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Videospielverfilmungen (XVI): Mortal Kombat (2021) – Die heroischen Kämpfer des Donnergotts Raiden

08 Jul

Mortal Kombat

Von Volker Schönenberger

Fantasy-Action // Die gleichnamige 1995er-Verfilmung des Prügel-Videospiels „Mortal Kombat“ habe ich als eher entbehrlich in Erinnerung. Christopher „Highlander“ Lambert in der Rolle des Donnergotts Lord Raiden als klangvollster Name in der Besetzung war schon damals kein Garant für einen guten Film mehr. Und für Regisseur Paul W. S. Anderson („Resident Evil“-Reihe, „Monster Hunter“) war seine zweite Regiearbeit zwar Auftakt zu einer Karriere als Videospielverfilmer, die ihm in der Folge steigende Budgets bescherte; bei den Gamern genießen Andersons Adaptionen aber nicht unbedingt einen besseren Ruf als die von Uwe Boll.

Bi-Han (l.) überfällt Hanzo Hasashi

Das 1992 veröffentlichte Spiel aus dem Hause Midway habe ich nie gezockt. Kurze Lektüre im Netz überzeugt mich immerhin davon, dass es über die reinen Kämpfe hinaus ein eigenes Fantasy-Universum erschaffen hat. Da es viele Fans hat, wird jede filmische Umsetzung dieser Mythologie somit kritisch beäugt werden. Einen Vergleich zur Vorlage werde ich aber natürlich nicht ziehen können. Der Film muss ohnehin erst einmal nur für sich funktionieren. Berühmt – Sittenwächter mögen es berüchtigt nennen – sind das Spiel und seine Fortsetzungen für seine „Fatalities“, also ausgesprochen originelle Tode, die unterlegene Kämpfer sterben.

R-Rating und FSK 18

Die 2021er-Verfilmung „Mortal Kombat“ hat in den USA in unzensierter Form immerhin ein R-Rating erhalten, was bedeutet, dass Jugendliche unter 17 Jahren Kinovorstellungen nur in Begleitung ihrer Eltern besuchen dürfen. In Deutschland gelangt der Film mit einer FSK-18-Freigabe in den Handel. Regie führte ein gewisser Simon McQuoid, für den „Mortal Kombat“ nach einem Kurzfilm von 2014 das Langfilm-Debüt darstellt. Er gehört auch zum Produzententeam, in welchem sich mit dem Australier James Wan sogar ein klangvoller Name findet. Wan zeichnet als Regisseur oder Produzent unter anderem für „Saw“ (2004), „Insidious“ (2010) nebst Fortsetzung (2013), „Conjuring – Die Heimsuchung“ (2013) nebst erster Fortsetzung (2016), „Fast & Furious 7“ (2015) und „Aquaman“ (2018) verantwortlich. Ein Mann also, der mit größeren Budgets zu hantieren weiß.

Cole Young (r.) müht sich durch MMA-Fights

Im Japan des Jahres 1617 lebt Hanzo Hasashi (Hiroyuki Sanada) als Anführer des Ninja-Clans der Shirai Ryu ein vermeintlich friedvolles Leben mit seiner Frau, dem kleinen Sohn und der neugeborenen Tochter. Damit ist es schlagartig vorbei, als feindliche Attentäter der Lin Kuei seine Männer niedermetzeln. Der ruchlose Bi-Han (Joe Taslim) ermordet mit magischer Eiskraft sogar Hanzos Gemahlin und Sohn. Dem Ninja gelingt es zwar, die meisten Angreifer zu töten, dann aber wird er selbst von Bi-Han niedergestreckt, seine Seele fällt der Verdammnis des Netherrealm anheim. Kurz darauf erscheint der Donnergott Raiden auf der Bildfläche und bringt die kleine Tochter in Sicherheit, die zuvor von ihrer Mutter versteckt worden war.

Earthrealm gegen Outworld

In der Gegenwart steht die irdische Welt Earthrealm am Abgrund: Das böse Reich Outworld hat bereits neun der „Mortal Kombat“-Turniere gewonnen. Noch ein Wettbewerb, dann kann es Earthrealm übernehmen. Eine Prophezeiung besagt, eine Riege neuer Champions aus Hanzo Hasashis Blut könne das Blatt wenden. Der Outworld-Magier Shang Tsung (Chin Han) will nichts dem Zufall überlassen und entsendet vor dem zehnten „Mortal Kombat“ erneut Attentäter, die die Earthrealm-Kämpfer töten sollen. Die Champions lassen sich anhand eines drachenförmigen Geburtsmals identifizieren. Auch der etwas abgehalfterte Mixed-Martial-Arts-Kämpfer Cole Young (Lewis Tan) trägt ein solches Zeichen auf seiner Haut. Bald ist ihm Bi-Han, der sich nun Sub-Zero nennt, auf den Fersen. Special Forces Major Jackson „Jax“ Briggs eilt Cole und dessen Frau Allison (Laura Brent) nebst Tochter zu Hilfe und stellt sich Sub-Zero entgegen. Bald darauf trifft Cole auf Jax’ Weggefährtin Sonya Blade (Jessica McNamee), die gerade den australischen Söldner Kano (Josh Lawson) in ihrer Gewalt hat. In einem Tempel treten die drei vor den Donnergott Raiden und lernen die Earthrealm-Champions Liu Kang (Ludi Lin) und Kung Lao (Max Huang) kennen.

Sonya Blade und Kane sind einander nicht gerade grün

Fantasy-Epos oder Martial-Arts-Action? Gegen Genre-Hybride habe ich grundsätzlich nichts einzuwenden. Für diesen Film sei aber angeführt, dass ich die Einbindung unserer modernen Erdenwelt als „Earthrealm“ ins „Mortal Kombat“-Universum nicht recht nachvollziehen kann. Welche Teile der Menschheit sind darüber aufgeklärt? Wer weiß über die „Mortal Kombat“-Turniere Bescheid? Welchen Sinn hat und woher stammt die Regel, dass zehn Turniersiege in Folge den Sieger zum Herrscher über den Unterlegenen machen? Welchen Einfluss üben die anderen Welten auf die Erde aus? Weshalb will das „Outworld“-Reich sie erobern? Was würde in dem Fall aus unserer Zivilisation? Fragen über Fragen. Natürlich müssen sie nicht alle beantwortet werden, aber etwas mehr Fantasy-Futter hätte „Mortal Kombat“ ruhig haben dürfen.

Blutige Effekte aus dem Computer

Nun gut, letztlich bildet all dies die Bühne für die knackigen Kämpfe. Diese wissen zu gefallen, haben mich aber nicht nachhaltig beeindruckt, da die Körperbeherrschung der Darstellerinnen und Darstellern immer dann etwas ins Hintertreffen gerät, wenn magische Spezialfähigkeiten ausgepackt werden, die den Einsatz von Computertechnik erforderlich machen. Das sieht teils recht schick aus, geht aber eben zu Lasten der reinen Kampfkunst. Hübsch blutig geht es immerhin zu, wenn man akzeptiert, dass auch in dem Bereich CGI das Sagen hat. Kunstblut und praktische Effekte sind Mangelware. Ebenso fehlt allerdings auch das ominöse zehnte Turnier, dessen Gewinn der Outworld zur Eroberung (und womöglich Verwüstung) der Erde verhelfen würde. Immer wieder ist davon die Rede, aber offenbar soll es erst in einem Sequel dazu kommen. Dadurch wirkt „Mortal Kombat“ unvollständig.

Große Earthrealm-Champions: Liu Kang (l.) und Kung Lao

Gedreht wurde die US-Produktion hauptsächlich in Australien. Laut Branchenblatt „Variety“ hat „Mortal Kombat“ 55 Millionen US-Dollar gekostet, eingespielt hat sie an den Kinokassen bislang mehr als 83 Millionen Dollar (Stand: Juli 2021), beachtlich für einen altersbeschränkten Film während der Restriktionen der Corona-Pandemie.

Fortsetzung folgt?

Ob die Story des Films einigermaßen synchron der Story der Videospielreihe folgt, vermag ich wie erwähnt nicht zu beurteilen. Einhellige Begeisterung unter Gamern nehme ich nicht gerade wahr, wobei mein Blick darauf auch limitiert ist. Das Finale von „Mortal Kombat“ öffnet erwartungsgemäß die Tür sperrangelweit für ein Sequel. Als Gipfel der Kreativität erscheint das nicht gerade, aber derlei Reißbrett-Produktionen gehören ja zu den Hollywood-Gesetzmäßigkeiten. Bisweilen machen sie mir auch Spaß. Das gilt hier nur begrenzt, aber die 2021er-Version wirkt immerhin auf höherem Niveau angesiedelt als die 1995er-Erstverfilmung (und vermutlich auch deren Nachfolger, die ich aber nicht kenne), was allerdings keine allzu hohe Messlatte darstellt. Ihre Fans hat sie wohl schon gefunden, ihre Verächter ebenfalls. Insofern kann ich weder eine unbedingte Empfehlung aussprechen noch dringend von „Mortal Kombat“ (2021) abraten. Aber vielleicht gibt euch mein Text ein paar Hinweise darauf, ob ihr euch bei den Fans oder den Verächtern einreiht.

Videospielverfilmungen haben wir in der Rubrik Filmreihen aufgeführt.

Sub-Zero beschwört seine Kräfte herauf

Veröffentlichung: 22. Juli 2021 als 2-Disc Edition 4K UHD Blu-ray im Steelbook (inkl. Blu-ray), 2-Disc Edition 4K UHD Blu-ray (inkl. Blu-ray), Blu-ray im Steelbook, Blu-ray und DVD

Länge: 110 Min. (Blu-ray), 106 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Mortal Kombat
USA 2021
Regie: Simon McQuoid
Drehbuch: Greg Russo, Dave Callaham, nach der Videospielvorlage von Ed Boon und John Tobias
Besetzung: Lewis Tan, Jessica McNamee, Josh Lawson, Joe Taslim, Mehcad Brooks, Matilda Kimber, Laura Brent, Tadanobu Asano, Hiroyuki Sanada, Chin Han, Ludi Lin, Max Huang, Sisi Stringer, Mela Jarnson, Nathan Jones, Daniel Nelson, Ian Streetz
Zusatzmaterial: keine Angabe
Label/Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2021 Warner Home Video

 

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