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Sniper – Der Scharfschütze: Schleich-Mission im Dschungel

13 Mai

Sniper

Von Volker Schönenberger

Kriegs-Action // Scharfschützen haben das Thriller-Kino seit jeher um fesselnde Beiträge bereichert. Nach dem Roman von Frederick Forsyth legte 1973 Edward Fox als titelgebender Killer in Fred Zinnemanns „Der Schakal“ auf den französischen Präsidenten Charles de Gaulle an – 1997 folgte eine Neuverfilmung mit Bruce Willis. In „Silent Trigger“ (1996) spielt Dolph Lundgren einen ehemaligen Elitesoldaten, der sich mittels Scharfschützengewehr als Auftragsmörder verdingt. 2001 liefern sich Jude Law als russischer und Ed Harris als deutscher Scharfschütze in „Duell – Enemy at the Gates“ in der Schlacht um Stalingrad eine tödliche Auseinandersetzung. Jude Laws Figur beruhte dabei auf einem realen russischen Soldaten, der während des Zweiten Weltkriegs mehr als 250 Feinde erschossen haben soll.

Master Gunnery Sergeant Thomas Beckett nimmt sein Ziel ins Visier

Mark Wahlberg gibt 2007 den „Shooter“, der nach seinem Ausstieg aus der Army in ein Mordkomplott verwickelt wird. Regie führt Antoine Fuqua. Quentin Tarantino wiederum besetzt den Deutschen Daniel Brühl für „Inglourious Basterds“ (2009) als Wehrmachtssoldat mit hohem Scharfschützen-Body-Count, dem mit „Stolz der Nation“ sogar ein Film im Film gewidmet wird. 2014 bringt Regisseur Clint Eastwood „American Sniper“ in die Kinos. Bradley Cooper porträtiert darin einen amerikanischen Kriegshelden, der als der Scharfschütze mit den meisten Tötungen in der Geschichte des US-Militärs gilt. Das Werk wurde überaus kontrovers aufgenommen. Weniger kontrovers fällt „Sniper – Special Ops“ (2016) aus – der Kriegs-Actioner mit Steven Seagal hinterlässt keinen Eindruck und reiht sich nahtlos in die Zahl der belanglosen bis miesen Streifen im Spätwerk des Actionstars ein.

Vom Regisseur von „Anaconda“

Widmen wir uns nach dieser kurzen Aufzählung ohne jeglichen Anspruch auf irgendeine Vollständigkeit „Sniper – Der Scharfschütze“ (1993) von Luis Llosa. Der in der peruanischen Hauptstadt Lima geborene Regisseur drehte später noch den Actionthriller „The Specialist“ (1994) mit Sylvester Stallone und Sharon Stone sowie das Tierhorror-Abenteuer „Anaconda“ (1997) mit Jon Voight und Jennifer Lopez. Seit 2005 hat Llosa keinen Film mehr inszeniert, er ist als Produzent für lateinamerikanische Fernsehsender tätig.

Nach erfolgtem Kill heißt es, mit seinem Spotter Papich (r.) Reißaus zu nehmen

Zur Handlung: Master Gunnery Sergeant Thomas Beckett (Tom Berenger, „Platoon“) vom United States Marine Corps Force Reconnaissance operiert als erfahrener Scharfschütze tief im Feindesland, um mit präzisem Schuss unliebsame Zielpersonen auszuschalten. Im Dschungel von Panama tötet er mit Unterstützung seines Aufklärers Corporal Papich (Aden Young) – seines „Spotters“ – einen Rebellenführer. Doch weil ihr Helikopter schon bei Tageslicht am vereinbarten Treffpunkt eintrifft, gelingt es einem feindlichen Heckenschützen, Papich zu erschießen.

Von Olympia in den Dschungel

Für seine nächste Mission teilt man Beckett den Zivilisten Richard Miller (Billy Zane, „Titanic“) als „Spotter“ zu. Der hat zwar mal eine olympische Silbermedaille im Schießen gewonnen, aber keine Erfahrung in Dschungel-Außeneinsätzen wie diesen. Beckett ahnt nicht, dass Miller den Auftrag hat, ihn zu erschießen, sollte er Probleme bereiten. Es gilt, den Rebellengeneral Miguel Alvarez (Frederick Miragliotta) aufzuspüren und zu töten. Besonders gut kommen Beckett und Miller auf ihrem Trip nicht miteinander klar, zumal Miller zwar offiziell das Kommando über die Mission zugeteilt wurde, er aber auf die Erfahrung des Master Gunnery Sergeants angewiesen ist.

Per Bahn zur nächsten Mission

Die Spannungen zwischen den beiden Protagonisten auf ihrem Marsch durch den Dschungel tragen ihr Gutteil zum Nervenkitzel des Films bei. Durchaus ungewöhnlich, wie viel Zeit sich der Actionfilm für die Charakterisierung von Beckett und Miller nimmt. Ihr Psychoduell lässt lange genug offen, wohin die Reise für die beiden führt. Das Dschungel-Setting setzt der in Australien und Panama gedrehte Film versiert ein, es trägt zur Intensität bei. Außergewöhnliche Überraschungen werden zwar nicht geboten, die Story hält uns aber mit ausreichend interessanten Entwicklungen bei der Stange.

Die USA, dein Freund und Helfer

Kurz kommt zur Sprache, dass Becketts Einsätze nicht unbedingt auf völkerrechtlich sicheren Säulen stehen, sondern eher dem Hegemonialanspruch der Vereinigten Staaten geschuldet sind. Dass der Master Gunnery Sergeant gegen Rebellenführer eines lateinamerikanischen Staats ins Feld zieht, liegt wohl weniger an deren Bösartigkeit als daran, dass diese nicht die richtige politische Ausrichtung verfolgen. Natürlich mischt auf Seiten der Rebellen ein Drogenkartell mit, damit wir als Publikum das eher illegale Treiben der beiden Scharfschützen weiterhin wohlwollend verfolgen. Die Kritik an den USA als Weltpolizei spielt bald ohnehin keine Rolle mehr. Immerhin entpuppt sich noch ein Folterknecht der Rebellen als ehemaliger CIA-Mitarbeiter.

Richard Miller mag den Dschungel nicht

Die 1994 erfolgte Indizierung des Films wurde 2017 vorzeitig aufgehoben. Mittlerweile hat die ungekürzte Fassung von „Sniper – Der Scharfschütze“ von der FSK eine Altersfreigabe ab 16 Jahre erhalten. Es existiert aber auch eine zensierte FSK-16-Fassung von 1999. Sie ist zwar offiziell im Handel nicht mehr lieferbar, dennoch Obacht – nicht, dass Ihr sie euch versehentlich zulegt. Alle später erschienenen DVD- und Blu-ray-Auflagen sind ungeschnitten, die jüngste Veröffentlichung von Studiocanal enthält als Bonus zudem die britische Schnittfassung. Mediabook-Freunde werden in Österreich fündig.

Wann kommt der achte „Sniper“-Film?

Bei Fans fesselnder Dschungelkriegs-Action hat sich „Sniper – Der Scharfschütze“ einen respektablen Ruf erarbeitet und bildete somit den Auftakt einer Reihe, die es bislang auf satte acht Filme brachte. „Sniper 2“ (2003) und „Sniper 3“ (2004) zeigt erneut Tom Berenger in seiner Rolle als Thomas Beckett. In „Sniper – Reloaded“ (2011), „Sniper – Legacy“ (2014), „Sniper – Ghost Shooter“ (2016) und „Sniper – Ultimate Kill“ (2017) ist Chad Michael Collins als Thomas Becketts Sohn Brandon als Hauptfigur zu sehen. Berenger taucht auch im dritten, fünften sowie dem siebten und bislang letzten Teil als Thomas Beckett auf, Billy Zane tritt als Richard Miller auch im vierten, sechsten und siebten Teil auf. Diese Konstellationen machen nach meiner Sichtung des ersten Films durchaus Lust, das Schicksal von Beckett und Miller weiter zu verfolgen und mich auch Becketts Sohn zu widmen. Und kurz vor Veröffentlichung dieser Zeilen kam die Kunde von „Sniper – Assassin’s End“ (2020), der in den USA bereits ab Juni fürs Heimkino zu haben sein wird. Bislang in der Besetzung bestätigt sind erneut Berenger und Collins sowie die japanische Sängerin und Schauspielerin Sayaka Akimoto, deren Rolle einiges verspricht: Sie spielt die Yakuza-Killerin Lady Death.

„Sniper – Der Scharfschütze“ erfüllt die Ansprüche, die man an Kriegs-Action wie diese haben kann.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Tom Berenger haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Erneut auf der Flucht

Veröffentlichung: 23. April 2020 als Blu-ray und DVD, 27. April 2018 als Blu-ray und DVD, 24. Januar 2007 und 27. Juli 1999 als DVD

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 97 Min. (alternative Schnittfassung, Blu-ray), 95 Min. (DVD), 93 Min. (alternative Schnittfassung, DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Sniper
USA 1993
Regie: Luis Llosa
Drehbuch: Michael Frost Beckner, Crash Leyland
Besetzung: Tom Berenger, Billy Zane, J. T. Walsh, Aden Young, Ken Radley, Ken Radley, Reynaldo Arenas, Gary Swanson, Hank Garrett, Frederick Miragliotta, Vanessa Steele, Carlos Álvarez, Tyler Coppin, Teo Gebert, Edward Wiley
Zusatzmaterial: alternative Schnittfassung (OmdU), Wendecover
Label/Vertrieb 2020: Studiocanal Home Entertainment
Label 2018: NSM Records
Vertrieb 2018: Al!ve AG
Label/Vertrieb 2007 & 1999: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2020 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshot: © 2020 Studiocanal Home Entertainment

 

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