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Tunnel – Im koreanischen Berg gefangen

22 Apr

Teo-neol

Von Volker Schönenberger

Katastrophen-Thriller // Lee Jeong-su (Ha Jung-woo) befindet sich auf dem Heimweg zu seiner Frau Se-Hyun (Bae Doona) und der gemeinsamen Tochter, die Geburtstag hat. Doch er wird nicht ankommen: Der fast zwei Kilometer lange Hado-Tunnel stürzt ein, als er sich mitten darin befindet. Er selbst bleibt unverletzt, aber sein Auto wird von Geröllmassen verschüttet. Glück im Unglück, wenn auch nicht für ihn: Weil der Tunnel erst kürzlich eröffnet wurde, ist die Strecke noch kaum befahren, weshalb sich außer ihm zum Zeitpunkt des Einsturzes anscheinend niemand sonst im Tunnel befand.

Im Hado-Tunnel wird Lee Jeong-su …

Weil Lees Smartphone Empfang und reichlich Akkuladung hat, kann er einen Notruf absetzen. Schnell sind Rettungskräfte vor Ort, und der Einsatzleiter Kim Dae-kyung (Oh Dal-su) hält Kontakt zu dem Eingeschlossenen. Es zeigt sich schnell, dass die Nordeinfahrt des Tunnels komplett verschüttet ist. Durch die Südeinfahrt gelingt es Kim, mit einem jungen Helfer (Cho Hyun-Chul) bis zur Einsturzstelle vorzudringen – immerhin so weit, dass Lee die Hupe der Retter hört. Doch er muss damit rechnen, dass es lange dauern wird, bis diese zu ihm gelangen können. Länger als die ihm anfangs angekündigten sieben Tage …

… mit seinem Auto verschüttet

Regisseur und Drehbuchautor Kim Seong-hun inszenierte nach „Tunnel“ (2016) alle sechs Episoden der ersten und die erste Episode der zweiten Staffel der hochgelobten Zombie-Horrorserie „Kingdom“ (seit 2019), die bei Netflix zu sehen ist. Das südkoreanische Katastrophen-Thriller überschreitet die Zweistundenmarke. Das lässt angesichts des überschaubaren Plots der Rettungsaktion eines Eingeschlossenen einige Längen befürchten, aber weit gefehlt: Ohne überkonstruierte Einfälle hat mich „Tunnel“ über die gesamte Laufzeit gepackt.

Die Retter können nicht zu ihm vordringen

Da ist zum einen das unmittelbare Schicksal des Eingeschlossenen, der sich in der klaustrophobischen Enge wacker hält. Es gelingt ihm sogar, sich außerhalb seines Autowracks etwas Freiraum zu verschaffen. Lee spricht täglich mit Einsatzleiter Kim, immer wieder auch mit seiner Frau Se-Hyun. Die Hoffnung und Verzweiflung der Eheleute wird auf sehr bewegende Weise deutlich. Glücklicherweise ist die deutsche Synchronisation gelungen ausgefallen, das ist ja bisweilen ein Problem bei fernöstlichen Produktionen.

Die Rettungsaktion gerät zum Medienspektakel

Fast beiläufig kommt zum anderen auch das Thema Pfusch am Bau zum Tragen. Ob dies im südkoreanischen Hoch- und Tiefbau ein reales Problem ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Jedenfalls wird der Bau eines nahe gelegenen zweiten Tunnels während der Rettungsarbeiten unterbrochen. Dies verursacht zusätzliche Kosten, was später noch wichtig wird, wenn nach etwa zwei Dritteln die Frage aufkommt, was ein Menschenleben wert ist. Dieser Aspekt bringt weitere Spannung. Die zuständige Ministerin (Kim Hae-sook) macht dabei nicht gerade eine gute Figur. Auch die Medien bekommen ihr Fett weg. Und wann immer von Weitem der Eindruck entsteht, nun könne das Ganze zum Spektakel verkommen, legt „Tunnel“ den Fokus doch wieder auf die Figuren. Gut so! Als hilfreich erweist sich auch, dass der aus „The Attack“ (2018) und „Die Taschendiebin“ (2016) bekannte Hauptdarsteller Ha Jung-woo seine Sache gut macht. Dass Lee ein anständiger Kerl ist, macht es dem Publikum natürlich leichter, um sein Überleben zu bangen.

Einsatzleiter Kim Dae-kyung setzt alles daran, Lee herauszuholen

Frank Scheck, Rezensent der US-Publikation „The Hollywood Reporter“, schrieb 2016 in seiner Rezension, „Tunnel“ sei cleverer und durchdachter als die meisten Genrebeiträge aus Hollywood. Ganz so sehr würde ich den US-Katastrophenfilm nicht unter den Scheffel stellen, aber an der hohen Qualität des südkoreanischen Kinos im Allgemeinen und dieses Katastrophen-Thrillers im Besonderen gibt es nichts zu rütteln. Zuletzt hat mir auch der norwegische Genrebeitrag „The Tunnel – Die Todesfalle“ von 2019 sehr gut gefallen. „Tunnel“ vielleicht sogar noch etwas besser. Unverständlich, weshalb das Werk es nicht schon 2016 oder 2017 in die deutschen Kinos geschafft hat, sondern erst 2021 den Weg in die hiesigen Pantoffelkinos antritt. Aber besser als nichts. Welche fernöstlichen Katastrophenfilme könnt Ihr empfehlen?

Se-Hyun bangt um ihren Mann

Veröffentlichung: 16. April 2021 als Blu-ray und DVD

Länge: 126 Min. (Blu-ray), 121 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Koreanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Teo-neol
KOR 2016
Regie: Kim Seong-hun
Drehbuch: Kim Seong-hun
Besetzung: Ha Jung-woo, Bae Doona, Oh Dal-su, Shin Jeong-geun, Nam Ji-Hyun, Cho Hyun-Chul, Kim Hae-sook, Yoo Seung-mok, Park Hyuk-kwon, Park Jin-woo, Lee Cheol-min
Zusatzmaterial: Trailershow, Wendecover
Label: Busch Media Group
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2021 Busch Media Group

 
 

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13 Antworten zu “Tunnel – Im koreanischen Berg gefangen

  1. Birgit

    2021/07/02 at 09:55

    Zuallererst kommen mir da auch die Filme der Godzilla-Reihe in den Sinn, die ja allesamt katastrophale Zerstörungen zelebrieren. Und auch „The Sinking of Japan“ passt sehr gut in diese Kategorie.

     
  2. Marco Winnig

    2021/06/28 at 17:32

    Ich empfehle:

    Ashfall
    The Tower
    Aftershock
    Fukushima
    The Bravest

     
  3. Klaus

    2021/06/28 at 13:19

    Meine Tipps sind „Erdbeben – Flammendes Inferno von Tokio“ ,Japan 1980 und „2022 Tsunami“ (auch: „Deathwave“), Thailand 2009

     
  4. Thomas Oeller

    2021/06/26 at 21:10

    „Der Untergang Japans“ . „Fukushima – Die Welt am Abgrund“ , „Pandora“

     
  5. Michael Behr

    2021/06/26 at 15:29

    Ich gehe mit bei „Godzilla“ und erhöhe um „The Host“. Von den „traditionellen“ Katastrophenfilmen haben mir „Aftershock“ und „Sinking of Japan“ gut gefallen.

     
  6. Imke

    2021/06/26 at 15:02

    Aftershock und Pandemie mit Abstand!

     
  7. Jost

    2021/06/26 at 13:45

    Pandemie und Train to Busan kann ich empfehlen!

     
  8. Björn Kramer

    2021/06/25 at 14:57

    sinking of japan!

     
  9. Jens

    2021/06/25 at 08:57

    Pandemie fand ich ganz gut

     
  10. Eva

    2021/06/25 at 08:13

    Pandemie

     
  11. mario hahm

    2021/06/25 at 08:04

    the tower, pandora, libera me, aftershock

     
  12. matzematiker

    2021/06/25 at 07:18

    Godzilla, Godzilla und noch mal Godzilla! 🙂

     
  13. Frank Warnking

    2021/06/25 at 07:15

    Ashfall und Tran to Busan 🙂

     

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