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Hard Kill – Bruce Willis stößt sich selbst vom Sockel

06 Mai

Hard Kill

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // Mensch, von Regisseur Matt Eskandari kenne ich sogar schon einen Film: Der Horrorthriller „12 Feet Deep – Gefangen im Wasser“ (2017) um zwei junge Frauen, die unter einer Schwimmbecken-Abdeckung eingesperrt sind, hatte in seiner Reduziertheit etwas. Nun legt er in puncto Action eine Schippe drauf und hat mit Bruce Willis sogar einen großen Namen in der Besetzung, auch wenn die Glanzzeiten des „Stirb langsam“-Stars lange vorbei sind. Die Hauptrolle spielt allerdings Jesse Metcalfe, der mit der Serie „Desperate Housewives“ (2004–2009) bekannt wurde und sich mit „Dead Rising – Watchtower“ (2015) und „Dead Rising – Endgame“ (2016) auch im Bereich Horror-Action betätigt hat.

Wenn das vermaledeite Passwort fehlt

Metcalfe spielt den Ex-Marine Derek Miller, der sich mit seinem Team vom Konzernboss Chalmers (Bruce Willis) als Personenschützer anheuern lässt. Dessen Hightech-Firma hat „Projekt 725“ entwickelt, dass sich der Terrorist „Prediger“ (Sergio Rizzuto) unter den Nagel gerissen hat. Das Problem: Nur Chalmers kennt das Passwort, mit dem das Gerät wieder in Betrieb gesetzt werden kann – es hat sich nach einem Flugzeugabsturz, den der Prediger mittels „Project 725“ herbeigeführt hat, selbst deaktiviert. Mit dem Terroristen hat Miller noch eine Rechnung offen.

Derek Miller (l.) lässt sich von Chalmers anheuern

Chalmers, sein Sicherheitschef Nick Fox (Texas Battle) sowie Miller und dessen Team verschanzen sich in einem verlassenen Fabrikkomplex. Die ersten Eindringlinge können die kampferprobten Männer ausschalten, doch der Prediger hat noch ein Ass im Ärmel: Chalmers’ Tochter Eva (Lala Kent).

Ein reiner Actionfilm?

Dies ist der erste Film, den ich gemacht habe, der von Anfang bis Ende ein reiner Actionfilm ist, mit Explosionen und Schießereien. Es war großartig, das zusammenzubringen und zum Leben zu erwecken. So zitiert die Pressemitteilung des Labels EuroVideo Regisseur Matt Eskandari. Offenbar hat ihm niemand gesagt, dass Dialoge nicht als Action gelten. Obwohl der Plot denkbar simpel ausfällt, gibt es Gespräche zuhauf, damit das Publikum auch ja alles verstanden hat, bevor nach einer knappen Dreiviertelstunde endlich die erste größere Schießerei ihren Lauf nimmt. Auch danach wird viel gelabert, man versteckt sich oder schleicht durch die Fabrikräume.

Der Konzernboss steht gern mal rum …

Apropos Fabrik: Weshalb sich Chalmers dorthin zurückzieht und Fox dafür sogar Miller und dessen Leute täuscht, damit diese sich mit in die Falle begeben, bleibt unergründlich. Aus irgendwelchen Gründen soll der Prediger angelockt werden. Dass die Terroristen zahlenmäßig weit überlegen sind, wird zwar kurz thematisiert, hat in den Überlegungen von Chalmers und Fox aber offenbar keine Rolle gespielt. Jedenfalls ärgern sich Miller und sein Team, dass sie in dieser Falle sitzen. Sie verkennen dabei, dass das Fabrikgelände so weitläufig ist, dass es ausreichend Möglichkeit zum Verbergen und Entkommen geben müsste. Der Fabrikkomplex hat als Location durchaus seinen Reiz, er wäre aber in einem Stealth-Action-Videospiel besser aufgehoben als in einem lendenlahmen Möchtegern-Actioner wie „Hard Kill“. Gedreht wurde am alten Stammsitz der United States Playing Card Company in Norwood, Ohio, unweit von Cincinnatti. Die Gebäude wurden anschließend abgerissen.

Eine bessere Welt oder der Rückfall in die Steinzeit

Bei „Projekt 725“ handelt es sich um eine dieser Technologien, die laut Chalmers Tochter geeignet sind, eine bessere Welt zu erschaffen. In den Händen eines Terroristen wie dem Prediger kann sie aber auch das Gegenteil bewirken und die menschliche Zivilisation in die Steinzeit zurückwerfen, wie Millers Mitstreiter Dash Hawkins (Swen Temmel) anmerkt, als Eva sie über die Möglichkeiten der Erfindung unterrichtet. Tatsächlich ist „Projekt 725“ nichts weiter als ein MacGuffin, der die Handlung auslöst und vorantreibt, ohne für zu etwas anderem nutze zu sein. Kurz vor dem Abspann geht es zwar plötzlich doch darum, ob das Gerät zum Einsatz kommt, Spannung kommt dabei aber nicht auf.

… oder hält einen Plausch mit dem Prediger

Der Prediger agiert aus nicht näher bestimmten Motiven als Terrorist. Irgendwann im letzten Drittel von „Hard Kill“ faselt er davon, all seine sogenannten Terrorakte dienten dazu, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Ach Gottchen, ein Weltverbesserer! Bruce Willis wiederum darf als Chalmers cool dreinschauen (oder was er heute dafür hält) und ein paar weise Worte absondern. Immerhin dient er nicht nur als prominenter Name, sondern ist oft genug mittendrin, statt nur dabei, auch wenn für die Action andere zuständig sind.

Dialoge für die Ewigkeit

Die wissen, wo wir sind. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie uns hier finden. Hm – wenn jemand weiß, wo sich Gesuchte aufhalten, sind sie dann nicht schon gefunden? Oder sollte ich aufhören, Dialoge in Actionfilmen zu hinterfragen? Zum Finale gibt es natürlich noch den Bossfight zwischen dem Prediger und Miller, zu dem es nur deshalb kommt, weil Miller seinen Kontrahenten dazu auffordert. Da ist dem Top-Terroristen ein zünftiger Zweikampf Mann gegen Mann anscheinend wichtiger als seine weltumspannenden Absichten. Fiel den Drehbuchautoren und dem Regisseur nichts Besseres ein, um diesen Kampf herbeizuführen? Es wäre geradezu ärgerlich, hätte sich „Hard Kill“ zu diesem Zeitpunkt nicht ohnehin längst als Rohrkrepierer entpuppt. Über diverse andere Logiklöcher decke ich den Mantel des Schweigens.

Vater und Tochter in trauter Einheit

Es macht zwar Spaß, auch mal einen Verriss zu schreiben, aber ich wollte „Hard Kill“ eine ehrliche Chance geben. Das war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Mit solchen miesen Machwerken kratzt Bruce Willis an seinem Denkmal als Action-Ikone. Welche seiner Filme findet Ihr ausgesprochen mies?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jesse Metcalfe und Bruce Willis haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 20. Mai 2021 als Blu-ray und DVD

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 95 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Hard Kill
USA 2020
Regie: Matt Eskandari
Drehbuch: Joe Russo, Chris LaMont
Besetzung: Jesse Metcalfe, Bruce Willis, Lala Kent, Natalie Eva Marie, Texas Battle, Sergio Rizzuto, Swen Temmel, Jon Galanis, Tyler Jon Olson, Leslee Emmett
Zusatzmaterial: Making-of (9 Min.), Trailer, Wendecover
Label/Vertrieb: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot: © 2021 EuroVideo Medien GmbH

 
 

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Eine Antwort zu “Hard Kill – Bruce Willis stößt sich selbst vom Sockel

  1. Frank Hillemann

    2021/05/07 at 12:32

    Bruce Willis isr leider zum Gesichtsvermieter verkommen. Gib ihm Geld und er spielt mit oder hält vielmehr sein Gesicht in die Kamera. Derselbe traurige Werdegang wie Nicolas Cage.

     

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