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Horror für Halloween (XXX): The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte: Wenn der Leichenflüsterer erzählt …

15 Okt

The Mortuary Collection

Kinostart: 22. Oktober 2020

Von Andreas Eckenfels

Episoden-Horror // Sein Geschäft ist der Tod – und er sieht auch ein wenig so aus wie der Tod: Montgomery Dark (Clancy Brown, „Highlander – Es kann nur einen geben“) ist der Bestatter im idyllischen Städtchen Raven’s End. In seinem Anwesen erledigt er von der Einbalsamierung über die Trauerfeier und Grabrede bis hin zur Leichenverbrennung im hauseigenen Krematorium jeden Handgriff allein. So ist es nicht verwunderlich, dass Dark nach einer Aushilfe Ausschau hält. Nach der Beerdigung eines kleinen Jungen, meldet sich mit Sam (Caitlin Custer) auch eine erste Bewerberin.

Bestatter Montgomery Dark sucht eine Aushilfe

Die selbstbewusste junge Frau macht keinen Hehl daraus, dass sie vom Bestatterwesen nicht viel Ahnung hat, sie sei aber eine schnelle Lernerin. Und so erklärt Dark der Anwärterin einen seiner wichtigsten Grundsätze: Jeder Leichnam erzählt eine Geschichte. Unsere Aufgabe ist es, zuzuhören! Neugierig geworden will Sam natürlich unbedingt einige dieser Geschichten hören, die Dark in zahlreichen Büchern für die Nachwelt aufgeschrieben hat. Wie und unter welchen grausigen Umständen haben die Menschen, die auf seinem Tisch lagen, ihr Leben ausgehaucht?

Vier aufregende Geschichten inklusive Carpenter-Hommage

Dark, twisty and awesome! wünscht sich Sam die Geschichten, die ihr Montgomery Dark erzählen soll und die vier Erzählungen, die uns Regisseur und Drehbuchautor Ryan Spindell präsentiert, sind genau das: düster, wendungsreich und eindrucksvoll.

Sam will die Stelle übernehmen

In der ersten Geschichte erlebt Diebin Emma (Christine Kilmer) in einem Badezimmer eine Überraschung. Danach verläuft die Liebesnacht zwischen Student Jake (Jacob Elordi) und Erstsemestlerin Sandra (Ema Horvath) anders als geplant. In der dritten Erzählung überlegt Ralph (James Bachman), ob er seine todkranke Ehefrau Carol (Sarah Hay) mit Pillen, die ihm der Doktor (Mike C. Nelson) gegeben hat, von ihrem Leid erlösen soll.

Diebin Emma erlebt im Badezimmer eine böse Überraschung

Im finalen Akt hängt Ryan Spindell einfach seine bislang bekannteste Arbeit dran: den 2015 veröffentlichten Kurzfilm „The Babysitter Murders“, in dem eine Babysitterin (ebenfalls Caitlin Custer) von einem Psychopathen (Ben Hethcoat) gejagt wird. Horrorfans wissen es: „The Babysitter Murders“ war der Arbeitstitel von John Carpenters Klassiker „Halloween – Die Nacht des Grauens“ (1978). Spindells Hommage gewann zahlreiche Preise und machte so auch sein Langfilmdebüt „The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte“ erst möglich.

Zeitloser Retro-Look und ein heimeliges Städtchen

Ob „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ (1965), „Die unheimlich verrückte Geisterstunde“ (1982), „Katzenauge“ (1985), die „V/H/S“-Reihe (2012–2014) oder der demnächst erscheinende „Deathcember“ (2019): Horror in Episodenform hat immer Saison, krankt aber mitunter auch daran, dass unter den zahlreichen Erzählungen einige Rohrkrepierer oder Langweiler dabei sind. Bei „The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte“ gibt es hingegen keinen Grund zur Klage – alle vier Kurzfilme, die in die Rahmenhandlung um den Bestatter Dark und Bewerberin Sam eingebunden sind, machen wirklich allesamt großen Spaß.

Student Jake freut sich aufs Vorspiel

Dies liegt daran, dass Ryan Spindell allen Geschichten einen einheitlichen, zeitlos-wirkenden Retro-Look spendiert hat. Obwohl jede Erzählung in einem anderen Jahrzehnt angesiedelt ist, werden die Zuschauer und die Zuschauerinnen nicht durch wechselnde Optiken aus der Handlung gerissen. Im Schauplatz Raven’s End fühlt man sich schnell heimisch, denn der Ort wirkt lebendig und erinnert mit seinen Straßen, Geschäften, dem kleinen See samt Bootsanleger, den Hügeln und dem Wald wahrscheinlich nicht ganz zufällig an Stephen Kings bevorzugtes Städtchen Castle Rock. Die detailverliebte Ausstattung versprüht in allen Folgen zusätzlich einen nostalgischen Charme.

Mit morbiden Humor und Körperflüssigkeiten

Auch mit dem Aufbau eines Episoden-Horrors kennt sich Ryan Spindell bestens aus: Natürlich hebt er sich die besten Geschichten bis zum Schluss auf – und wenn nach den ersten zwei Erzählungen Sam etwas enttäuscht sagt, diese seien doch recht durchschaubar und liefen immer nach dem gleichen Motto ab, dass kleine Sünden stets bestraft werden, kommentiert sie hier auch selbstreflexiv auf einer Metaebene die Gedanken des Publikums. Doch das ist durchaus von Ryan Spindell beabsichtigt. Ihm geht es nicht um den schnellen Schock, er stellt das Erzählen in den Vordergrund und da ist es doch egal, ob man vorher weiß, „wer“ in den sauren Apfel beißt – dass „wie“ ist eben entscheidend.

Ralphs Gattin ist nicht mehr ganz die Alte

Überhaupt setzt Ryan Spindell weniger auf Grusel, sondern auf Humor – und der ist von der morbiden Sorte. Vergleiche zur TV-Serie „Geschichten aus der Gruft“ (1989–1996) kann man hier ebenso ziehen, wie auch zu Peter Jacksons guten alten „Braindead“-Zeiten. Das Blut strömt zwar nicht in Fontänen in die Höhe, gespart wird mit dem roten Lebenssaft oder auch anderen Körperflüssigkeiten dennoch nicht – dabei sind ein Großteil der Effekte offensichtlich in Handarbeit entstanden. Auch bizarre Momente und clevere Wendungen hat „The Mortuary“ zu bieten – ich will nicht spoilern, aber ich denke, die Idee für das Ende der Studentengeschichte ist eine Kuriosität, die man so noch nicht auf der Kinoleinwand gesehen hat. Allein der Gedanke daran verursacht auch später auf jeden Fall noch leichtes Unwohlsein.

Lasst Euch also überraschen von dieser Ansammlung an düsteren, wendungsreichen und sehr aufregenden Bestatter-Geschichten. „The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte“ ist das perfekte Gruselvergnügen für Halloween – und für jede andere Jahreszeit.

Ein Killer geht um

Länge: 111 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: The Mortuary Collection
USA 2019
Regie: Ryan Spindell
Drehbuch: Ryan Spindell
Besetzung: Clancy Brown, Caitlin Custer, Christine Kilmer, Jacob Elordi, Ema Horvath, Jennifer Irwin, Mike C. Nelson, James Bachman, Sarah Hay, Ben Hethcoat
Verleih: capelight pictures

Copyright 2020 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2020 capelight pictures

 

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