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Horror für Halloween (XXVII): Der Blob – Geht doch mit den Remakes!

13 Okt

The Blob

Von Volker Schönenberger

Horror // In der US-Kleinstadt Arborville geht kurz vor Beginn der kalten Jahreszeit alles seinen gewohnten Gang. Das örtliche American-Football-Team dominiert sein Heimspiel unter dem Jubel des Publikums. Spieler Paul (Donovan Leitch Jr.) gelingt es nach einer gelungenen Aktion sogar, die Cheerleaderin Meg (Shawnee Smith) nach einem Date zu fragen. Auch Sheriff Herb Geller (Jeffrey DeMunn) wandelt auf Freiersfüßen, und die Cafébesitzerin Fran Hewitt (Candy Clark) scheint nicht abgeneigt. Derweil macht der junge Herumtreiber Brian Flagg (Kevin Dillon, „Entourage“) das, was er am liebsten macht: sich herumtreiben.

Was hat den Landstreicher zersetzt?

Unheil kündigt sich an, als in der Nähe des Orts ein Himmelskörper niedergeht. Ein alter Landstreicher (Billy Beck) beobachtet den Absturz und nähert sich neugierig. Ein Fehler, denn eine gallertartige, glibberige Masse windet sich heraus – und umschließt mit einer schnellen Bewegung die Hand des Tramps. Der Blob ist auf Arborville losgelassen …

Der Blob erweist sich als sehr vereinnahmend …

Dieser Blob macht keine Gefangenen! Er absorbiert sie vielmehr, umschließt seine bedauernswerten Opfer und löst sie auf. Das lässt ihn wachsen … und wachsen … und wachsen … Was einige derbe Splatter-Effekte zur Folge hat. Die Make-up-Abteilung von „Der Blob“ hat sich nicht bitten lassen und blutige Qualität geliefert, ganz wie wir das von einem zügellosen 80er-Jahre-Horror-Spektakel kennen und lieben. Genannt sei beispielhaft eine Szene, in der der Blob einen Mann durch einen Waschbecken-Ausguss zieht. Autsch! Diverse Absorptions-Einstellungen sind ebenfalls drastisch geraten. Erstaunlich, dass sich die Kontrollinstanzen gnädig zeigten und dem Werk die Indizierung durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (heute: Medien) erspart blieb. Die FSK hatte seinerzeit offenbar einen guten Tag und erteilte der ungeschnittenen Fassung ohne Murren und Knurren die FSK-18-Freigabe. Die wiederum erscheint angesichts der Heftigkeit der menschlichen Auflösungserscheinungen durchaus gerechtfertigt. Andererseits wirkt das derart comichaft überzeichnet, dass man nach heutigen Maßstäben auch über eine Herunterstufung auf FSK 16 nachdenken könnte. Aber ich will nicht gierig erscheinen. Bemerkenswert auch, wie gnadenlos der Film mit seinen Figuren umgeht. Zwar ufert der Body Count nicht aus, aber der eine oder andere Todesfall kommt nach der Etablierung der Charaktere doch recht überraschend.

Remake von „Blob – Schrecken ohne Namen“

Gibt es andere Filmstoffe, die derart gelungen von den 1950er-Jahren in die 80er übertragen wurden? Da fallen auf die Schnelle nur „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1951) und „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1982) ein. Wüssten wir es nicht besser, könnten wir „Der Blob“ für einen Originalstoff halten. Tatsächlich handelt es sich um das Remake von „Blob – Schrecken ohne Namen“ aus dem Jahr 1958. Original wie Neuverfilmung spielen beide in ihrer Entstehungszeit, und mit der schönen Szene der Massenflucht aus einer Kinovorstellung erweist das Remake dem Vorgänger seine Reverenz. Ansonsten nimmt es sich aber seine Freiheiten, etwa bei der Herkunft des Blobs.

… und hungrig

„Blob – Schrecken ohne Namen“ markierte den Auftakt einer Weltkarriere: Steve McQueen („Die glorreichen Sieben“) spielte darin seine erste Hauptrolle. Im selben Jahr erblickte auf der anderen Seite des Pazifiks in Japan „Das Grauen schleicht durch Tokio“ das Licht der Kinowelt. Die Produktion der Toho-Studios – Heimat von „Godzilla“ – zeigte ebenfalls eine glibberige Masse, wenn auch von grüner Farbe und nicht rot wie im US-Pendant. Ob es sich um eine zufällige Ideendopplung über große Entfernung handelt oder ein Studio beim anderen abgekupfert hat, lässt sich meines Wissens heute nicht mehr feststellen.

Ein Rendezvous verläuft anders als geplant

Remake-Regisseur Chuck Russell hatte ein Jahr zuvor mit „Nightmare 3 – Freddy lebt“ auf dem Regiestuhl debütiert. Sechs Jahre nach „Der Blob“ folgte 1994 das Jim-Carrey-Vehikel „Die Maske“, weitere zwei Jahre später „Eraser“ mit Arnold Schwarzenegger. Für „Der Blob“ schrieb Russell auch das Skript, eine Koproduktion mit keinem Geringeren als Frank Darabont, Regisseur so großartiger Werke wie „Die Verurteilten“, „The Green Mile“ und „Der Nebel“. In einer Szene in der Kanalisation ist im Übrigen Bill Moseley als Soldat im Schutzanzug zu sehen, für den sein Part eine frühe Rolle darstellte. Er wurde zum gefragten Nebendarsteller in Horrorfilmen, später von Rob Zombie wiederentdeckt und nicht zuletzt dank seines Parts als Otis Driftwood in „Haus der 1000 Leichen“ (2003), „TDR – The Devil’s Rejects“ (2005) und „3 from Hell“ (2019) geradezu zur Horror-Ikone hochstilisiert.

Shawnee Smith wiederum hielt dem Horrorgenre ebenfalls die Treue, spielte etwa in „Stephen King’s The Stand – Das letzte Gefecht“ (1994) und „Wes Craven’s Carnival of Souls“ (1998). Ab 2004 trat sie in vier Filmen der „Saw“-Reihe auf.

Unschön

War es das mit dem Blob? Vermutlich schon, da ein weiteres Remake offenbar nicht über den Planungsstatus hinausgekommen ist. 2009 war Rob Zombie („3 from Hell“) dafür als Regisseur im Gespräch, Anfang 2015 wurde angeblich Simon West („Con Air“) verpflichtet. Seit 2017 gibt es allerdings keine neuen Statusmeldungen dazu. Wozu braucht es überhaupt ein erneutes Remake, am Ende mit modernen Splatter-Effekten aus dem Computer verunstaltet, wenn wir das Ganze doch schon handgemacht mit „Der Blob“ genießen können? So müssen Remakes sein.

Können Brian und Meg den Blob aufhalten?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Kevin Dillon und Bill Moseley haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 24. Juni 2016 als Blu-ray im Mediabook und Blu-ray, 6. November 2001 als DVD

Länge: 95 Min. (Blu-ray), 91 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch (DVD weitere)
Untertitel: Deutsch, Englisch, DVD auch Französisch, Spanisch, Italienisch
Originaltitel: The Blob
USA 1988
Regie: Chuck Russell
Drehbuch: Chuck Russell, Frank Darabont
Besetzung: Shawnee Smith, Kevin Dillon, Donovan Leitch Jr., Jeffrey DeMunn, Candy Clark, Joe Seneca, Del Close, Paul McCrane, Sharon Spelman, Beau Bliingslea, Art LaFleur, Bill Moseley
Zusatzmaterial: Originaltrailer, 4-seitiges Booklet (nur DVD), nur Mediabook: Werberatschlag, 24-seitiges Booklet, Kino-Aushangfotos
Label 2016: Meteor Film GmbH
Vertrieb 2016: Al!ve AG
Label/Vertrieb 2001: Sony Pictures Entertainment

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Doppel-Packshot: © 2016 Meteor Film GmbH,
DVD-Packshot: © 2001 Sony Pictures Entertainment

 

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