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Vor uns die Hölle – Bombenräumkommando Berlin

07 Apr

Ten Seconds to Hell

Von Ansgar Skulme

Nachkriegsdrama // Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs kehren sechs deutsche Soldaten (u. a. Jack Palance und Jeff Chandler) zurück nach Berlin. Sie alle sind ausgebildet worden, Bomben zu entschärfen. Da Berlin voll von nicht detonierten Geschossen ist, werden sie von den Alliierten angeheuert, um bei der Räumung mitzuhelfen. Die Männer sind Einzelgänger, da sie es gewohnt sind, nur allein an der jeweiligen Bombe zu arbeiten – das Risiko zu sterben liegt so auch immer nur bei einer Person. Mit einer Wette allerdings schweißen sie sich zusammen: Alle wollen regelmäßig einen festen Teil ihres Lohns in den Jackpot werfen; wer dann nach einer festgelegten Zeit noch übrig ist, darf das Geld behalten. Ein waghalsiger Wettstreit spitzt sich zu.

Den Regeln der Gruppe muss sich jeder beugen

„Vor uns die Hölle“ wurde ab Februar 1958 innerhalb von etwa zehn Wochen gedreht, machte aber erst über ein Jahr später in den internationalen Kinos die Runde. Es war daher der erste Film, den Robert Aldrich nach dem Kinostart von „Ardennen 1944“ (1956) abdrehte, unabhängig davon, dass „Hügel des Schreckens“ (1959) im Vereinigten Königreich früher als „Vor uns die Hölle“ veröffentlicht wurde. Zunächst hatte er den Film noir „Ums nackte Leben“ (1957) realisieren sollen, wurde allerdings während der Produktion von Vincent Sherman abgelöst. Nachdem er daraufhin für eine Weile beschäftigungslos geblieben war, übernahm Aldrich die Regie an „Vor uns die Hölle“ eigenen Schilderungen zufolge gewissermaßen aus der Not heraus beziehungsweise weil er diese Aufgabe als besser als gar nichts erachtete. Er durfte auch selbst das Drehbuch in die gewünschten Bahnen lenken – es hätte schlimmer kommen können. Durch britisch-amerikanische Ko-Produktionen öffneten sich ihm nun neue Türen.

Ein Regisseur, der hat’s nicht leicht

Dass Aldrich rückblickend nicht gerade überschwänglich über „Vor uns die Hölle“ gesprochen hat, kann man gut nachvollziehen, auch wenn man den Film wertschätzt, da das Studio über seinen Kopf hinweg entschied, aus seiner finalen Fassung eine halbe Stunde zu kürzen, also rund ein Viertel der ursprünglich veranschlagten Länge. Die Art der Schnitte wurde offenbar auch ohne sein Wissen bestimmt und durchgeführt. Daraufhin zog Aldrich seinen Namen zumindest als einer der Produzenten zurück. Ferner kam es am Set zu Problemen mit Jack Palance, der hier nach „Hollywood-Story“ (1955) und „Ardennen 1944“ (1956) bereits zum dritten Mal mit ihm zusammenarbeite. Robert Aldrich rekapitulierte, dass es wahrscheinlich keine besonders gute Idee war, mit einem Hauptdarsteller wie Palance dreimal zusammenzuarbeiten. Er schätzte Palance als recht schwankungsanfällige Persönlichkeit ein. Unstrittig dürfte aber sein, dass Palance Aldrich sehr viel zu verdanken hatte; zuvor hatte er fürs Kino meist Rollen gespielt, die zumindest einer anderen Figur im Film merklich untergeordnet waren, und dabei überwiegend Schurken. Die Rollen, die er unter Aldrich darbieten durfte, ebneten Jack Palance nach zwei Oscar-Nominierungen (1953 und 1954) endgültig den Weg in die Spitze Hollywoods und etablierten ihn als vielseitig einsetzbaren Hollywood-Star.

Teamlösungen unter Einzelgängern sind meist nicht einfach

Ungeachtet der Spannungen zwischen den beiden liefert Palance in „Vor uns die Hölle“ allerdings eine herausragende Leistung ab. Beeindruckend, wie überzeugend er die konstante Beklemmung, die ihn umtreibt, und die psychische Labilität seiner traumatisierten Figur spielt. Wer Palance aus seinen fiesen, aggressiven, brutalen oder süffisanten Schurkenrollen im Hinterkopf hat und hier dann bei ihm plötzlich mit sehr viel emotional nachfühlbarer Todesangst, einer geballten Mischung aus abgehetzter, zermürbender, ihn quälend wirkender Anspannung sowie hochprofessioneller Fokussierung auf die zu erledigenden Aufgaben an den Bomben konfrontiert wird, könnte ins Staunen verfallen. Die explosionsartigen Wechsel von scheinbarer Ruhe hin zu kurzen Wutausbrüchen und zurück zur Selbstberuhigung, die er dabei sehr eindrucksvoll verkörpert, können im Übrigen sowohl derartigen Rollen als auch Schurkenrollen zuträglich sein. Die Figur, die er in „Vor uns die Hölle“ spielt, ist folglich angenehm wirklichkeitsnah geraten, alles andere als ein hochsympathischer Vorzeige-Sympathieträger, allerdings ein Mensch, dessen Aufrichtigkeit zunehmend die Zuschauer zu überzeugen vermag. Das Psycho-Duell zwischen den beiden Hauptdarstellern, Palances manchmal fast selbstaufopfernd wirkendes Schauspiel und die immer wiederkehrenden Spannungsmomente im Geiste der berühmtem Frage, ob man besser den roten oder den blauen Draht durchschneidet, tragen den Film von Anfang bis Ende – allen Widrigkeiten zum Trotz.

Ein weiteres Wiedersehen

„Vor uns die Hölle“ liefert auch insofern einen interessanten Blick auf das Feld der Schauspielkunst, weil die beiden Hauptdarsteller Jack Palance und Jeff Chandler zuvor bereits in „Attila, der Hunnenkönig“ (1954) – einem sehr sehenswerten Abenteuer-/Monumentalfilm-Ausflug von Douglas Sirk – gemeinsam gespielt hatten. Im Gegensatz zu vielen anderen wiederholten Zusammenarbeiten unter Hollywood-Stars in den beiden Hauptrollen handelt es sich hierbei aber um einen Fall, in dem gleich beide Betroffenen in den beiden zu vergleichenden Filmen auffällig deutlich unterschiedlich geartete Figuren gespielt haben. War Palance bei Sirk der titelgebende barbarische Feldherr, einmal mehr der Bösewicht – mit allerdings spannenden, schlauen Untertönen – und Chandler sein aufrechter römischer Gegenspieler nach klassischem Heldenmuster, ist Chandler bei Aldrich nun der Eigenbrötler und Palance weg von jedweder Führungssouveränität, aber auch weg von jeder Bösartigkeit und Barbarei.

Leider merkt man der Figur von Chandler ein wenig und den anderen vier Mitstreitern der beiden umso mehr an, dass „Vor uns die Hölle“ stark – und nicht im Sinne des Regisseurs – gekürzt wurde. Man hat mit der Zeit das Gefühl, dass die Schicksale des Sextetts nicht genügend auserzählt sind. Das alle sechs Figuren recht dezidiert vorstellende Intro scheint zunächst anderes zu versprechen – und Aldrich dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach auch mehr Zeit für die einzelnen Männer eingeplant gehabt haben. Insbesondere der von Wesley Addy verkörperte Soldat, der als einziger der sechs das Glück hat, dass nach dem Krieg noch seine Frau auf ihn wartet, trägt bei Licht betrachtet weniger zur Handlung bei, als man am Ende, im Kontext der Ereignisse, allerdings glaubt, über ihn wissen zu müssen. Die Art, wie Aldrich die Szenen komponiert hat, lassen auf einen recht epischen Charakter schließen, den der Film als zweistündiges Leinwand-Erlebnis wohl bekommen hätte. Dass sich der Film in der vorliegenden Fassung ziemlich unnötig zwischen nur zwei Männern und einer Frau zuspitzt, ist angesichts des vorhandenen Potenzials einerseits bedauerlich, jedoch merkt man andererseits zumindest trotzdem deutlich, dass die Möglichkeiten, die Robert Aldrich ihm bot, Jack Palance schauspielerisch in ungeahnte Sphären trugen, während Jeff Chandler wiederum die Abkehr vom langjährigen Heldendasein mit Festvertrag bei Universal sichtlich Spaß machte und ebenfalls den Beigeschmack der Entfesselung in diesem Film vermittelt. Wenig später setzte Chandler dieser Entwicklung in „Der Herrscher von Kansas“ (1959) recht zügig die Krone auf. Ein Film, bei dem ich nicht müde werde, ihn als einen der meistunterschätzten, viel zu wenig thematisierten und gewürdigten Western aller Zeiten zu bezeichnen – woran Chandlers kluge schauspielerische Gratwanderung wesentlichen Anteil hat.

Die Straßen von Berlin

Gedreht wurde am Ort der Handlung: Berlin. Schwerpunktartig, wie es scheint, in den Ortsteilen Tiergarten – der damals noch weitreichend zerstört war – und Tempelhof. Die Hauptdarsteller bekamen einen ortskundigen Bombenentschärfungsexperten zur Seite gestellt, der direkt nach dem Krieg teils 20 Bomben pro Tag in Berlin unschädlich gemacht hatte. Auch 1958, zum Zeitpunkt des Drehs, wurde im Schnitt immer noch mehr als eine Bombe pro Woche in Berlin entdeckt.

Immer wieder wartet der Tanz auf der Rasierklinge

Es heißt, dass ursprünglich eine deutsche und eine englischsprachige Fassung des Films geplant waren, wodurch sich eventuell die Eigentümlichkeit erklärt, dass die sechs deutschen Bombenspezialisten in der vorliegenden Version durchweg von amerikanischen Schauspielern verkörpert werden, obwohl in Berlin gedreht wurde. In der deutschen Synchronfassung führte das Sprachen-Paradox außerdem dazu, dass man ihrem britischen Auftraggeber einen auffälligen Akzent verpasste, damit er sich in irgendeiner Weise von den anderen Schauspielern abhebt, während dies im Original durch britisches und amerikanisches Englisch gelöst wird. Das soll allerdings nicht den Anschein erwecken, dass es sich um keine gute deutsche Synchronfassung handelt. Enttäuschend allerdings ist, dass hier mit der ansonsten sehr konstant aufrecht erhaltenen Stammbesetzung von Curt Ackermann als Stimme von Jeff Chandler gebrochen wurde, der wohl niemanden in noch mehr Filmen synchronisierte als Jeff Chandler und Victor Mature, aber hier dennoch nicht zum Einsatz kam.

Halt, stop! – Das Gegenteil von originell

Arnold Marquis – so begabt er war und so gut er sich an diverse andere Stars zu fügen vermochte – beraubt Chandler gewissermaßen sämtlicher individueller Merkmale. Gerade in einer solchen, für Jeff Chandler zum damaligen Zeitpunkt ungewöhnlichen Rolle, wäre es wichtig gewesen, einen sauberen Bogen mit dem angestammten Sprecher zu schlagen, statt für Irritationen mit einem auf derartig undurchsichtige, sarkastische oder verschlagene Rollen gern einmal besetzten Synchronschauspieler zu sorgen, dessen stimmliche Präsenz den sichtbaren Schauspieler, wenn so viele Faktoren wie hier zusammenkommen, schlichtweg verwässert und im Endeffekt verwechselbar, somit austauschbar macht. Letzteres passiert hier bedauerlicherweise durch Arnold Marquis. Man stelle sich einmal vor, man hätte beispielsweise Bruce Willis die Rolle von Nicolas Cage in „Face/Off – Im Körper des Feindes“ (1997) gegeben, ihm dann aber auch noch die deutsche Stimme von Cage verpasst. Wenn man das für sich verbildlicht bekommt, dann kann man den Fauxpas, hier Marquis zu besetzen, für die damalige Zeit in etwa einordnen, auch wenn man mit Jeff Chandler ansonsten bisher noch nicht allzu viele Berührungspunkte hatte. Cage und Willis habe ich deswegen als Beispiele gewählt, weil beide auch heute immer noch dieselben beiden Stammsprecher wie damals haben, was angesichts der Tatsache, dass Curt Ackermann Jeff Chandler zumindest über zwanzigmal gesprochen hat, ein angemessener Vergleich ist. Zudem lässt sich Cages Stammsprecher Martin Keßler in Relation zu Manfred Lehmann (Bruce Willis) einigermaßen ähnlich einordnen wie Marquis in Relation zu Curt Ackermann, wenn man das Volumen und den Charakter der Stimmen vergleicht. Nur kommt dazu, dass Marquis schon mit Blick auf die 50er – von den 60ern und 70ern ganz zu schweigen – obendrein erheblich häufiger als Synchronsprecher mal für diesen und mal für jenen zu hören war, als man das über das hier von mir gewählte Cage-Pendant vier Jahrzehnte später hätte behaupten können. Will heißen, dass Marquis somit also auch viel verbrauchter war, um nicht zu sagen omnipräsent. Angesichts dessen wird es dann schwierig, dass der Schauspieler im Bild hinter der Rolle noch irgendwie so etwas wie eine individuelle Ausstrahlung behalten kann, vor allem wenn der betreffende Schauspieler ansonsten so eindeutig mit einer anderen Stimme etabliert ist wie im vorliegenden Fall und die Stimme von Arnold Marquis obendrein eindeutig nicht voluminös genug für die Vorlage klingt, darüber hinaus unverkennbare Besonderheiten im Sprechrhythmus, die Curt Ackermann hingegen gut transportierte, verloren gehen lässt. In diesem Zusammenhang muss man letztlich auch wissen, dass Jeff Chandler neben der Schauspielerei als Sänger tätig war und zudem ohnehin schon eine recht charakteristische Sprechstimme hatte. Ihm dann hochgradig einfallslos ausgerechnet die verdammt abwegig gewählte, raue, recht kratzbürstige Stimme von Arnold Marquis zu verpassen, ist einfach völlig daneben. Auch wenn Marquis die Rolle schauspielerisch zweifellos recht souverän meistert, ist dies für mich eine der albernsten Synchronfehlbesetzungen der gesamten 50er-Jahre – und hatte hier daher eine ausführliche Würdigung als solche verdient.

Auch die Wahl von Gert Günther Hoffmann für Jack Palance, der ebenfalls ein ziemlich häufig in Hauptrollen besetzter Sprecher war, ist mit Blick auf Omnipräsenz sicher nicht unbedingt besonders originell – das allein ist sowieso auch kein Negativargument –, hat aber zumindest obendrein den Bonus, dass die Besetzung für Hoffmann beziehungsweise Palance nicht gerade formelhaft ist. Eben keine Rolle, wie man sie von Hoffmann auf den ersten Blick erwartet, und noch dazu von einem Schauspieler der Aura von Jack Palance verkörpert, während Marquis mit seiner Rolle aber komplett in die Klischee-Falle tappt. Während man bei Hoffmann in gewisser Weise das Gefühl hat, dass er vor einer ungewöhnlichen Herausforderung steht, die er meistert, kommt Marquis durchweg so rüber als würde er routiniert ein Standard-Programm abspulen – genau das ist der entscheidende Unterschied und das Problem. Auch obwohl die deutsche Fassung ansonsten handwerklich sehr gelungen ist, kann einem das allein den Film schon ziemlich kaputt machen, da es der Gesamtwirkung und dadurch auch der Zuspitzung zwischen den Hauptfiguren schadet – was der Film sich aufgrund der Eingrenzungen, die die anderen Figuren erlitten haben, allerdings nicht leisten kann, da ihm dann zu wenig bleibt. Diese deutsche Fassung verpasst Jeff Chandler eine sehr dünne, Hütchenspieler-ähnliche Aura, die da nicht hingehört. Marquis hatte Chandler zuvor leider auch schon in „Drango“ (1957) gesprochen, der ebenfalls von United Artists verliehen wurde, was darauf schließen lässt, dass das Fehlen von Curt Ackermann auch keinen unglücklichen Zufällen geschuldet war. Ich höre Arnold Marquis sehr gern als Stimme von beispielsweise Lino Ventura, Darren McGavin, Kirk Douglas, Richard Widmark und Frank Wolff, aber seine Einsätze für Jeff Chandler würde ich vorzugsweise ungeschehen machen wollen.

Berlin steht vor dem großen Neuanfang

Ein etwas merkwürdiger Zusammenhang ist, dass vor allem MGM damals bekannt dafür war, eigene Stimmen für Stars – im Vergleich zu anderen Studios – zu etablieren, was ich hier im Blog schon mehrfach angeschnitten habe. MGM kaufte United Artists eines Tages sogar auf, allerdings erst wesentlich später. Schon in den 50ern scheint bei United-Artists-Synchronfassungen aber eine gewisse Tendenz sichtbar zu sein, sich gelegentlich an MGM-Besetzungen zu orientieren, oder – wie hier bei Chandler, von dem es keine Filme bei MGM gab – auch mal eine eigene Variante zu etablieren. Wenn man „Vor uns die Hölle“ hierzulande im Programm des mittlerweile nicht mehr existenten Pay-TV-Senders „MGM“ gesehen hat, wo er im Zweikanalton und einer 1996 im Auftrag von MGM kolorierten Fassung gesendet wurde, könnte man somit den Eindruck gewinnen, diese Synchronfassung sei ein Produkt von MGMs eigensinniger Synchron-Politik – war sie allerdings eben nicht.

Das Warten hat ein Ende

Nicht nur Robert-Aldrich-Fans dürften sich darüber freuen, dass explosive media in Zusammenarbeit mit Koch Films nun endlich auch diesen Klassiker des Altmeisters in unserem Land auf Blu-ray und DVD veröffentlicht hat. Dass ein Film wie dieser von einem solchen Regisseur bisher noch gar nicht in Deutschland auf DVD wiederentdeckt worden war, kann man schon fast erstaunlich nennen. Die Filmografie von Jeff Chandler ist in der Bundesrepublik eigentlich schon verhältnismäßig ergiebig auf DVD ausgewertet worden, da Koch Media sich geraume Zeit schwerpunktartig mit Klassikern von Universal – darunter diversen Western – befasst hat und Chandler als langjähriger Universal-Star mit mehreren Western im Portfolio davon gewissermaßen profitierte. Obwohl dies auch über den Western hinaus bereits einigen Universal-Stoff mit Jeff Chandler auf DVD zutage gefördert hat, gibt es nach wie vor Lücken aus seiner Universal-Zeit sowie abseits von Universal, bei denen es lohnend wäre, sie in Deutschland zu schließen. „Vor uns die Hölle“ ist diesbezüglich ein würdiger Beginn für eine eventuelle neue Phase – Pidax wird in Kürze „In den Kerkern von Marokko“ (1954) folgen lassen, den ich bei „Die Nacht der lebenden Texte“ schon vor geraumer Zeit einmal besprochen habe.

Bild und Ton der explosive-media-Version von „Vor uns die Hölle“ wissen bestens zu gefallen, das Bonusmaterial bewegt sich im üblichen Rahmen. Die kolorierte Fassung, die im deutschen Pay-TV gezeigt wurde, ist auf der vorliegenden Veröffentlichung nicht enthalten, was allerdings zu verschmerzen ist, zumal sich viele Menschen aus kolorierten Fassungen ohnehin nichts machen – wenngleich ich selbst da zumindest nicht dogmatisch abgeneigt bin. Ein wenig schade ist lediglich der Gedanke, wie grandios es wäre, hätte man die etwa 30 gegen Aldrichs Willen aus der Endfassung eliminierten Minuten noch irgendwie auftreiben und als Bonus, wenn nicht sogar im Sinne eines „Director’s Cut“ präsentieren können. Das hätte sich im vorliegenden Fall wirklich gelohnt, aber ob diese fehlenden Szenen überhaupt noch aufzutreiben sind, vielleicht sogar in geschnittener Form, oder rekonstruiert werden könnten, ist eine offene Frage. Aufwand dieser Art kann von einer solchen Veröffentlichung aber auch nicht erwartet oder eingefordert werden. Von einer zukünftigen Mediabook-Veröffentlichung mit dem ersehnten Bonus darf man aber vielleicht noch träumen. Schließlich wurde aus dem Nachlass von Orson Welles beispielsweise erst kürzlich ein gesamter Film verspätet fertiggestellt und geschnitten. Was sind verglichen damit schon schlappe 30 Minuten? Robert Aldrich hätte sich vermutlich darüber gefreut, würde „Vor uns die Hölle“ eines Tages doch noch in der von ihm intendierten Länge erstrahlen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Robert Aldrich haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Jeff Chandler und Jack Palance unter Schauspieler. Welche Rollen von Jack Palance gehören zu euren Favoriten seiner Filmografie?

Der Poker mit dem Tod ist stets eine knappe Sache

Veröffentlichung: 12. März 2020 als Blu-ray und DVD

Länge: 94 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Ten Seconds to Hell
USA/GB 1959
Regie: Robert Aldrich
Drehbuch: Robert Aldrich, Teddi Sherman, nach einem Roman von Lawrence P. Bachmann
Besetzung: Jack Palance, Jeff Chandler, Martine Carol, Robert Cornthwaite, Dave Willock, Wesley Addy, Virginia Baker, Jim Goodwin, Richard Wattis, Charles Nolte
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Bildergalerie
Label: explosive media
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2020 by Ansgar Skulme

Szenenfotos & Blu-ray-Packshot: © 2020 explosive media

 
 

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20 Antworten zu “Vor uns die Hölle – Bombenräumkommando Berlin

  1. Alexandra Jotter

    2020/04/24 at 15:40

    Habe noch nicht viel Filme mit Jack Palance gesehen, aber ein paar die mir gut in Erinnerung geblieben sind.
    Jack Palance als “ Sonny Bronston “ in dem Western – Halleluja Amigo!
    Oder auch Palance in seiner Rolle als “ Ricciolo “ aus dem Italowestern – Die gefürchteten Zwei! 😊

     
  2. Thomas Oeller

    2020/04/24 at 09:37

    als Quincy Whitmore in Chatos Land

     
  3. Birgit

    2020/04/23 at 10:45

    Mir gefiel seine überzeugende Darstellung des Fidel Castro in „Che!“ von Richard Fleischer aus dem Jahr 1969

     
  4. Björn Kramer

    2020/04/18 at 17:03

    Cyborg 2

     
  5. Galster Martin

    2020/04/18 at 16:26

    Da ich ihn leider „nur“ aus dem Film „Das Geheimnis der fliegenden Teufel“ kenne, würde ich gerne diesen nennen 🙂

     
  6. Ingo Maaßen

    2020/04/18 at 16:03

    Cops & Robbersons fand ich einfach klasse, aber natürlich auch, weil ich Chevy Chase mag! 😉

     
  7. Jens

    2020/04/18 at 12:11

    Also für mich definitiv City Slickers 🙂

     
  8. Kevin Aßmann

    2020/04/18 at 07:54

    Habe leider noch nicht ganz so viele Filme mit ihm gesehen, aber kennen und mögen tuhe ich ihn aus dem Film „Barabbas“. 🙂

     
  9. Andreas H.

    2020/04/17 at 17:42

    Mochte Jack Palance besonders in „Attila, der Hunnenkönig“ und „Barabbas“

     
    • Tonio Klein

      2020/04/18 at 04:12

      Die mag ich ebenfalls beide sehr. Daneben Ardennen 1944 und den, wo er die Crawford umbringen will (Eiskalte Leidenschaft). „Che“ war auch noch ganz gut. In späteren Jahren scheint er mir immer mehr zu seiner Selbstparodie zu werden, auch wenn er das mit einem schönen Augenzwinkern spielt.

       
  10. Oliver Maey

    2020/04/17 at 17:13

    Als Rudy Cox in Out of Rosenheim..

     
  11. Markus Tump

    2020/04/17 at 16:44

    Ich mag seinen Schlagetot-Gladiator in BARNABAS sehr.

     
  12. Klaus Schneider

    2020/04/17 at 15:30

    Mein Interesse an Filmen von Robert Aldrich ist in den Jahren ziemlich gewachsen. Chorknaben, Ulzana… Da käme mir dieser Film gerade mehr als recht.

     
  13. Michael Behr

    2020/04/17 at 15:10

    Mich hat er gleich in einer seiner ersten Rollen beeindruckt: „Maskierte Herzen“ (Sudden Fear).

     
    • Tonio Klein

      2020/04/18 at 04:18

      Michael, ich kenne den unter „Eiskalte Leidenschaft“, und ja, der ist toll. Wenn Du mal den ALLERERSTEN sehen willst, der ist übrigens diese Tage hochaktuell: PANIC IN THE STREETS („Unter Geheimbefehl“, 1950). Es geht um eine Seuchengefahr. Richard Widmark konnte als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, der binnen Rekordzeit eine Stadt abriegeln und noch gegen Schurken vorgehen muss, erstmals der Rolle des Bösen entfliehen (hat dabei aber die fiebrige Energie, die wir auch von seinen frühen Schurkenrollen kennen). Palance ist dabei noch der „Maniac“. Bei Eiskalte Leidenschaft durfte er dann selbst ambivalenter werden, zwar auch noch als Böser, aber als einer, der sich durchaus als Charmeur tarnen kann und nicht nur brutal ist, sondern auch für Frauen begehrenswert sein darf. Gut, wobei er eine will und eine andere loswerden will …

       
  14. Klaus

    2020/04/17 at 14:15

    Mir gefielen seine Rollen in Western am besten, so z.B. als Josiah Galt in „Die Todesreiter“ und als Ricciolo in „Mercenario – Der Gefürchtete“

     
  15. Christoph Wolf

    2020/04/17 at 11:02

    Meine liebsten Rollen von Mr. Palance sind:

    Curly Washburn (City Slickers)
    Ricciolo (Il Mercenario)
    Carl Grissom (Batman)
    Lawrence G. Murphy (Young Guns)

     
  16. Matthias Klug

    2020/04/17 at 10:37

    Meine persönlichen Favoriten von Jack Palance sind die Filme – City Slickers und -Ardennen.
    “ Vor uns die Hölle “ kenne ich bis dato noch nicht, weshalb das Gewinnspiel mein Interesse weckt. 🙂

     
  17. Frank Warnking

    2020/04/17 at 10:28

    Kenn ihn aus Tango & Cash und City Slickers
    Fand ihn bei Tango & Cash besser 🙂

     
  18. Tonio Klein

    2020/04/07 at 16:17

    Eine schöne, ausführliche Würdigung. Da ich derzeit selbst ein paar Sachen für diesen Blog auf Halde habe, werde ich aber zunächst nicht zu der DVD greifen. Aldrichs Schilderungen gegenüber Bogdanovich bzgl. der konfliktträchtigen Entstehungsgeschichte sind mir noch im Hinterkopf. Manches, das sich nie wieder rekonstruieren lässt, ist ja dennoch sehr gut, ich halte Wilders „Privatleben des Sherlock Holmes“ z. B. für extrem unterschätzt. Bei Synchronstimmen bin ich nicht so versiert, auch wenn mir manche Gleichklänge oder extreme Unterschiede natürlich auffallen. Du erwähnst hier eine Fehlbesetzung, die rekordverdächtig sei. ich werfe mal mit einem Augenzwinkern meinen persönlichen „Favoriten“ als Hut in den Ring: Wolfgang Spier für Roger Moore in „Damals in Paris“ ist schon sehr schräg. Glücklicherweise ist die Rolle nicht arg groß. Liebe Grüße, Tonio

     

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