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Mutant River – Blutiger Alptraum: Terror auf dem Kanal

22 Jun

The Barge People

Von Volker Schönenberger

Horror-Action // In the past 10 years over 150 people have been reported missing on the Kennet & Avon Canal… Nobody had known just what horrors lay in wait, on that 87 mile waterway… Nobody… until now. Nach dieser, nicht gerade außergewöhnlich Neues verheißenden Texttafel-Einblendung sehen wir eine junge Frau, die sich in einer Höhle in Todesangst vor einem entstellten Zeitgenossen zu verbergen versucht, der ein längliches Paket hinter sich her zieht … Ein Jogger entdeckt die junge Frau kurz darauf blutend und leblos auf seiner Strecke liegend. Als er sich über sie beugt, schreckt sie hoch. Doch auch jemand anderes ist dort.

Der Bootstrip von Kat und Mark beginnt idyllisch

Im Anschluss an diesen auch nicht gerade vor Originalität strotzenden Prolog lernen wir zwei Pärchen aus Bristol kennen, die in einem gemieteten Narrowboat ein Wochenende auf den Kanälen im englischen Hinterland verbringen wollen: Die Schwestern Kat (Kate Davies-Speak) und Sophie (Natalie Martins) haben ihre Freunde Mark (Mark McKirdy) und Ben (Matt Swales) im Schlepptau. Letztgenannter ist erst seit kurzer Zeit mit Sophie zusammen und nicht gerade angetan von dem Trip – er sorgt sich permanent um seinen Handy-Empfang.

Ein Pub-Besuch des Quartetts entwickelt sich unangenehm …

Nach einer harmlosen Kollision mit einem anderen Kahn kommt es in einem ländlichen Pub zu einer unangenehmen Begegnung mit dem darauf befindlichen Paar Jade und Ricky (Makenna Guyler, Kane Surry), der kurz darauf eskaliert. Der Zoff tritt jedoch abrupt in den Hintergrund, als ein paar Mutanten auftauchen und sich mit kannibalistischen Absichten über alle hermachen.

Auftritt der Mutanten

Ach ja, übel gesinnte Kerle in Gummimasken – das hat einen gewissen Charme (den natürlich nur Horrorfans erkennen können, hehe). Ich verrate da nicht zu viel, da einer der Typen das Cover der Blu-ray und DVD schmückt. „Mutant River – Blutiger Alptraum“ setzt die üblichen Versatzstücke des Backwoods-Horror-Subgenres mehr oder weniger gekonnt ein. Meist weniger gekonnt. Das beginnt schon beim Spannungsbogen: Bereits knapp in der Mitte kommt es zu einer wie ein Endkampf wirkenden Auseinandersetzung zwischen den ein wenig wie Fischmenschen wirkenden Mutanten und ihrer Beute – mit Opfern auf beiden Seiten. Dass sich alle Beteiligten recht ungeschickt anstellen, kann man zwar an sich als Möglichkeit durchgehen lassen; aber dass eine sich derart stümperhaft anstellende Degenerierten-Sippe über die Jahre 150 Menschen gejagt und verspeist hat, ohne Aufsehen zu erregen, erscheint ausgeschlossen. Aber nun gut, wollen wir mal nicht päpstlicher sein als der Papst. Der Rest des Films besteht im Kampf ums Überleben auf der einen und dem Spiel mit der Beute auf der anderen Seite.

… als Ricky auftaucht

Auch Erklärungen für die Mutation werden angeboten. Zwischendurch dachte ich, eine frühzeitige Erwähnung von Cyanobakterien müsse dafür herhalten. Als ein Mitarbeiter eines Unternehmens für biochemische Müllbeseitigung auftaucht, gerät auch das in den Bereich des Möglichen, und kurz darauf erwähnt ein Opfer den guten alten Inzest. Das ganze Programm also. Da auch ein kleiner Twist ins Programm gehört, entpuppen sich gegen Ende ein paar früher aufgetauchte Menschen als Rädelsführer der mörderischen Sippschaft. Welch Überraschung!

Survival-Terror ungeschnitten

Vielleicht mäkel ich auch einfach zu viel herum. „Mutant River – Blutiger Alptraum“ will ja gar nicht mehr sein als Survival-Terror. Da darf die Logik ruhig mal auf der Strecke bleiben. Beinharte Fans dieses Horror-Segments werden daran vielleicht Gefallen finden, zumal die Indie-Produktion durchaus blutige Schauwerte vorzuweisen hat – die FSK hat die ungeschnittene Fassung übrigens mit einer Freigabe ab 18 Jahren durchgewinkt. Regisseur Charlie Steeds hat zuvor den Endzeit-Actionfilm „Labyrinthia“ („Deadman Apocalypse“, 2016) und den Backwoods-Horrorstreifen „Escape from Cannibal Farm“ (2017) inszeniert, die es beide immerhin zum Obscura Filmfestival 2017 nach Berlin geschafft haben.

Mark muss um sein Leben kämpfen

Tiberius Film preist „The Barge People“, so der Originaltitel, als Unterhaltsamer und überaus blutiger Slasherhorror im Stil von „The Hills Have Eyes“ und „Texas Chainsaw Massacre“ an. Die Vorbilder erkennt man natürlich sofort selbst, und mit unterhaltsam und blutig liegt das Label nicht mal falsch, wenn man als Zuschauer seine Ansprüche weit nach unten schraubt. Bei der Aussage Hervorragend besetzt mit Kate Davies-Speak („Winterskin“) und Mark McKirdy („Electric Man“) hingegen habe ich mich gefragt, ob mir da eine feine Ironie entgeht. Oder habt Ihr je von diesen beiden gehört? Dass ein Kanal kein Fluss ist, wie es die deutschen Titelschöpfer mit „River“ andeuten – geschenkt. Sei’s drum, ich fürchte, diesen Streifen und seine Handlung in wenigen Wochen völlig vergessen zu haben. Aber wenn ihn jemand erwähnt, kann ich immerhin meine Rezension hervorkramen.

Kann Sophie dem Albtraum entkommen?

Veröffentlichung: 2. Juli 2020 als Blu-ray und DVD

Länge: 105 Min. (Blu-ray), 101 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Barge People
GB 2018
Regie: Charlie Steeds
Drehbuch: Christopher Lombard
Besetzung: Kate Davies-Speak, Mark McKirdy, Natalie Martins, Matt Swales, Makenna Guyler, Kane Surry, Emma Spurgin-Hussey, Tim Cartwright, Carl Andersson, David Lenik
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow
Label/Vertrieb: Sony Pictures Entertainment

Copyright 2020 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshot: © 2020 Tiberius Film

 
 

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2 Antworten zu “Mutant River – Blutiger Alptraum: Terror auf dem Kanal

  1. SmileySmile77

    2020/07/05 at 12:12

    Ich bin mal wieder über die Imdb bei deinem Review gelandet. Dort wird der Film mit einem Bewertungs-Schnitt von 6,2 gehandelt was vielversprechend klang. Der Film hat ja keine Schuld daran, dass er in Deutschland mit einem generischen Titel und einem billigen Cover vertrieben wird.

    Aber Deine Beschreibung klingt nach dem Murks von dem es jedes Jahr beim FFF zumindest ein Exemplar gibt. Nach dem Motto „The fans will eat this up“ wird dann halt versucht „The Texas Chainsaw Massacre“ neu zu drehen ohne verstanden zu haben, was solche Meisterwerke wirklich ausmacht. Wer so was mag, mag sich dran freuen. Ich bin froh dank Deinem Review 90 Minuten meiner Zeit gespart zu haben.

    Schöne Grüße Thies

     
    • V. Beautifulmountain

      2020/07/05 at 12:42

      Gern, danke. Bei der IMDb schau ich gerade bei solchen Indies auch auf die Zahl der Bewertungen. In diesem Fall sind es lediglich 61, d. h. eine relativ kleine Zahl von Leuten kann die Wertung schon beeinflussen. Es gibt allein 20 Höchstwertungen, und eine 10 hat der ja ganz sicher nicht verdient. Wenn da mal nicht Teile der Filmcrew oder deren Familienmitglieder und Freunde mit abgestimmt haben …

      Bei Filmen, die von zigtausend IMDb-Usern bewertet worden sind, lässt sich die Durchschnittswertung nicht mehr so einfach beeinflussen.

       

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