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James Stewart (VIII): Zwei ritten zusammen – Für einen Sack voll Dollar

04 Feb

Two Rode Together

Von Florian Schneider

Western // Was soll schon schiefgehen, wenn Regisseur John Ford, unbestrittener König des Western-Films, und James „Jimmy“ Stewart, die US-amerikanische Schauspiel-Ikone, zum ersten Mal in einem gemeinsamen Projekt involviert sind? Leider so einiges, denn „Zwei ritten zusammen“ ist noch weit von der Meisterschaft eines „Der Mann, der Liberty Valance erschoß“ (1961, nur ein Jahr später erschienen) oder „Cheyenne“ (1964) entfernt. Allen drei Filmen ist zwar der desillusionierte, moderne Blick auf die amerikanische Geschichte und den Mythos des Wilden Westens gemein, doch „Zwei ritten zusammen“ ist weder formal noch narrativ auf Augenhöhe. Da vermögen auch das gelungene Zusammenspiel und die funktionierende Chemie zwischen Jimmy und Co-Star Richard Widmark (später auch in „Cheyenne“ mit von der Partie) sowie die pointierten Dialoge von Fords Hofschreiber Frank Nugent (elf Filme für Ford) kaum Abhilfe zu schaffen.

Lieutenant Gray (l.) wirbt Marshal Guthrie McCabe an

Erzählt wird von einer Rettungsmission, bei der vor etlichen Jahren von Comanchen entführte Siedlerkinder zurückgekauft werden sollen. Marshal Guthrie McCabe (Stewart) soll für viel Geld die Transaktion durchführen, da er bereits in der Vergangenheit Handel mit den Comanche betrieben hat. Doch McCabe macht sich keine Illusionen: Nach so vielen Jahren in Gefangenschaft sind die Kinder entweder tot oder inzwischen selbst zu Comanchen geworden. Dennoch macht er sich, vordergründig aufgrund der hohen Verdienstmöglichkeit, auf den Weg ins Indianergebiet. Begleitet wird McCabe von seinem alten Freund Lieutenant Gray (Widmark), dessen Motive deutlich klarer sind. Gray hat sich in die junge Siedlerin Marty Purcell (Oscar-Gewinnerin Shirley Jones, „Elmer Gantry“) verliebt und möchte durch die Rettung ihres entführten Bruders ihr Herz gewinnen. Als die beiden die Indianersiedlung von Häuptling Quanah Parker (Henry Brandon) erreichen, finden sie dort eine mit dem Indianer Stone Calf (Woody Strode) verheiratete Mexikanerin (Linda Cristal), zwei weitere in Zwangsehen lebende weiße Frauen (Mae Marsh, Regina Carrol) und einen jungen Weißen (David Kent) vor, der sich Running Wolf nennt.

Die Siedler überzeugen McCabe mit Geld zur Übernahe der Rettungsmission

Die Ähnlichkeiten zu John Fords Meisterwerk „Der schwarze Falke“ (1956) liegen natürlich auf der Hand, doch im Unterschied zur epischen Breite von „The Searchers“ (Originaltitel) bleibt „Zwei ritten zusammen“ kleinteilig und ohne wirkliche Höhepunkte. Ford selbst bezeichnete die Geschichte als „crap“ („Müll“), daran konnte auch die Mitwirkung Nugents nichts ändern. Es waren wohl die Verlockungen des Geldes, die Ford zur Übernahme der Auftragsarbeit bewegt haben. Für einen netten Filmabend reicht es wohl, doch ein großer Wurf ist es halt nicht, was sich auch an den Kinokassen und in der zeitgenössischen Filmkritik niederschlug.

Für die Freilassung der Siedlerkinder fordert Quanah Parker Gewehre

„Zwei ritten zusammen“ ist in der „James Stewart Western Collection“ bei Koch Media erschienen. Bild und Ton der Blue-ray überzeugen auch auf der Leinwand, auf Bonusmaterial wird allerdings weitestgehend verzichtet.

McCabe muss im Indianerland seinen Skalp verteidigen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von John Ford haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Harry Carey Jr., James Stewart, Woody Strode und Richard Widmark unter Schauspieler. Die Filme der „James Stewart Western Collection“ von explosive media haben wir zudem in der Rubrik Filmreihen aufgeführt. Welche noch nicht bei „Die Nacht der lebenden Texte“ rezensierten Filme mit Richard Widmark sind zur Würdigung des Schauspielers unabdingbar?

Stone Calf will seine Frau nicht ziehen lassen

Veröffentlichung: 21. Januar 2021 als Blu-ray, 17. Oktober 2006 als DVD in der 6-DVD-Box „Legend Diary – James Stewart“ (mit „Lebenskünstler“, „Mr. Smith geht nach Washington“, „Der Mann aus Laramie“, „Meine Braut ist übersinnlich“ und „Anatomie eines Mordes“), 8. November 2005 als DVD

Länge: 109 Min. (Blu-ray), 104 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Two Rode Together
USA 1961
Regie: John Ford
Drehbuch: Frank S. Nugent, nach einem Roman von Will Cook
Besetzung: James Stewart, Richard Widmark, Shirley Jones, Linda Cristal, John McIntire, Harry Carey Jr., Woody Strode, Andy Devine, Mae Marsh, Regina Carrol, David Kent
Zusatzmaterial Blu-ray: deutscher Kinotrailer, US-Kinotrailer, 2 Bildergalerien, Wendecover
Label Blu-ray: explosive media GmbH
Vertrieb Blu-ray: Koch Films
Label/Vertrieb DVDs: Sony Pictures Entertainment

Copyright 2021 by Florian Schneider

Szenenfotos & unterer Blu-ray-Packshot: © 2021 explosive media GmbH,
DVD-Packshot: Sony Pictures Entertainment

 
 

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15 Antworten zu “James Stewart (VIII): Zwei ritten zusammen – Für einen Sack voll Dollar

  1. Thomas Oeller

    2021/03/20 at 20:14

    „Die Bäreninsel in der Hölle der Arktis“ , „Raubzug der Wikinger“ , „Zwischenfall im Atlantik“

     
  2. Michael Behr

    2021/03/18 at 16:26

    Unabdingbar ist ein großes Wort, aber ich hatte (auf angepasstem Erwartungslevel) mit „Der tödliche Schwarm“ meinen Spaß.

     
  3. Mike Hennig

    2021/03/15 at 10:58

    Mich interessiert eine Rezension zu Hell and high water.

     
  4. Dirk Busch

    2021/03/15 at 10:11

    Ich kenne nicht alles von Richard Widmark,aber Raubzug der Wikinger…Nur noch 72 Stunden…Achterbahn & Warlock habe ich so spontan noch halbwegs auf den Schirm.Gehörte zwar nie zu meinen Lieblingsschauspielern…aber ich mag den Typ.

     
  5. Matthias Klug

    2021/03/14 at 12:51

    Für mich ganz klar – Hell and High Water .. ganz starker Film!
    Welcher Film, meiner Meinung nach auch nicht fehlen darf, ist – Das Domino Komplott!

     
  6. Jost

    2021/03/13 at 15:52

    Hell and High Water wäre Toll!

     
  7. Markus Tump

    2021/03/13 at 10:22

    „Der Todeskuss“, „Unter Geheimbefehl“ und „Straße ohne Namen“ wären mal angesagt.

     
  8. Sascha Klein

    2021/03/12 at 23:40

    Als Fan von Stephen King interessiert mich Der Todeskuß da er in The Green Mile erwähnt wird, als Trashfan interessiert mich Der tödliche Schwarm.

     
  9. Imke

    2021/03/12 at 20:19

    Natürlich hell and highwater

     
  10. Oliver

    2021/03/12 at 20:06

    „Herrin der toten Stadt“ muss unbedingt noch Erwähnung finden. Ein toller Western von William A. Wellman.

     
  11. ngffgn

    2021/03/12 at 10:28

    Raubzug der Wikinger
    Das Ultimatum
    Das Domino-Komplott
    finde ich ziemlich gut.

     
  12. Eva

    2021/03/12 at 09:41

    Der Preis der Macht
    Alamo
    Der Schatz des Gehenkten

     
  13. rebastion

    2021/03/12 at 09:41

    Hell and High Water war recht interessant, den habt ihr noch nicht rezensiert

     
  14. Frank Warnking

    2021/03/12 at 09:36

    Das war der Wilde Westen 🙂

     
  15. Christoph Wolf

    2021/02/12 at 12:45

    Ich mag mit Widmark noch folgende Filme sehr:

    Die gebrochene Lanze (Broken Lance, Edward Dmytryk, 1954)
    Der Schatz der Gehenkten (The Law and Jake Wade, John Sturges, 1957)
    Das war der Wilde Westen (How the West Was Won, John Ford, Henry Hathaway, George Marshall, Richard Thorpe, 1962)
    Coma (Michael Crichton, 1978)

     

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