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Full Moon (V): Laserkill – Todesstrahlen aus dem All: Teenager im Zerstörungswahn

26 Apr

Laserblast

Von Andreas Eckenfels

SF-Action // Ein Mann mit recht ungesunder Gesichtsfarbe und ausdruckslosen Augen rennt durch die kalifornische Wüste. Am rechten Arm trägt er eine merkwürdige Gerätschaft und um den Hals ein großes Amulett, das die Form eines Tannenzapfens besitzt. Aus dem Nichts erscheint ein Raumschiff am Himmel aus dem nach seiner Landung zwei Aliens entsteigen. Sie suchen offenbar nach dem Mann, der sogleich das Feuer eröffnet – mit der Gerätschaft, bei der es sich offenbar um eine Laserwaffe handelt. Doch die Außerirdischen fackeln nicht lange und erwidern die Schüsse. Der Mann wird getroffen und löst sich nach einem weiteren Treffer durch die Waffe der Wesen in Luft auf. Als ein Sportflugzeug vorbeifliegt, suchen die Aliens fluchtartig das Weite. Dabei vergessen sie jedoch komplett, die Waffe und das Amulett mitzunehmen.

Kurze Zeit später entdeckt zufällig der Teenager Billy (Kim Milford) die außerirdischen Gegenstände. Es gelingt ihm, diese zu aktivieren – von der extremen Feuerkraft der Laserkanone ist er überwältigt. Doch je länger Billy im Besitz der Waffe und des Amuletts ist, desto mehr übernehmen diese die Kontrolle über seinen Verstand.

Keiner will ein Stück Kuchen essen

Mit einer Durchschnittsbewertung von gerade einmal 2,7 Sternen (Stand: April 2020) rangiert „Laserkill“ in der Beliebtheitsskala der IMDb-Nutzer nicht gerade auf den vordersten Plätzen. Das lässt Schreckliches erahnen und tatsächlich erweist sich eine der ersten Produktionen des späteren „Full Moon Features“-Gründers Charles Band als ziemliche Vollkatastrophe.

Die Aliens wollen ihre Laserwaffe zurück

Die Grundidee über eine außerirdische Waffe, die die Kontrolle über einen Menschen übernimmt, mag noch recht interessant sein, aber auf Spielfilmlänge gestreckt fällt dem Regiedebütanten Michael Rae sowie den Drehbuchautoren Franne Schacht und Frank Ray Perilli („Zoltan, Draculas Bluthund“, 1977) überhaupt nichts ein, um die Geschehnisse in irgendeiner Weise spannend zu gestalten. Die bescheidene Handlung findet auf einer Briefmarke Platz, statt Billys fortschreitender Transformation zum gewissenlosen Killer beizuwohnen, wird der Fokus unnötigerweise viel zu sehr auf den Alltag und die Teenagernöte in dem tristen US-Kaff gelegt, in dem er und seine Freunde leben.

Peinliche Dialoge inklusive: Da beklagt sich Geburtstagskind Franny (Joanna Lipari) bei Billys Freundin Kathy (Cheryl Smith), dass keiner der geladenen Gäste ihren Kuchen essen wolle, sondern alle nur wegen ihres Swimmingpools gekommen seien und sie deshalb eigentlich gar keine wahren Freunde habe. Nach Meinung der Autoren handelt es sich hier offenbar um echte Probleme, die das jugendliche Publikum mit Sicherheit vollen Herzens nachempfinden kann. Dazu gibt es ein kiffendes Cop-Duo, ein paar lächerlich inszenierten Autostunts und einen geheimnisvoll wirkenden Spezialagenten (Gianni Russo), der die Vorkommnisse in dem Ort untersucht und Befehle erteilt, aber ansonsten überhaupt keine Funktion erfüllt. Auch wenn es sich um eine Low-Budget-Produktion handelt, – angeblich belief sich das Budget auf etwa 280.000 US-Dollar –, darf man hier doch etwas mehr Liebe zum Detail erwarten, um die Laufzeit von knapp 80 Minuten einigermaßen anständig zu füllen.

Billy, der armselige Held

Ein viel größeres Problem des Films ist die Hauptfigur Billy. Der entpuppt sich von Beginn an als absolutes Weichei. Schon in seiner ersten Szene bedauert er es zutiefst, dass seine Mutter (Janet Dey) ein weiteres Mal auf Geschäftsreise nach Acapulco fährt, statt sich um ihren gelangweilten Sohn zu kümmern. Kurz darauf lässt sich Billy von Kathys durchgeknallten Opa vor ihrem Haus vertreiben und kann somit seine Freundin nicht besuchen. Und als Kathy auf Frannys Party durch die Kumpels Chuck (Mike Bobenko) und Froggy (Eddie Deezen) fast Opfer einer Vergewaltigung wird, schreitet er zwar ein, muss sich aber am Ende selbst von Kathy retten lassen. Bei dem Auftritt hilft es auch nicht, dass der zum Zeitpunkt der Dreharbeiten Endzwanziger Kim Milford trotz seiner vollen, blonden Haartolle nicht mehr wie ein Teenager aussieht und er nahezu im gesamten Film oberkörperfrei herumlaufen muss. Einen armseligeren Helden als Billy hat man in der Filmgeschichte wohl selten gesehen.

Immerhin: Wenn man nur nach dem englischen Original-Filmtitel geht, löst „Laserblast“ die Erwartungshaltung ein: Die Laserwumme verursacht riesige, völlig übertriebene Explosionen, die sich aber durchaus sehen lassen können. Da hat die Pyroabteilung ganze Arbeit geleistet. Nur zwei der Anschläge sind allerdings auch für die Story relevant: Aus Rache lässt Billy Chucks Auto in Flammen aufgehen und um einen Wagen zu kapern, bläst unser „Held“ den Besitzer samt Tür vom Fahrersitz. Ansonsten verläuft Billys Zerstörungswahn in unkontrollierbaren und sinnlosen Bahnen – auch ein stacheliger Kaktus in der Wüste und ein äußerst gefährlich dreinblickender Briefkasten müssen dran glauben.

Frühe Tode, Tarantinos Liebling und ein großer Debütantenball

Kim Milford stand schon als Teenager am Broadway in einer Produktion des Musicals „Hair“ auf der Bühne, später spielte er für einige Auftritte Rocky in „The Rocky Horror Show“. Für „Laserkill – Todesstrahlen aus dem All“ wurde er sicher auch aufgrund seiner entfernten Ähnlichkeit mit Mark Hamill verpflichtet, der 1977 als Luke Skywalker zum Star wurde. Tatsächlich stand Milford auch 1978 in „Zwei heiße Typen auf dem Highway“ neben Hamill vor der Kamera. Tragischerweise war ihm keine lange Karriere beschieden: Im Alter von 37 Jahren starb Milford 1988 an Herzversagen.

Auch Cheryl „Rainbeaux“ Smith starb 2002 bereits im Alter von 47 Jahren an Hepatitis. Aufgrund ihres Mitwirkens in einer Reihe von Cheerleader-Filmen wie „Footballmatch und süße Girls“ (1974) und Exploitationfilmen wie „Caged Heat – Das Zuchthaus der verlorenen Mädchen“ (1974) hatte sie sich einen Namen gemacht. Produzent Charles Band verpflichtete sie bereits in der Sexkomödie „Die tolle Geschichte der C.“ (1977) in der Hauptrolle als Cinderella, bevor er sie zu „Laserkill – Tödliche Strahlen aus dem All“ holte. Quentin Tarantino gilt als großer Fan der „Rainbeaux“.

Einer der wenigen Darsteller aus dem Film, der heute noch erfolgreich im Geschäft ist, ist Eddie Deezen. Häufig als typischer Nerd besetzt, startete er anschließend mit Nebenrollen im Musicalklassiker „Grease – Schmiere“ (1978) und danach in der Chaoskomödie „1941 – Wo bitte geht’s nach Hollywood“ (1979) von Steven Spielberg durch. Heute ist Deezen häufig als Synchronsprecher in Cartoonserien wie „SpongeBob Schwammkopf“ aktiv.

Für Michael Rae blieb „Laserkill“ der einzige Versuch als Regisseur. In „Aliens Gone Wild“ (2005), einem Zusammenschnitt von Science-Fiction-Clips aus vergangenen Charles-Band-Produktionen, sind auch Ausschnitte aus seinem Debüt enthalten. Zudem schrieb Richard Band erstmals die Musik für einen Film seines Bruders, übrigens gemeinsam mit Joel Goldsmith (1957–2014), dem Sohn des großen Hollywood-Komponisten Jerry Goldsmith (1929–2004).

Dank SchleFaZ doch noch genießbar

Obwohl wir es hier mit Trash in Reinkultur zu tun haben, der in diesem Fall allerdings nicht, wie sonst häufig üblich, irgendwie dennoch unterhaltsam ist, hat sich eine gewisse Fanschar um „Laserkill – Todesstrahlen aus dem All“ gebildet. Dies liegt zum einen an den charmanten, krötenähnlichen Aliens, die durch Stop-Motion-Technik unter anderem von Effekte-Experte David Allen („The Howling – Das Tier“) zum Leben erweckt wurden, und zum anderen auch daran, dass das Machwerk 1996 in der US-Comedyserie „Mystery Science Theater 3000“ veralbert wurde. Die Episode mit „Laserkill“ erschien gemeinsam mit drei anderen Filmen sogar innerhalb der „20th Anniversary Edition“-DVD-Box. Bei knapp 200 Folgen der Serie zum damaligen Zeitpunkt eine reife Leistung, unter die vier besten auserwählt zu werden.

Und was ist das deutsche Pendant zu „Mystery Science Theater 3000“? Richtig, die TELE-5-Reihe „Die schlechtesten Filme aller Zeiten“, kurz „SchleFaZ“, mit Oliver Kalkofe und Peter Rütten, die sich um „Laserkill – Todesstrahlen aus dem All“ auch schon „gekümmert“ haben. Großartig, dass es Wicked Vision für die Blu-ray-Premiere gelungen ist, die „SchleFaZ“-Fassung des Streifens auf der Scheibe als Bonus mit draufzupacken. Dank Kalkofes und Rüttens Kommentaren und einem fetzigen „Free Billy Silly Killy Master Blaster Disaster“-Cocktail in der Hand, kann man „Laserkill“ dann doch noch einigermaßen genießen. Weil derzeit bedingt durch die Corona-Krise die Kanäle zum Kauf des Films limitiert sind, bin ich abschließend so frei, darauf hinzuweisen, dass „Laserkill – Todesstrahlen aus dem All“ direkt im Online-Shop der Wicked Vision Distribution GmbH bezogen werden kann.

Die Filme der „Full Moon Classic Selection“ und der „Full Moon Collection“ der Wicked Vision Distribution GmbH haben wir in unserer Rubrik Filmreihen gelistet.

Veröffentlichung: 14. Oktober 2019 als Blu-ray, 12. Dezember 2011 auf DVD, 6. Oktober 2009 auf DVD

Länge: 82 Min. (Blu-ray), 79 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Laserblast
USA 1978
Regie: Michael Rae
Drehbuch: Franne Schacht, Frank Ray Perilli
Besetzung: Kim Milford, Cheryl Smith, Gianni Russo, Ron Masak, Dennis Burkley, Barry Cutler, Eddie Deezen, Mike Bobenko, Roddy McDowall, Joanna Lipari
Zusatzmaterial: Vorwort von Charles Band, Audiokommentar mit Regisseur Charles Band und Komponist Richard Band, Originaltrailer, Bildergalerie, „SchleFaZ“-Fassung (128 Min), Wendecover mit alternativem Motiv
Label/Vertrieb: Wicked Vision Distribution GmbH / Full Moon Germany

Copyright 2020 by Andreas Eckenfels

Szenenfoto & Doppel-Packshot: © 2019 Wicked Vision Distribution GmbH / Full Moon Germany

 

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