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The Cleansing – Die Säuberung: Die Hexe und der Schwarze Tod

27 Mai

The Cleansing

Von Volker Schönenberger

Horror // Im 14. Jahrhundert wütet der Schwarze Tod in Europa. Auch ein walisisches Dorf wird von der Pest heimgesucht. Auch die Mutter von Alice (Rebecca Acock) ist erkrankt. Zwar versucht das Teenager-Mädchen, dies vor den anderern Dörflern zu verbergen, doch vergebens: Mit Unterstützung des Geistlichen Tom (Rhys Meredith) tötet der „Läuterer“ (Simon Nehan) die Pestkranke.

Alice hat kein leichtes Schicksal

Der Priester hat ein Auge auf Alice geworfen, die kaum ein Wort spricht. Weil sie seine Avancen verschmäht, indem sie ihn anspuckt, hetzt er in Abwesenheit des Läuterers das Dorf gegen Alice auf – sie sei eine Hexe, vom Teufel besessen und schuld daran, dass die Pest über das Dorf kam. Zum Beweis ihrer Unschuld soll sie das Vaterunser aufsagen, doch weil sie dazu nicht fähig ist, wird sie gefoltert und gekreuzigt. Die mitleidige Dorfbewohnerin Mary (Abbie Hirst) schneidet sie herunter, Alice gelingt die Flucht. Tief im Wald findet sie einen Unterschlupf beim Einsiedler James (Simon Pengelly), der mit allerlei Heilkräutern hantiert. Kurz scheint sie etwas Frieden zu finden.

Der Geistliche Tom beschuldigt sie, die Pest über das Dorf gebracht zu haben

Zügig zu erkennen: Bei „The Cleansing – Die Säuberung“ stand „The Witch“ (2015) Pate, der vor einigen Jahren bei vielen Verzückung auslöste, von anderen – meines Erachtens zu Unrecht – als Hype abgekanzelt wurde. Diese Kontroverse wird der Epigone nicht auslösen, allein schon deshalb, weil die britische Independent-Produktion viel weniger Aufmerksamkeit erhalten wird. „The Witch“ wirkt obendrein auf diversen Ebenen sorgfältiger produziert, seien es Kulissen und Kostüme, sei es die Dialogregie – wobei mir lediglich die deutsche Synchronisation von „The Cleansing“ vorlag, die mir etwas lieblos gestaltet erschien. Auch die Ausleuchtung erreicht nicht das Niveau des Vorbilds. Die Waldbilder sind zwar ansprechend und atmosphärisch geraten, aber insgesamt erscheint mir die Visualisierung etwas zu glatt. Setting und Sujet hätten rauere Bilder verdient gehabt.

Der Läuterer setzt auf die Reinigungskraft des Feuers

Bei Regisseur Antony Smith bleibt in puncto Spannungsbogen Luft nach oben – es dauerte schlicht zu lang, bis sich bei mir ein Gefühl einstelle, wo die Reise hingeht. Dann immerhin wird es interessant, da Smith lange offenlässt, ob wir es lediglich mit dem Aberglauben mittelalterlicher Menschen zu tun haben oder am Ende doch Teuflisches dahintersteckt.

Kann Alice etwas Frieden finden?

So recht hat sich mir der Sinn nicht erschlossen, Alice kaum sprechen zu lassen. Das nimmt Darstellerin Rebecca Acock die Möglichkeit, ihrer Figur mehr Profil zu verleihen. Sie bleibt auf diese Weise immerhin rätselhafter, was womöglich die Absicht von Antony Smith war. Der Regisseur mag offenbar Kostümfilme, zuvor hat er „Viking – The Berserkers“ (2014) und „King Arthur – Excalibur Rising“ (2017) inszeniert. Ich habe gewisse Zweifel, dass ihm dereinst ein Studio ein großes Kino-Budget anvertrauen wird, aber wer mittelalterlichem Horror auf B-Level etwas abgewinnen kann, möge sich an „The Cleansing – Die Säuberung“ heranwagen. Immerhin bekommen wir keinen Trash geboten, sondern einen ernsthaften Schocker. Als Referenz fällt mir gerade noch „Black Death“ (2010) ein, der aber allein schon aufgrund der Besetzung mit Sean Bean, Carice van Houten und Eddie Redmayne in einer anderen Liga spielt.

Zu früh gefreut

Veröffentlichung: 4. Juni 2020 als Blu-ray und DVD

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Cleansing
GB 2019
Regie: Antony Smith
Drehbuch: David Shillitoe
Besetzung: Rebecca Acock, Luke Bailey, Rhys Meredith, Simon Nehan, Christopher Vowles, Simon Pengelly
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sony Pictures Entertainment

Copyright 2020 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshot: © 2020 Tiberius Film

 

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