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Die Brücke von Remagen – Kampf um die letzte Rheinquerung

16 Jun

The Bridge at Remagen

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Mit hoher Geschwindigkeit nähert sich im März 1945 ein US-Panzerbataillon der Rheinbrücke von Oberkassel (heute ein Ortsteil von Bonn). Aber zu spät: Vor den Augen der GIs sprengen Wehrmachtssoldaten die Brücke, um zu verhindern, dass die Alliierten den Rhein überqueren können und so freie Fahrt auf das Gebiet des Deutschen Reichs haben. Letzte intakte Rheinquerung ist nunmehr die Ludendorff-Brücke, die etwa 15 Kilometer rheinaufwärts die Orte Remagen und Erpel verbindet. Sie bildet auch die letzte Fluchtmöglichkeit der versprengten 75.000 Soldaten der 15. Armee der Wehrmacht, die ohne dieses Nadelöhr westlich des Rheins in der Falle sitzen würden.

Eine Rheinbrücke weniger

Generaloberst von Brock (Peter van Eyck) erhält trotzdem den Befehl, die Ludendorff-Brücke schnellstmöglich zu sprengen. Um zumindest einem Teil der 15. Armee die Rettung zu ermöglichen, ernennt er seinen Weggefährten Major Paul Krüger (Robert Vaughn) zum Kampfkommandanten von Remagen und weist ihn an, insgeheim die Sprengung zu verzögern.

Die Alliierten rücken unaufhaltsam vor

Auf allierter Seite erhält Lieutenant Phil Hartman (George Segal) das Kommando über die A-Kompanie aus dem Bataillon von Major Barnes (Bradford Dillman), nachdem sein Vorgänger getötet wurde. Er soll mit seinen Soldaten als Speerspitze nach Remagen vorstoßen. Der schlitzohrige Sergeant Angelo (Ben Gazzara) übernimmt Hartmans vorherige Position. Bald erreichen die GIs Remagen.

Major Krüger soll die Brücke sprengen – aber nicht zu früh

Nicht ganz so famos besetzt wie der spätere „Die Brücke von Arnheim“ (1977), hat „Die Brücke von Remagen“ gleichwohl mit George Segal, Ben Gazzara, Robert Vaughn und Peter van Eyck illustre Namen zu bieten. Für Letztgenannten war es der letzte Film; van Eyck starb 1969 im Alter von 57 Jahren an einer Blutvergiftung. In Nebenrollen sind zudem die Deutschen Heinz Reincke als Remagener Stadtrat, Sonja Ziemann als dessen Frau und Hans Christian Blech als Hauptmann der Wehrmacht zu sehen.

Der Häuserkampf in Remagen …

Im Fokus stehen die beeindruckenden Aufnahmen kriegerischer Auseinandersetzungen, die in einigen Sequenzen immer mal wieder Tragik und Sinnlosigkeit der Auseinandersetzung kurz vor dem Kriegsende in Europa aufblitzen lassen; etwa wenn ein Stoßtrupp der Alliierten den Befehl erhält, zu Fuß über die Brücke zu gelangen, obwohl am anderen Ende das Sperrfeuer der deutschen Verteidiger wartet; oder wenn Major Krüger mit geschwundener Autorität auf Teufel komm raus versucht, die letzten verbleibenden Wehrmachtssoldaten und Bürger Remagens zum Gegenangriff zu bewegen. Auf Heldenzuweisungen verzichtet Regisseur John Guillermin („Flammendes Inferno“, „King Kong“) erfreulicherweise.

… wird unerbittlich geführt

Bemerkenswert für einen Hollywood-Kriegsfilm: Sogar einige Deutsche bekommen Kontur und werden nicht nur in wenigen Szenen schablonenhaft skizziert, etwa der von Robert Vaughn verkörperte Major Krüger, der durchaus zwispältig als tragische Figur durchgeht. Die Motive seines Handelns sind keineswegs ehrlos, auch wenn er gegen Ende skrupellos agiert. Für eine Antikriegsbotschaft ist „Die Brücke von Remagen“ allerdings zu sehr Materialschlacht und Spektakel. Die Kampfszenen haben durchweg hohes inszenatorisches Niveau, an denen der Zahn der Zeit kaum genagt hat.

Lieutenant Hartman und …

Die echte Ludendorff-Brücke war eine zweigleisige Eisenbahnbrücke. Ihren Part in der Inszenierung übernahm eine Autobrücke über die Moldau, etwa 20 Kilometer südlich von Prag gelegen. Die Szenen von Straßenkämpfen in und Bombardierungen von Remagen entstanden in der tschechoslowakischen Stadt Most. Dass die Zerstörung ganzer Straßenzüge im Film so täuschend echt aussieht, liegt daran, dass sie echt war. Das Zentrum der Stadt sollte ohnehin dem Braunkohle-Tagebau weichen. Dreharbeiten eines Hollywoodfilms hinter dem Eisernen Vorhang waren aufgrund der Reformen in der Tschechoslowakei während des sogenannten Prager Frühlings möglich geworden. Sie fanden mit dem Einmarsch von Truppen des Warschauer Pakts in der Nacht zum 21. August 1968 ein jähes Ende – das Filmteam musste Hals über Kopf das Land verlassen. Zu diesem Zeitpunkt waren erst gut zwei Drittel von „The Bridge at Remagen“ fertiggestellt. Die verbleibenden Aufnahmen entstanden in Italien in der Nähe von Castel Gandolfo sowie in Hamburg.

… Sergeant Angelo …

Das Mediabook von capelight pictures enthält diesmal drei Scheiben: den Film auf Blu-ray und DVD sowie eine Blu-ray mit Bonusmaterial. Zur Restaurierung von „Die Brücke von Remagen“ findet sich vor Beginn des Films eine Texteinblendung, die ich der Einfachheit halber zitiere: Diese Veröffentlichung von „Die Brücke von Remagen“ basiert auf einem aufwändig bearbeiteten Original-35mm-Negativ, das den Film in eindrucksvoller Bildqualität erstrahlen lässt. Einzelne Szenen im Originalfilmmaterial waren allerdings im Zuge der Entwicklung durch chemische Prozesse stark beschädigt worden. Da es selbst mit den besten derzeit verfügbaren Möglichkeiten analoger und digitaler Restaurierung nicht möglich ist, diese Schäden mit einer erkennbaren Verbesserung zu beseitigen, wurde auf Eingriffe verzichtet und so die Integrität des Originals vollständig erhalten. Die Aussagen über die Bildqualität entsprechen auch meinem Eindruck.

… müssen an die vorderste Front

Auf der zweiten Blu-ray des Mediabooks befindet sich interessantes Zusatzmaterial: zum einen die knapp dreiviertelstündige Dokumentation „Die Brücke von Remagen – Die Dokumentation“, welche die historischen Ereignisse rund um den Kampf um die Ludendorff-Brücke ausführlich beleuchtet; zum anderen vier Wochenschau-Archivaufnahmen über das Kriegsgeschehen in jener finalen Phase des Zweiten Weltkriegs. Sehr wertige Boni! Das gilt ebenfalls für das 24-seitige Booklet des Mediabooks, in welchem der Autor Kai Althoetmar sehr kenntnisreich über die historischen Hintergründe und die Produktion des Films berichtet. Ein mir zuvor noch nicht bekannter Verfasser von Booklettexten, dessen Schreibe mir ausgesprochen gut gefällt. Da das Mediabook obendrein vorzüglich aufgemacht und bebildert ist, geht die Veröffentlichung einmal mehr als vorbildlich durch. „Die Brücke von Remagen“ erhält nach meiner Beobachtung zu Unrecht deutlich weniger Aufmerksamkeit als etliche andere Filme mit dem Schauplatz Europa zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Daran kann das capelight-Mediabook einiges ändern. Parallel ist das hochwertige Kriegsdrama auch als Einzel-DVD erschienen.

Alle als „Limited Collector’s Edition” von capelight pictures veröffentlichten Filme haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Peter van Eyck und Robert Vaughn haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 28. Mai 2021 als 3-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (2 Blu-rays & DVD) und DVD, 6. Juni 2014, 13. Juni 2008 und 15. September 2003 als DVD

Länge: 117 Min. (Blu-ray), 111 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Bridge at Remagen
USA 1969
Regie: John Guillermin
Drehbuch: Richard Yates, William Roberts
Besetzung: George Segal, Robert Vaughn, Ben Gazzara, Peter van Eyck, Bradford Dillman, E. G. Marshall, Hans Christian Blech, Heinz Reincke, Joachim Hansen, Sonja Ziemann, Anna Gaël, Vít Olmer, Bo Hopkins
Zusatzmaterial: „Die Brücke von Remagen – Die Dokumentation“ (44 Min.), Wochenschau-Archivaufnahmen zum Kriegsgeschehen 1944/1945 in Europa („General Patton und die 3. US-Armee“, 10 Min., „Der deutsche Gegenangriff“, 4 Min., „Die Ardennenoffensive“, 4 Min., „Der Einzug in Köln“, 3 Min.), Original Kinotrailer, nur Mediabook: 24-seitiges Booklet
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Doppel-Packshot: © 2021 capelight pictures

 

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