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Lebendig skalpiert – Der Western aus dem Münsterland

27 Apr

Lebendig skalpiert

Von Volker Schönenberger

Horror-Westernkomödie // Eine junge Apachenjägerin (Taynara Wolf) schleicht sich an eine Herde Wasserbüffel heran. Doch gerade als sie ihren Bogen anlegen will, wird sie von einer Kompanie Soldaten der Konföderierten Armee gestört. Zwei üble Gesellen nehmen sie gefangen, doch bevor die beiden die Apachin vergewaltigen, greift immerhin der Südstaaten-General (Ralf Richter) mit seinem Adjutanten Brutus ein und bewahrt die junge Frau vor dem Schlimmsten. Die Indianerin ist zwischen die Fronten des Amerikanischen Bürgerkriegs geraten.

Auf der Jagd

Die Südstaaten-Armee erleidet gegen die Unionstruppen eine vernichtende Niederlage. Der General bekommt einen Schuss in den Bauch. Seinen baldigen Tod ahnend, trägt er seinem Adjutanten auf, die Fahne der Einheit und die Tochter des Generals in Sicherheit zu bringen. Als er schwer verletzt wird, rettet ihm die dankbare Indianerin mit einem Serum aus Klapperschlangengift das Leben. Nebenwirkung: Sein Gesicht wird entstellt, und er entwickelt grenzenlose Mordlust.

Erstkontakt mit Jochen Taubert

Deinen ersten Taubert vergisst du nie! Natürlich war mir der Name Jochen Taubert schon zuvor ein Begriff, aber da ich mich bis 2019 nie ausgiebig mit dem deutschen Amateur- und Undergroundfilm beschäftigt hatte, ist sein Werk bislang an mir vorbeigegangen. Die Heimkino-Veröffentlichung von Tauberts jüngster Regiearbeit „Lebendig skalpiert“ durch die Busch Media Group war nun willkommener Anlass, das zu ändern.

Der General vor seiner letzten Schlacht

Die Horror-Westernkomödie bietet Trash in Reinkultur gepaart mit großer Schauspielkunst. Okay, beim zweiten Punkt habe ich etwas übertrieben, um nicht zu schreiben: hemmungslos gelogen. Taubert drehte mit bewährtem Team im schönen Münsterland rund um seine Heimatstadt Stadtlohn. Ebenfalls von dort stammt Hauptdarstellerin Taynara Wolf, vormals Kandidatin bei „Germany’s next Topmodel“ – da weiß man sogleich, wo der schauspielerische Hase langläuft. Wolf hatte ein Jahr zuvor auch eine kleine Rolle in „Tal der Skorpione“ (2019) innegehabt, der im selben Segment anzusiedeln ist wie „Lebendig skalpiert“. Spätestens dort hat sie wohl Jochen Taubert kennengelernt, der darin ebenfalls eine Rolle hatte – genau wie Ralf Richter („Das Boot“). Im deutschen Undergroundfilm unterstützt man sich eben gegenseitig.

Der Liebste ist tot!

Wer Filme wie diesen ernst nimmt, dem ist nicht zu helfen. Sie sind hemmungslos und leidenschaftlich amateurhaft und erheben gar nicht erst irgendeinen höheren Anspruch. Angesichts der Dialoge rollen sich einem natürlich schon die Zehennägel auf, erst recht bei der Stimme aus dem Off, die einiges erklärt, was bei „Lebendig skalpiert“ doch vermutlich keinen Zuschauer interessiert. Andererseits machen die stümperhaften Worte für Trashfans einen Gutteil des Reizes aus.

Er mag es blutig und gut abgehangen

Lebendig skalpiert wird eher selten – mir ist nur eine einzige solche Tat aufgefallen. Gleichwohl geht es blutig zur Sache, die FSK-18-Freigabe der ungeschnittenen Fassung ist berechtigt. Da wird nach Herzenslust gemetzelt, niedergestochen, erschossen, totgeschlagen und -gehackt. Der Lebenssaft fließt in Strömen. Auch das zwar nicht auf höchstem Niveau, aber doch ansehnlich genug und handgemacht, sodass Freude aufkommt. Auch einige nackte Tatsachen werden geboten, hübsch zusammenhanglos, wie sich das in diesem filmischen Segment gehört. Wer nach ernsthafter Westernware sucht, möge anderswo weitersuchen, Trash- und Underground-Freunde kommen auf ihre Kosten.

Skalpieren – ein Hobby für Genießer

Mit Filmen wie „Ich piss’ auf deinen Kadaver“ (1999), „Piratenmassaker“ (2000), „Turbo Zomi – Tampons of the Dead“ (2011) und „Spiel mir am Glied bis zum Tod“ (2014) hat sich Jochen Taubert seinen Ruf im deutschen Independent-Film wacker erarbeitet – worin auch immer dieser Ruf bestehen mag. Da ich mit seinen Arbeiten wie erwähnt nicht vertraut bin: Welche seiner Regiearbeiten sind unverzichtbar, will man Jochen Tauberts Œuvre ergründen?

Ob er eine gespaltene Persönlichkeit entwickelt?

Veröffentlichung: 24. April 2020 als Blu-ray und DVD

Länge: 87 Min. (Blu-ray), 83 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: keine
Originaltitel: Lebendig skalpiert
D 2020
Regie: Jochen Taubert
Drehbuch: Jochen Taubert
Besetzung: Taynara Wolf, Ralf Richter, Alina Lina, Christian Stock, Heiko Bender, Texas Patti, Sabrina Arnds, Elisabeth Habicht, Uwe Choroba, Giovanna Pepe, Ingo Kunert, Ramona Groth, Sascha Goldbach, Hans Schulte, Markus Beyer, Jochen Taubert
Zusatzmaterial: Filmmusik live on Stage (11:04), Interview mit Alina Lina (1:08), Premierenparty (8:12), Musikvideo „Es war einmal im Weste(r)n (3:48), Behind the Scenes 1 (1:33), Behind the Scenes 2 (7:54), Interview mit Jochen Taubert (3:32), Trailershow, Wendecover
Label: Busch Media Group
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos, Packshot & Trailer: © 2020 Busch Media Group

 
 

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15 Antworten zu “Lebendig skalpiert – Der Western aus dem Münsterland

  1. Kerstin R.

    2020/05/30 at 17:12

    Jochen… wer? Da hab ich wohl noch eine Bildungslücke. Muss unbedingt nachgearbeitet werden 😀

     
  2. Dirk B

    2020/05/29 at 19:33

    Leider keinen Plan von… 😦

     
  3. Thomas Oeller

    2020/05/28 at 18:05

    Piratenmassaker ist der einzige den ich kenne, unfassbar schlecht

     
  4. Christina

    2020/05/27 at 13:36

    Also dieser Film kann nur gut sein .Da es mal nicht in Hollywood gedreht wurde.Und so ein Unternehmen unterstützten muss.

     
  5. Klaus

    2020/05/23 at 12:42

    „Blutschrei der Verdammten“ ist ein solch schräges und abgründiges Machwerk, dass es einen würdigen Platz in der Liste der „schlechtesten Filme aller Zeiten“ bekommen sollte – daher einfach unverzichtbar!

     
  6. Björn Kramer

    2020/05/22 at 18:14

    Baggerführer Bob

     
  7. Jens

    2020/05/22 at 12:10

    Ich liebe Taubert Filme, auch wenn viele seine Filme als „nicht ansehbar“ definieren. Für mich einer der Höhepunkte war Bob der Baggerführer, ich muss aber gestehen dass ich auch Romeo und Julia ziemlich gut fand.

     
  8. Mathias Wagner

    2020/05/22 at 11:43

    Ich kenne NICHTS von ihm, aber ich hab Bock, mit dem Gewinn einen ersten Film von ihm zu sichten! 😀

     
  9. Frank Warnking

    2020/05/22 at 06:20

    da kenn ich mich überhaupt noch nicht aus 😦

     
  10. Holger Jekel

    2020/05/22 at 06:18

    Pudelmützenrambos .
    (=gerade so noch „unversichtbar“ 🤣 )

     
  11. Christoph Blahowetz

    2020/05/22 at 06:16

    Ich brauche diesen Film. Daher empfehle ich Dir ‚Spiel mir am Glied bis zum Tod‘. Zum einen, weil es der einzige Taubert-Film ist, den ich bislang gesehen habe, zum zweiten, da der Titel allein Lola-würdig ist. 🙄

     
  12. Gnislew

    2020/04/28 at 09:29

    Ich fühlte mich von dem Film auch bestens Unterhalten.

     
  13. Markus Beyer

    2020/04/27 at 15:11

    Hoi bitte bei den Darstellern Markus Beyer nicht vergessen einzutragen. Danke…(Bild der gespaltenen Persönlichkeit 🙂

     
  14. Michael Behr

    2020/04/27 at 11:40

    Na ja, Taubert und „unverzichtbar“ ist schon eine gewagte Wortkombination. Wobei ich, wie ich zugeben muss, mit seinen Werken aus dem letzten Jahrzehnt nicht vertraut bin, weil sich der Witz auch irgendwann totgelaufen hatte.

    Von seinen älteren Werken halte ich die „Pudelmützenrambos“ für am ansehnlichsten. Da wird wenigstens versucht, eine, wenn auch noch so krude und bescheuerte, Geschichte abzuspulen. Eine Eigenschaft, die Werken wie z.B. den beiden „Maniac Killern“ oder auch dem erwähnten „Kadaver“ weitgehend abgehen.

    Und dann ist da noch „Sheeba“, bei dem es mich immer noch wundert, dass George Lucas dem ollen Jochen nicht den letzten Cent aus dem Kreuz geklagt hat.

    Generell kann ich aber sagen, dass Taubert-Filme die Eigenschaft haben, sich mindestens dreimal so lang anzufühlen, wie sie tatsächlich sind. Und das sage ich als Trash-affiner Mensch.

     

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