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Videospielverfilmungen (XV): Monster Hunter – Wenn der Ehemann seine Frau auf die Jagd schickt

23 Jun

Monster Hunter

Kinostart: 1. Juli 2021

Von Volker Schönenberger

Fantasy-Action // Die aus Japan stammende „Monster Hunter“-Videospielreihe habe ich nie gezockt, daher kann ich nicht bewerten, inwiefern die Verfilmung „Monster Hunter“ sie adäquat für die Kinoleinwand umsetzt. Es stellt sich ohnehin die Frage, wie man „adäquat“ definiert. In den Videospielen müssen titelgerecht Monster gejagt werden, das bildet grob auch die Handlung des Films ab, wobei die Hauptfiguren Artemis (Milla Jovovich) und Hunter (Tony Jaa) anfangs eher die Gejagten sind, bis sie den Spieß umdrehen und zum Gegenangriff übergehen.

In einer „New World“ genannten Paralleldimension pflügt sich ein vom Admiral (Ron Perlman) geführtes Segelschiff durch den Sandozean einer gigantischen Wüste. Ein unterirdisches Monstrum verfolgt das Gefährt und geht zum Angriff über. Dabei geht Besatzungsmitglied Hunter über Bord.

Durchs Portal in eine andere Welt

Derweil in unserer Welt: Eine von Captain Natalie Artemis geführte soldatische Einheit der „United Nations Joint Operations“ fährt auf der Suche nach einer verlorenen Patrouille durch die (afghanische?) Wüste. Die Frauen und Männer geraten in einen mysteriösen elektrischen Sturm, der sie schnurstracks in die „New World“ befördert. Bald ist Artemis auf sich allein gestellt und muss sich fieser Kreaturen erwehren. Dann trifft sie auf Hunter. Anfangs sind die beiden einander in herzlicher Feindschaft verbunden.

Artemis und …

Drehbuchautor und Regisseur Paul W. S. Anderson steht auf Action, Videospiele und seine Ehefrau Milla Jovovich und nutzt jede sich bietende Gelegenheit, alle drei fürs Kino in Szene zu setzen. Gern auch in Kombination, wovon nicht zuletzt die „Resident Evil“-Reihe zeugt. Die überzeugt Fans der Spielvorlage zwar nicht und wird aufgrund ihrer Mainstream-Blockbuster-Ausrichtung von Liebhabern harter Horrorfilme gern geschmäht, angesichts des Erfolgs können das die Eheleute Anderson-Jovovich aber an sich abperlen lassen. Mit „Monster Hunter“ schickt sich Anderson nun an, ein weiteres Kino-Franchise zu etablieren, denn selbstverständlich soll der Fantasy-Actioner nur Auftakt einer groß angelegten Reihe sein, wovon auch ein Cliffhanger am Ende des Films zeugt. An fiesen Bestien aus den Vorlagen herrscht jedenfalls kein Mangel. Erwähnt sei allerdings der Skandal in China, wo „Monster Hunter“ aufgrund eines als rassistisch kritisierten Gags nach nur einem Tag aus den Kinos entfernt wurde. Bleibt abzuwarten, ob diese Affäre Auswirkungen auf die geplante Reihe hat, sie gar zum Erliegen bringen könnte. Immerhin ist China ein wichtiger Filmmarkt.

… Hunter müssen sich …

Die Namen der Hauptfiguren passen zum schlichten Sujet und Titel „Monster Hunter“: Hunter ist das englische Wort für Jäger, und Artemis lautet der Name der griechischen Göttin der Jagd. Macht „Monster Hunter“ Spaß? Ja, das ist nicht zu leugnen – warum auch? Anderson hat bombastischen Unfug inszeniert, den man nicht ernst nehmen sollte, weil sich der Film selbst auch nicht allzu ernst nimmt. Über Historie und Mythologie der „New World“, in der „Monster Hunter“ spielt, erfahren wir noch nicht viel, diese bedrohliche Welt wird sich uns wohl erst nach und nach mit Sequels und Prequels entfalten, die es wahrscheinlich geben wird, sofern „Monster Hunter“ erfolgreich genug ist (kurz vor dem deutschen Kinostart lässt sich der Erfolg aufgrund der Corona-Beschränkungen noch nicht ausreichend bewerten). Segelschiffe pflügen durch mit Monstern durchsetzte Sandwüsten, ein geheimnisvoller Turm scheint eine bedeutsame Rolle zu spielen – er erinnerte mich ein wenig an Saurons Turm in Peter Jacksons „Der Herr der Ringe“-Verfilmungen. Ohnehin hat Anderson Versatzstücke einiger Vorbilder aufgegriffen und zu einer recht simplen Story verquirlt.

… zusammenraufen, um zu überleben

Ein Tor, das aus unserer Welt in eine fremdartige Dimension führt, kennen wir nicht zuletzt aus Roland Emmerichs „Stargate“ (1994) mit Kurt Russell. Beim unter dem Wüstensand lauernden und daraus plötzlich hervorbrechenden Monster fühlte ich mich an den „Steinbrecher“-Gegner im PlayStation-4-Videospiel „Horizon – Zero Dawn“ erinnert. Fiese Spinnentiere wiederum gab’s auch schon in Paul Verhoevens „Starship Troopers“ (1997), und die riesigen Monstren sehen sicher deshalb so aus, wie sie aussehen, weil mit den Toho-Studios auch die Schöpfer von Godzilla und dessen Kompagnons und Gegnern unter den Produktionsfirmen zu finden sind. Wir haben es mit einer internationalen Produktion zu tun, bei der die deutsche Constantin Film womöglich als Primus inter pares angesehen werden kann, weshalb „Monster Hunter“ letztlich sogar als deutscher Film durchgeht (auch die „Resident Evil“-Reihe ist bekanntermaßen von Constantin produziert). Sicher ein Grund, dass es mit Jannik Schümann („9 Tage wach“) auch ein deutscher Schauspieler in die Besetzung geschafft hat. Gedreht wurde hauptsächlich in Namibia am Inselberg Spitzkoppe sowie in Südafrika.

Mit Tony Jaa aus „Ong-Bak“

Der Fokus liegt auf den Monstern sowie auf Milla Jovovich und Tony Jaa, den ich seit „Ong-Bak“ (2003) immer wieder gern sehe. Der Thailänder hat zwar international nicht ganz den Sprung in die erste Reihe geschafft, weiß aber mit seiner Ausstrahlung und perfekten Körperbeherrschung immer wieder zu gefallen, so auch hier. Seine Martial-Arts-Fähigkeiten kommen allerdings wenig zur Geltung. Kurz nach der Begegnung von Hunter und Artemis dürfen die beiden einander verkloppen, was etwas aufgesetzt wirkt, da beide an sich schnell genug merken müssten, dass ihr Gegenüber nicht der Feind ist und man sich angesichts der tödlichen Monster besser verbündet. Immerhin kommen wir so in den Genuss einiger Kampfkunst-Actionszenen.

Hunter ist ein erfahrener Monsterjäger

Seine Ehefrau inszeniert Paul W. S. Anderson so, wie wir das kennen – als den Blockbuster-Actionstar, der sie ist. Mit Zeitlupeneinstellungen übertreibt er es glücklicherweise nicht. Bewährte Kost für Milla-Jovovich-Fans – wer sich bislang nicht mit ihr anfreunden konnte, wird mit „Monster Hunter“ seine Meinung nicht ändern. Der Film macht neugierig genug darauf, was es mit der „New World“ auf sich hat und welche Kreaturen dort wohl noch lauern. Wer derlei Blockbuster-Spektakeln etwas abgewinnen kann, dürfte den Kauf des Kinotickets nicht bereuen, auch wenn „Monster Hunter“ letztlich berechenbare Franchise-Kost bietet. Aber da die Schauwerte stimmen, steht einem erfreulichen Kinoabend nichts im Wege – anscheinend nicht mal mehr der Inzidenzwert. Da darf ein Film wie dieser gern als Licht am Ende des Corona-Tunnels strahlen.

Auch der Admiral greift ein

Videospielverfilmungen haben wir in der Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Milla Jovovich haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Tony Jaa und Ron Perlman unter Schauspieler.

Ein Flugmonster greift an

Länge: 103 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Monster Hunter
D/CHN/KAN/JAP/RSA/USA 2020
Regie: Paul W. S. Anderson
Drehbuch: Paul W. S. Anderson, nach einer Videospiel-Vorlage von Kaname Fujioka
Besetzung: Milla Jovovich, Tony Jaa, Ron Perlman, T. I., Diego Boneta, Meagan Good, Josh Helman, Jin Au-yeung, Hirona Yamazaki, Jannik Schümann, Nanda Costa, Clyde Berning, Paul Hampshire, Schelaine Bennett
Verleih: Constantin Film Verleih GmbH

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Filmplakate, Szenenfotos & Trailer: © 2021 Constantin Film Verleih GmbH

 
2 Kommentare

Verfasst von - 2021/06/23 in Film, Kino, Rezensionen

 

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2 Antworten zu “Videospielverfilmungen (XV): Monster Hunter – Wenn der Ehemann seine Frau auf die Jagd schickt

  1. Christoph Wolf

    2021/07/21 at 13:07

    Monster Hunter habe ich letztlich im Kino gesehen und an anderer Stelle folgendes dazu geschrieben:
    Der Film ist laut, schnell, ohne Verschnaufpause und voll auf die Zwölf. Natürlich ist er auch dumm und belanglos, allein, das ist völlig egal. Wer hier Arthouse erwartet hat selbst schuld. Die Handlung ist mit dem Satz Menschen kämpfen gegen Monster erschöpfend erklärt. Die Umsetzung ist aber wirklich klasse, und es macht (nachdem das Hirn ausgeschaltet ist) einfach Spaß, diesen schörkellosen Actionkracher anzusehen. In diesem Sinne gebe ich die volle Punktzahl von 10/10. Das heißt, der Film leistet genau das, was er verspricht, verdammt solide und spaßige Unterhaltung. Die Punkte sollen ausdrücklich nicht bedeuten, dass hier ein ewiger Klassiker geboten wird, der neue und tiefe Erkenntnisse über das Leben, das Universum und den ganzen Rest bietet.

     

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