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Follow Me – Influencer im Escape Room

15 Aug

Follow Me

Kinostart: 20. August 2020

Von Andreas Eckenfels

Horrorthriller // „#Escape Real Life“ – so heißt der erfolgreiche Vlog des Social-Media-Stars Cole (Keegan Allen), der regelmäßig um die ganze Welt jettet, um für seine zahlreichen Follower jede noch so extreme Challenge zu meistern. Zum Jubiläum des zehnjährigen Bestehens seines Kanals reist Cole mit seiner Herzdame Erin (Holland Roden) sowie den Freunden Thomas (Denzel Whitaker), Dash (George Janko) und Sam (Siya) nach Moskau. Erst vor Ort erfährt der Adrenalinjunkie, was ihn dort erwartet: Der reiche russische Fan Alexei (Ronen Rubinstein) lädt die US-Touristen in einen ganz speziellen „Escape Room“ ein.

Cole bietet seinen Followern eine große Show – diesmal aus Moskau

Das hört sich zunächst für Cole nicht sonderlich aufregend an – schließlich hat er sich auch schon mal für eine Aufgabe lebendig begraben lassen; doch als das Spiel seinen Lauf nimmt, muss die Gruppe bald ums Überleben kämpfen – und Millionen Fans sehen im Livestream dabei zu.

Zeitgeist getroffen

Bereits in seinem zweiten Spielfilm „Escape Room – Das Spiel geht weiter“ (2017) – nicht zu verwechseln mit dem 2019er-Kinohit „Escape Room“ von Adam Robitel – verknüpfte Regisseur und Drehbuchautor Will Wernick ein paar Horrorelemente mit dem seit einigen Jahren auch in Deutschland immer beliebter gewordenen Ausbruchsspiels. In „Follow Me“ fügt er der Thematik das allgegenwärtige Influencer-Phänomen hinzu – und trifft so ziemlich genau den Zeitgeist des gegenwärtigen, jungen Publikums.

Fanfoto mit Alexei (r.)

Auch sonst wurde versucht, bestmöglich auf die Bedürfnisse der Zielgruppe einzugehen: Mit Keegan Allen und Holland Roden wurden zwei bekannte Gesicher aus den Teenieserien „Pretty Little Liars“ (2010–2017) beziehungsweise „Teen Wolf“ (2011–2017) für die Hauptrollen verpflichtet. Zu brutal durfte das Geschehen auch nicht sein. Wer also auf heftigen Torture-Porn à la „Hostel“ oder „Saw“ hofft, wird enttäuscht. Zwar gibt es ein paar fiese Fallen, wie eine Eiserne Jungfrau, und auch einige übel aussehende Folterknechte sind vertreten, die bei den Protagonisten mit scharfen Werkzeugen Hand anlegen wollen; sonderlich explizit stellt Will Wernick in „Follow Me“ die Grausamkeiten aber nicht zur Schau. Man will ja die jungen Leute nicht verschrecken.

Der Countdown läuft

Die Rätselaufgaben mit denen es Cole und seine Freunde zu tun bekommen, fallen dabei wesentlich unspektakulärer aus, als jene in den Hightech-Puzzleräumen aus Adam Robitels „Escape Room“. Die Gruppe muss unter anderem einen Schlüssel aus einer Leiche bergen, einen heißen Draht überwinden und Zahnräder in korrekter Weise aneinanderreihen. Alles Aufgaben, die man auch in einem ganz normalen Escape Room vorfinden würde. Dass Will Wernick das aus „Stirb langsam 3 – Jetzt erst Recht“ (1995) bekannte Wasserrätsel recycelt, ist schon etwas schwach. Da hätte er sich in seiner Funktion als Drehbuchautor ruhig ein eigenständiges Puzzle ausdenken können.

In welches Schloss passt dieser Schlüssel?

Dennoch: Wenn die Uhr tickt und Cole unter Hochdruck eine Aufgabe lösen muss, damit Erin in einem Wassertank nicht ertrinkt, verfehlt das Geschehen nicht seine Wirkung. Ein Countdown ist nun mal eine sehr einfache, aber auch äußerst effiziente Methode, um Spannung aufzubauen. Erst recht, wenn es um Leben und Tod geht. Das funktioniert auch in „Follow Me“ bestens.

Social-Media-Star in der Kritik

Glücklicherweise besinnt sich Will Wernick in der zweiten Filmhälfte dann doch noch auf seine Aufgaben als Drehbuchautor: Er reiht nicht noch einen Rätselraum an den nächsten, sondern erhöht die Schlagzahl bis zum Finale mit einigen mehr oder weniger überraschenden Wendungen. Wie Keegan Allen als Cole durch die sich überschlagenden Ereignisse langsam seine Selbstverliebtheit und Coolness gegenüber seinen Followern verliert und in den Panikmodus schaltet, kann man dann auch als kleine Kritik an der fragwürdigen Verehrung solcher Social-Media-Stars verstehen. Cole wird dieses Spiel auf alle Fälle nie vergessen. So bekommt „Follow Me“ dann doch noch rechtzeitig die Kurve, so dass man diesem Espace Room ruhigen Gewissens einen Besuch abstatten kann, sofern man Spannung gegenüber einem blutigen Gemetzel bevorzugt.

Erin in Not

Länge: 92 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Follow Me
USA 2020
Regie: Will Wernick
Drehbuch: Will Wernick
Besetzung: Holland Roden, Ronen Rubinstein, Keegan Allen, Pasha D. Lychnikoff. Denzel Whitaker, Emilia Ares, Dominic Pace, Kimberly Quinn, Ravil Isyanov, Inja Zalta, Emily Hinkler, Elizabeth Hinkler, Dimiter D. Marinov, George Janko, Siya
Verleih: capelight pictures

Copyright 2020 by Andreas Eckenfels

Filmplakat & Szenenfotos: © 2020 capelight pictures

 

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