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The Curse of Dracula – Touristennepp wird zur Todesfalle

12 Mai

The Curse of Valburga

Von Volker Schönenberger

Horrorkomödie // Ein slowenischer Horrorfilm – das klingt allemal interessant genug, ihn anzutesten. Als Filmland ist mir Slowenien bislang überhaupt nicht untergekommen. „The Curse of Dracula“ handelt allerdings nicht von Graf Dracula persönlich, sondern von einem entfernten Cousin des Vampirfürsten, der in einem alten Schloss in Valburga sein Unwesen getrieben haben soll (daher der Originaltitel „The Curse of Valburga“). Das ist zumindest die von Marjan (Jurij Drevensek) ersonnene Story, mit der er Touristen zu dem leerstehenden Gemäuer locken will. Er und sein Bruder Bojan (Marko Mandic) haben genug von Gelegenheitsjobs und Drogengeschäften. Da kommt es gerade recht, dass ihr Bekannter Ferdo (Ziga Födransperg) Zugang zum Schloss hat, wenn auch nur zu Sicherheitszwecken und nicht zur Erheiterung von Urlaubern. Die erste Touristenschar ist alsbald zusammengewürfelt. Während sich Marjan eher unbeholfen als Touristenführer betätigt, wartet Bojan in Gesellschaft von Ferdo auf seinen Auftritt als Vampir. Doch dazu kommt es nicht, denn überraschenderweise birgt das Schloss tatsächlich ein blutiges Geheimnis.

20 Minuten in der Kneipe

Bis irgendetwas Erbauliches passiert, wird die Geduld des Publikums auf eine harte Probe gestellt. Eine satte halbe Stunde vergeht, in der letztlich nur herumgelabert wird. Ganze 20 Minuten verbringen wir mit Bojan, Marjan und Ferdo in einer Kneipe, in der Marjan den beiden anderen seinen Plan erläutert, immer wieder unterbrochen von Ferdos wieherndem Lachen. Das soll wohl komödiantisch wirken, allerdings mangelt es der Dialogregie vollständig an Humor. Und nicht nur der, weshalb wir es häufig mit unfreiwilliger Komik zu tun bekommen – immerhin auch etwas. Als Trash kann man das Treiben durchaus goutieren, wobei ich gar nicht sicher bin, ob der Film tatsächlich als Trash konzipiert war.

Während die Touristentour ihren Lauf nimmt …

Wenn aus heiterem Himmel das Sägeblatt einer großen Kreissäge wie ein Irokesenschnitt in einem Schädel drapiert wird, wird es endlich blutig. Leider werden die Opfer meist überaus plötzlich dahingemetzelt, weshalb wenig Zeit für derbes Splatter-Gemetzel bleibt. Die FSK-18-Freigabe der ungeschnittenen Fassung ist zwar gerechtfertigt, aber hier wäre nicht weniger mehr gewesen, sondern mehr. Zum Finale hin steigert sich der Splatter-Anteil etwas, der übrigens immerhin recht hübsch anzuschauen ist. Angesichts des irgendwo zwischen Amateurfilm und Independent-Produktion angesiedelten Budgets, das „The Curse of Dracula“ ausstrahlt, war das nicht unbedingt zu erwarten.

Den Deutschen ihr Bier!

Zwischendurch darf ein slowenischer Tourteilnehmer mit finsteren Absichten eine Tirade über den elenden Zustand seiner Heimat loslassen. Welchen Zweck das hat, hat sich mir nicht erschlossen. Die als Opfer auserkorenen Figuren sind durchweg Unsympathen, bestenfalls komplett eigenschaftslos. Ein paar Klischees werden auf so drummdeiste Weise eingebaut, dass es fast schon wieder Freude bringt (aber auch wirklich nur fast): So ist das deutsche Ehepaar Hans und Elsa (Jonas Znidarsic, Katarina Stegnar) durchgehend damit beschäftigt, eine Bierdose nach der anderen zu öffnen und zu leeren, während der Russe Vasily (Luka Cimpric) in Begleitung zweier holder Damen nur darauf aus ist, in dem Gebäude geeignete Räume zu finden, in denen er einen „retro-analen“ Porno drehen kann. Gegen Ende gibt es sogar noch den hilflosen Versuch einer Erklärung für das blutige Treiben der Sippschaft, die in dem Gemäuer ihr Unwesen treibt. Irgendwas mit Nazis und Partisanen, ich habe es nicht verstanden. Ist aber auch egal. Ganz zum Schluss folgt sogar ein „What the Fuck“-Moment, der so gar nicht zum Geschehen passt und die Möglichkeit einer Fortsetzung andeutet. Ob das Tomaz Gorkics Absicht ist? Ich kann darauf verzichten.

… geht es auf dem Dachboden schon blutig zu

Donau Film hat „The Curse of Dracula“ als Mediabook mit Blu-ray und DVD veröffentlicht und so einem billigen Produkt eine wertige Verpackung beschert, die schmuck ausgefallen ist. Das ansprechend bebilderte Booklet enthält außer einer kurzen Inhaltsangabe des Films einen Text, der leider mit dem Film überhaupt nichts zu tun hat, sondern recht unsortiert und oberflächlich ein paar europäische Horror-Schauplätze rund um Dracula & Co. abhandelt. Schade drum.

Zweiter Langfilm von Tomaz Gorkic

„Idylle – Hier hört dich niemand schreien!“ lautet der Titel des ersten Langfilms des slowenischen Regisseurs Tomaz Gorkic. Der 2015 fertiggestellte Streifen ist hierzulande sogar auf Blu-ray und DVD erschienen. Nach meiner Sichtung von Gorkics zweitem und bislang letztem Film „The Curse of Dracula“ hält sich die Lust auf den Erstling in Grenzen. Ich kann an billigen Horrorkomödien und Trash meine Freude haben, in diesem Fall kam Freude aber nur vereinzelt auf. Zu wenig.

Nur nicht den Kopf verlieren!

Veröffentlichung: 30. April 2021 als 2-Disc Limited Edition Mediabook (Blu-ray & DVD)

Länge: 86 Min. (Blu-ray), 82 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Slowenisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Curse of Valburga
SLOWE 2019
Regie: Tomaz Gorkic
Drehbuch: Tomaz Gorkic
Besetzung: Jurij Drevensek, Marko Mandic, Tanja Ribic, Katarina Stegnar, Jonas Znidarsic, Niklas Kvarforth, Sasa Pavlin Stosic, Luka Cimpric, Ziga Födransperg, Anton Antolek, Davor Klaric, Zala Djuric, Gregor Skocir
Zusatzmaterial: Making-of (23 Min.), Social-Media-Clips (9 Min.), deutscher Trailer, Originaltrailer, Festivaltrailer, 16-seitiges Booklet
Label: Donau Film
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2021 Donau Film

 

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