist auch ein zentraler Kritikpunkt, den der Regisseur mit seinem Erstlingswerk liefert. Der Ernst und vor allem die rohe Gewalt und Abgestumpftheit, die zahlreichen seiner Protagonisten zugrunde liegen, vermögen den Zuschauern dann doch ein wenig zu großes Unbehagen zu bereiten. Dies mag zwar aufgrund der eigenen Erinnerungen des Filmemachers authentisch sein, wirkt mitunter aber leider doch arg überzogen. Dies betrifft vor allem die Darstellung der lokalen Skinhead-Gang, denen sich der zunächst von ihnen aufs Übelste gemobbte Enitan anschließt. Zwar wirken deren kleidungstechnische Ausstattung und der Musikgeschmack zur Skinheadsubkultur der 1980er Jahre in England passend, ihre überzeichneten Verhaltensweisen hingegen sind doch ziemlich an jedem menschlichen Sinn und Verstand vorbei inszeniert. So driften insbesondere die einfachen Bandenmitglieder mitunter ins unfreiwillig Komische ab. Es wird dadurch leider auch ein Stück weit zu offensichtlich, dass Akinnuoye-Agbaje uns metaphorisch wohl aufzeigen will, dass diejenigen, die Enitan permanent als „Affe“ bezeichnen, gerade selbst herumhüpfen, wie wir es eben diesen Tieren zutrauen. Ohne dabei den tierischen Vorbildern in einem Vergleich mit rassistischen Arschlöchern hier zu nahe treten zu wollen.

Enitan wird aufgrund seiner Hautfarbe gequält

Nun ist es natürlich immer so eine Sache, die Glaubwürdigkeit der Schilderungen eines anderen Menschen als Unbeteiligter in Frage zu stellen – die Skinhead-Subkultur wurde in anderen Werken wie beispielsweise „This Is England“ (2006) aber auch schon deutlich stimmiger und vor allem weniger überzogen dargestellt. Das größte Problem bei „In My Skin“ ist aber sowieso die Schwierigkeit, zu dessen eigener Hauptfigur echte Empathie zu entwickeln. Dabei wäre es in der grimmigen Grundstimmung des Films umso wichtiger, eine emotionale Bindung zu ihm aufzubauen. Leider gestaltet sich dies als schwieriges Unterfangen. Denn bereits nach kurzer Laufzeit wird von dem noch naiven und sensiblen Enitan im Kindesalter, zu dem man noch am ehesten einen persönlichen Zugang finden dürfte, ein Zeitsprung zum jugendlichen Protagonisten vollzogen. Dieser ist leider ab diesem Zeitpunkt zunächst nicht bloß sehr verschlossen und emotional kühl – er zeigt bereits vom Start weg großes Aggressionspotenzial. Wirklich sympathisch wirkt er dadurch nicht. Trotz allen Mitgefühls für seine aufgrund der schwierigen Kindheit bedingte Situation fiel es mir daher sehr schwer, über eine antirassistische Grundsympathie hinaus mit der zentralen Figur mitzuleiden. Trotz der mitunter unfreiwilligen Komik der Skinheaddarsteller gehen einem die rassistischen Quälereien nämlich schon sehr unter die Haut. Leider wird Enitan selbst innerhalb kürzester Zeit zu einem besonders gewalttätigen Mitglied seiner neuen Gang, wodurch eine eventuell aufkommende Sympathie ihm gegenüber schnell im Keim erstickt wird.

Trotz kleiner Schwächen: ein gelungenes Debüt

Nichtsdestotrotz liefert uns Adewale Akinnuoye-Agbaje mit „In My Skin“ einen Film über ein spannendes Thema wie das „Farming“, das bei uns in Deutschland in dieser Form nur wenigen bislang ein Begriff sein wird. Durch den weltweit zu beobachtenden Anstieg rassistischer Tendenzen hat das Werk zudem leider auch, trotz des historischen Settings, einen brandaktuellen Hintergrund. Gerade wenn es darum geht, wie die Folgen von rassistischer Hetze und ein Gefühl des Nicht-Dazu-Gehörens von den Betroffenen aufgenommen und verarbeitet werden. Der Regie-Debütant kann sich zudem auf ein hervorragendes Darstellerquartett verlassen. Vor allem den jungen Damson Idris muss man hier hervorheben, der trotz der zunächst bestehenden emotionalen Einschränkungen seiner Figur Enitan sein großes schauspielerisches Talent offenbart und dessen zunehmende innere Anspannung und Zerrissenheit mit viel Gefühl verkörpert. Ebenso überzeugt der renommierte britische Theaterdarsteller John Dagleish in einer für ihn eher ungewohnten Rolle, als gleichzeitig charismatischer und soziopathisch-brutaler Bandenführer Levis. Leider ist aber auch diese eigentlich interessant angelegte Figur in ihrer Bösartigkeit nicht immer vor einer inszenatorischen Übertreibung gefeit.

Ausgerechnet bei seinen Peinigern hofft er Zugehörigkeit gefunden zu haben

Akinnuoye-Agbaje verpackt seine eigenen Lebenserinnerungen somit in einen zumindest handwerklich top gemachten und packend inszenierten Film, der aufgrund fehlender Identifikationsfiguren für ein überzeugendes Drama emotional etwas zu steril und kühl bleibt. Für die derzeit bestehenden Einschränkungen in Bezug auf öffentliche Kinobesuche hat „In My Skin“ aber zumindest das Potenzial, im Heimkino für Abwechslung zu sorgen. Als Feel-Bad-Movie ist er in einem eventuell aufkommenden Corona-Blues allerdings eher weniger zur persönlichen Aufheiterung geeignet. An der Blu-ray ist technisch nichts auszusetzen. Sowohl Bild- und Tonqualität entsprechen den heutigen Standards. Nur die im Prinzip nichtexistenten Extras (abgesehen vom Trailer) sind dann doch ein wenig dürftig.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Kate Beckinsale haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet.

Ist Enitan noch zu retten?

Veröffentlichung: 30. Januar 2020 als Blu-ray und DVD

Länge: 107 Min. (Blu-ray), 103 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Farming
GB 2018
Regie: Adewale Akinnuoye-Agbaje
Drehbuch: Adewale Akinnuoye-Agbaje
Besetzung: Damson Idris, Kate Beckinsale, Gugu Mbatha-Raw, John Dagleish, Cosmo Jarvis, Theo Barklem-Biggs, Skye Lourie, Adewale Akinnuoye-Agbaje
Label/Vertrieb: Koch Films

Copyright 2020 by Philipp Ludwig

Szenenfotos, Packshot & Trailer: © 2020 by Koch Films

 

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Erdbeben – Wenn „The Big One“ zuschlägt

Earthquake

Von Volker Schönenberger

Katastrophen-Action // Frühmorgens joggt der Bauingenieur Stewart Graff (Charlton Heston) durch die sonnigen Straßen von Los Angeles. Daheim trainiert der Ex-Footballer noch ein wenig mit dem Expander, streitet sich derweil mit seiner Frau Remy (Ava Gardner), mit der er eine seit langer Zeit lieblose Ehe führt und die – womöglich genau deswegen – gern einen über den Durst trinkt. Als er nach einer Dusche das Haus verlassen will, bemerkt er, dass sie wie leblos auf dem Bett liegt. Eine leere Tablettendose lässt ihn vermuten, dass sie erneut eine Überdosis Pillen eingeworfen hat. Doch als ein Erdstoß das Haus erschüttert, schreckt Remy hoch und wirft sich in Panik in Stewarts Arme – sie hat den Selbstmordversuch nur vorgetäuscht. Erbost sucht er das Weite.

Remy beklagt sich bei ihrem Vater Sam Royce über ihren Ehemann

Auf dem Weg ins Büro schaut Stewart noch bei der jungen Schauspielerin – und Witwe – Denise Marshall (Geneviève Bujold) vorbei, bringt ihrem Sohn Corry (Tiger Williams) einen signierten Football; wenig später erfahren wir, dass Stewart und Denise eine Affäre haben. Remys Vater Sam Royce (Lorne Greene) ist gleichzeitig Stewarts Boss. Er bietet seinem Schwiegersohn an diesem Tag die Leitung des Unternehmens an, doch Stewart erbittet sich Bedenkzeit.

Der Supermarkt-Verkäufer als Stalker

Derweil muss sich der desillusionierte Polizist Lou Slade (George Kennedy) damit abfinden, vom Dienst suspendiert worden zu sein, weil er nach einer wilden Verfolgungsjagd außerhalb der Reviergrenzen einem Kollegen eine gepfeffert hat. Parallel bereitet der Motorradfahrer Miles Quade (Richard „Shaft“ Roundtree) mit seinem Partner Sal Amici (Gabriel Dell) eine spektakuläre Stuntshow vor. Sals vollbusige Schwester Rosa (Victoria Principal, „Dallas“) soll dabei als Blickfang dienen, zeigt sich aber nicht sonderlich erpicht auf den Job. Sie ahnt nicht, dass sie in dem Supermarkt-Verkäufer Jody Joad (Marjoe Gortner) einen Verehrer hat, mit dem sie in Kürze noch üble Erfahrungen machen wird. Jody wird nach dem morgendlichen Erdbeben als Mitglied der Nationalgarde zu seiner Einheit beordert.

„The Big One“ erschüttert Los Angeles

Die kurzen Erdstöße in der Früh hatten bereits fatale Folgen: An der Hollywood-Talsperre (dem Mulholland Dam) ertrinkt ein Aufseher bei einem Kontrollgang, als ein Aufzugschacht voll Wasser läuft. Zwei Wissenschaftler des Seismologischen Instituts Kalifornien sterben, als sie bei Untersuchungen in einem Graben aufgrund von Erdbewegungen verschüttet werden. Dann bricht das Inferno über Los Angeles herein: das große Beben.

Herausragende Tricktechnik

Beeindruckend, welche Illusionen die Tricktechnik auch in vordigitaler Zeit erzeugen konnte. Mit Miniaturen, gemalten Kulissen – sogenannte Matte Paintings – und zwecks ruckelnder Bewegungen auf Rollen montierter Sets versetzt „Erdbeben“ sein Publikum mitten in die titelgebende Naturkatastrophe. Hinzu kamen Kamera-Systeme, die selbst Schüttelbewegungen ausführten und so den Eindruck der Erdstöße verstärkten. Zahlreiche Stunts taten ihr Übriges, das Resultat ist auch fast 45 Jahre später atemraubend. Es wurde seinerzeit in den Kinos akustisch mit dem neuen, wenn auch kurzlebigen Sensurround-Verfahren verstärkt, das besonders tiefe Töne erzeugte. Nur vier weitere Filme kamen mit Sensurround-Ton in die US-Lichtspielhäuser: „Schlacht um Midway“ (1976), „Achterbahn“ (1977), „Kampfstern Galactica“ (1978) und „Mission Galactica – Angriff der Zylonen (1979). „Erdbeben“ erhielt 1975 einen Oscar für den Ton, bei der Verleihung zudem einen „Special Achievement Award“ für die visuellen Effekte. Auch in den Kategorien Kamera und Schnitt war „Erdbeben“ nominiert, unterlag dort aber dem anderen großen Katastrophenfilm des Jahrs 1974, „Flammendes Inferno“, der auch an den Kinokassen die Nase vorn hatte. In der Kategorie „Art Direction – Set Decoration“ schnappte „Der Pate 2“ beiden Filmen den Academy Award weg.

Stewart hat das Bürogebäude erreicht …

Die Beziehungen der Figuren sind spannend genug geraten, ihre Entwicklung dient aber natürlich letztlich nur dazu, auf den Höhepunkt hinzusteuern – das große Beben. Immerhin interessiert man sich ausreichend dafür, wer überlebt und wer nicht. Legendär ist natürlich der Gastauftritt von Walter Matthau als Schnapsdrossel in der Kneipe. Der Gute hat kaum Text, lallt lediglich ab und zu den Namen einer berühmten Persönlichkeit hinaus, dem er zuprostet. Im Abspann war Matthau als Walter Matuschanskayasky genannt – Auslöser des sich hartnäckig haltenden, aber falschen Gerüchts, er hieße tatsächlich so. Matthau war Mitte der 1970er-Jahre schon ein großer Star, der derlei Minirollen nicht nötig hatte; er übernahm den Part, um dem Produzenten Jennings Lang einen Gefallen zu tun, mit dem er gut befreundet war.

Langfassung fürs US-Fernsehen

Für die US-Fernsehpremiere zwei Jahre nach dem amerikanischen Kinostart wurde „Erdbeben“ um eine satte halbe Stunde verlängert. An sich für den neuen „Big Events“-Sendeplatz von NBC vorgesehen, der inklusive Werbung auf zwei Stunden angelegt war, war die Kinofassung dafür mit knapp über zwei Stunden Nettolaufzeit deutlich zu lang. Dank der Verlängerung des Films machte der Sender aus der Not eine Tugend und die als Großereignis konzipierte und beworbene Ausstrahlung zum Zweiteiler.

… und beteiligt sich daran, die Menschen abzuseilen

Dabei wurden ein paar Szenen eingebaut, die beim Schnitt der Kinofassung der Schere des Cutters zum Opfer gefallen waren, so etwa die Einleitung, in der ein Sprecher die San-Andreas-Verwerfung thematisiert. Dabei handelt es sich um eine tektonische Transformstörung, an der die Pazifische Platte auf die Nordamerikanische Platte trifft. Die San-Andreas-Verwerfung wird für die seismischen Aktivitäten und Erdbeben in Kalifornien verantwortlich gemacht, darunter auch das Erdbeben von San Francisco 1906 mit mehr als 3.000 Toten. In Kalifornien wird seit etlichen Jahrzehnten befürchtet, ein neues großes Beben werde die Katastrophe vom Beginn des 20. Jahrhunderts noch übertreffen. Wann kommt „The Big One“?

Derweil sucht Denise ihren Sohn …

Den Großteil der zusätzlichen Szenen machten allerdings neue Sequenzen aus, die ohne Mitwirkung von Regisseur Mark Robson gedreht wurden. Am auffälligsten ist ein vollständig neuer Handlungsstrang um die jungen Eheleute Kathie und Tony (Debralee Scott, Sam Chew), die sich auf dem Flug nach Los Angeles befinden. Tony hofft darauf, von Stewart Graff einen lukrativen Job angeboten zu bekommen. Kathie legt während des Flugs die Karten und erkennt nahendes Unheil. Ihr Passagierflugzeug setzt ausgerechnet während des Erdbebens zur Landung auf dem Los Angeles International Airport an. Ich hätte darauf gut verzichten können, zumal Bild und Ton der Kinofassung auf der Blu-ray im capelight-Mediabook deutlich besser sind als bei der TV-Fassung. Obendrein ist das 2.35:1-Breitbild dem 1.33:1-Fernsehformat vorzuziehen, zudem wurde der Film fürs Fernsehen minimal entschärft, also zensiert, so etwa um ein paar Schimpfwörter. Auch ein – allerdings ohnehin überaus künstlich aussehender und eher als blutiger Gag wirkender – Blutschwall am Ende einer Szene im Fahrstuhl wurde entfernt. Die genauen Unterschiede zwischen Kino- und Fernsehfassung finden sich im Schnittbericht.

… und begibt sich dabei in Lebensgefahr

Regisseur Mark Robson (1913–1978) begann seine Laufbahn unter dem Produzenten Val Lewton mit den vier bemerkenswerten Arbeiten „The Seventh Victim“ (1943), „The Ghost Ship“ (1943), „Isle of the Dead“ (1945) und „Bedlam“ (1946). Mystery-Thriller und Horror – komplett anderer Stoff als „Erdbeben“, gleichwohl außergewöhnlich und sehenswert. Für „Glut unter der Asche“ (1957) und „Die Herberge zur sechsten Glückseligkeit“ (1958) war Robson Oscar-nominiert. „Erdbeben“ war seine vorletzte Regiearbeit. Kurz nach der Fertigstellung von „Lawinenexpress“ (1979) starb er, der Actionthriller mit Lee Marvin und Robert Shaw kam posthum in die Kinos.

Mediabook von capelight pictures

capelight pictures hat das Mediabook von „Erdbeben“ mit zwei Blu-rays und einer DVD bestückt, wobei sich auf der zweiten Blu-ray die TV-Fassung befindet. Diese lediglich mit englischer Originaltonspur in Stereoton, da die zusätzlichen Szenen nie ins Deutsche synchronisiert worden sind. Deutsche Untertitel lassen sich zuschalten. Bei der Kinofassung lässt sich die englische Version sogar mit Sensurround-Ton auswählen. Wie das im Heimkino klingt, darüber kann ich mangels Surround-Anlage leider keine Auskunft erteilen – Asche auf mein Haupt. Das Bonusmaterial auf den Discs enthält drei interessante Featurettes. Im gewohnt schmuck layouteten und bebilderten Booklet findet sich ein kenntnisreicher Text zu „Erdbeben“. Darin geht der Autor zu Beginn auch auf die Erfolgswelle der 70er-Jahre-Katastrophenfilme ein, die im Gegensatz zum seit Mitte der 60er aufgekommenen New Hollywood stand. Auch wenn es langsam langweilig wird: Wie immer reckt sich der Daumen auch bei dieser capelight-Veröffentlichung steil nach oben.

Cop Lou Slade verpflichtet Stewart …

Nichts gegen den mit massiver CGI-Unterstützung entstandenen „San Andreas“ (2015) mit Dwayne Johnson – der Reißer hat mir ebenfalls Spaß gemacht. Die Erdbeben-Referenz aber bleibt – genau – „Erdbeben“.

… als Helfer

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Mark Robson haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Ava Gardner unter Schauspielerinnen, Filme mit George Kennedy, Charlton Heston und Walter Matthau in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 20. März 2020 als Limited 3-Disc Edition Mediabook (2 Blu-rays & DVD), und DVD, 4. Juli 2013 als Blu-ray, 31. Mai 2012 und 16. Juni 2003 als DVD

Länge: 152 Min. (Blu-ray, TV-Fassung), 122 Min. (Blu-ray, Kinofassung), 117 Min. (DVD, Kinofassung)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch (TV-Fassung nur Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Earthquake
USA 1974
Regie: Mark Robson
Drehbuch: George Fox, Mario Puzo
Besetzung: Charlton Heston, Ava Gardner, George Kennedy, Lorne Greene, Geneviève Bujold, Richard Roundtree, Marjoe Gortner, Barry Sullivan, Lloyd Nolan, Victoria Principal, Walter Matthau, Monica Lewis, Gabriel Dell, Pedro Armendáriz Jr., Lloyd Gough, Debralee Scott, Sam Chew, Tiger Williams
Zusatzmaterial Mediabook: 3 Featurettes: „Scoring Disaster – The Music of Earthquake“ (16:42), „Painting Disaster – The Matte Art of Albert Whitlock“ (10:36), „Sounds of Disaster – Ben Burtt Talks about Sensurround“ (11:20), alle Szenen der TV-Fassung, zusätzliche/entfallene TV-Szenen, Original Kinotrailer, Original TV-Spot, 24-seitiges Booklet
Label Mediabook: capelight pictures
Vertrieb Mediabook: Al!ve AG
Label/Vertrieb Blu-ray & DVD: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & oberer Packshot: © 2020 capelight pictures

 

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Gewinnspiel: 2 x Tag der Gesetzlosen auf Blu-ray

Verlosung

Einen überaus sehenswerten, im Schnee Wyomings angesiedelten Western brachte Regisseur Andrè de Toth 1959 in die Kinos. explosive media hat den Film kürzlich erstmals als Blu-ray und in Neuauflage als DVD veröffentlicht. Der Vertrieb Koch Films hat uns davon zwei Blu-rays zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Zwar bringt es mir Spaß, Filme unter die Leute zu bringen, weil sich die überwältigende Mehrzahl der Gewinnerinnen und Gewinner aufrichtig freut und höflich bedankt. Dennoch geht der Versand etwas ins Geld, zumal „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress). Daher: Auf völlig freiwilliger Basis darf mir jede/r Gewinner/in gern anbieten, das Porto in Höhe von 1,55 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Gebt mir das aber bitte nicht schon im Kommentar mit eurer Antwort bekannt, sondern erst im Gewinnfalle. Ich will nicht in Verdacht geraten, die Sieger danach zuzuteilen.

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu meiner Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 29. März 2020, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage im letzten Absatz des Textes.

Seid Ihr dazu nicht in der Lage, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Nur eine Teilnahme pro Haushalt. Ich behalte mir vor, Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht für den Lostopf zuzulassen oder ihnen im Gewinnfall nachträglich den Preis abzuerkennen, sofern mir Mehrfachteilnahmen unter Alias-Namen unterkommen. Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner/innen werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Gewonnen haben

– Horst Becker,
– Sascha Klein.

Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Der zweite Gewinner hat auch auf meine zweite Benachrichtigung nicht reagiert, daher habe ich neu ausgelost. Nun darf sich Matthias Klug freuen. Herzlichen Glückwunsch! Auch du wirst benachrichtigt.

Die Rezension von „Tag der Gesetzlosen“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

 

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