RSS

Der Würger von Schloss Blackmoor – Hallo! Hier spricht Bryan Edgar Wallace!

18 Mrz

Der Würger von Schloss Blackmoor

Von Volker Schönenberger

Gruselkrimi // Gerade ist Lucius Clark (Rudolf Fernau) vom Kolonialdienst in Afrika in seine britische Heimat zurückgekehrt. Auf seinem gemieteten Wohnsitz Schloss Blackmoor gibt er einen Empfang, auf dem er unter Applaus verkündet, bald in den Adelsstand erhoben zu werden. Gleichzeitig dringt ein Maskierter aufs Gelände ein und erwürgt einen Gärtner. Der Mörder dringt auch ins Gebäude ein und warnt Clark mit gezogener Waffe, das Anwesen zu verlassen. Offenbar hat sich der Adlige in spe einige Rohdiamanten unter den Nagel gerissen, auf die der Eindringling Anspruch erhebt.

Lord Blackmoor (l.), Lucius Clark und Claridge Dorsett geraten in Gefahr

Clark verwaltet das stattliche Vermögen seiner Nichte Claridge Dorsett (Karin Dor), doch er ist damit anscheinend alles andere als sorgsam umgegangen. Da die junge Frau kurz vor der Volljährigkeit steht, verlangt der Rechtsanwalt Dr. Tromby (Richard Häussler) von Clark die Herausgabe des Vermögens. Das zwingt diesen, einige der Diamanten zu Geld zu machen. Doch der geheimnisvolle Mörder macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Und dann ist da noch der verarmte Adlige Lord Edgar Blackmoor (Walter Giller), der das Schloss aus Geldnot vermietet hat und sich mit einer kleinen Einliegerwohnung im Gebäude begnügt. Schnell gibt es weitere Todesopfer, denen der Täter auf der Stirn ein „M“ verpasst.

Wie der Vater, so der Sohn

Nach dem mit „Der Frosch mit der Maske“ (1959) gestarteten Boom der Edgar-Wallace-Filme durch Constantin Film und Rialto Film wollten auch andere Produzenten auf den Zug aufspringen. Etwa Artur Brauner (1918–2019) mit seiner CCC-Filmkunst. Der sicherte sich nicht nur die Rechte an den Romanen von Edgars Sohn Bryan Edgar Wallace (1904–1971), sondern auch das Recht, neue Stoffe zu entwickeln und unter dem prestigeträchtigen Namen zu vermarkten. So entstanden zehn Bryan-Edgar-Wallace-Filme, als erste Adaption „Das Geheimnis der schwarzen Koffer“ (1961) nach dem Roman „Der Tod packt seinen Koffer“. „Der Würger von Schloss Blackmoor“ von 1963 war als zweiter Beitrag der Reihe gleich der erste ohne Romanvorlage. Die Regie übernahm Harald Reinl, der reichlich Erfahrung von der Arbeit an „Dr. Mabuse“-Filmen und den originalen Edgar-Wallace-Werken mitbrachte. Apropos Mabuse: Mit „Scotland Yard jagt Dr. Mabuse“ folgte im selben Jahr als dritter Teil ein Mash-up der Bryan-Edgar-Wallace-Filme mit den „Dr.-Mabuse“-Produktionen der 1960er-Jahre. Ebenfalls 1963 entstand „Der Henker von London“ als vierter Teil der Reihe. Nach drei weiteren Filmen im Folgejahr war erst einmal einige Jahre Schluss, bevor mit den beiden Gialli „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ (1970) und „Die neunschwänzige Katze“ (1971) ein gewisser Dario Argento seine Handschrift einbrachte, was den deutschen Verleih nicht daran hinderte, auch auf diesen beiden Filmen den Namen Bryan Edgar Wallace zu platzieren.

Clark (l.) hat seine liebe Not mit seinem Butler

Die auf eine naive Weise charmante Gruselkrimi-Stimmung passt. Sogar etwas drastisch geht es zu, wenn ein Motorradfahrer per über die Fahrbahn gespanntem Draht geköpft wird (wobei das Opfer unschwer als Puppe zu erkennen ist). Auch zwielichte Nebenfiguren treten zur Genüge in Erscheinung, etwa der Hehler Tavish (Hans Nielsen) und der Diamantenschleifer Anthony (Dieter Eppler), der als Clarks Butler getarnt seinen Dienst auf Schloss Blackmoor absolviert. Die liebreizende Karin Dor, des Regisseurs damalige Ehefrau, darf als „Damsel in Distress“ ebenfalls Erfahrung aus Edgar-Wallace-Filmen einbringen, auch wenn diese Rollen keine große Herausforderung darstellen und aus heutiger Sicht antiquiert wirken. Die Emanzipation war damals eben noch hoffnungslos im Hintertreffen, da braucht es einen Kerl wie Inspector Jeff Mitchell (Harry Riebauer) von Scotland Yard, um die Dame vor Unbill zu bewahren und gleichzeitig ihr Herz zu gewinnen. Mit dem Reporter Mike Pierce (Hans Reiser) versucht der Kriminalbeamte, weitere Morde zu verhindern.

Walter Giller im Schottenrock

Walter Giller darf mit skurrilem Bart und im Kilt einige Szenen bestreiten – für den Schottenrock liefert er mit schottischen Vorfahren sogar eine Erklärung. Männer im Rock waren damals für Deutsche offenbar kurios genug. Innen- wie Außenaufnahmen wurden im Frühjahr 1963 in West-Berlin gedreht. Als Soundtrack erhielt der Film eher dissonante Klänge verpasst, was ihn etwas von den „echten“ Edgar-Wallace-Produktionen abhebt, insgesamt reiht sich das Werk aber gut in all diese Produktionen ein, ob mit „Bryan“ oder ohne. Ein „Hallo! Hier spricht Bryan Edgar Wallace!“ bekommen wir allerdings nicht zu hören, das hätte aufgrund des zusätzlichen Vornamens vom Silben-Rhythmus ohnehin nicht gut gepasst. Wer an den Verfilmungen der Werke von Wallace Senior Freude hat, wird auch an den unter dem Namen von Wallace Junior entstandenen Gruselkrimis Gefallen finden, somit auch an „Der Würger von Schloss Blackmoor“. Pidax Film hat ihn bereits 2020 als DVD veröffentlicht, um ihm im Folgejahr auch eine Blu-ray angedeihen zu lassen. Das Label hat ohnehin einige der Bryan-Edgar-Wallace-Filme im Portfolio. Am Ende von „Der Würger von Schloss Blackmoor“ darf Harald Reinl sogar das grausliche Finale von Colonel Brinkley in seiner Karl-May-Regiearbeit „Der Schatz im Silbersee“ (1962) zitieren, indem er die Hand eines Versinkenden als letzten Gruß aus dem Morast ragen lässt.

Der Würger hat Claridge in seiner Gewalt

Veröffentlichung: 7. Mai 2021 als Blu-ray, 16. Oktober 2020 als DVD

Länge: 87 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: keine
Originaltitel: Der Würger von Schloss Blackmoor
BRD 1963
Regie: Harald Reinl
Drehbuch: Ladislas Fodor, Gustav Kampendonk, frei nach Bryan Edgar Wallace
Besetzung: Karin Dor, Harry Riebauer, Rudolf Fernau, Hans Nielsen, Dieter Eppler, Hans Reiser, Richard Häussler, Walter Giller, Ingmar Zeisberg, Peter Nestler, Gerhard Hartig, Albert Bessler
Zusatzmaterial: Hörspielfassung mit Norbert Langer als Erzähler (im MP3-Format). Bildergalerie, Wendecover
Label: Pidax Film
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2021 Pidax Film

 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

 
%d Bloggern gefällt das: