RSS

The Swordsman – Fernöstliches Schwert-Spektakel für Genießer

10 Mai

Geom-gaek

Von Volker Schönenberger

Historien-Abenteuer // Die Zeit des Übergangs von der Ming-Dynastie zur Qing-Dynastie Chinas war geprägt von Unruhen und Konflikten verschiedener Häuser mit Machtansprüchen, die zu mannigfachen militärischen Auseinandersetzungen führten. Zwischen 1618 und 1683 kosteten Hungersnöte, Seuchen und Kriege etwa 25 Millionen Menschen das Leben.

Tae-yul droht zu erblinden

Vor diesen historischen Hintergrund platzierte der südkoreanische Filmschaffende Choi Jae-hoon sein auf der koreanischen Halbinsel angesiedeltes Drehbuch- und Regiedebüt, das für einen Erstling mit erstaunlich hohen Schauwerten aufwartet und generell auf hohem Niveau ausgefallen ist: Im Mondjahr 1623 muss Gwanghaegun, 15. König der Joseon-Dynastie, auf der Flucht vor seinen Feinden den Regentenpalast verlassen. Obwohl dem Herrscher Missetaten vorgeworfen werden, stellt sich der begnadete junge Schwertkämpfer Tae-yul (Jang Hyuk) den Aufrührern in den Weg. Er kann den Lauf der Dinge aber nicht aufhalten.

Mit Töchterlein Tae-ok …

Jahre später lebt Tae-yul mit seiner halbwüchsigen Tochter Tae-ok (Kim Hyeon-soo) zurückgezogen in den Bergen. Eine alte Verletzung macht ihm zu schaffen, sein Augenlicht schwindet, die vollständige Erblindung droht. Vater und Tochter begeben sich aus ihrer Einsamkeit hinab in belebtere Gegenden, um ein Heilmittel für Tae-yul zu besorgen. In einem Ort werden die beiden Zeugen, wie die Sklavenhändler der Qing-Dynastie das Volk schikanieren. Besonders der ruchlose Gurutai (Joe Taslim) tut sich mit Grausamkeit hervor. Die Qing-Schurken können unbehelligt von den schwachen Joseon-Beamten ihr Unwesen treiben. Selbst der als bester Schwertkämpfer Joseons geltende Min Seung-ho (Jung Man-sik) hält sich bedeckt. Ihn hatte Tae-yul damals vor dem Königspalast aufhalten wollen. Der langsam Erblindende und seine Tochter geraten bald ins Blickfeld von Gurutai und dessen Helfershelfern.

… wandert er hinab ins Tal

Großartige Schwertkämpfe! In manchen fernöstlichen Epen wirken sie auf Dauer repetitiv und ermüdend, hier nicht. Sie sind nicht nur beeindruckend choreografiert und dosiert, sondern auch gekonnt gefilmt, sodass ich stets den Überblick behalten habe – auch keine Selbstverständlichkeit. Auf unsichtbare Drähte und über die Dächer hüpfende Akteure wurde verzichtet, hier ist Bodenhaftung Trumpf, wenn man davon absieht, dass Tae-yuls Überlegenheit im Kampf fast übermenschlich erscheint. Es ist eben nicht immer von Nachteil, wenn man mit Stichwaffe zu einer Schießerei erscheint. Aber erwartungsgemäß bekommt er noch seinen Bossfight.

Dort treibt der Sklavenhändler Gurutai (r.) sein Unwesen

Hauptdarsteller Jang Hyuk ist in Südkorea als Rapper und Schauspieler ein Superstar. Nach Deutschland haben es bislang die Romanze „Windstruck“ (2004), die Serien-Adaption „Iris – Der Spion aus der Kälte“ (2013) und der Seuchen-Thriller „Pandemie“ (2013) geschafft. Seine Rolle als erblindender Schwertkämpfer erfordert keine schauspielerische Vielseitigkeit, aber seine stoisch-coole Miene liefert einen reizvollen Kontrast zu Tae-yuls Kampfkunst, wenn er erst loslegt. Die FSK-16-Freigabe geht dabei völlig in Ordnung, ein Splatter-Gemetzel wird trotz vieler Opfer nicht geboten. Spritzendes Blut kommt teils aus dem Computer, das stört aber nicht, da der Effekt nicht übermäßig ausgewalzt wird.

Tae-yul (l.) demonstriert seine …

Der den Schurken Gurutai verkörpernde Joe Taslim hingegen verfügt bereits über internationale Erfahrung. Der Indonesier wirkte in seiner Heimat in den Action-Referenzen „The Raid“ (2011) und „The Night Comes for Us“ (2018) mit und ist in Nebenrollen in „Fast & Furious 6“ (2016) und „Star Trek – Beyond“ (2016) zu sehen, aktuell auch in „Mortal Kombat“ (2021). Als Antagonist macht er eine ausgesprochen gute Figur. Da auch die deutsche Synchronisation niveauvoll ausgefallen ist (bei Filmen aus Fernost oft ein Problem), gibt es an „The Swordsman“ nichts zu meckern. So darf ein Historienspektakel aussehen.

… unbändige Kampfkunst

Das Mediabook von capelight pictures ist gewohnt sorgfältig gestaltet, macht einen wertigen Eindruck und ist insofern den wie üblich vergleichsweise moderaten Preis allemal wert. Das Bonusmaterial enthält ein einstündiges „Hinter den Kulissen“-Feature als zentrales Element, auch daran ist nichts auszusetzen. Lediglich der Booklet-Text fällt etwas ab, da er sich eher wie ein PR-Text liest, der auch in einem Presseheft stehen könnte, das gratis an Journalisten und Rezensenten ausgegeben wird. Da hat das Label schon mal mehr Aufwand getrieben und Autoren engagiert, die auch namentlich genannt waren. Ein kleiner Wermutstropfen, mehr aber auch nicht. Wer so oder so keinen Wert auf Mediabooks legt, kann auch zur Blu-ray oder DVD greifen, die capelight pictures parallel veröffentlicht. Löblich. Ich war trotz Affinität zum südkoreanischen Kino gar nicht so scharf drauf, „The Swordsman“ zu sichten, bin nun aber froh, es doch getan zu haben.

Gurutai (l.) entsendet seine Meuchelmörder

Alle als „Limited Collector’s Edition” von capelight pictures veröffentlichten Filme haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet.

Aber mit Tae-yuls Fähigkeiten kann es niemand aufnehmen

Veröffentlichung: 14. Mai 2021 als 2-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD), Blu-ray und DVD

Länge: 100 Min. (Blu-ray), 96 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Koreanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Geom-gaek
KOR 2020
Regie: Choi Jae-hoon
Drehbuch: Choi Jae-hoon
Besetzung: Jang Hyuk, Jeong Man-sik, Angelina Danilova, Jang Hyun-sung, Ji Seung-hyeon, Choi Jin-ho, Kim Hyeon-soo, Lee Min-Hyuk, Lee Na-Kyung, Brianna Roberts, Shin Jae-hwan, Joe Taslim
Zusatzmaterial: Hinter den Kulissen (60 Min., OmdU), Kinotrailer, Trailershow, Wendecover (bei Blu-ray & DVD), nur Mediabook: 24-seitiges Booklet
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & 3er-Packshot: © 2021 capelight pictures

 
 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

2 Antworten zu “The Swordsman – Fernöstliches Schwert-Spektakel für Genießer

  1. Alexander Dorner

    2021/05/30 at 19:12

    Danke für den Tipp. War wie du geschrieben hast niemals langweilig oder repetitiv. Ein guter Film!

     

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

 
%d Bloggern gefällt das: