RSS

Tag der Gesetzlosen – Tod im Schnee Wyomings

12 Mrz

Day of the Outlaw

Von Volker Schönenberger

Western // Western im Schnee – da sticht als Referenz natürlich sogleich Sergio Corbuccis bahnbrechende Regiearbeit „Leichen pflastern seinen Weg“ (1968) mit Klaus Kinski und Jean-Louis Trintignant hervor. Aus jüngerem Datum fallen einem zügig Quentin Tarantinos „The Hateful Eight“ und „The Revenant – Der Rückkehrer“ (beide 2015) von Alejandro González Iñárritu ein, wobei erstgenannter Film fast ausschließlich in einer Hütte spielt. Einen ebenfalls reizvollen Beitrag zum Schnee-Western lieferte André De Toth („Zwischen zwei Feuern“) 1959 mit „Tag der Gesetzlosen“ ab, Originaltitel: „Day of the Outlaw“. Die vorzüglichen Schwarz-Weiß-Bilder dafür lieferte ihm Kameramann Russell Harlan („Hatari“, „Wer die Nachtigall stört“).

Wird Captain Bruhn die Operation überstehen?

Schon mit dem ersten Bild erschließt sich die ganze Faszination der verschneiten Motivlage: Zwei dick eingepackte Männer lassen ihre Pferde mühsam durch den tiefen Schnee stapfen. Die kleine Siedlung Bitters im winterlichen Wyoming steht vor einer Zerreißprobe: Der Farmer Hal Crane (Alan Marshal) hat Stacheldraht besorgt, um sein Weideland einzuzäunen und auf diese Weise vor den Rindern des Ranchers Blaise Starrett (Robert Ryan) zu schützen. Zusätzliche Dramatik bekommt die Rivalität der beiden Platzhirsche dadurch, dass Cranes Frau Helen (Tina Louise) einst mit Starrett liiert war. Helen ahnt, dass ihr an der Schusswaffe ungeübter Ehemann seinem Kontrahenten kaum gewachsen sein wird.

Ankunft der Outlaws

Die Situation der nur etwa 20 Einwohner gleicht einem Pulverfass, dessen Zündschnur durch einen Haufen Neuankömmlinge in Brand gesteckt wird: Deserteure der Unionsarmee unter ihrem Anführer Captain Jack Bruhn (Burl Ives) dringen ins Örtchen ein und bringen alle Menschen in ihre Gewalt. Zum Zeichen, dass sie es ernst meinen, erschießt einer von ihnen sogleich einen Mann. Die Outlaws haben bei einem Überfall auf eine Lohnkutsche der Armee 40.000 Dollar erbeutet. Ihnen ist eine Einheit der Kavallerie auf den Fersen. Bruhn hält seine Männer im Zaum und hindert sie mühsam daran, sich über den Alkohol und die vier Frauen im Ort herzumachen. Doch er hat bei dem Überfall eine Kugel abgekommen. Der Tierarzt Doc Langer (Dabbs Greer) soll sie ihm aus dem Leib holen.

Robert Ryan und Burl Ives im Psychoduell

Mit wie gemeißelt wirkenden Gesichtern, statischen Einstellungen und sparsam eingesetztem Score strotzt „Tag der Gesetzlosen“ nur so vor Atmosphäre und Spannung. Robert Ryan („Das dreckige Dutzend“, „Die fünf Geächteten“) und Burl Ives („Die Katze auf dem heißen Blechdach“, „Weites Land“) liefern sich ein grandioses Psychoduell auf trotz weiter Landschaft engem Raum. Zu deren überzeugender Schauspielkunst gesellen sich die Leistungen der Nebendarsteller. Genannt sei beispielhaft Elisha Cook Jr. – der im Film noir gern Schurken verkörpernde Akteur spielt den Barbier Larry Teter. Auch die Ganovenvisage von Jack Lambert bleibt gut im Gedächtnis. Der Name mag uns nicht gleich einfallen, aber er hat die Besetzung solcher Klassiker wie „Die Killer“ (1946) „Meuterei am Schlangenfluss“ (1952) und „Vera Cruz“ (1954) durchaus bereichert.

Vergeblich versucht Starrett, die Frauen in Sicherheit zu bringen

Zum Finale setzt Regisseur De Toth das winterliche Setting dann auch in eisiger Konsequenz ein. Klasse! In seiner trotz gleißender Schneemassen bedrückenden Düsternis hat das Werk beinahe größere Nähe zum Film noir als zum klassischen Western herkömmlicher Prägung. Vielleicht der Grund, weshalb ihm an den Kinokassen kein Erfolg beschieden war. Es mangelt auch an den strahlenden Helden, die das Genre so gern gezeichnet und gezeigt hat. In Bitters regiert der Eigennutz.

Inspiration für Quentin Tarantino

Quentin Tarantino hat „Day of the Outlaw“ neben „Leichen pflastern seinen Weg“ als eine seiner Inspirationen für „The Hateful Eight“ genannt, und das erscheint jederzeit nachvollziehbar. So sehr ich Tarantino schätze, im Vergleich zu seinem Winter-Western gewinnt „Tag der Gesetzlosen“ bei mir sogar. Tatsächlich hat der Film in meinen Augen das Zeug zu absolutem Klassikerstatus. Weshalb er an Bekanntheit und Rang nicht zu anderen Western-Großtaten seiner Zeit aufgeschlossen hat, erschließt sich mir nicht. Joe Hembus beispielsweise hat in seinem Standardwerk „Das Western-Lexikon“ geschrieben: Anthony Mann, der beste Inszenator der Yordanschen Geschichten, hätte den Film kaum besser machen können. Zur Erläuterung: Philipp Yordan, Drehbuchautor von „Tag der Gesetzlosen“ und für sein Skript zu „Die gebrochene Lanze“ 1955 mit dem Oscar prämiert, lieferte zwischen 1949 und 1964 die Drehbücher für sieben von Anthony Manns Regiearbeiten, darunter den Western „Der Mann aus Laramie“ und das Kriegsdrama „Tag ohne Ende“. Westernspezialist Mann gilt im Genre als deutlich größerer Name als der ungarischstämmige André De Toth.

Erstmals in HD

Die 2011er-DVD von EuroVideo ist nicht mehr lieferbar, umso besser, dass explosive media sich des Werks angenommen und „Tag der Gesetzlosen“ in Neuauflage auf DVD und erstmals auf Blu-ray veröffentlicht hat. Wer dem Westerngenre etwas abgewinnen kann, sollte Andrè De Toths Regiearbeit unbedingt kennen. Welche hier noch nicht genannten Western im Schnee fallen euch ein?

Dafür soll er eine Lektion erhalten

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von André De Toth haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Robert Ryan unter Schauspieler.

Mühsame Flucht durch den Schnee

Veröffentlichung: 27. Februar 2020 als Blu-ray und DVD, 14. Juli 2011 als DVD

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Day of the Outlaw
USA 1959
Regie: André De Toth
Drehbuch: Philip Yordan, nach einem Roman von Lee E. Wells
Besetzung: Robert Ryan, Burl Ives, Tina Louise, Alan Marshal, Venetia Stevenson, David Nelson, Nehemiah Persoff, Jack Lambert, Frank DeKova, Lance Fuller, Elisha Cook Jr., Dabbs Greer, Betsy Jones-Moreland, Helen Westcott, Donald Elson
Zusatzmaterial: Filmvorspann ohne Texte, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Wendecover
Label 2020: explosive media
Vertrieb 2020: Koch Films
Label/Vertrieb 2011: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2020 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2020 explosive media

 
 

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

26 Antworten zu “Tag der Gesetzlosen – Tod im Schnee Wyomings

  1. Robert

    2020/03/31 at 15:47

    Western mit Schnee… The Timber und ein Mann wird zur Bestie (Yukon)

     
  2. Horst Becker

    2020/03/30 at 08:31

    Vergeltung am Teufelssee ( The Secret of Convict Lake) mit Glenn Ford und Ann Dvorak aus dem Jahr 1951.

    Und natürlich Nevada Pass mit Charles Bronson 👍

     
  3. Christoph Wolf

    2020/03/29 at 00:44

    Vor Ewigkeiten lief im TV mal „Spur in den Bergen“ von William Wellman (dessen „Ritt zum Ox-Bow“ ich jedem empfehlen möchte, der Western mag), der mir sehr gefallen hat. Leider gibt es davon meines Wissens immer noch keine deutsche VÖ. Dieses Schicksal teilt er mit „Die letzte Jagd“ von Richard Brooks, den ich daher auch nur aus dem Fernsehen kenne.
    Und zufällig ist heute „Der Verwegene“ auf DVD bei mir eingetroffen. Dieser Film von Tom Gries enthält laut Trailer ebenfalls Szenen im Winter mit Schnee. Da ich aber erst morgen dazu kommen werde ihn zu schauen, kann ich noch nicht sagen, wie groß der Anteil an winterlichen Sequenzen ist.

     
    • Christoph Wolf

      2020/03/30 at 00:07

      Hab dann heute „Der Verwegene“ geschaut, und tatsächlich, es ist ein Schnewestern, die Haupthandlung spielt im Winter in den Bergen. Allerdings steht das weniger im Vordergrund als in „Tag der Gesetzlosen“ oder „The hateful 8“. Der Film ist auf jeden Fall wert angesehen zu werden und hat einen spröden Charme, der seinem Protagonisten wirklich gerecht wird. Darüber hinaus gibt es einen Schurken, den man sofort mit Inbrunst hassen kann (gespielt von Donald Pleasence) sowie den ganz jungen Lee Majors in einer Nebenrolle.

      Klare Empfehlung!

       
  4. Birgit

    2020/03/28 at 13:25

    „Spur in den Bergen“ von 1954 mit Robert Mitchum in der Hauptrolle

     
  5. Björn Kramer

    2020/03/27 at 22:21

    THE BOLDEST JOB IN THE WEST

     
  6. Andreas H.

    2020/03/27 at 20:11

    „Yukon“ und „Wolfsblut“ würden mir da einfallen. Mischungen aus Western und Abenteuerfilm.

     
  7. Michael Kleu

    2020/03/27 at 18:31

    Spontan fällt mir nur „Das finstere Tal“ ein, wenn wir den mal als Western gelten lassen.

     
    • V. Beautifulmountain

      2020/03/30 at 08:47

      Den kann man durchaus als Western durchgehen lassen (wobei es zur Teilnahme am Gewinnspiel ja ohnehin nicht um richtig oder falsch geht).

       
  8. Ingo Grünewald

    2020/03/27 at 18:00

    Das finstere Tal,, Django Unchained, The 8full eight und The Revenent

     
  9. Katja

    2020/03/27 at 15:40

    Hallo und herzlichen Dank für die tolle Verlosung! Zu Western im Schnee fallen mir „Das finstere Tal“, „Wind River“ als Neo-Western und „Nevada Pass“ als Westernkrimi ein.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Katja

     
    • Sascha Klein

      2020/03/28 at 07:18

      Habe Cold Mountain, Hateful 8 und The Revenant gesehen. Ansonsten fallen mir die Bücher von Jack London ein.

       
  10. Klaus

    2020/03/27 at 11:08

    Wie wäre es mit „Das finstere Tal“? Der deutsch-österreichische Film von 2014 spielt zwar in den europäischen Alpen, hat meiner Meinung nach sonst aber alle Zutaten für einen klassischen Western.

     
  11. Matthias Klug

    2020/03/27 at 10:06

    Da fallen mir nur 2 Western ein.

    – Drei Rivalen
    – Vergeltung am Teufelsee

     
  12. Dirk Busch

    2020/03/27 at 09:16

    Außer The Revenant mit Leo fällt mir da nichts zu ein.Die anderen darf man ja nicht nennen,da hätte ich noch glänzen können. 🙂

     
  13. transfairleistung

    2020/03/27 at 08:36

    Ein ziemlich neuer sogar. Ich sag nur Tarantino: The Hateful Eight

     
    • V. Beautifulmountain

      2020/03/27 at 08:42

      Frage nur halb gelesen? 😉

       
      • transfairleistung

        2020/03/27 at 11:09

        Natürlich^^ Entschuldigung. Dann nehme ich „Das finstere Tal“ 🙂
        Würde Brokeback Mountain auch gelten? Ist ja irgendwo zwischen Drama und Western (wenn auch nicht klassisch) angesiedelt.

         
  14. Markus Tump

    2020/03/27 at 08:14

    Natürlich „Todesmarsch der Bestien“

     
  15. Jens

    2020/03/27 at 07:29

    Da bin ich raus, da kenn ich keinen einzigen 😀

     
  16. Frank Warnking

    2020/03/27 at 07:19

    Cold Mountain wäre der einzige 😦

     
  17. Jens Albers

    2020/03/27 at 07:02

    Tja da fällt mir allerdings nur noch „Drei Rivalen“ oder im original „The tall men“ ein. Sonst wurden hier ja alle noch mir bekannten Western mit Schnee genannt. 😅

     
  18. Rico Lemberger

    2020/03/27 at 06:56

    Da bin ich überfragt, aber gerne beim Gewinnspiel dabei.

     
  19. Michael Behr

    2020/03/27 at 06:33

    Tja, da bin ich nun wirklich nicht bewandert. Und der eine, der mir eingefallen wäre („Cold Mountain“) wurde auch schon genannt.

     
  20. Rainer Pampuch

    2020/03/15 at 22:04

    „Cold Mountain“ fiele mir tatsächlich noch ein. 😀

     
  21. Lars Plutta

    2020/03/12 at 09:47

    Ein richtig guter „Schneewestern“ ist noch Jeremiah Johnson mit Robert Redford.

     

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

 
%d Bloggern gefällt das: