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Boss Level – Und täglich killt das Murmeltier

19 Apr

Boss Level

Von Volker Schönenberger

SF-Actionthriller // Der Delta-Force-Veteran Roy Pulver (Frank Grillo) erlebt denselben Tag immer wieder aufs Neue. Er wacht auf, als ihn ein Typ mit einer Machete angreift. Überlebt er dies, lauert vor dem Fenster schon ein Helikopter, von dem aus er mit einem Maschinengewehr beschossen wird. Einen Sprung aus dem Fenster überlebt Roy (manchmal), auch die anschließende Hatz im kurz auf der Straße geklauten Sportwagen, bei der ihn zwei Killerinnen verfolgen und ebenfalls beschießen. Doch irgendwann ist immer Schluss, und eine der diversen Tötungsmaschinen erwischt ihn. Dann wacht er auf, als ihn ein Typ mit einer Machete angreift …

Was weiß Jemma?

„Boss Level“ geht gleich in die Vollen und beginnt mit Roys Zeitschleifentag 139. Per Stimme aus dem Off berichtet uns der Gute höchstselbst von seinem Dasein – und das auf coole Weise mit einer Prise Selbstironie. Der aus drei „Avengers“- und zwei „The Purge“-Filmen bekannte Frank Grillo verkörpert zwar einen nicht unbedingt originellen Figurentypus, aber das macht er gut, sodass uns Roy im Lauf der Tage, die er das Zeitliche segnet, doch ans Herz wächst.

Die Ex-Frau und ihr Boss

Roy trauert dem Ende seiner Ehe mit Dr. Jemma Wells (Naomi Watts) nach. Sie hat dem gemeinsamen Sohn Joe (Frank Grillos Sohn Rio) nie verraten, wer sein Vater ist. Die Wissenschaftlerin arbeitet für die von Colonel Clive Ventor (Mel Gibson) geführten Dynow Labs. Nach und nach begreift Roy, dass dort der Schlüssel zu seiner Zeitschleife liegt.

Roy nähert sich seinem Sohn Joe an

Der Filmtitel „Boss Level“ ist dem Feld der Videospiele entlehnt. Ein Bossgegner oder Endgegner ist in vielen kampfbetonten Spielen ein besonders schwieriger Kontrahent in einem höheren Level, nachdem man sich zuvor an einer Reihe weniger mächtiger Feinde abgearbeitet hat. Diese Struktur greift der Film auch auf, da sich Roy anfangs vornehmlich mit den auf ihn angesetzten Killern auseinandersetzen muss. Ausgesprochen schwer fällt es ihm beispielsweise, an der Schwertkämpferin Guan Yin (Selina Lo) vorbeizukommen. Selbst Schusswaffen reichen dafür nicht aus, weil sie so schnell ist. Irgendwann kommt ihm der Gedanke, sich von der Schwertkampf-Weltmeisterin Dai Feng (Michelle Yeoh) unterweisen zu lassen, die zufällig in seinem Stammlokal einkehrt.

Von den Autoren von „Open Grave“

Auch über den Filmtitel hinaus gibt es Elemente, die ein Faible für Videospiele verraten, seien es pixelige Schriftbilder im Abspann und die Nummerierungen des Tages, den Roy x-fach durchlebt, sei es der eSports-Schuppen mit Fokus auf Retro-Games, den Roy aufsucht, um Zeit mit seinem Sohn zu verbringen. Mir ist allerdings nicht bekannt, wer von den an der Entstehung von „Boss Level“ beteiligten Personen diese Vorliebe in den Film eingebracht hat, ob Produktion, Drehbuch oder Regie. Das fürs Drehbuch verantwortlich zeichnende Brüder paar Chris und Eddie Borey hatte im Übrigen zuvor auch das Skript zum Horrorthriller „Open Grave“ (2013) verfasst. Wobei „zuvor“ eine vage Aussage ist – dem Vernehmen nach stammt das Drehbuch zu „Boss Level“ bereits von 2010.

Killer unter sich

Regisseur Joe Carnahan bringt mit Filmen wie „Narc“ (2002) „Smokin’ Aces“ (2006) und „Das A-Team – Der Film“ (2010) ausreichend Erfahrung im Action- und Thriller-Segment mit, um auch „Boss Level“ mit kernigen Actionszenen zu füllen. So weiß das Geballer dann auch in puncto Optik und Rasanz zu gefallen, nur selten fällt die CGI-Visualisierung mancher Einstellungen auf. Carnahan wird auch das US-Remake der indonesischen Action-Glanztat „The Raid“ (2011) inszenieren. Bei allen Vorbehalten gegenüber derlei Neuverfilmungen ist doch eine gewisse Vorfreude berechtigt.

Roy wirft die Knarre an …

Die von Naomi Watts und Mel Gibson verkörperten Figuren erweisen sich im Lauf der Handlung als durchaus tragend, was zu Beginn noch nicht abzusehen war. Mir hat „Boss Level“ deutlich besser gefallen als beispielsweise zuletzt der ebenfalls in Videospielästhetik inszenierte „Guns Akimbo“ (2019) mit Daniel Radcliffe. Die 101 Minuten vergingen wie im Fluge.

Zeitschleifen

Das Zeitschleifen-Sujet ist unglaubwürdig genug, weshalb man sich als Filmemacher wie als Zuschauer gleichermaßen nicht groß um wissenschaftliche Begründbarkeit und Logik scheren muss. Wer schon angesichts der Grundidee des immer wieder aufs Neue durchlaufenen Tages die Stirn runzelt, sollte diese Filme vielleicht von vornherein meiden. Dann entgehen einem aber so unterhaltsame Werke wie „Happy Deathday“ (2017), „Edge of Tomorrow“ (2014), „Retroactive – Gefangene der Zeit“ (1997), „12:01“ (1993) und natürlich „… und täglich grüßt das Murmeltier“ (1993). Aktuell findet sich mit „Sechzehn Stunden Ewigkeit“ (2021) ein Zeitschleifen-Melodram bei Amazon Prime, beim Fantasy Filmfest 2020 lief „Palm Springs“ (2020), der wohl Ende 2021 in die deutschen Heimkinos kommen wird. Einstweilen bringt „Boss Level“ viel Freude. Actionfreunde können unbesorgt zugreifen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Naomi Watts haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Mel Gibson unter Schauspieler.

… und trifft auf Colonel Clive Ventor

Veröffentlichung: 23. April 2021 als Blu-ray und DVD

Länge: 101 Min. (Blu-ray), 96 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Boss Level
USA 2021
Regie: Joe Carnahan
Drehbuch: Chris Borey, Eddie Borey, Joe Carnahan
Besetzung: Frank Grillo, Mel Gibson, Naomi Watts, Michelle Yeoh, Will Sasso, Annabelle Wallis, Sheaun McKinney, Selina Lo, Ken Jeong, Meadow Williams, Mathilde Ollivier, Rio Grillo, Armida Lopez, Buster Reeves, Eric Etebari
Zusatzmaterial: Making-of (8. Min.), Trailershow
Label/Vertrieb: Leonine

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot: © 2021 Leonine

 

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