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The Last Frontier – Die Schlacht um Moskau: Der Wehrmacht ein Bein gestellt

04 Mrz

Podolskiye kursanty

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // 1941 übt eine Einheit Offiziersanwärter an der Artillerie-Akademie mit panzerbrechenden Waffen. Der talentierte Kadett Sashka Lavrov (Artyom Gubin) nimmt das Training leicht und fängt sich dafür von seinem Ausbildungsoffizier Oberst Strelbitsky (Evgeniy Dyatlov) eine Rüge ein. Sashkas Herz schlägt ebenso wie das seines Kadettenkumpels Mitja Shemyakin (Igor Yudin) für die Krankenschwester Masha Grigorieva (Lubov Konstantinova). Des Nachts hören die jungen Russinnen und Russen die deutschen Bomber mit Ziel Moskau über sich hinwegfliegen.

Die jungen Soldaten ziehen in den Krieg

Weil die Bodentruppen der deutschen Wehrmacht nur noch 190 Kilometer von der sowjetischen Hauptstadt entfernt sind und sich unaufhaltsam voranbewegen, erhält Oberst Strelbitsky die Order, mit seinen Kadetten aufzubrechen und den Feind aufzuhalten. Die Einheit wird Generalmajor Smirnov (Roman Madyanov) unterstellt, dem Leiter der Infanterie-Schule, der ebenfalls abkommandiert wurde. Das mit den unerfahrenen Soldaten aussichtslos erscheinende Unterfangen, die Schlacht um Moskau, nimmt seinen Lauf.

Die Artillerielinie wird angegriffen

Den Großen Vaterländischen Krieg hat schon das sowjetische Kino ausgiebig thematisiert, Russland hat das nach dem Zerfall der UdSSR fortgesetzt. Es scheint kontinuierlich weiterzugehen, und diese Filme landen auch auf dem deutschen Markt. Kurz nach dem beeindruckenden „1942 – Ostfront“ (2019) wird hierzulande schon das nächste russische Kriegsdrama auf Blu-ray und DVD veröffentlicht, und „The Last Frontier – Die Schlacht um Moskau“ (2020) hält das hohe Niveau. Dabei gilt es zu beachten, dass wir es oft genug mit Heldenkino zu tun bekommen. Ein verstörendes Meisterwerk wie „Komm und sieh“ (1985) kann eben nicht einfach so aus dem Ärmel geschüttelt werden, erst recht nicht, wenn die Intention ist, den russischen Soldaten ein verklärendes Denkmal zu setzen.

Es gilt, deutsche Panzer aufzuhalten

Das soll nicht heißen, dass das Werk keine heftigen Kampfszenen aufweist. In ihren Schützengräben geraten die jungen Kadetten mehrfach unter schweres Artilleriefeuer und Beschuss deutscher Kampfflugzeuge. Viele von ihnen gehen drauf, auch im Nahkampf der Infanteristen. Die Schlachtenszenen haben hohes inszenatorisches Niveau, auch das Aufeinandertreffen der sowjetischen Artilleristen mit deutschen Panzerverbänden ist aufwendig und actionreich gestaltet. Das gestaltet sich einerseits fesselnd, andererseits bewegend. Hier gibt es genug starke Szenen, die das elende Sterben zeigen und die Fratze des Krieges offenbaren. Es krepieren gute Jungs, die wir zuvor kennengelernt haben. Die eine oder andere Romanze zwischen Soldat und junger weiblicher Sanitätskraft bringt anfangs Leichtigkeit, später mitunter Tragik.

Deutsche Infanteristen nähern sich

Zum Tragen kommt auch die völlig unzureichende Ausstattung der Nachwuchs-Einheiten. Letztlich dienen die Kadetten als Kanonenfutter, um so lange wie möglich den Vormarsch der Deutschen an diesem Frontabschnitt aufzuhalten. Oberst Strelbitsky weiß das, aber er hat keine Chance, etwas daran zu ändern. Die Unterstände, in denen die Soldaten ihre Geschütze aufstellen, sind praktisch überhaupt nicht gesichert, und überhaupt verfügt die Einheit über viel zu wenige Geschütze.

Abschied von gefallenen Kameraden

Von Anfang Oktober 1941 bis Anfang Januar 1942 hatte die Rote Armee in der Schlacht um Moskau unfassbare 650.000 Tote zu beklagen. Aber es gelang ihr, die Eroberungs- und Vernichtungsmaschinerie der Wehrmacht zu stoppen. Völlig legitim, dass Russland seine Verteidiger als Helden feiert. „The Last Frontier – Die Schlacht um Moskau“ hat bei allem Bombast und Pathos zum Glück auch menschliche Tiefe. Ein facettenreiches Werk, welches das russische Kriegskino und auch das internationale Kriegsfilmgenre bereichert.

Für zärtliche Momente bleibt wenig Zeit

Veröffentlichung: 8. April 2021 als Blu-ray und DVD

Länge: 137 Min. (Blu-ray), 131 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Russisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Podolskiye kursanty
RUS 2020
Regie: Vadim Shmelyov
Drehbuch: Vadim Shmelyov, Igor Ugolnikov
Besetzung: Artyom Gubin, Lubov Konstantinova, Igor Yudin, Aleksey Bardukov, Evgeniy Dyatlov, Sergey Bezrukov, Roman Madyanov, Yekaterina Rednikova, Sergey Bondarchuk, Guram Bablishvili, Dmitriy Solomykin, Darya Ursulyak, Vasiliy Mishchenko, Gleb Bochkov
Zusatzmaterial: Making-of Militär-Equipment, Making-of Filmmusik, entfernte Szenen, Interviews mit den Darstellern, Behind the Scenes, Interview mit General G. K. Zhukov, Trailer, Trailershow
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sony Pictures Entertainment

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot: © 2021 Tiberius Film

 
 

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Eine Antwort zu “The Last Frontier – Die Schlacht um Moskau: Der Wehrmacht ein Bein gestellt

  1. Irina Nachbauer

    2021/03/18 at 16:26

    Falls jemand diesen Film auf russisch anschauen möchte – heißt es auf russisch „Подольские курсанты“ 2020

     

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