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Necromancer – Stay Metal! Dänische Horror-Hommage

05 Jan

Lad de døde hvile

Von Volker Schönenberger

Horrorkomödie // Lass die Toten ruhen! So lautet die deutsche Übersetzung des dänischen Originaltitels „Lad de døde hvile“, den Meteor Film hierzulande unter dem Titel „Necromancer – Stay Metal!“ in die Filmregale hievt. Hauptfigur Jimmy (Jakob Hasselstrøm) denkt gar nicht daran, den titelgebenden Ratschlag zu befolgen. Der Teenager mit einem Hang zum Heavy Metal versucht seit geraumer Zeit, mit okkulten Ritualen Kontakt zu seiner verstorbenen Mutter aufzunehmen. Mehr als ein paar Albträume beschert ihm das aber nicht.

Jimmy vollzieht okkulte Rituale

Dass der etwas verschrobene Schlaks an seiner Schule ein Dasein als Außenseiter führt, kümmert ihn kaum. Immerhin sucht der neue Mitschüler Amir (Razi Irawani) Jimmys Nähe, dem es sogar gelingt, eine Verabredung mit den unerreichbar scheinenden Mitschülerinnen Louise (Sidse Kinnerup) und Anna (Maria Fritsche) zu arrangieren. Auf einer Party von Louise bitten ein paar Mädchen die beiden neuen Kumpels, eine Séance mit einem Ouija-Brett zu veranstalten. Das Ritual erregt fatalerweise die Aufmerksamkeit einer bösartigen Wesenheit aus den finsteren Untiefen des Jenseits.

Mit Amir (l.) versucht er, bei Anna (2. v. l.) und Louise zu landen

Die Vorab-Lektüre der Inhaltsangabe des Labels ließ mich vermuten, es mit einem knackig-kurzen Anderthalbstünder zu tun zu bekommen. Als ich der Länge von 104 Minuten gewahr wurde, kam mir der Verdacht, das könne vielleicht etwas zu lang sein. Richtig geraten: In „Necromancer – Stay Metal!“ haben sich ein paar Längen eingeschlichen. Nicht zu viele, dass ich mich gelangweilt hätte, aber ich wollte es erwähnt haben. Erwähnt sei ebenfalls die visuell und akustisch etwas billig wirkende Anmutung des Films. Das soll es mit Kritikpunkten aber auch gewesen sein, denn die charmante dänische Gruselkomödie zeigt Gefühl für ihre Figuren, nimmt sich nie zu ernst und macht viel Spaß.

Louise erlebt Grausliches

Die Namen der wichtigsten Beteiligten sind mir zuvor allesamt unbekannt gewesen – aber sie machen ihre Sache gut! Regisseur und Drehbuchautor Sohail A. Hassan beweist mit seinem ersten Langfilm, dass er das Horrorgenre kennt, es für eine humorige Hommage einzusetzen versteht und sie mit Themen wie Trauer und Coming of Age anzureichern. Dabei hilft ihm sein frischer Hauptdarsteller Jakob Hasselstrøm in seiner ersten tragenden Rolle. Sein Jimmy ist etwas neben der Spur, aber nicht zu sehr, sodass man ihn immer noch sehr sympathisch finden und mit ihm mitfiebern und -bangen kann. Das gilt auch für seinen Sidekick Amir, dessen Darsteller Razi Irawani ebenfalls keine nennenswerte Schauspielerfahrung vorweisen kann. Dem Vernehmen nach hat er sich in Dänemark als YouTuber eine Fangemeinde erarbeitet. Und auch die ebenso unerfahrenen Nebendarstellerinnen Sidse Kinnerup und Maria Fritsche agieren keineswegs als Abziehbilder gutaussehender Horrorfilm-Opfer.

Kann Jimmys okkulter Wissensschatz die Bedrohung bannen?

Metal-Fans sollten sich nicht allzu viel Hoffnung machen, dass ihre Leidenschaft breiten Raum findet – der deutsche Titelzusatz „Stay Metal!“ ist reichlich übertrieben. Mehr als ein paar verzerrte Gitarrenklänge finden nicht statt. „Lad de døde hvile“ setzt auch Teenagerprobleme in den Fokus, ohne diese ins Lächerliche zu ziehen. Das zielt auf ein junges Publikum, hat aber mir nicht mehr ganz jungem Horror-Aficionado ebenfalls Freude bereitet. Wenn es ums Okkulte geht, wirken die Dialoge bisweilen etwas unfreiwillig komisch, das mag auch der deutschen Synchronisation geschuldet sein. Als richtige Erscheinung erweist sich auch, bei den Masken auf CGI zugunsten der guten alten Handwerkskunst verzichtet zu haben.

Amir und Anna in Angst

Beim Abspann nicht gleich abschalten – ein paar Outtakes bieten einen netten Ausklang. Das Bonusmaterial der deutschen Blu-ray und DVD wirkt unspektakulär, aber das Making-of bietet mit satten 54 Minuten interessante Einblicke in die Entstehung des Films und die Inspirationen des Regisseurs. „Necromancer – Stay Metal!“ zeigt, dass das dänische und skandinavische Independent-Horrorkino immer einen Blick wert ist. Welche Filme aus diesem Bereich könnt Ihr empfehlen?

Jimmy und Louise im Angesicht des Bösen

Veröffentlichung: 15. Januar 2021 als Blu-ray und DVD

Länge: 104 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Dänisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Lad de døde hvile
DK 2018
Regie: Sohail A. Hassan
Drehbuch: Sohail A. Hassan
Besetzung: Jakob Hasselstrøm, Razi Irawani, Sidse Kinnerup, Maria Fritsche, Baard Owe, Danny Thykær, Stine Ruge, Sigurd Barrett, Leonora Alkærsig, Téo Lepetit, Gustav Søgaard Jakobsen, Jannick Raunow, Klaus Hjuler
Zusatzmaterial: Making-of (54 Min.), deutscher Trailer, Originaltrailer, Trailershow, Wendecover
Label: Meteor Film GmbH
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Unterer Packshot: © 2021 Meteor Film GmbH,
Szenenfotos: © 2019 Pure Fiction Film, Fotograf: Sune Tollose

 
 

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29 Antworten zu “Necromancer – Stay Metal! Dänische Horror-Hommage

  1. Wilfried

    2022/01/10 at 15:22

    Dead Snow 🙂

     
  2. Matthias Klug

    2021/02/28 at 12:57

    Da würde ich ganz klar “ Troll Hunter “ empfehlen. Gehört definitiv für mich dazu und ist meiner Meinung nach einer der besten Found Footage Filmen überhaupt!

     
  3. Frank Hillemann

    2021/02/28 at 11:32

    „Nightwatch“ oder “ Dänische Delikatessen “ oder “ In China 3ssen sie Hunde“ oder auch “ Border“.

     
  4. Thomas Oeller

    2021/02/27 at 15:54

    neben dem schon öfter genannten „Trollhunter“ würden mir das Original zu „Nightwatch“ einfallen oder „Viking – Dark Ages“

     
  5. Dirk Busch

    2021/02/25 at 10:23

    Ich würde da mal die Schwedische Hommage an Evil Dead…Cabin of the Dead in den Raum werfen.Dead Snow darf natürlich auch nicht fehlen.

     
  6. Dubi

    2021/02/23 at 10:54

    mir fallen da auf Anhieb Trollhunter und Nightwatch ein.
    Allerdings recht komödiantisch fand ich auch „Dänische Delikatessen“ .

     
  7. Dirk B.

    2021/02/22 at 21:23

    Etwas älter, aber würde Hospital der Geister von Lars von Trier auch passen?

     
  8. Edelgard

    2021/02/22 at 19:37

    Ganz klar meine beiden Favoriten : der film „midsommar“,aber auch“so finster die nacht“.tolle filme.sehr zu empfehlen.
    Tolles Gewinnspiel,wuerde mich sehr freuen .danke

     
  9. Sascha Klein

    2021/02/22 at 18:22

    Auf jeden Fall Nightwatch – Nachtwache, von dem es später sogar ein Remake mit Nick Nolte gab. Erwähnenswert wäre noch Antichrist von Lars von Trier, obwohl ich mit dem Regisseur einfach nicht warm werde.

     
  10. Steffen

    2021/02/22 at 08:35

    Eine gute Horrorkomödie ist m.E. „Shaun of the Dead“.

     
  11. Michael Behr

    2021/02/21 at 19:34

    Als empfehlenswerter Indie-Film fällt mir da tatsächlich auch nur „Trollhunter“ ein. Was ich sonst so gesehen habe, war eher na ja.

    Ansonsten liegt bei der Kombi Skandinavien und Heavy Metal natürlich der Lordi-Film „Dark Floors“ nahe. Aber wie Wikipedia mich gerade informierte, ist der scheinbar immer noch der teuerste finnische Film aller Zeiten. Also nicht wirklich Indie.

     
  12. Björn Kramer

    2021/02/21 at 16:17

    coldprey-eiskalter tod

     
  13. Kaeptn

    2021/02/21 at 14:45

    Trail Hunter

     
  14. Nico Kreisz

    2021/02/21 at 11:33

    Die Cold Prey Reihe is echt cool 😎

     
  15. Frank Warnking

    2021/02/21 at 10:53

    Troll Hunter 🙂

     
  16. Eva

    2021/02/21 at 09:59

    mir fällt in diesem Zusammenhang nur „Trollhunter“ ein

     
  17. Daniela Graf

    2021/02/21 at 09:29

    So finster die Nacht war klasse

     
  18. Matthias Kirsch

    2021/02/21 at 05:47

    Troll Hunter

     
  19. MarcelE

    2021/02/20 at 23:44

    Manhunt Backwodd Massacre

     
  20. Axel

    2021/02/20 at 20:36

    Epidemic (1988)

     
  21. Mathias Wagner

    2021/02/20 at 19:27

    „Border“

     
  22. Thomas

    2021/02/20 at 18:48

    Es ist vielleicht nicht so richtig „Horror“ – aber der Grusel kommt auf leisen Sohlen: „Border“ könnte vielleicht einer der Filme sein, die hier gut passen. Sehr „skandinavisch“ ist im erweiterten Sinn natürlich auch „Midsommar“, auch wenn dies natürlich ein amerikanischer Film ist. „Midsommar“ ist ein ganz hervorragender Film, „Border“ hat aber noch interessantere Charaktere.

     
    • Gerlinde Kaneberg

      2021/02/20 at 20:48

      Troll Hunter

       
  23. Rico Lemberger

    2021/02/20 at 18:22

    Da fällt mir nur Troll Hunter ein.

     
  24. Sascha Wagner

    2021/02/20 at 18:00

    Was ist jetzt genau gemeint? Independenc, Horror oder Komödie?

    Was ich da auf jedenfall empfehlen kann ist Geschichten aus der Gruft… eine tolle Serie, auch wenn sie schon älter ist, auch zwei tolle Filme hat dies rausgebracht wovon der eine „Ritter der Dämonen“ ist (ich liebe diesen Film).

     
  25. Jens

    2021/02/20 at 17:42

    Ich finde die Cold Prey Reihe da nicht schlecht. Und natürlich den Klassiker, Dead Snow. Das wären so die ersten die mir einfallen…

     
  26. Bernd Rohe

    2021/02/20 at 17:39

    Zimmer 213 (?)

     
  27. Jens Albers

    2021/02/20 at 17:25

    Also wenn es um skandinavischen Horror geh, dann würde ich aber unbedingt „So finster die Nacht“, „Hidden“ und „Die Stunde des Wolfs“ empfehlen.

     

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