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Slasherman – Random Acts of Violence: Der Serienkiller und der Comicautor

18 Aug

Random Acts of Violence

Von Volker Schönenberger

Horror // Comicautor Todd Walkley (Jesse Williams) ist nervös: Die letzte Ausgabe seiner Erfolgsserie „Slasherman“ steht an, und ihm fehlt noch der letzte Dreh. Außerdem will er unbedingt Substanz hineinlegen, um zu belegen, dass der Erfolg nicht nur auf einem Hype beruht. Seine Lebensgefährtin Kathy (Jordana Brewster) muntert ihn auf, begleitet ihn auch auf die Pressereise, auf der das Ende der Reihe verkündet werden soll. Todds Herausgeber Ezra (Jay Baruchel) und dessen Assistentin Aurora (Niamh Wilson) begleiten die beiden.

Todd und Kathy begeben sich …

Ihr Trip führt das Quartett auch in die Region der Ereignisse, die Todd zu „Slasherman“ inspiriert haben: die Serienmorde des „I-90-Killers“ vor 20 Jahren. Doch dort beginnt alsbald eine neue Mordserie. Der Täter scheint die Ideen für seine Bluttaten aus den Comicheften zu ziehen.

… mit Ezra (2. v. r.) und Aurora (r.) auf Pressereise in die Provinz

„Slasherman – Random Acts of Violence“ beruht auf dem Comic „Random Acts of Violence“ von Justin Gray und Jimmy Palmiotti, einem sogenannten One Shot, also einer in einem Band abgeschlossenen Story im Gegensatz zu den im Comicsektor ansonsten vorherrschenden Reihen. Die Geschichte wurde vom kanadischen Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur Jay Baruchel zusammen mit Jesse Cabot zu einem Skript überarbeitet, das Baruchel verfilmte. Er übernahm auch die Rolle von Todds Kumpel und Geschäftspartner Ezra und gehört zum Produzententeam.

Mehr Exploitation als Reflexion

Die kanadische Produktion hat das Potenzial einer intelligenten Reflexion über mediale Verarbeitung und Darstellung von Gewalt, verpasst die Gelegenheit aber auf ganzer Linie. Dabei hat Baruchel einige dafür erforderliche Versatzstücke sogar eingebaut, hatte also womöglich sogar den Anspruch: In einem Radiointerview wird Todd mit kritischen Fragen zu seinem gewalthaltigen Comic konfrontiert. Zudem will seine Freundin Kathy ein Buch schreiben, in dem sie die Opfer des I-90-Killers würdigt, was zu ein paar Streitgesprächen zwischen dem Paar führt. All dies dient aber nur als Alibi, geradezu als Feigenblatt, um sich von einer Metzelei zur nächsten zu hangeln. Diese samt ihrer blutigen Resultate sind durchaus versiert inszeniert und somit angetan, Fans expliziter Gewalt zufriedenzustellen, sie konterkarieren aber die mögliche Reflexion damit – so das denn überhaupt gewollt war. Die drastische Gewaltdarstellung ist nun mal exploitativ, während die Opfer lediglich als Opfer taugen und kein Profil entwickeln.

Todd muss sich im Radio unangenehmen Fragen stellen

Fehlendes Profil kann man auch den vier Hauptfiguren auf Pressereise attestieren. Todd und Kathy werden als liebevolles, einander herzlich zugewandtes Paar skizziert, das war es aber auch schon. Ihr Konflikt kommt unvermittelt, fast aus dem Nichts, eine Entwicklung in die Richtung hat es nicht gegeben. Ezra und Auroa wiederum haben noch weniger Identifikationspotenzial.

Immerhin stehen die Fans Schlange

Mit klar unter anderthalb Stunden ist „Slasherman – Random Acts of Violence“ recht kurz geraten, vielleicht hätten ein paar Szenen mehr der Handlung gutgetan. So jedoch begegnen die vier Hauptfiguren dem Killer viel zu schnell, ein paar zusätzliche Opfer oder stärkere Konzentration auf die gezeigten Opfer wäre hier vielleicht die bessere Entscheidung gewesen. So kommt es viel zu schnell zum Showdown und wenn der Killer sein Gesicht zeigt, hinterlässt das keinen bleibenden Eindruck. Er bleibt farblos, seine Motivation uns gleichgültig.

Jordana Brewster und Jesse Williams

Für einen Indie-Horrorfilm wie diesen ist die Starpower bemerkenswert, aber immerhin haben Jordana Brewster („Fast & Furious“-Reihe) und Jesse Williams („Grey’s Anatomy – Die jungen Ärzte“) schon Erfahrung im Genre gelandet – sie mit „The Texas Chainsaw Massacre – The Beginning“ (2006) und „The Faculty“ (1998), er mit „The Cabin in the Woods“ (2012). Alle drei gelungene Vertreter, vielleicht haben Brewster und Williams Blut geleckt. „Slasherman – Random Acts of Violence“ scheint aber nicht angetan, Schauspielerinnen und Schauspieler zu motivieren, sich weiter im Horrorsektor zu tummeln.

Damit hat sie nicht gerechnet

„Random Acts of Violence“ ist ein deprimierendes, zynisches Stück Nihilismus, ein Film, der von sich glaubt, etwas über sinnlose Gewalt und das Ausbeuten realer Tragödien auszusagen, dabei ist er noch heuchlerisch hohler als die Filme, die er zu kritisieren vorgibt. So schrieb es der US-Kritiker Brian Tallerico unter RogerEbert.com. Ein hartes Urteil, aber nicht von der Hand zu weisen.

Die Nerven sind angespannt

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jordana Brewster haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Jesse Williams unter Schauspieler.

Was führt er im Schilde? Jedenfalls nichts Gutes

Veröffentlichung: 2. September 2021 als Blu-ray und DVD

Länge: 81 Min. (Blu-ray), 77 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Random Acts of Violence
USA/KAN 2019
Regie: Jay Baruchel
Drehbuch: Jay Baruchel, Jesse Cabot, nach einer Comicvorlage von Justin Gray und Jimmy Palmiotti
Besetzung: Jesse Williams, Jordana Brewster, Niamh Wilson, Simon Northwood, Jay Baruchel, Victoria Snow, Eric Osborne, Nia Roam, Aviva Mongillo, Isaiah Rockcliffe, Clark Backo
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sony Pictures Entertainment

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot: © 2021 Tiberius Film

 

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