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The Beach House – Am Strand hört dich niemand schreien! Der Mensch besteht zum Großteil aus Wasser …

12 Apr

The Beach House

Von Tonio Klein

Horror // … und zum Wasser wird er zurückkehren? Ich war erstaunt, dass „The Beach House – Am Strand hört dich niemand schreien!“ tatsächlich einen Kinostart in Deutschland hatte, zwischen den Coronawellen. Aus diesem Anlass hat ihn Lucas Gröning hier gewürdigt. Ich versuche mich bewusst an einem Text ohne Kenntnis des ersten – zwei Ansichten können ja nicht schaden.

Ein B-Film, im Guten wie im Schlechten

Es liegt, was nicht kritisch gemeint ist, ein erkennbar „kleiner“ Horrorfilm vor, der mit zwei Haupt-, zwei Nebendarstellern, sehr wenigen Minirollen und im Wesentlichen einem Handlungsort auskommt; zudem sind die Mitwirkenden keine Stars. Low Budget nicht als Schund, sondern als Chance. Und es ist geglückt, trotz kleinerer Einwände, vor allem am Anfang. Ein Pärchen Anfang 20 will eine gewisse Zeit in einem angeblich leerstehenden Haus am Strand verbringen – ein Wochenende? Wir wissen es nicht genau. Randall (Noah Le Gros) und Emily (Liana Liberato) haben dort nicht nur Sex, sondern wollen auch ihre Beziehung kitten, was nie richtig auserzählt wird – die Schwierigkeiten werden nur am Rande erwähnt und verlaufen im Nichts.

Randall will das Eine, Emily ist eher die Grüblerin

Stattdessen erleben wir eine Szene von absurder Keuschheit: Nach dem Beischlaf muss Emily auf die Toilette. In dem Glauben, dass die beiden nicht nur das Haus, sondern die ganze Gegend für sich allein haben, zieht sie sich allen Ernstes zu diesem Zweck an. Bitte? Ist das so ein US-Altersfreigabe-Ding, wo Blut und Ekel weniger schlimm sind als nackte Haut? Später gibt es ein paar klassische „Warum setzt sich Emily so lange der Gefahr aus?“-Vorbehalte. Aber alles sympathische B-Schludrigkeiten, die nicht übermäßig stören.

Macht Emily am Strandaufgang den Abgang?

Jedenfalls, ob mit bekleidetem Klogang oder nicht, Emily und Randall hatten sich geirrt: Sie sind gar nicht allein, weil ein Freund Randalls Vaters und seine Frau (Jake Weber und Maryanne Nagel) das Haus ebenfalls nutzen. Die vier freunden sich an und verbringen einen Abend mit Gegrilltem und etwas zu viel Alkohol. Emilys „Wir sollten nicht mehr fahren“ ist ein doofer Dialog-Ausrutscher, weil das doch niemand ansatzweise vorhat; das Haus ist groß genug für vier. Auch dies aber: geschenkt.

Trotz eines eher bedächtigen Beginns ist von Anfang an klar, dass es sich um einen Horrorfilm handelt. Die dräuende elektronische Musik, die (nicht allzu nervöse) Handkamera und ein paar Bilder wie Dialoge machen klar: Da kommt was auf die vier zu, und nicht nur auf sie. Während Randall ein Drifter und Studienabbrecher ist, ist Emily eine zielstrebige Studentin, die sich mit „Astrobiologie“ beschäftigt und kluge Dinge über die Zufälligkeit des menschlichen Lebens auf unserem Planeten sagt: Da müsste ja nur eine Winzigkeit anders laufen, damit die Spezies dahin wäre. Und die Gefahr kommt aus dem Wasser; das zeigen auch die Bilder.

Die Maske des Roten Todes

Sie zeigen es nicht nur durch das wunderschöne Meer hinter den Dünen und plötzlich in Reih und Glied angespültes Getier, sondern auch durch Wasserhähne, Austernschlürfen, Großaufnahmen von Meeresgetier und schon durch den Wasser- und Unterwasservorspann. Am Meeresboden brodelt es, und das drängt an die Oberfläche. Ein Online-Rezensent fühlte sich auch an Science-Fiction der 1950er-Jahre erinnert. In der Tat: Beispielsweise nisteten sich die Außerirdischen in „Die Dämonischen“ (1956) in der Natur ein (das ist der Film mit den Bohnenkeimen!). Und in „Kampf der Welten“ (1953, und 2005 als „Krieg der Welten“, jeweils nach H. G. Wells) wurden die Marsianer ausgerechnet eher zufällig durch Bakterien besiegt.

Zurück zur Natur? Wenn sie uns denn ließe!

Der Film ist Reverenz, aber auch Umkehrung, denn nun ist die Natur nicht Wirt noch Waffe, sondern selbst die Bedrohung. Das ist 2019 natürlich auch nicht neu und lässt an Tierhorror der 1970er-Jahre oder an M. Night Shyamalans „The Happening“ (2008) denken. Sobald der Film diese Bedrohung manifest werden lässt und sich Ereignisse nicht mehr als Drogentrip (ja, zu dem kommt es auch noch) abtun lassen, nimmt er an Fahrt auf. Bildlich ist er von Anfang an konsequent und wird es bleiben; so verschwinden gleich zwei Personen auf optisch interessante Weise vollständig im Wasser. Und ob Emily, die von Anfang an als stärker gegenüber Randall gezeichnet ist, tatsächlich das klassische Final Girl sein wird, ist noch lange nicht ausgemacht.

Er ist schon weggetreten, sie ist wachsam – aber wie lange?

Trotz einiger Spezialeffekte schielt der Film nicht auf Ekel-Überwältigung, sondern besticht dadurch, dass er die Bedrohung im Mysteriösen belassen wird. Ein paar hypnotische Farbakzente runden den Eindruck ab. Und es ist ein guter Eindruck, nicht immer ganz rund, aber kreativ. Perfektion kann auch den Nachteil haben, dass ein Werk vor lauter Geschliffenheit kaum noch laufen kann. Anders „The Beach House“. Erst plätschert er wie das Meer. Dann muss nicht nur Emily laufen. Eine kleine, ungeschliffene Perle, wobei man den dystopisch-apokalyptischen Touch, wenn die Natur sich rächt, gern wahlweise als Corona- oder Klimawandel-Thriller lesen darf, oder als beides. Zur Zeit der Produktion war ersteres aber, außer bei Fachleuten, nur als Biermarke bekannt.

Wieder ist klar, wer hier stärker ist

Koch Films ist für die Veröffentlichung zu danken, an deren Qualität, wie bei neuen Filmen üblich, nichts zu meckern ist. Dass man heutzutage noch DVDs herausbringt, bei denen man sich erst durch diverse Trailer klicken muss, sei verziehen. Diese sowie der deutsche und englische Trailer zum Hauptfilm sind die einzigen Extras – schade, aber verständlich für einen Film, bei dem man wohl kaum mit einem Verkaufsschlager rechnen darf.

Der Schrecken bleibt oft unsichtbar

Veröffentlichung: 22. April 2021 als Blu-ray und DVD

Länge: 88 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Beach House
USA 2019
Regie: Jeffrey A. Brown
Drehbuch: Jeffrey A. Brown
Besetzung: Liana Liberato, Noah Le Gros, Jake Weber, Maryann Nagel, Michael Brumfield, Matt Maisto, Steven Corkin, Dan Zakarija, Veronica Fellman
Zusatzmaterial: Trailer
Label/Vertrieb: Koch Films

Copyright 2021 by Tonio Klein

Szenenfotos & Packshot: © 2021 Koch Films

 

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