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Sea Fog – Der Fischkutter und die Migranten

10 Mrz

Haemoo

Von Volker Schönenberger

Thrillerdrama // Den Fischkutter „Jun Jin“ von Kapitän Kang Chul-joo (Kim Yoon-seok) kann man fast schon Seelenverkäufer nennen. Ständig muss die Besatzung an dem Schiff herumschrauben und -reparieren. Die Reparatur lohnt sich kaum noch, aber der Skipper hängt an der „Jun Jin“ und kann sich nicht überwinden, die Abwrackprämie in Anspruch zu nehmen. Einen neuen Kredit gibt ihm die Bank auch nicht, denn: Für Kapitäne von Fischerbooten sind die rosigen Tage vorbei.

Kapitän Kang Chul-joo plagen Geldsorgen

Um an Geld zu kommen, lässt sich Kang auf eine illegale Aktion ein: Er will eine Reihe Migranten aus China nach Korea schmuggeln. Schon die Übernahme der Menschen von einem Frachter vor der chinesischen Küste gestaltet sich schwierig, der junge Matrose Dong-sik (Park Yoo-chun) kann mit Müh und Not eine junge Frau retten, die ins Wasser gestürzt ist. Überhaupt Frauen: Die Anwesenheit einiger von ihnen unter der menschlichen „Ladung“ macht ein paar Besatzungsmitglieder ganz wuschig.

Im Laderaum verborgen

Die Stimmung wechselt schnell von angespannt zu brenzlig. Als sich ein anderes Schiff nähert und ein Kontrollbeamter an Bord zu kommen begehrt, sollen sich die Passagierinnen und Passagiere im Laderaum verstecken. Als einer aufbegehrt, prügelt Kapitän Kang ihn windelweich. Es kommt zur Katastrophe.

Der Skipper rastet aus

Zeitlich in der koreanischen Finanzkrise 1997 angesiedelt, greift „Sea Fog“ (2014) den „7th Taechangho Accident“ auf, der sich 2001 ereignete und internationales Aufsehen erregte. Das Thrillerdrama nimmt sich gegenüber den wahren Begebenheiten einige Freiheiten, die dramaturgische Zuspitzung tut dem Film aber gut.

Kooperation mit Bong Joon-ho

Für Regisseur Shim Sung-bo ist es die bislang einzige Regiearbeit. Er schrieb auch am Drehbuch von „Memories of Murder“ (2003) mit. Dessen Regisseur Bong Joon-ho ist spätestens seit den Oscars für „Parasite“ (2019) nicht nur in Korea eine große Nummer, sondern auch international. Er schrieb mit Shim Sung-bo das Drehbuch von „Sea Fog“ und gehörte zu den Produzenten des Films. Der darin abgebildete Stil eines sozialen Realismus dürfte auch Bong Joon-hos Einfluss geschuldet sein.

Hier regiert nur einer!

Es verwundert etwas, dass ein deutsches Label das Werk erst sieben Jahre nach dessen koreanischer Premiere für den hiesigen Markt lizenziert hat. Womöglich hat Koch Films es erst im Zuge des Trubels um Bong Joon-ho entdeckt. Allerdings lief es 2014 und 2015 auf zahlreichen internationalen Festivals, beginnend mit dem renommierten TIFF im kanadischen Toronto. Diverse Filmpreise sind verdienter Lohn für ein Thrillerdrama, das zeigt, wie eine heikle Situation auf engem Raume eskaliert.

Popstar Park Yoo-chun an Bord

Den jungen Matrosen Dong-sik spielt Park Yoo-chun, in Südkorea als Popstar eine Berühmtheit. Da ich mit K-Pop nicht vertraut bin, war mir der Name kein Begriff, ich gestehe gern, erst durch den Hinweis im Pressetext von Koch Films darauf gestoßen zu sein. Er macht seine Sache schauspielerisch sehr gut, wie auch seine Mitstreiterinnen und -streiter. Das Geschehen und das Verhalten der Menschen an Bord wirken authentisch, so weit ich das im Rahmen meines begrenzten Einfühlungsvermögens in die fernöstliche Mentalität beurteilen kann. „Sea Fog“ vermag zu fesseln, verstört und wirkt realitätsnah. Die Reihe überaus sehenswerter südkoreanischer Produktionen reißt nicht ab. Weiter so. Welche sind eure Favoriten?

Abschließend sei erwähnt: Kein Mensch ist illegal!

Gibt es eine Rettung?

Veröffentlichung: 25. März 2021 als Blu-ray und DVD

Länge: 111 Min. (Blu-ray), 106 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Koreanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Haemoo
KOR 2014
Regie: Shim Sung-bo
Drehbuch: Shim Sung-bo, Bong Joon-ho
Besetzung: Kim Yoon-seok, Park Yoo-chun, Yeri Han, Mun Seong-kun, Kim Sang-ho, Lee Hee-joon, Yoo Seung-mok, Jeong In-gi, Jo Kyung-sook
Zusatzmaterial: entfernte Szenen (7:42 Min.), Die Geburt des Schiffs „Jun Jin“ (7:49 Min.), Vorher/nachher – VFX in „Sea Fog“ (2:06 Min.), Featurette (15:09 Min.), Originaltrailer (2 Min.), Trailershow
Label/Vertrieb: Koch Films

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot: © 2021 Koch Films

 
 

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20 Antworten zu “Sea Fog – Der Fischkutter und die Migranten

  1. Alexandra Jotter

    2021/05/16 at 11:02

    – Ashfall
    – The Swordsman
    – Train to Busan
    Die fand ich alle großartig und kann man wärmstens weiterempfehlen!

     
  2. Thomas Oeller

    2021/05/16 at 10:25

    da gibt es ein paar, zb „Oldboy“ , „The Wailing“ , „Train to Busan“

     
  3. Michael Behr

    2021/05/15 at 10:44

    Bei mir wären das (auch) „The Host“ und „Memories of Murder“.

     
  4. Birgit

    2021/05/13 at 11:05

    Meine Favoriten sind „Durst“ von 2009 und „Bittersweet Life“ von 2005

     
  5. Björn Kramer

    2021/05/12 at 16:28

    Seoul station!

     
  6. Fabi

    2021/05/11 at 14:57

    Aus den letzten Jahren ganz klar „Parasite“ und „Burning“!

     
  7. Markus

    2021/05/11 at 13:30

    Mir gefallen viele Filme aus Südkorea. „Verjährung“ ist zum Beispiel ein sehenswerter Thriller. Klasse ist auch „The Gangster, the Cop, the Devil“, der ja ein US-Remake erhalten soll.

     
  8. Jörg Plutta

    2021/05/11 at 11:34

    Ohne lange zu überlegen:
    Parasite
    😉

     
  9. Sven Böttger

    2021/05/11 at 08:40

    The Host
    Train to Busan
    The Villainess

     
  10. mario hahm

    2021/05/10 at 17:36

    Ich bin auch ein großer Fan des korean.Kinos meine Favoriten u.a. The Host, The Call, Pandora, Ashfall, the Tower, Memories of Murder, Durst und Shiri.

     
  11. Miriam

    2021/05/10 at 12:57

    Ich sehe schon lange gerne südkoreanische Filme, auch wenn ich manchmal Schwierigkeiten habe, die Darsteller auseinander zu halten. Hervorragend war natürlich „Parasite“. Da ich sehr gerne Thriller sehe sei auch „Memories of Murder“ und „Hide and Seek – Kein Entkommen“ genannt.

     
  12. Andreas H.

    2021/05/09 at 07:40

    Oldboy, Snowpiercer, Das Hausmädchen, Train to Busan und A Tale of two Sisters würde ich da nennen.

     
  13. Klaus

    2021/05/08 at 12:55

    Mein Tipp ist „The Wailing – Die Besessenen“ von 2016. Mysteriöse Geschichte mit sehr schönen Bildern

     
  14. Jost

    2021/05/07 at 17:15

    Meine Top 3 sind Parasite,I Saw the Devil & Snowpiercer

     
  15. Oliver

    2021/05/07 at 10:00

    Burning ist großartig und sollte hier unbedingt noch Erwähnung finden.

     
  16. Frank Warnking

    2021/05/07 at 09:22

    Okja 🙂

     
  17. Eva

    2021/05/07 at 08:12

    Parasite ist absolut sehenswert, aber auch Lady Vengeance und Oldboy

     
  18. Christoph Wolf

    2021/05/07 at 07:51

    Oldboy (Park Chan-wook, 2003)
    The Host (Bong Joon-ho, 2006)
    Train to Busan (Yeon Sang-ho, 2016)
    Okja (Bong Joon-ho, 2017)
    Parasite (Bong Joon-ho, 2019)

     
  19. Sven Plog

    2021/05/07 at 06:14

    Für mich steht das Actionkino um die Jahrtausendwende hoch im Kurs, also quasi Shiri und Konsorten;)
    Grundsätzlich, und da mal ein Lob an die Verleihenden, bekommen wir, wenn auch manchmal spät, schon die guten Produktionen. Jahrelang FFF bestätigt alljährlich die Qualität aus Südkorea

     
  20. Jens Albers

    2021/05/07 at 06:06

    Von den neuesten Filmen aus Südkorea, sollte man unbedingt Parasite und Night in Paradise sehen. Auch Okja ist einfach wunderschön.

    Bei den etwas älteren Filmen, empfehle ich unbedingt Joint security area und die sogenannte revenge Trilogie natürlich (Sympathie for Mr. Vengeance, Oldboy, Lady vengeance)

     

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