RSS

Die letzte Schlacht – Sinnloser Kampf um vietnamesisches Dorf

01 Jun

Go Tell the Spartans

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // 1954 endete nach acht Jahren der Indochinakrieg mit der Niederlage der Kolonialmacht Frankreich, die somit ihre Kolonien in Indochina verlor. Aus ihnen gingen das kommunistische Nordvietnam sowie das von den USA unterstützte Südvietnam hervor. Im ab etwa 1955 geführten Vietnamkrieg entsandten die US-Amerikaner sogenannte militärische Berater der Military Assistance Advisory Group in die Region, die der Armee der Republik Vietnam mit Rat und Tat gegen den Vietcong zur Seite stehen sollten. Ab 1962 kam verstärkt das Military Assistance Command, Vietnam mit etlichen Kampfeinheiten zum Einsatz.

Nicht gerade ein Karrieresoldat: Major Barker

1964 leitet Major Asa Barker (Burt Lancaster) einen abgelegenen Stützpunkt in Südvietnam ohne große strategische Bedeutung. Bei einer der seltenen Inspektionen durch General Harnitz (Dolph Sweet) befiehlt dieser Barker, im verlassenen Dörfchen Muc Wa einen Stützpunkt aufzuziehen. Weil er den Einsatz aufgrund einer alten Beinverletzung selbst nicht leiten kann, bestimmt Barker den unerfahrenen Raymond Hamilton (Joe Unger), die Mission anzuführen (Burt Lancaster laborierte tatsächlich an einer alten Beinverletzung). Der Major stellt Hamilton den abgeklärten Sergeant Oleonowski (Jonathan Goldsmith) zur Unterstützung an die Seite. Auch der mit Gefangenen brutal umspringende vietnamesische Übersetzer „Cowboy“ (Evan C. Kim) ist mit von der Partie.

Verweis auf die Schlacht bei den Thermopylen

Wanderer, kommst du nach Sparta, verkünde dort, du habest uns hier liegen sehen, wie das Gesetz es befahl. Diesen Spruch entdecken die GIs in französischer Sprache am Eingang eines Friedhofs in Muc Wa. Er bezieht sich auf die Schlacht bei den Thermopylen im Jahr 480 v. Chr., wo König Leonidas I. dem Mythos nach mit seinen 300 Spartanern das persische Heer von König Xerxes I. an einem Engpass aufhielt, bis er und all seine Männer gefallen waren – siehe dazu auch Zack Snyders „300“ (2007) und Rudolph Matés „Der Löwe von Sparta“ (1960). „Go Tell the Spartans“ lautet auch der etwas verräterische Originaltitel von „Die letzte Schlacht“. Der deutsche Titel erscheint allerdings eher unpassend. Zwar stellen die Kämpfe für etliche Soldaten tatsächlich die letzte Schlacht dar, der Vietnamkrieg jedoch befand sich 1964 noch lange nicht auf dem Höhepunkt.

Dolmetscher „Cowboy“ geht mit Gefangenen nicht zimperlich um

Das Dorf Muc Wa ist völlig unbedeutend, strategisch ist die Gegend für den Vietnamkrieg ohne jeden Belang, so viel wird schnell deutlich. Dass die Amerikaner dort von den Vietcong angegriffen werden, liegt einzig daran, dass sie dort sind. Insofern trifft „Die letzte Schlacht“ eine passende Aussage zur Intervention der Amerikaner in Vietnam. Sie hatten dort nichts zu suchen. Ich werde jetzt heimgehen, wenn ihr mich lasst. So die letzten Worte des Films, gesprochen von einem GI, der über den Friedhof wankt. Doch er spricht nur für sich, im Jahr 1964 jedenfalls nicht für die US-Streitkräfte.

Burt Lancaster bleibt präsent

Dieser Antikriegs-Aspekt steht nicht im Vordergrund. Vornehmlich lebt „Die letzte Schlacht“ von der Spannung der Bedrohung durch den im Dschungel lauernden Vietcong. Ein paar interne Konflikte der nach Muc Wa abkommandierten Soldaten würzen das Kriegsgeschehen. Der Titel „Die letzte Schlacht“ führt auch insofern etwas in die Irre, als wir es keineswegs mit einem Schlachtengemälde zu tun haben. Es handelt sich eher um diverse Scharmützel mit begrenzter Teilnehmerzahl. Burt Lancaster spielt seine Routine aus, einen inneren Zwiespalt glaubhaft zu machen. Gleichwohl wird die Rolle des Majors bei einer Aufzählung seiner Karrierehöhepunkte selten genannt. Als Barker zu einem frühen Zeitpunkt seine Soldaten nach Muc Wa entsendet, ohne selbst mitzufahren, stand zu befürchten, dass Lancasters Part eher dazu dient, einen prominenten Namen in der Besetzung zu haben, aber er bleibt doch durchgehend präsent. Der den Übersetzer „Cowboy“ spielende Evan C. Kim mag einigen Filmguckern bekannt vorkommen. Er war von Mitte der 70er bis Anfang der 90er im US-Fernsehen gut beschäftigt und im Kino in Nebenrollen in der Steinzeitkomödie „Caveman – Der aus der Höhle kam“ (1981) sowie dem fünften „Dirty Harry“-Film „Das Todesspiel“ (1988) zu sehen. Am bekanntesten ist vielleicht Kims Part als Bruce Lee parodierendes Kampfkunst-Ass Loo in „A Fistful of Yen“, einer Episode der irrwitzigen Komödie „Kentucky Fried Movie“ (1977).

Auf dem Weg nach Muc Wa

Regisseur Ted Post („Hängt ihn höher“, „Rückkehr zum Planet der Affen“, „Dirty Harry II – Callahan“) liefert mit „Die letzte Schlacht“ routiniertes Kriegskino ab. Seine 1978er-Regiearbeit taugt auch als Kommentar zum Vietnamkrieg und zu sinnlosen militärischen Unternehmungen mit Himmelfahrtskommando-Charakter, obgleich das Attribut Antikriegsfilm mir doch etwas zu hoch gegriffen scheint.

Die GIs erreichen ihr Ziel

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Burt Lancaster haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet. Welche dort noch nicht aufgeführten Werke sind zur Würdigung seiner langen und großen Karriere unverzichtbar?

Der Vietcong greift an

Veröffentlichung: 10. September 2020 als Blu-ray und DVD

Länge: 114 Min. (Blu-ray), 110 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Go Tell the Spartans
USA 1978
Regie: Ted Post
Drehbuch: Wendell Mayes, nach einem Roman von Daniel Ford
Besetzung: Burt Lancaster, Craig Wasson, Jonathan Goldsmith, Marc Singer, Joe Unger, David Clennon, Hilly Hicks, Evan C. Kim, Hilly Hicks
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Wendecover
Label: explosive media
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2021 explosive media

 
 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

16 Antworten zu “Die letzte Schlacht – Sinnloser Kampf um vietnamesisches Dorf

  1. Alexandra Jotter

    2021/06/27 at 18:15

    Ganz klar den Film “ Du lebst noch 105 Minuten “ 😍 Oder auch “ Der Regenmacher „, der meiner Meinung nach nicht fehlen darf.

     
  2. Elbmatrose Carol

    2021/06/26 at 12:59

    “ Du lebst noch 108 Minuten “ . Aber als Kind der 80er muss ich auch “ Local hero “ erwähnen, in dem der schöne Burt von der fantastischen Filmmusik des Dire Straits Barden Mark Knopfler ganz sanft in das Jahrzehnt meiner filmischen Jugendzeit gezogen wird und ihn noch besser aussehen lässt.

     
  3. Thomas Oeller

    2021/06/25 at 17:17

    „Feld der Träume“, „Airport“ wären jetzt meine spontane Wahl

     
  4. Birgit

    2021/06/24 at 14:37

    Meine Empfehlungen wären „Local Hero“ und „Die gefürchteten Vier“

     
  5. Andreas H.

    2021/06/19 at 19:19

    Airport, Denen man nicht vergibt, Die Insel des Dr. Moreau, Der Regenmacher

     
  6. Imke

    2021/06/19 at 13:14

    Field of Dreams definitiv!

     
  7. Klaus

    2021/06/19 at 12:47

    Meine Favoriten wären hier „Lawman“ von Michael Winner (1971) und „Das Ultimatum“ von Robert Aldrich (1977)

     
  8. Michael Behr

    2021/06/19 at 11:27

    Hab ich mich vielleicht doch verguckt oder fehlt da „Airport“ bis jetzt auf der Liste? Zugegeben, aus heutiger Sicht ist dieser (und seine Nachfolger) Streifen arg aus der Zeit gefallen und hat rein storytechnisch mehr was von TV-Seifenoper, aber als Zeitdokument finde ich den ziemlich groß.

     
  9. Jost

    2021/06/19 at 09:11

    Auf der Liste fehlen Rocket Gibraltar & Feld der Träume (Field of Dreams)! Sind absolut zu empfehlen!

     
  10. Sascha Klein

    2021/06/18 at 11:59

    Elmer Gantry – Gott ist im Geschäft
    Der Regenmacher
    Die fehlen mir da noch.

     
    • Markus Tump

      2021/06/18 at 15:37

      „Du lebst noch 105 Minuten“

       
  11. Frank Warnking

    2021/06/18 at 11:20

    Vierzig Wagen westwärts
    Gewalt und Leidenschaft

     
  12. Jens

    2021/06/18 at 09:10

    Muss sagen die Liste ist schon ziemlich gut belegt, mir fällt spontan keiner mehr ein.

     
  13. Mike Hennig

    2021/06/18 at 09:09

    Ob unverzichtbar, das ist wohl Ansichtssache, doch sähe ich gerne eine Rezension über den Fernseh-Zweiteiler Das Phantom der Oper aus dem Jahr 1990 mit Charles Dance als dem Phantom und eben einem wundervoll gesetzten Burt Lancaster als scheidendem Operndirektor.

     
  14. Christoph Wolf

    2021/06/18 at 09:01

    Vera Cruz (1953)
    Vierzig Wagen westwärts (The Hallelujah Trail, 1965)
    Die gefürchteten Vier (The Professionals, 1966)
    Treffpunkt Todesbrücke (Cassandra Crossing, 1976)
    Buffalo Bill und die Indianer (Buffalo Bill and the Indians, 1976)

    sind starke Filme. Auf meiner persönlichen Wunschliste mit ihm stehen z.B. Die letzte Schlacht, Local Hero, U 23 – Tödliche Tiefen, Denen man nicht vergibt & Das Osterman Weekend.

     
  15. Eva

    2021/06/18 at 07:33

    Atlantic City
    Gewalt und Leidenschaft
    Elmer Gantry

     

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

 
%d Bloggern gefällt das: