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Extra Ordinary – Geisterjagd für Anfänger: Who Ya Gonna Call? Rose Dooley!

08 Jun

Extra Ordinary

Von Andreas Eckenfels

Horrorkomödie // In einem irischen Dorf backt sich die einsame Fahrlehrerin Rose Dooley (Maeve Higgins) nach einem ereignislosen Arbeitstag ihre Tiefkühllasagne auf und hört nebenbei den Anrufbeantworter ab: ein Spuk hier, ein paar merkwürdige Vorkommnisse da – das Übliche eben, wenn man mal als Medium gearbeitet hat. Noch immer nimmt Rose überall paranormale Aktivitäten wahr, die sonst kaum jemand bemerkt: einen Toaster am Straßenrand, der mit seinem Netzkabel fröhlich winkt. Einen Ast an einem Baum, der sich nicht allein durch den Wind bewegt. Oder eine Mülltonne, die ständig mit dem Deckel klappert. Alles alltägliche kleine Spukereien, die niemandem weh tun und mit denen Rose zu leben gelernt hat. Die Gabe hat sie von ihrem Vater geerbt, dem berühmten Geisterjäger Vincent Dooley (Risteárd Cooper). Doch nach einer fehlgeschlagenen Austreibung starb ihr Vater – und Rose hält sich noch immer für seinen Tod verantwortlich. Deshalb will sie mit Geistern nichts mehr zu tun haben.

Rose (l.) trauert mit Schwester Sailor an der Unfallstelle ihres Vaters

Dem Hilferuf des Witwers Martin Martin (Barry Ward) kann Rose dann aber doch nicht überhören. Er wird nicht nur tagtäglich vom Geist seiner verstorbenen Frau drangsaliert – auch seine Tochter Sarah (Emma Coleman) macht eine merkwürdige Verwandlung durch: Sie befindet sich plötzlich in einer Art Trance-Zustand und schwebt über ihrem Bett. Wie sich bald herausstellt, sind dafür der exzentrische Sänger Christian Winter (Will Forte) und seine Frau Claudia (Claudia O’Doherty) verantwortlich. Christian ist ein One-Hit-Wonder – mit „Cosmic Woman“ hatte er vor Jahren einen einzigen Hit. Er hat sich in ein altes Schloss verkrochen und hofft, mithilfe eines okkulten Rituals den Teufel heraufbeschwören zu können, der ihm zu einem Comeback verhelfen soll. Und dafür benötigt Christian ein jungfräuliches Opfer: Sarah …

Die magische Formel

Ich lehne mich wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass „Braindead“ (1992), „Shaun of the Dead“ (2004), „Tucker & Dale vs. Evil“ (2010) und „5 Zimmer, Küche, Sarg“ (2014) zu den besten Horrorkomödien der vergangenen Jahrzehnte gehören. Was haben sie alle gemein? Die Macher fahren den Horroranteil zunächst runter und konzentrieren sich dafür voll auf die Geschichte, ihre skurrilen Figuren und reichern alles mit schwarzem Humor an. Wir fiebern mit Außenseiter Lionel mit, wenn er von seiner dominanten Mutter terrorisiert wird, wir hoffen mit Verlierertyp Shaun, dass er seine Ex-Freundin Liz zurückerobern kann. Die liebenswerten Hillbilly-Kumpels Tucker und Dale können ja auch nichts dafür, dass sie von ein paar Studenten irrtümlich für eiskalte Backwood-Killer gehalten werden, und die Vampir-WG hat mit ganz irdischen Problemen wie dem Abwasch zu kämpfen. Von Peter Jackson bis hin zu Taika Waititi kennen die Regisseure sich auch im Horrorgenre bestens aus und spielen nach der ausführlichen Einführung der Charaktere genüsslich mit dessen Konventionen – mal auf subtile, mal auf übertriebene Weise. Am Ende kommt es dann aber natürlich darauf an, wie die verschiedenen Zutaten der magischen Formel miteinander vermengt werden.

Rose sieht überall Geister

Diese Formel nutzen auch die irischen Regisseure Mike Ahern und Enda Loughman erfolgreich für ihr Langfilmdebüt, welches beim Fantasy Filmfest 2019 seine Deutschland-Premiere feierte und dort und auf anderen Festivals zu einem Crowdpleaser avancierte: Bei der Verleihung des „Fresh Blood Awards“ – dem Publikumspreis für den besten Erstlingsfilm – landete „Extra Ordinary“ nur knapp hinter dem Sieger „Hotel Mumbai“. Dabei liegt der Comedy-Anteil wesentlich höher als der Horror-Anteil, auch wenn viele Motive und Anspielungen aus Klassikern wie „Der Exorzist“ (1973) und „Ghostbusters“ (1984) aufgegriffen werden und im spektakulären Finale der Leibhaftige persönlich seine Jungfrau in Empfang nehmen will.

Newcomerin trifft „Saturday Night Live”-Star

Als Herzstück des Films erweist sich dabei die irische Komödiantin Maeve Higgins, die in ihrer ersten Hauptrolle als liebenswerte Fahrlehrerin Rose mit ihrer Einsamkeit und ihrer Gabe hadert. Lustigerweise verriet Higgins in einem Interview, sie habe den Filmemachern erzählt, dass sie einen Führerschein besitze – was aber nicht der Fall war. „Ich glaube sie haben ihr komplettes Budget für Spezialeffekte ausgegeben, die es so aussehen lassen, dass ich fahren könnte“, scherzte Higgins. Im Endeffekt wurde für die Szenen aber ein Body Double engagiert.

Rose steht dem gebeutelten Witwer Martin zur Seite

Während die Schauspielerin mehr für den typisch britischen Humor steht, konnten die Regisseure für die Rolle des Gegenspielers den ehemaligen „Saturday Night Live“-Star Will Forte gewinnen: Wer den US-Komiker aus „MacGruber“ (2010) oder der TV-Serie „The Last Man on Earth“ (2015–2018) kennt, der weiß, dass dieser Kerl sich für keine Absurdität zu schade ist, und auch als herrlich durchgeknallter Ex-Rockmusiker mit Hang zum Satanismus ist er die Idealbesetzung.

Die lahmste Verfolgungsjagd der Filmgeschichte

Während die Handlung in der irischen Provinz zunehmend in immer verrückteren (Geister-)Bahnen verläuft, gesellt sich eine Vielzahl kleiner, feiner Scherze hinzu: Die Videofilme, in denen Vater Dooley seine Fähigkeiten demonstriert, sind im Retro-VHS-Look inklusive Laufstreifen gehalten, bei der Geisteraustreibung muss Martin als Zwischenwirtskörper fungieren, was zu abstrusen Situationen führt, und es gibt die wohl lahmste Verfolgungsjagd der Filmgeschichte zu bestaunen.

Christian und Claudia Winter planen …

Die Regisseure Ahern und Loughman mischen so in ihrem Erstling eine nette Geschichte mit schrulligen Charakteren sowie viel Klamauk und Situationskomik zu einem grundsympathischen, paranormalen Horrorspaß mit irrem Finale zusammen, der zwar noch nicht ganz zu den oben genannten Perlen aufschließen kann, aber dennoch mindestens in einer Liga mit „Sightseers“ und „Housebound“ spielt. Wer des Englischen mächtig ist, sollte trotz des starken irischen Dialekts die Originalfassung vorziehen, denn wie häufig gehen einige Wortspiele in der Synchronisation leider verloren.

… ein okkultes Ritual

Veröffentlichung: 25. Oktober 2019 als Blu-ray und DVD

Länge: 94 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Extra Ordinary
IRL/BEL/FIN/GB 2019
Regie: Mike Ahern, Enda Loughman
Drehbuch: Mike Ahern, Enda Loughman
Besetzung: Maeve Higgins, Barry Ward, Will Forte, Claudia O’Doherty, Jamie Beamish, Terri Chandler, Risteárd Cooper
Zusatzmaterial: Trailershow
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2020 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos, Packshot & Trailer: © 2019 Universum Film

 

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