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Monster Busters – Ghostbusters mit den drei ???

19 Apr

The Monster Squad

Von Lars Johansen

Horrorkomödie // Der zweite Spielfilm von Fred Dekker teilte das Schicksal seines Regie-Erstlings „Die Nacht der Creeps“ (1986). Er floppte im Kino und erwarb sich über die Jahre einen ordentlichen Ruf auf dem Heimkinomarkt. Beide entwickelten sich zu kleinen Kultfilmen, die seinerzeit einigermaßen preiswert realisiert worden waren, aber anständiges Handwerk und ein wenig darüber hinaus aufweisen. Dieses Schicksal wird von Dekkers dritter und vorläufig letzter Regiearbeit „Robocop 3“ (1992) nicht geteilt. Der atomisierte eine vielversprechende Regiekarriere vollends, denn Hollywood verzeiht vieles, aber nicht, wenn die Produkte ihr Geld nicht wieder einspielen.

Das Care-Paket aus Bayern ist da

Dabei hatte es ganz gut begonnen. Nach dem Drehbuch für „House – Das Horrorhaus“ (1986) war „Creeps“ ein netter Auftakt gewesen, der, mit viel Insideranspielungen gespickt, eine kleine Zombiekomödie um außerirdische Parasiten anbot. Die Figuren trugen die Namen von Regisseuren wie Cronenberg oder Romero. Dekkers Kumpel Shane Black spielte eine kleine Rolle als Polizist und schrieb bald daruf mit ihm zusammen das feine Drehbuch für die „Monster Busters“. Auch hier strotzte es nur so vor Anspielungen vor allem auf das Horrorkino der Universal aus den 30er und 40er-Jahren. Denn beide Autoren mochten die Monsterkomödie „Abbott und Costello treffen Frankenstein“ (1948).

„Atemschutzmasken sind leider aus.“

Universal hatte irgendwann festgestellt, dass man mit mehr Monstern wenigstens kurzfristig auch nachlassende Originalität wettmachen konnte. Mit den populären Figuren vollgestopfte Filme wie „Frankensteins Haus“ (1944) und „Draculas Haus“ (1945) bereiteten den Boden für die nachfolgenden Komödien. Die britische Hammer-Produktion brachte erst in den späten 50ern wieder den Ernst in den klassischen Monsterhorror zurück. Aber spätestens Ende der 60er war es damit wieder vorbei und spanische Produktionen wie „Dracula jagt Frankenstein“ (1970) oder Al Adamsons „Draculas Bluthochzeit mit Frankenstein“ (1971) brachten die einfach gebauten billigen Monsterparaden wieder zurück. Schon zuvor war mit „Frankensteins Monsterparty“ (1967) ein Stop-Motion-Puppentrickfilm entstanden. Spätestens damit waren die alten Monster reine Kinderunterhaltung geworden, die man nur sehr schwer noch ernst nehmen konnte.

Eine Prise „E.T.“

Das wussten auch Black und Dekker, die daher das kindliche Element klug betonten und die typische kleine Außenseitergruppe etablierten, welche sich im Baumhaus zusammenfand, um den alten Jungentraum zu verwirklichen, böse Gruselmonster zu bekämpfen. Dekker mochte sichtbar auch die Geschichten um die drei Fragezeichen, worauf man durchaus Anspielungen findet und die drei Jungen der eigentlichen Kerngruppe erinnern sehr stark daran. An der Produktion beteiligt waren Rob Cohen und Peter Hyams, der wohl auch, jedenfalls am Anfang, Einfluss auf Dekkers Regie genommen haben soll. Die Masken wurden von Stan Winston, einem der ganz großen Maskenbildner (nicht nur) jener Zeit erstellt. Dessen exzellente Arbeit merkt man dem fertigen Film unbedingt an. Hier wurde eben noch mit mechanischen Prothesen und liebevoll gefertigten Kostümen gearbeitet, die den modernen CGI-Bildern immer noch überlegen sind.

„Schwester, die Verbände müssen dringend gewechselt werden.“

Worum geht es? Sean Crenshaw (Andre Gower) sowie seine Freunde Patrick (Robby Kiger) und Horace (Brent Chalem) nehmen den etwas älteren Rudy (Ryan Lambert), den kleine Eugene (Michael Faustino) und Seans nervige kleine Schwester Phoebe (Ashley Bank) in ihre Bande auf, um Graf Dracula (Duncan Regehr) daran zu hindern, das Böse die Welt beherrschen zu lassen. Dazu hat der Vampirfürst das Frankensteinmonster (Tom Noonan), die Mumie, den Werwolf und den Kiemenmenschen sowie drei in Vampirbräute verwandelte Schulmädchen an seiner Seite. Verhindert werden kann es nur, wenn eine Jungfrau mit einem Zauberstein einen deutschen Text von Abraham van Helsing korrekt rezitiert. Die klassischen Monstren müssen mit den klassischen Mitteln (Silberkugeln und spitzen Pfählen) bekämpft werden, die Mumie verliert ihre Binden einfach während einer Autofahrt und auch ein Gewehr kann gute Dienste gegen den Amphibienmann leisten. Des Nachts kommt es zur alles entscheidenden Konfrontation. Leider stellt sich heraus, dass Patricks große Schwester Lisa (Lisa Fuller) keine Jungfrau mehr ist.

„Werwolf hin, Wiewolf her, rück die Geißlein raus!“

Genauso atemlos, wie die kurze Zusammenfassung klingt, geht es in dem Film auch zu. Das Erzähltempo ist hoch, die Akzeptanz für die Existenz der Monster wird einfach vorausgesetzt, weil sie natürlich schon längst Teil der Popkultur geworden sind. Das eher überschaubare Budget von etwa zwölf Millionen Dollar sieht man dem fertigen Film nicht an, denn es wird viel gezeigt und das Gezeigte sieht obendrein auch richtig gut aus. Die eher unbekannten Schauspieler machen ihre Arbeit ausgezeichnet und selbst die Kinder, auch die kleinen, können gefallen. Man merkt, dass Dekker die Kurzfilmreihe „Die kleinen Strolche“ (1922–1944) sehr am Herzen gelegen hat, denn er führt seine Kinderdarsteller in den komischen und gruseligen Situationen sehr gut. Natürlich wird viel zitiert, nicht nur die klassischen Horrorfilme, sondern auch „E.T. – Der Außerirdische“ (1982), „Tanz der Teufel“ (1981) und vieles mehr.

„Das ist grünes Licht.“ „Und was macht das?“ „Es leuchtet grün.“

Warum der Film bei diesen Qualitäten seinerzeit an der Kinokasse untergegangen und in Deutschland bis heute eher unbekannt geblieben ist, lässt sich daher nicht so leicht erklären. Oder eben doch, denn er hat hierzulande immer noch eine Altersbeschränkung und ist erst ab 16 Jahre freigegeben. Und das zu Recht. Denn der nette kleine Familienfilm ist blutig ausgefallen. Da schießen kleine Jungen auf (wenn auch transformierte) Menschen, als sei es das Normalste auf der Welt. Blut fließt erstaunlich viel und so kann die Komik, die dem Ganzen innewohnt, nicht immer die Brutalität aufweichen. Und wenn der einzelgängerische Deutsche (Leonardo Cimino), der den Jungen hilft, den Text zu übersetzen, eine KZ-Tätowierung auf dem Arm trägt, wird der Ernst zu groß für einen heiteren Familienfilm. Kurz, „Monster Busters“ sitzt zwischen den Stühlen. Ein wenig wirkt er wie eine elektrische Eisenbahn, die Väter gern für ihre Söhne kaufen und aufbauen und dabei sehr viel mehr Spaß haben als die Kinder, die ein wenig verständnislos dabei zusehen. Das spricht nicht gegen den Film, denn der hat durchaus Qualitäten, aber er richtet sich nicht an die avisierte Zielgruppe, sondern eher an filmverrückte Väter. Und diese werden Spaß an dem Ergebnis haben.

Schlussmachen für Anfänger

Das Mediabook der Wicked Vision Entertainment GmbH ist eine perfekte Veröffentlichung geworden, der man die Liebe der Macher zu ihrem Produkt sehr gut ansehen kann. Bild und Ton sind brillant. Drei verschiedene Audiokommentare von hoher Qualität begleiten die geneigten Zuschauer, dazu eine gelungene Dokumentation, die fast genau so lang ausfällt wie der Film selbst. Hinzu gesellen sich natürlich entfallene Szenen, rare Interviews, eine Bildergalerie, und das kenntnisreiche Booklet rundet schließlich eine Edition ab, die sich jeder Kenner des Genres in den Schrank stellen sollte.

Angesichts der durch die Corona-Krise bedingt derzeit limitierten Wege, den Film zu erwerben, nehme ich mir die Freiheit, darauf hinzuweisen, dass „Monster Busters“ direkt im Online-Shop der Wicked Vision Distribution GmbH bezogen werden kann, und zwar sowohl als Mediabook als auch in der VHS-Retro-Edition. Aber sputet euch! Einige Covermotive sind bereits nicht mehr verfügbar.

Veröffentlichung: 22. Juli 2019 als 3-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & 2 DVDs, 4 Covermotive à 1 x 444 & 3 x 222 Exemplare) und 2-Disc Limited VHS-Retro-Edition (Blu-ray & DVD, 2 Covermotive à 500 Exemplare)

Länge: 83 Min. (Blu-ray), 78 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch,Englisch
Originaltitel: The Monster Squad
USA 1987
Regie: Fred Dekker
Drehbuch: Shane Black, Fred Dekker
Besetzung: Andre Gower, Robby Kiger, Stephen Macht, Duncan Regehr, Tom Noonan, Brent Chalem, Ryan Lambert, Ashley Bank, Michael Faustino, Mary Ellen Trainor
Zusatzmaterial: 24-seitiges Booklet mit einem Vorwort von Daniel Perée und einem Essay von David Renske, Audiokommentar mit Daniel Perée & David Renske, Audiokommentar mit Regisseur Fred Dekker sowie den Darstellern André Grower, Ryan Lambert & Ashley Bank, Audiokommentar mit Darsteller Fred Dekker & Kamermann Bradford May, „Monster Squad Forever“ – 5-teilige Dokumentation mit Cast & Crew in Spielfilmlänge, „Im Gespräch mit Frankensteins Monster“, geschnittene Szenen, animierte Storyboard-Sequenzen, Bildergalerie, deutscher Trailer, Originaltrailer, TV-Spot, nur Mediabook: 4 Audio-Interviews mit Ashley Bank, Tom Noonan, Michael Reid Mackay und Carl Thibault, exklusives Interview mit Andre Gower & Henry Darrow McComas, nur VHS-Retro-Edition: DIN-A3-Poster, Funfacts-Sammelkarten
Label/Vertrieb: Wicked Vision Distribution GmbH

Copyright 2020 by Lars Johansen

Szenenfotos & Packshots: © 2019 Wicked Vision Distribution GmbH

 

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