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Horror für Halloween (IV): Das Monster von Tokio – Der Auslandskorrespondent mit den zwei Köpfen

24 Sep

The Manster

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // Eine junge Japanerin wird des Abends zu Hause von einem zotteligen Humanoiden überfallen und blutig niedergestreckt. Offenbar handelt es sich um Genji Suzuki (Kenzo Kuroki), Sohn von Doktor Robert Suzuki (Tetsu Nakamura), der an seinem Sprössling fragwürdige Experimente vorgenommen hat. Die grausig entstellte Emiko (Toyoko Takechi) hält der Wissenschaftler in einer Zelle gefangen. Unterstützt wird Suzuki von seiner aparten Assistentin Tara (Terri Zimmern), die es schon lange aufgegeben hat, als moralisches Gewissen ihres Chefs zu agieren.

Was wächst da aus der Schulter?

Der amerikanische Auslandskorrespondent Larry Stanford (Peter Dyneley) sucht Suzuki und Tara in ihrem am Hang eines aktiven Vulkans gelegenen Haus auf, um etwas über deren Arbeit zu erfahren. Suzuki offenbart ihm bei einem Drink, ein chemisches Mittel entdeckt zu haben, mit dem er bei Menschen evolutionäre Veränderungen erreichen kann. Der Journalist ahnt nicht, dass der Forscher ihn zum Versuchskaninchen eines skrupellosen Experiments auserkoren hat, das bereits läuft …

In Japan gedrehte US-Produktion

Ungewöhnlich: eine Ende der 1950er-Jahre vollständig in Japan gedrehte US-Produktion. Die Hintergründe seiner Entstehung sind mir unbekannt, was daran liegen mag, dass mir „Das Monster von Tokio“ zuvor überhaupt nicht geläufig war. Das „kleine Trash-Juwel genießt“ laut Booklet der mir vorliegenden Blu-ray der „Classic Chiller Collection“ „schon lange Kultstatus bei Genre-Fans in aller Welt“. Die Ostalgica-Veröffentlichung stellt überhaupt die Deutschland-Premiere der synchronisierten Fassung des bei uns nie ins Kino gekommenen Werks dar. Gedreht wurde trotz etlicher japanischer Schauspieler in englischer Sprache. Die deutsche Synchronisation hat Ostalgica eigens für die „Classic Chiller Collection“ produzieren lassen, sie passt sich dem Film gut an und erweckt beinahe den Eindruck einer zeitgenössischen Arbeit. Bild- und Tonqualität sind ohnehin anständig geraten.

Im Kampf mit seinem Schöpfer

Wohin die Horror-Reise geht, bleibt im Film zwar eine Weile offen, der deutsche Titel und das Covermotiv offenbaren allerdings die Ansiedlung im Genre des Monsterfilms, garniert mit einem „Mad Scientist“ und einer Variation des Jekyll-und-Hyde-Motivs. Das bringt trotz meist unspektakulärer Handlungsorte viel Freude. Während die Ermittler nach dem unbekannten Täter einiger schauriger Morde suchen, sind wir als Publikum schon weiter. Etwas plakativ erscheint mir eine zügig auftretende Wesensveränderung, die Larry Stanford durchmacht: Hat er sich vor der Verabreichung des ersten Mittels durch Doktor Suzuki noch als treuer Ehemann seiner Gattin Linda (Jane Hylton) geäußert, mutiert er im Anschluss zügig zum Lebemann, der seine ihm besorgt nachgereiste Angetraute kaltschnäuzig abweist, um weiter mit Tara um die Häuser zu ziehen. Von dort bis zu Mordlüsternheit ist es anscheinend kein weiter Weg mehr. Ob es sich dabei um eine durch die Larry injizierten Mittel verursachte Wesensveränderung handelt oder diese lediglich seine düsteren Charakteristika zum Vorschein gebracht haben, lässt der Film offen – fürs Publikum wie für Larrys Frau Linda. Aber sie glaubt an ihn. Zum Finale werden die Handlungsorte dann doch noch etwas vielfältiger, von einer wilden Jagd zu Fuß durch den Hafen führt der Weg bis zum Showdown am Vulkan, begleitet von dramatischem Score.

Von „Armee der Finsternis“ zitiert

Die Tricktechnik wirkt nach heutigen Maßstäben zwar veraltet, gefällt mir aber ausgesprochen gut, etwa Stichwort Auge. Kein Geringerer als Sam Raimi brachte in seiner 1992er-Regiearbeit „Armee der Finsternis“ eine schöne Hommage an „Das Monster von Tokio“ unter. Alternative Filmtitel wie „The Split“, „The Manster: Halber Mann – halbes Monster“ und „Das zweiköpfige Monster“ lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig und sagen mir ebenfalls zu, speziell die für den Originaltitel ersonnene Wortschöpfung „The Manster“ als Kombination aus „Man“ und „Monster“ siedelt den Film genau da an, wo er hingehört. Wer einen alten Monster-Schinken zu schätzen weiß und nicht den Fehler begeht, ihn allzu ernst zu nehmen, wird daran seine Freude haben.

Das Monster von Tokio

Ostalgica hat „Das Monster von Tokio“ auf Blu-ray in guter Qualität als sechsten Teil der „Classic Chiller Collection“ veröffentlicht und damit wieder eine wertige Edition vorgelegt. Booklet, Schuber und Wendecover sind schmuck, und als feinen Bonus gibt es den Horrorfilm „Der Werwolf von Washington“ (1973) von Milton Moses Ginsberg dazu, und das in deutscher Synchronisation und englischer Originalfassung gleichermaßen. Sicher kein Klassiker des Werwolf-Genres, aber eine prima Ergänzung. Als sei das nicht genug, findet sich in der Box eine CD mit dem Hörspiel „Mit den Insekten kam das Grauen“ nach A. F. Morland. Wenn das kein Rundum-sorglos-Paket ist, weiß ich auch nicht mehr. Die „Classic Chiller Collection“ sollte man im Auge behalten, und das werden wir auch tun.

Die „Classic Chiller Collection“ von Ostalgica haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt.

Veröffentlichung: 6. März 2020 als 2-Disc-Edition (Blu-ray & CD) der „Classic Chiller Collection“, 25. März 2016, 25. Oktober 2013 als DVD

Länge: 73 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Manster
Alternativtitel: The Split / The Manster: Halber Mann – halbes Monster / Das zweiköpfige Monster
JAP/USA 1959
Regie: George P. Breakston, Kenneth G. Crane
Drehbuch: William J. Sheldon (als Walt Sheldon)
Besetzung: Peter Dyneley, Jane Hylton, Tetsu Nakamura, Terri Zimmern, Norman Van Hawley, Jerry Itô, Toyoko Takechi, Kenzo Kuroki, Alan Tarlton, Shinpei Takagi, George Wyman
Zusatzmaterial: Bonusfilm „Der Werwolf von Washington“ (88 Min., dt. und engl. Fassung), Bildergalerie, Trailershow, Hörspiel-CD „Mit den Insekten kam das Grauen“ nach A. F. Morland, Booklet, Wendecover, Schuber
Label 2020: Ostalgica
Vertrieb 2020: Media Target Distribution GmbH
Label/Vertrieb 2013: Interpathé (Jewel Collection)

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & oberer Packshot: © 2020 Ostalgica

 
 

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5 Antworten zu “Horror für Halloween (IV): Das Monster von Tokio – Der Auslandskorrespondent mit den zwei Köpfen

  1. Jürgen Winterstein

    2020/10/08 at 17:39

    1.Die deutsche Synchronisation
    2.Linda
    3.Armee der Finsternis
    4.The Split
    5.Der Werwolf von Washington

     
  2. ulrike stallechenr

    2020/10/07 at 07:34

    Armee der Finsternis

     
  3. matzematiker

    2020/10/04 at 20:09

    1. Die deutsche Synchronisation
    2. Linda
    3. Armee der Finsternis
    4. The Manster: Halber Mann – halbes Monster
    5. Der Werwolf von Washington

     
  4. Sascha Klein

    2020/10/02 at 10:58

    1. deutsche Synchro 2. Linda 3. Army of Darkness 4. The Split 5. Der Werwolf von Washington

     
  5. Christoph Marek

    2020/10/02 at 09:57

    01. deutsche Synchronisation
    02. Linda
    03. Army of Darkness
    04. Two-Headed Monster, The +Split, The
    05. Der Werwolf von Washington

     

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