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Horror für Halloween (XIX): Freitag der 13. (2009) – Die Hockeymaske metzelt wieder

07 Okt

Friday the 13th

Von Volker Schönenberger

Horror // Eine junge Frau wird am 13. Juni 1980 spätabends durch das Camp Crystal Lake gejagt. Am Ufer eines Sees stellt die Jägerin ihr Opfer. Pamela Voorhees (Nana Visitor) hat offenbar bereits etliche andere Aufseherinnen und Aufseher des Sommercamps ermordet – doch ihr letztes Opfer ist keineswegs wehrlos. Und der kleine Jason Voorhees (Caleb Guss) schaut zu.

Opfer

Im Hier und Heute (der 2009er-Entstehungszeit des Films) trifft eine Clique von drei Männern und zwei Frauen am Crystal Lake ein. Das junge Quintett hat gehört, dort befinde sich eine Marihuana-Plantage, und spekuliert auf eine schnelle Ernte und ebenso schnellen Reichtum. Tatsächlich finden sich die Rauschgift-Pflanzen, allerdings auch ein gewisser Jason Voorhees (Derek Mears) …

Die Suche nach der verschwundenen Schwester

Satte 24 Minuten vergehen, bis diese beiden schon blutigen Prologe in die Haupthandlung münden: Sechs Wochen später erscheinen weitere junge Leute auf der Szenerie: Clay (Jared Padalecki) sucht nach seiner Schwester Whitney (Amanda Righetti) – sie gehörte zu der vorherigen Gruppe und ist seitdem verschwunden … Gleichzeitig treffen Trent (Travis Van Winkle) und seine Freundin Jenna (Danielle Panabaker) mit fünf anderen in der Gegend ein, um in Trents Sommerhütte Party zu machen. Der großspurige Snob gebärdet sich bei Aufeinandertreffen mit Clay als arrogantes Alphatier. Derweil findet Jason Voorhees nicht nur ein weiteres Opfer, sondern auch eine Hockeymaske. Bald kennt er kein Halten mehr.

Jason schlägt zu

Wenn man zwei räudige Horrorklassiker der 70er und 80er als moderne Hochglanz-Schocker neu interpretieren darf, ist das erst mal eine Hausnummer, auf die man stolz sein kann. Die Kehrseite der Medaille: Als Regisseur kriegt man womöglich einen Stempel, den man nicht mehr los wird. Ob es daran lag, dass der deutsche Musikvideo-Regisseur Marcus Nispel dazwischen und seitdem nur noch wenige Spielfilme inszeniert hat? Auch beim Abenteuer „Pathfinder – Fährte des Kriegers“ (2007) und dem Fantasy-Sandalenfilm „Conan“ (2011) handelt es sich um Neuverfilmungen. Ich bekenne allerdings, dass mir „Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre“ (2003) recht gut gefallen hat. Regisseur Nispel hatte zweifellos keinen Einfluss darauf, dass sich Produzent Bay beim Remake von Tobe Hoopers „Blutgericht in Texas“ („The Texas Chainsaw Massacre“, 1974) im Titel verewigte. Bay gehörte 2009 auch zu den Produzenten von „Freitag der 13.“, ebenso wie Sean S. Cunningham, Regisseur und Produzent des originalen „Freitag, der 13.“ („Friday the 13th“, 1980), der auch „Jason Goes to Hell – Die Endabrechnung“ („Jason Goes to Hell – The Final Friday“, 1993), „Jason X“ (2001) und „Freddy vs. Jason“ (2003) produzierte.

Langlebige Slasher-Reihe

Ein Wald-Setting als Kulisse eines derben Slasher-Films gibt einiges her, und die Überreste des Sommercamps am See ergänzen das ausgesprochen gut – das gilt für den 1980er-Erstling der Jason-Voorhees-Saga, das gilt auch für Nispels 2009er-Aufguss. Ob man seine Regiearbeit als Remake, Reboot oder Spin-off bezeichnet – so oder so stellt sie den 12. Teil des „Freitag, der 13.“-Franchises dar, das Crossover „Freddy vs. Jason“ (2003) mitgerechnet. Und mit ihren typischen Versatzstücken passt sie auch gut hinein. Junge Leute, die Bock auf Sex, Alkohol und andere Drogen haben, eignen sich eben vorzüglich als Opfer eines mordlüsternen Monsters auf zwei Beinen. Originell geht anders, immerhin inszeniert Nispel die 08/15-Jagd durchaus fesselnd, wozu der stimmige, gar nicht mal übertrieben eingesetzte Score beiträgt, der sich am Soundtrack der ersten vier Filme orientiert.

Auch der Killer Cut mit R-Rating und FSK-18-Freigabe

Der Verlauf der Handlung folgt dem üblichen Muster: Junge Menschen müssen nacheinander dran glauben, und das auf so blutige wie schmerzhafte Weise. In Verbindung mit einigen offenherzigen Nacktszenen der einen oder anderen mit üppiger Oberweite gesegneten Darstellerin versagte die FSK dem Film die Jugendfreigabe und vergab das verdiente FSK-18-Logo – und zwar sowohl für die in den USA mit einem R-Rating im Kino gezeigte Fassung als auch für den sogenannten Killer Cut, der dort ebenso ein R-Rating erhalten hatte. Die etwa zehn zusätzlichen Minuten zeigen hier und dort ein wenig mehr Handlung, dazu auch mehr Gewalt und Nacktheit. Wer sich für die genauen Unterschiede zwischen beiden Versionen interessiert, kann sich darüber im Schnittbericht informieren. Bemerkenswert: Der Film ignoriert vollständig die Torture-Porn-Welle, die ja bereits einige Jahre zuvor mit „Saw“ (2004) und „Hostel“ (2005) ihren Anfang genommen hatte. Jason will nicht foltern, sondern schlicht morden, das tut er kaltschnäuzig und effizient.

Das Finale des Films gab selbstverständlich eine Fortsetzung her, die angesichts des Erfolgs von „Freitag der 13.“ auch geplant war, bald darauf aber verworfen wurde. Anscheinend versprachen sich die Produzenten von einem Sequel keine ausreichenden Einnahmen. Aufgrund der schablonenhaften Handlung und Figuren sowie der mangelnden Eigenständigkeit entwickelte sich Nispels Regiearbeit erwartungsgemäß nicht gerade zum Kritikerliebling. Bei den gemeinhin weniger anspruchsvollen Fans des Slasher-Films und ihrer Vorliebe für Bewährtes sah das schon etwas anders aus. Hierzulande gab das diverse Mediabook-Auflagen und nun sogar eine teure Blu-ray in VHS-Box her (ein Aufmachungs-Trend, der sich mir überhaupt nicht erschließt). Eine grimmige, aber generische Metzelei. Ob Jason Voorhees je aufs Neue auf der Kinoleinwand sein Unwesen treiben wird?

Alle „Freitag, der 13.“-Filme haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt.

Veröffentlichung: 5. Oktober 2020 als Blu-ray in VHS-Box, 12. Dezember 2018 als 2-Disc Edition Mediabook (2 Blu-rays, Killer Cut & Kinofassung, 3 Covermotive à 500 Exemplare), 3. Juli 2017 als 3-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & 2 DVDs, Killer Cut auf Blu-ray, Killer Cut & Kinofassung auf DVD, limitiert auf 2.000 Exemplare), 30. Juli 2009 als Blu-ray & DVD (Kinofassung)

Länge: 105 Min. (Blu-ray, Killer Cut), 97 Min. (Blu-ray, Kinofassung), 101 Min. (DVD, Killer Cut), 93 Min. (DVD, Kinofassung)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Friday the 13th
USA 2009
Regie: Marcus Nispel
Drehbuch: Damian Shannon, Mark Swift
Besetzung: Jared Padalecki, Amanda Righetti, Derek Mears, Danielle Panabaker, Travis Van Winkle, Aaron Yoo, Derek Mears, Jonathan Sadowski, Julianna Guill, Ben Feldman, Arlen Escarpeta, Ryan Hansen, Willa Ford, Nick Mennell, America Olivo, Kyle Davis, Richard Burgi, Nana Visitor, Caleb Guss
Zusatzmaterial: Die Wiedergeburt von Jason Voorhees (11 Min.), Hinten Hacken / Vorne Schlitzen (12 Min.), alternative Szenenwahl (8 Min.), nur Mediabooks: The 7 best Kills (23. Min.), zusätzliche Szenen (8 Min.), Picture in Picture Trivia Track
Originaltrailer, 28-seitiges Booklet mit Texten von Christoph N. Kellerbach und Daniel Gores
Label/Vertrieb Mediabooks & VHS-Box: ’84 Entertainment
Label/Vertrieb Blu-ray & DVD: Paramount (Universal Pictures Germany GmbH)

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot BR: © 2009 Universal Pictures Germany GmbH,
Packshots Mediabooks: © 2017/2018 ’84 Entertainment

 

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