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Ardennen 1944 – Tod in Belgien

11 Mai

Attack

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Unter dem Decknamen „Unternehmen Wacht am Rhein“ unternahm die deutsche Wehrmacht im Waldgebirge Ardennen in der belgischen Region Wallonie Mitte Dezember 1944 einen überraschenden Angriffsvorstoß an der Westfront. Die sogenannte Ardennenoffensive verfolgte das Ziel, den Hafen von Antwerpen zurückzuerobern, einen für die Westalliierten bedeutsamen Versorgungsknoten. Im Vereinigten Königreich und in den USA ist diese Schlacht als „Battle of the Bulge“ (Ausbuchtungsschlacht) bekannt. Die Ardennenoffensive gilt als einer der letzten großen Versuche Hitlerdeutschlands, dem Zweiten Weltkrieg doch noch eine Wende zu geben. Nach sechs Wochen war der Spuk vorbei und die Wehrmacht weiter geschwächt, sodass sie dazu überging, fortan in erster Linie die „Festung Deutschland“ zu sichern, was bekanntermaßen zum Scheitern verurteilt war. Ein Erfolg der Ardennenoffensive – so unwahrscheinlich die Aussichten ohnehin waren – hätte den Krieg an der Westfront enorm verlängert und womöglich dazu geführt, dass die USA die ersten Atombomben nicht auf Japan, sondern auf Deutschland abgeworfen hätten.

Lieutenant Costa (2. v. l.) befehligt einen Spähtrupp

„Ardennen 1944“ (Originaltitel: „Attack“) ist der wohl bedeutendste Spielfilm über diesen Bestandteil des Zweiten Weltkriegs in dessen westeuropäischen Schlussphase. Zur Handlung: In der von Captain Erskine Cooney (Eddie Albert) geführten Kompanie „Fragile Fox“ rumort es. Gerade hat Lieutenant Joe Costa (Jack Palance) eine Reihe der Soldaten seines Platoons verloren, weil Cooney ihm bei der Erstürmung einer deutschen MG-Stellung Verstärkung versagt hat. Lieutenant Harold Woodruff (William Smithers) kann als Executive Officer das Zerwürfnis zwischen Costa und dem Captain nicht verhindern. Es misslingt ihm auch, Lieutenant Colonel Clyde Bartlett (Lee Marvin) davon zu überzeugen, die Versetzung von Cooney auf einen weniger heiklen Posten zu veranlassen. Immerhin versichert Bartlett Woodruff, die Kompanie werde sowieso nicht mehr in den Kampf ziehen. Doch es kommt anders.

Himmelfahrtskommando für Costas Platoon

Der deutsche Vorstoß am 16. Dezember lässt Bartletts Worte zu Staub zerfallen. Captain Cooney erteilt Lieutenant Costa den Befehl, mit seinem Platoon als Spähtrupp vorzurücken und sich in einem Haus zu verschanzen, sofern er auf deutschen Widerstand treffe. Der Rest der Kompanie werde dann zur Unterstützung folgen. Unverhohlen droht Costa seinem vorgesetzten Offizier, mit ihm abzurechnen, sofern er ihm erneut die Unterstützung versage.

Angriff!

„Ardennen 1944“ versucht gar nicht erst, eine Chronik der militärhistorischen Ereignisse zu sein. Die Ardennenfoffensive dient vornehmlich als Hintergrund, vor dessen Kulisse sich ein tragisches Beziehungsgeflecht der vier genannten Offiziere entfaltet. Sie sind – jeder für sich – in ihren Ambitionen und Zwängen gefangen, allen voran Cooney, ein feiger Zauderer, der nun auch vor seinem Untergebenen Costa Angst hat und sich deshalb zu fatalen Entscheidungen verleiten lässt. Costa hätte dies ahnen können, verliert aber über seine berechtigte Verbitterung das Maß. Bartlett hat die Mittel, diesen gordischen Knoten zu lösen, deckt Cooney jedoch, weil ihm das aufgrund alter Beziehungen Vorteile bei seiner weiteren Karriere verschaffen kann. Zwischen ihnen steht Woodruff, dessen Position aber nicht stark genug ist, die Situation zu entschärfen. Die Fokussierung auf die innere Einstellung der Figuren lässt „Ardennen 1944“ weniger zu einer Aussage über den Krieg erscheinen als zu einem Psychogramm einiger Männer in Ausnahmesituationen vor kriegerischem Hintergrund.

Die Army verweigert ihre Unterstützung

Ein paar minimal überzeichneten Szenen zum Trotz macht das Darstellerquartett seine Sache vorzüglich, auch William Smithers („Scorpio, der Killer“), für den „Ardennen 1944“ nach einigen TV-Rollen das Leinwanddebüt markierte. Die für einen Kriegsfilm vergleichsweise zahlreichen langen Dialogsequenzen lassen die Herkunft des Stoffs vom Theater erkennen. Regisseur Robert Aldrich musste bei den Dreharbeiten auf die Unterstützung durch die US Army verzichten, was ein weiterer Grund sein mag, weshalb ausgiebige Kampfsequenzen eher rar gesät sind.

Doch die Deutschen …

Einen kurzen Auftritt als SS-Offizier hat Peter van Eyck – ein nicht untypischer Part für einen Deutschen in einem US-Kriegsfilm. In einer Nebenrolle als Private Snowden ist Richard Jaeckel zu sehen, der 1967 in „Das dreckige Dutzend“ erneut unter Regisseur Aldrich an der Seite von Lee Marvin zu sehen war. Jaeckel ist wohl auch derjenige Schauspieler aus der Besetzung von „Ardennen 1944“, der am häufigsten mit Robert Aldrich zusammenarbeitete, erstmals 1953 in dessen Kino-Regiedebüt „Big Leaguer“, im selben Jahr auch in „The Squeeze“, einer Episode der Fernsehserie „Four Star Playhouse“. Es folgten die Westernkomödie „Vier für Texas“ (1963) mit Frank Sinatra, Dean Martin und Charles Bronson, der Spätwestern „Keine Gnade für Ulzana“ (1972) mit Burt Lancaster und die Sportkomödie „Kesse Bienen auf der Matte“ (1981) mit Peter Falk. Jaeckel und Lee Marvin spielten auch in der fürs TV gedrehten Fortsetzung „Das dreckige Dutzend 2“ (1985) von Andrew V. McLaglen mit. Marvin wiederum ist auch in Aldrichs Regiearbeit „Ein Zug für zwei Halunken“ (1973) zu sehen. Für Jack Palance war „Ardennen 1944“ nach dem Film noir „Hollywood-Story“ (1955) die zweite Zusammenarbeit mit Aldrich. 1959 folgte mit dem im Nachkriegs-Berlin angesiedelten Bombenentschärfungs-Drama „Vor uns die Hölle“ die dritte und letzte Kooperation. Auch Eddie Albert trat in drei Regiearbeiten Aldrichs in Erscheinung, die zweite und dritte folgten aber erst in den 1970ern: „Die härteste Meile“ (1974) und „Straßen der Nacht“ (1975).

Westeuropa im Zweiten Weltkrieg

„Ardennen 1944“ schließt nicht ganz zu den großen Hollywoodfilmen über den Zweiten Weltkrieg auf, allzu viel fehlt dabei aber auch wieder nicht. Vielleicht wirkt das Kriegsdrama auch nur weniger spektakulär als andere, seine Tiefenwirkung erzielt es so oder so. Welche auf dem westeuropäischen Kriegsschauplatz angesiedelten Hollywood-Filme über den Zweiten Weltkrieg gehören zu euren Favoriten?

… warten schon

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Robert Aldrich haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Peter van Eyck, Richard Jaeckel, Lee Marvin und Jack Palance unter Schauspieler.

Costa erledigt einen Panzer der Wehrmacht

Veröffentlichung: 26. März 2020 als Blu-ray und DVD, 30. Oktober 2006 und 15. September 2003 als DVD

Länge: 108 Min. (Blu-ray), 103 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Attack
USA 1956
Regie: Robert Aldrich
Drehbuch: James Poe, nach einem Theaterstück von Norman Brooks
Besetzung: Jack Palance, Lee Marvin, Eddie Albert, William Smithers, Robert Strauss, Richard Jaeckel, Buddy Ebsen, Peter van Eyck, Strother Martin, Steven Geray, Jud Taylor
Zusatzmaterial: Wendecover
Label 2020: explosive media
Vertrieb 2020: Koch Films
Label/Vertrieb 2003/2006: MGM

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos: © 2020 explosive media, untere Packshots: © MGM (Twentieth Century Fox Home Entertainment)

 
 

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16 Antworten zu “Ardennen 1944 – Tod in Belgien

  1. SmileySmile77

    2020/06/28 at 07:08

    The Big Red One von Samuel Fuller
    Cross of Iron von Sam Peckinpah
    The Dirty Dozen von Robert Aldrich

     
  2. Thomas Oeller

    2020/06/27 at 19:11

    Der Soldat James Ryan, Dunkirk, Die dunkelste Stunde, Luftschlacht um England (auch wenn das ein britischer Film ist)

     
  3. Jan R

    2020/06/26 at 13:24

    „Der Soldat James Ryan“ und „Die Kanonen von Navarone“

     
  4. Markus Tump

    2020/06/25 at 19:03

    Gilt das? „Band of brothers“?

     
  5. Kevin Aßmann

    2020/06/23 at 19:40

    Mein Lieblingskriegsfilm, der sich thematisch mit dem zweiten Weltkrieg auseinandersetzt, ist „Die Letzte Schlacht“ mit Henry Fonda, Charles Bronson, Robert Ryan und Robert Shaw. Einziges Manko ist die Syncro an ein paar Steelen, aber ansonsten ist der Film perfekt. 🙂

     
  6. Eva

    2020/06/23 at 07:59

    Der Soldat James Ryan

     
  7. Björn Kramer

    2020/06/22 at 17:58

    stosstrupp gold

     
  8. Birgit

    2020/06/22 at 11:58

    „Herz aus Stahl“ (2014) ist mir als spannender, intensiver und realistisch aufbereiteter Film über die Panzerschlachten des Zweiten Weltkriegs in Erinnerung.

     
  9. Mike Hennig

    2020/06/21 at 16:30

    Aktuell ist dies dann wohl Dunkirk. Den finnischen Beitrag Winterkrieg finde ich auch genial.

     
  10. Klaus

    2020/06/21 at 12:19

    Franklin J. Schaffners „Patton – Rebell in Uniform“ von 1970 ist mein Favorit.

     
  11. Michael Behr

    2020/06/19 at 16:05

    Oh je, gemeine Frage. Natürlich muss ich „Der längste Tag“ nennen. Aber auch „Der Soldat James Ryan“ hat was. „Stalag 17“ ist auch ein guter Film, wie ich finde.

     
  12. Sascha Nolte

    2020/06/19 at 12:08

    Meine Wahl fällt auf Fullers fulminanten The Big Red One. Genial besetzt, ebenso gespielt und inszeniert.

     
  13. Katja

    2020/06/19 at 08:56

    Hallo und vielen Dank für den interessanten Beitrag und das schöne Gewinnspiel! Zu meinen Favoriten auf westeuropäischem Kriegsschauplatz gehören Inglourious Basterds, Dunkirk und Der Soldat James Ryan.

    Viele Grüße
    Katja

     
  14. Andreas H.

    2020/06/19 at 08:07

    „Zeit zu leben und Zeit zu sterben“, „Die Brücke von Arnheim“ und „Die letzte Schlacht“ fand ich sehr gut.

     
  15. Christoph Wolf

    2020/06/19 at 07:52

    „Gesprengte Ketten“ ist mein Favorit bei den Klassikern. „Der längste Tag“, „Die Brücke von Remagen“ und „Das Boot“ schätze ich auch sehr, und falls der noch gilt „Die Schlacht an der Neretva“ (spielt aber in Jugoslawien). Ein weiterer Favorit, aber neueren Datums ist Tarantinos „Inglourious Basterds“.

    Aber natürlich gibt es noch massenhaft andere Filme zum Thema, die ich sehr mag.

     
  16. Frank Warnking

    2020/06/19 at 07:48

    da gibt es soviele:Soldat James Ryan,Dunkirk und aktuell natürlich 1917 🙂

     

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