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Conjuring 3 – Im Bann des Teufels: Der Fall des Arne Cheyenne Johnson

28 Jun

The Conjuring: The Devil Made Me Do It

Kinostart: 1. Juli 2021

Von Andreas Eckenfels

Horror // Am 18. April 2019 starb Lorraine Warren im Alter von 92 Jahren. Seit den 1950er-Jahren war sie mit ihrem Mann Ed Warren (1926–2006) parapsychologischen Phänomenen auf die Spur gegangen. Das Paar gehörte über drei Jahrzehnte lang zu den bekanntesten Spukforschern der USA. Nach zahlreichen Einzelverfilmungen ihrer Fälle nahm 2013 mit „Conjuring – Die Heimsuchung“ ein großes filmisches Universum um die übernatürlichen Erlebnisse der Dämonologen seinen Anfang, bei der Lorraine Warren der Produktion als Beraterin zur Seite stand.

Lorraine und Ed Warren bekommen einen neuen Fall

Neben der 2016 entstandenen Fortsetzung, drei Teilen rund um die Grusel-Puppe „Annabelle“ (2014–2019) und einem weiteren Spin-off „The Nun“ (2018) wurde nun der Fall von Arne Cheyenne Johnson als Grundlage für „Conjuring 3“ ausgewählt, der in der US-Justizgeschichte für Aufsehen sorgte: Erstmals plädierte ein Angeklagter mit einem außergewöhnlichen Grund auf „Nicht schuldig“. The Devil Made Me Do It soll Arne Cheyenne Johnson gesagt haben – eine dämonische Macht habe ihn zum Mord an seinem Vermieter gezwungen.

Teuflische Verrenkungen

Während Patrick Wilson und Vera Farmiga zum vierten Mal in die Rollen des Ehepaares Ed und Lorraine Warren schlüpfen, – auch in „Annabelle 3“ (2019) waren sie dabei –, gab James Wan nach den ersten beiden „Conjuring“-Teilen nun die Regie an Michael Chaves ab, der mit seinem Langfilmdebüt „Lloronas Fluch“ (2019) bereits einen recht zahmen Horrortrip ablieferte, der trotz einiger Anspielungen nicht offiziell zur „Conjuring“-Reihe gehört. Dennoch ließ es sich James Wan schon im Vorfeld nicht nehmen, die zweite Fortsetzung gemeinsam mit Drehbuchautor David Leslie Johnson-McGoldrick („Conjuring 2“, „Orphan – Das Waisenkind“) in eine etwas andere Richtung zu lenken. So hätte man die fulminante Eröffnungssequenz, in der die Warrens einen Exorzismus am achtjährigen David Glatzel (Julian Hilliard) praktizieren, normalerweise erst im großen Finale des Films erwartet.

Mit dem Jungen stimmt was nicht!

Dass die Inszenierung der filmischen Teufelsaustreibung seit „Der Exorzist“ (1973) nicht mehr zu toppen ist, wissen auch die Macher und zollen dem Klassiker mit einer überdeutlichen Reminiszenz ihren Tribut. Einige Finessen lassen sich in den chaotischen Szenen, die sich im Haus der Familie Glatzel ereignen, aber doch finden: Der besessene David hinterlässt riesige Kratzspuren an den Wänden und vollführt außerdem eine außergewöhnlich anzusehende Alternative zum „Spider-Walk“, welchen auch die kleine Regan aus dem Director’s Cut von „Der Exorzist“ vor Neid erblassen lassen würde.

Arne Cheyenne Johnson erlebt Höllenqualen

Erstaunlich daran: Die extremen Verrenkungen, die der Junge ausführt, entstanden nicht am Computer. Wie Michael Chaves in einem Interview verriet, wurde für die Szene die Kontorsionistin Emerald Wulf verpflichtet, die zum Drehzeitpunkt gerade mal zwölf Jahre alt war. Nur das Gesicht des David-Darstellers Julian Hilliard („Spuk in Hill House“) wurde auf ihres digital einkopiert. Mit ihren Schlangenmensch-Fähigkeiten begeisterte Teenagerin Emerald auch Heidi Klum, Sofia Vergara und das Publikum der US-Show „America’s Got Talent“.

Bedingt schuldfähig

Der Exorzismus geht jedoch schief. Ed Warren erleidet durch den Dämon einen Herzinfarkt und am Ende sieht Arne Cheyenne Johnson (Ruairi O’Connor), der Freund von Davids älterer Schwester Debbie (Sarah Catherine Hook), nur einen möglichen Ausweg: Er bittet das Wesen, Davids Körper zu verlassen und stattdessen seinen eigenen zu nehmen. Das lässt sich der Dämon nicht zweimal sagen. David ist gerettet und Arne ahnt noch nicht, welche Macht nun in seinem Inneren schlummert. Während Lorraine Warren am Krankenbett ihres Mannes wacht, ersticht der eigentlich friedfertige Arne zu den Klängen von Blondies „Call Me“ seinen Vermieter. Auf frischer Tat ertappt, droht dem jungen Mann vor Gericht die Todesstrafe. Fieberhaft sucht das Ehepaar Warren nach Beweisen, dass Arne bei dem Mord nur bedingt schuldfähig gewesen ist, weil er im Bann des Dämons gestanden habe.

Geisterjäger als Detektive

Einige weitere bewusste Änderungen wurden in „Conjuring 3“ vorgenommen, um der bekannten Formel ein paar neue Facetten abzugewinnen: Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern müssen die Geisterjäger diesmal kein Spukhaus von einem Fluch befreien. Vielmehr steht die Zusammenarbeit der Warrens mit der Polizei in einem stärkeren Fokus. Die Dämonologen werden zu Detektiven, befragen Zeugen, gehen Hinweisen nach, und auch Leichen müssen untersucht werden. Parallel erfahren die Zuschauer und Zuschauerinnen, wie Arne in seiner Zelle immer häufiger durch den Dämon Höllenquallen erleidet.

Lorraine hat dunkle Visionen

Da Ed während des gesamten Films gesundheitlich angeschlagen ist, übernimmt Lorraine seine handfesten Aufgaben gleich mit, krabbelt etwa unter das Haus der Glatzels, wo sie einen okkulten Gegenstand entdeckt. Wie beide bei der Befragung des Experten Kastner (John Noble, „Fringe – Grenzfälle des FBI“) erfahren, muss das Totem menschlichen Ursprungs sein. Somit bekommt es das Ehepaar offenbar nicht nur mit einem übernatürlichen Gegner zu tun – was ebenfalls ein Novum für die Reihe darstellt. Auch Lorraines Visionen, die sie an Tatorten in Vergangenheit und Zukunft blicken lässt, erhalten mehr Raum als zuvor.

Emotionaler Fixpunkt: die Eheleute Warren

Allerdings fällt der dritte Teil der „Conjuring“-Reihe im Vergleich zu den beiden äußerst gelungenen Vorgängern etwas ab. Fans bekommen natürlich erneut eine wilde Achterbahnfahrt geboten, in dem es besonders im Finale ordentlich kracht. Aber ein beklemmendes Gruselgefühl wie in den vorigen Teilen stellt sich nur selten ein. Trotz der angesprochenen erzählerischen Neuerungen sind die Muster inzwischen zu bekannt, um noch immer bis ins Mark zu erschüttern. Auch fehlt Regisseur Michael Chaves der gewisse geniale inszenatorische Kniff, der im Gedächtnis bleibt, den ein James Wan immer wieder in seine Werke einbaut, sei es in „Saw“ (2004), seinen zwei „Insidious“-Teilen (2010/2013) bis hin zu „Fast and Furious 7“ (2015) und „Aquaman“ (2018).

Kampf gegen das Böse

Dass wir dennoch weiterhin mitfiebern, wenn auch im geringeren Maße als zuvor, liegt an der Leistung von Patrick Wilson und Vera Farmiga die als Ehepaar Warren erneut den emotionalen Fixpunkt innerhalb des „Conjuring“-Universums bilden. Diesmal erfahren wir auch in einem kurzen Rückblick, wie sich Ed und Lorraine kennengelernt haben. Ihr selbstloser Kampf gegen das Böse versprüht immer wieder die nötige Herzenswärme in der sonst so düster-kühlen Dämonenwelt.

Unterstützt eure Kinos!

Aufgrund der Veröffentlichungspolitik, die Warner Bros. für seine Filme im Jahr 2021 fährt, hatte das US-Publikum die Wahl, ob es „Conjuring 3 – Im Bann des Teufels“ auf dem Streamingdienst HBO Max oder im Kino anschaut. Hierzulande dürfen wir uns zum Glück endlich – und bis zum Erscheinen der Blu-ray ausschließlich – wieder in den Lichtspielhäusern gruseln. Als Eröffnungsfilm der diesjährigen Fantasy Filmfest Nights durfte ich das massive Sounddesign vorab im dunklen Kinosaal erleben. Ein Genuss, welchen ich lange vermisst habe und den eben nur wenige heimische Audiosysteme in voller Lautstärke leisten können – geschweige denn ein Streamingdienst. Also unterstützt wieder eure lokalen Kinos, wenn ihr euch dort sicher fühlt!

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Vera Farmiga haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Patrick Wilson unter Schauspieler.

Länge: 112 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: The Conjuring: The Devil Made Me Do It
USA/GB 2021
Regie: Michael Chaves
Drehbuch: David Leslie Johnson-McGoldrick, James Wan, Chad Hayes
Besetzung: Patrick Wilson, Vera Farmiga, Ruairi O’Connor, Sarah Catherine Hook, Julian Hilliard, John Noble, Eugenie Bondurant, Keith Arthur Bolden
Verleih: Warner Bros. Entertainment Inc.

Copyright 2021 by Andreas Eckenfels
Filmplakat & Szenenbilder: © 2021 Warner Bros. Entertainment Inc.

 

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