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Archiv für den Monat September 2021

James Bond 007 – Keine Zeit zu sterben: Heldenerlösung

No Time to Die

Kinostart: 30. September 2021

Von Florian Schneider

Agenten-Abenteuer // Zum Kinostart von „James Bond 007 – Spectre“ hatte ich 2015 geschrieben: „Da ist er nun also, der voraussichtlich letzte Bond-Film mit Daniel Craig. Warum es meiner Meinung nach sogar mit Sicherheit sein letzter sein wird, sollte am Ende dieses Textes klar geworden sein.“

Die Liebe zur schönen Madeleine trägt tragische Züge

Tja, ich habe mich geirrt, auch wenn es beinahe sechs Jahre gedauert hat, bis sich mein Irrtum im Kino offenbarte. Trotzdem freue ich mich, denn „Keine Zeit zu sterben“ ist zum Glück rundum gelungen und reiht sich nahtlos in die beinahe makellose Reihe (mit Ausnahme des blutleeren zweiten Teils „Ein Quantum Trost“) mit Daniel Craig als Doppelnull-Agent ein. Doch wie kam es 2015 zu meiner kühnen Behauptung und warum ist die erfolgte Widerlegung in meinen Augen so gelungen? Die Antwort liegt tatsächlich in der Hauptfigur selbst begründet und eben nicht in der narrativen und strukturellen Form der bisherigen Quadrologie. Denn wo die ersten vier Filme mit Daniel Craig einen Genre-immanten Bogen spannen konnten zwischen einer klassischen bis hin zu einer postmodernen (und damit abschließenden) Erzählweise, fokussiert sich „Keine Zeit zu sterben“ auf die Entwicklung des Helden selbst. Seine Befreiung aus dem repetitiven Narrativ des unbesiegbaren Helden, der sich Film für Film den wechselnden Bösewichten stellt und dabei ein Bond-Girl nach dem anderen vernascht, ohne nachhaltig Glück, Zufriedenheit und vor allem Erlösung zu finden, ist zentrales Element des letzten Teils der damit zur Pentalogie erweiterten Reihe.

Der Ruhestand ist nicht von Dauer

Um seine innere Entwicklung zu einem würdigen Abschluss zu bringen, muss Bond (Daniel Craig) erst einmal aus dem Ruhestand zurückkehren. Nach den Ereignissen in „Spectre“ hat Bond den Dienst quittiert und eine Beziehung mit der Französin Madeleine Swann (Léa Seydoux) begonnen. Mit dem legendären silbernen Aston Martin DB5 (dem berühmtesten Bond-Auto, das seinen ersten Auftritt 1964 in „Goldfinger“ hatte) reisen die beiden durch Italien. Die Liebe ist groß und unter den Klängen des Bond-Klassikers „ We Have All the Time in the World “ blicken die beiden Liebenden einer rosigen Zukunft entgegen.

Wilde Hatz im Aston Martin

Doch für das perfekte Glück müssen sie sich einander öffnen und ihre tiefsten Geheimnisse offenbaren. Bond leidet immer noch unter dem Verlust seiner großen Liebe Vesper Lynd (siehe „Casino Royale“) und Madeleines Vergangenheit birgt eine Verbindung sowohl zur verbrecherischen Geheimorganisation Spectre als auch zu dem mysteriösen Lyutsifer Safin (Rami Malek), der vorerst nur als Erzfeind von Spectre in Erscheinung tritt. Als Bond sich allein zum Grab von Vesper begibt, um Abschied zu nehmen und ins Reine zu kommen, tappt er in eine Falle von Spectre-Anführer Ernst Stavro Blofeld (Christoph Waltz), seiner beim MI-5 inhaftierten Nemesis. Bond und Madeleine entkommen nur knapp dem Tod, doch Bond fühlt sich verraten und verlässt Madeleine.

James Bond hat sich scheinbar endgültig zur Ruhe gesetzt

Fünf Jahre später kreuzen sich allerdings die Wege des Ex-Agenten und der Schönheit erneut und eine klassische Bond-Story beginnt. Bei dieser geht es natürlich um nichts weniger als um die Rettung der Welt. Sowohl der MI-5 mit seinem Leiter M (Ralph Fiennes), Blofeld mit Spectre, Lyutsifer Safin als auch die CIA unter Felix Leiter (Jeffrey Wright) jagen einer Superwaffe namens „Herkules“ nach und halten Bond und seine Nachfolgerin beim MI-5 (Lashana Lynch) ordentlich auf Trab. Mit von der Partie ist auch der Wissenschaftler Valdo Obruchev (David Dencik), der mit seiner Amoralität und seinem Doppelspiel wie ein postmodernes Zitat des Programmierers Boris Grishenko (Alan Cumming) aus „GoldenEye“ wirkt.

Doch der Geheimdienst Ihrer Majestät in Gestalt von M (l.) beordert den Helden wieder in den aktiven Dienst

Doch der neue Bond ist kein Vertreter der Postmoderne, sondern vielmehr klassische Tragödie, bei der die Auseinandersetzung mit den inneren Dämonen und den äußeren Widersachern in eine Katharsis mündet, die schließlich dem Helden die Hoffnung auf Reinigung und Erlösung bringt.

Zitate von Aston Martin bis hin zu aller Zeit der Welt

Die Zitierfreude allerdings, die man bereits beim Vorgänger erleben durfte und die ein Charakteristika seiner Postmodernität ist, tritt auch bei „James Bond 007 – Keine Zeit zu sterben“ zu Tage. Neben dem erwähnten Bond-Song und mehreren Aston-Martin-Modellen erleben wir beispielsweise mit Lyutsifer Safin einen Protagonisten, der wie eine Mischung aus Dr. No und Zao (Rick Yune aus „Stirb an einem anderen Tag“) wirkt und auch das Finale des Films in einer alten Militäranlage auf einer verlassenen Insel im Pazifik lässt die Erinnerung an „James Bond jagt Dr. No“ aufleben, das erste Bond-Abenteuer aus dem Jahr 1962. Es schließt sich also in vielerlei Hinsicht der narrative Kreis der langlebigen Erfolgsreihe.

007 in seinem Element

Apropos Bond-Song: Der Einsatz der Melodie von „We Have All the Time in the World“ ist das vielleicht stärkste Zitat aus dem Bond-Kosmos. Geschrieben von John Barry und Hal David und gesungen von Louis Armstrong kam er in „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ als Liebeslied zu Ruhm und Ehren. Es ist nicht nur der einzige Film der Reihe mit George Lazenby als 007, sondern auch derjenige, bei dem James Bond heiratet, nur um am Ende durch ein Attentat Blofelds sogleich zum Witwer zu werden. Damit gibt der Song das eigentliche Thema des nun aber wirklich letzten Bonds mit Daniel Craig in der Hauptrolle unüberhörbar vor: die Liebe!

Auch 007 (sic!)

Nun aber genug verraten, den „James Bond 007 – Keine Zeit zu sterben“ sollte auf jeden Fall mit einer gewissen Ahnungslosigkeit hinsichtlich der Handlung genossen werden, sonst droht der The-Sixth-Sense-Effekt und das wäre wirklich bedauerlich.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ana de Armas, Naomie Harris und Léa Seydoux haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Daniel Craig, Ralph Fiennes, Rami Malek, Christoph Waltz und Ben Whishaw unter Schauspieler.

Auch Erzfeind Blofeld ist noch aktiv

Länge: 163 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: No Time To Die
GB/USA 2021
Regie: Cary Joji Fukunaga
Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade, Cary Joji Fukunaga, Phoebe Waller-Bridge
Besetzung: Daniel Craig, Ana de Armas, Christoph Waltz, Rami Malek, Léa Seydoux, Ralph Fiennes, Ben Whishaw, Naomie Harris, Lashana Lynch, Jeffrey Wright, Billy Magnussen, Rory Kinnear
Verleih: Universal Pictures International Germany

Copyright 2021 by Florian Schneider

Filmplakat & Trailer: © 2021 Universal Studios. All rights reserved.
Szenenfotos: © 2021 DanjaQ, LLC and MGM. All rights reserved. Foto-Credit: Nicola Dove

 
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Verfasst von - 2021/09/30 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Zum 100. Geburtstag von Deborah Kerr: Vor Hausfreunden wird gewarnt – Vor diesem Film nicht!

The Grass Is Greener

Von Tonio Klein

Liebeskomödie // Englisch oder britisch? Zwar im schottischen Glasgow geboren, ging Deborah Kerr schon mit 14 Jahren, 1936, ins englische Bristol und 1937 nach London. Nach ersten Theateraufführungen war sie 1940 erstmals in einem Film zu sehen, und diesem Medium blieb sie weitgehend treu. Das britische Duo Michael Powell und Emeric Pressburger wurde zum Karrieresprungbrett, und: Während es in der „Goldenen Zeit“ weibliche Filmstars gab, die vorwiegend in Schwarz-Weiß (Joan Crawford, Marlene Dietrich, Hedy Lamarr) oder in Technicolor (Rhonda Fleming, Arlene Dahl) glänzten, gelang Kerr von Anfang an beides. So waren Powell/Pressburger wahrhafte Pioniere der expressiven Farbgestaltung, als sich Technicolor in Großbritannien noch kaum etabliert hatte. Insbesondere mit ihrer Hauptrolle in „Die schwarze Narzisse“ (1947) erregte Kerr Aufsehen und konnte einen Hollywood-Vertrag ergattern. Und ihr gelang etwas, das damals ungewöhnlich war: Weder wurde sie in allzu beliebigen Filmen verheizt, noch ließ sie sich in der Klischeeschublade „A British in America“ einsperren. Letzteres, obwohl ihr Britisch-Sein in vielen ihrer großen Werke Thema war. Unabhängig davon zeichnete sich ihr Spiel immer durch minimalistisch-nuancierte Contenance und Eleganz aus. Aber das war nur ein Ausgangspunkt. Darunter brodelte ein Vulkan. Das war schon paradigmatisch in „Die schwarze Narzisse“ erkennbar. Und wenn der ausbricht, sehen wir eine Frau, die uns ansonsten im Nonnenhabit begegnet ist, ohne Kopfbedeckung, mit schreiend rotem Lippenstift und erkennbar derangiert statt befreit. Auch in ihren großen US-Rollen hatte sie diese flirrende Ambivalenz, und zwar auch dann, wenn das nicht in einem Schock-Farbeffekt à la Powell/Pressburger zum Ausdruck kam. Mit ihrem eleganten Landsmann Cary Grant, aber auch mit dem sensiblen US-Raubein Robert Mitchum konnte sie auf diese Weise sowohl harmonieren als auch kontrastieren; beispielsweise in „Die große Liebe meines Lebens“ (1957, mit Grant) und in „Der Seemann und die Nonne“ (1957, mit Mitchum). Aus späterer Zeit ist ihr Minimalismus in der Tennessee-Williams-Theateradaption „Die Nacht des Leguan“ (1964) bemerkenswert, mit dem sie keinesfalls im Ensemble sehr unterschiedlicher Schauspielstile (expressive Theaterkunst von Richard Burton, ebenso expressive pure Kinokunst von Ava Gardner) untergeht. In den 1970er-Jahren wandte sie sich Fernsehen und Theater zu. Nach zahlreichen Oscarnominierungen für so berühmte Filme wie „Verdammt in alle Ewigkeit“ (1953) „musste“ sie 1994 den Ehrenoscar für ihr Lebenswerk annehmen, weil es für sie nie geheißen hatte: „And the winner is …“. Für ihre Hauptrolle in „Der König und ich“ (1956) durfte sie aber 1957 den Golden Globe entgegennehmen.

Die große Liebe ihres Lebens

„Der Seemann und die Nonne“ und „Die Nacht des Leguan“ entstanden unter der Regie des legendären John Huston; im Film mitunter sehr feinsinnig, privat ein schillernder Hasardeur, mit dem der damals noch junge, deutschstämmige Drehbuch- und spätere Romanautor Peter Viertel an „African Queen“ (1951) arbeitete und befreundet war, wobei man vielleicht schon „Hassliebe“ sagen kann. Ob John Huston nicht nur ein künstlerisches, sondern auch ein privates Bindeglied zwischen Viertel und Kerr ist, vermochte ich nicht herauszubekommen. Jedenfalls heirateten die beiden 1960 und blieben bis zum Tod ein Paar. Auch wenn man leicht herausfinden kann, dass Kerr an Parkinson und Viertel an Krebs starb und es daher wohl Zufall ist, dass der Tod nur 19 Tage auseinander lag (Viertel: 4. November 2007, Kerr: 16. Oktober 2007): Vielleicht war das ja doch eine der legendären Verbindungen, in der ein Teil nicht ohne den anderen konnte, so wie dies bei Federico Fellini (gest. 31. Oktober 1993) und Giulietta Masina (gest. 23. März 1994) gemutmaßt wird. Viertel sagte jedenfalls noch im Oktober 2007 über seine verstorbene Frau: „Sie war die Beste.“ Am 30. September 2021 wäre sie 100 Jahre alt geworden.

Und nun zum Film

Robert Mitchum und Cary Grant als sehr wichtige Filmpartner Deborah Kerrs, aber auch als sehr unterschiedliche Typen – was geschieht erst, wenn beide zusammen in einem Kerr-Film auftreten? Dann ist einer (Grant) der Ehemann und einer (Mitchum) der Hausfreund. „Vor Hausfreunden wird gewarnt“ ist ein Glücksgriff sondergleichen. Es handelt sich um eine gewitzte, erkennbar auf einem Theaterstück basierende Komödie mit ein bisschen Ehebruchdrama am Rande, die unter im Wesentlichen zwei distinguierten Herren, einer ebensolchen Dame und einem etwas flippigeren, extravaganten weiblichen Sidekick spielt. „Dialogfilm“ ist hier definitiv kein Schimpfwort, es wird viel geredet – aber mit Aplomb!

Cary Grant und Deborah Kerr geben das Ehepaar Earl Victor und Lady Hilary Rhyall in einer Eigentlich-nicht-Krise, Robert Mitchum ist der Nebenbuhler Charles Delacro, Jean Simmons die in ziemlich extravagante und farbensprühende Dior-Roben gehüllte Freundin Hattie Durant. Ein blendend aufgelegtes Quartett, Simmons und Mitchum gegen den Strich, die beiden anderen entsprechend den Erwartungen besetzt, und alle vier gehen in ihren Rollen auf, spielen sie aber dennoch erstaunlich nuanciert. Außer vielleicht die hochverehrte Simmons, aber das liegt nicht an ihr. Sie ist ein Kontrast und darin perfekt, bis hin zur fein modellierten, diesmal offensichtlich bewusst etwas höheren, schrilleren Stimme, aber kombiniert mit diesem Rest von britisch distinguierter Aussprache. „Briten gegen Amis“ – nur Robert Mitchum ist gebürtiger US-Amerikaner, die drei anderen kommen aus Good Old Great Britain – wird sowieso noch ein Thema sein, doch dazu später.

Bröckelt die Fassade?

Es gibt ein exzellentes Drehbuch, an dem man sieht, was eine glänzende gehobene Boulevardkomödie ausmacht. Ein bisschen ist das mit geistreichen, witzig-distinguierten Wortkünstlern wie Noël Coward, Billy Wilder und Joseph L. Mankiewicz zu vergleichen. Es gibt Wortspiele, Doppeldeutigkeiten, gegenseitiges Abtasten auf höchstem Niveau, Sottisen, Wortverdrehungen, Anspielungen auf Klassiker (zum Beispiel Shakespeare) und „klassische“ Lebensart (Mitchum und Grant wollen um die Kerr im Pistolenduell kämpfen), fein modellierte Sätze und Wörter im britisch-amerikanischen Gekabbel. Allein diese Diskussionen um Unterschiede zwischen Haus und Heim und um verschiedene Bezeichnungen für Dinge rund um Drinks sind köstlich! Hinzu kommen ein ausdrucksstarkes Mienenspiel und eine kongeniale Einbeziehung der Orte, zu denen die Figuren in Bezug gesetzt werden. Dies sieht man insbesondere am Anfang – nicht, dass es danach schwächer wird, aber am Anfang ist es am wichtigsten: Die Rhyalls leben in einem unglaublich prunkvollen Schloss (Regisseur Donen frönt seiner Neigung zu luxuriöser Eleganz und einem tiefen Griff in den Farbtopf). Aber – das ironisch-süffisante Lied „The Stately Homes of England“ von Noël Coward hat es bereits gesagt – der Glanz der alten englischen Königsschlösser ist passé. Die Eheleute verwalten das Haus für die Krone, lassen Touristen hindurchspazieren und benötigen den Butler Trevor Sellers (Moray Watson) nur des schönen Scheins willen. Kerr verdient sich ein bisschen was durch die als eher dröge dargestellte Arbeit des Züchtens und Verpackens von Pilzen. Wie die beiden in diesem Luxus leben, von dem sie doch so wenig haben, spiegelt den Zustand ihrer Ehe wider: Sie behandeln einander gut und lieben einander definitiv noch, aber das wissen sie vielleicht nicht mehr so genau, denn sie sind einander genauso selbstverständliche Ausstattungsstücke geworden wie alles in dem Schloss – Fassade! Man muss nur einmal darauf achten, wie gelangweilt Cary Grant guckt, wenn die Kerr ein Frühlingsgedicht (Achtung, Frühlingserwachen!) rezitiert, dann ist alles klar. Und genau das ist der Grund, weswegen ich in einem Punkt einem anderen im Netz entdeckten Rezensenten widerspreche. Er hat es dem Plot nicht abgenommen, dass sich die Kerr in dreißig Minuten in einen US-Ölmillionär verliebt, den sie zuvor noch nie gesehen hat. Man darf gern verschiedener Ansicht sein, aber ich habe es dem Film jede Sekunde geglaubt und bewundere ihn dafür, wie geschickt er den Boden bereitet hat für diese sicherlich ungewöhnliche Entwicklung.

Wie man eine Ehe bricht – oder nicht?

Es wird dann zu einem Ehebruch kommen, der hübsch ironisch gezeigt wird: Man beschließt, sich besser NICHT mehr zusammen zu zeigen, und eine Montage zeigt, was Mitchum und Kerr den lieben langen Tag NICHT machen, und dass sie am Ende NICHT in dem Schlafzimmer sind, dessen Tür sich sanft schließt. Ziemlich schnell wissen alle alles, und was echte Gentlemen sind, die machen das unter sich aus, und zwar nicht mit Fäusten, Wut und Verzweiflung, sondern sehr distinguiert, oftmals zur schieren Freude des Zuschauers, aber auch mit großer Würde und echten Gefühlen hinter den ganzen Dialogkunststückchen. Sogar eine gewisse Freizügigkeit in den damals möglichen Maßen gönnt sich „Vor Hausfreunden wird gewarnt“: Der Ami Mitchum meint, die Engländer hätten ihre eigene Statue of Liberty verdient, und Grant entgegnet, Mitchum meine vielleicht eher eine Statue of Libertine. Wenn das 08/15 der Eheberatung herausgekramt wird und es heißt, die Zuneigung lasse nach, wenn das sexuelle Feuer abgeklungen sei, machen Grant und Kerr klar, dass das bei ihnen definitiv nicht der Fall ist. „The Grass Is Greener“, so der Originaltitel, ist durch die Bank sowas von „witty“, dass es eine Freude ist. Geistreiche Komik, geschliffene Texte, elegante Settings, ebensolche (und noch dazu hervorragend aufspielende) Darstellerinnen und Darsteller. Und obwohl es nicht gerade eine Slapstickklamotte ist, gibt es einige wirklich saukomische Highlights. Vor diesem Film wird nicht gewarnt. Nur davor, ihn sich entgehen zu lassen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Deborah Kerr und Jean Simmons haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Cary Grant und Robert Mitchum unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 11. Mai 2018 als 6-DVD-Box „Filmjuwelen mit Cary Grant – Die große Komödien-Box!“ (mit „Unternehmen Petticoat“, „Der große Wolf ruft“, „Ein Hauch von Nerz“, „Indiskret“ und „Akkorde der Liebe“), 6. Oktober 2017 als Blu-ray und DVD, 19. August 2010 als Doppel-DVD „Ein Wiedersehen mit … Robert Mitchum“ (mit „Verfolgt“), 6. Juni 2008 als 3-DVD-Box „Cary Grant Edition“ (mit „Unternehmen Petticoat“ und „Ein Hauch von Nerz“)

Länge: 104 Min. (Blu-ray), 100 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Grass Is Greener
GB 1960
Regie: Stanley Donen
Drehbuch: Hugh Williams, Margaret Vyner, nach dem Bühnenstück der beiden
Besetzung: Cary Grant, Deborah Kerr, Robert Mitchum, Jean Simmons, Moray Watson
Zusatzmaterial Blu-ray: Dokumentation: „Cary Grant – Der Hauptdarsteller“ (60 Min.), Trailershow
Zusatzmaterial DVD: Trailer, Starinfos
Label 2018 & 2017: Filmjuwelen
Vertrieb 2018 & 2017: Al!ve AG
Label/Vertrieb 2010 & 2008: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2021 by Tonio Klein
Packshots: © 2017 Filmjuwelen

 

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Horror für Halloween (V): The Cursed – Kleinstadt des Grauens: Südstaatendämon auf der Jagd

The Cursed

Von Volker Schönenberger

Horror // Titel-Inflation: „The Cursed – Kleinstadt des Grauens“ ist hierzulande auch als „The Fog Returns – Nebel der Furcht“ und „Fluch des Grauens – Nebel der Furcht“ veröffentlicht worden. Alles aus dem Schnellbaukasten für Horrorfilm-Titelschöpfer, aber immerhin enthalten alle deutschen DVDs und Blu-rays die ungeschnittene Fassung des Films. Die FSK-18-Freigabe erscheint etwas zu hoch, da zwar hin und wieder Splatter zu beobachten ist, das Bild aber kaum einmal voll drauf hält. Qualitativ dürften die deutschen Varianten auf ähnlichem Niveau liegen, sodass es letztlich wohl gleichgültig ist, welche man sich ins Regal stellt, so der Film denn in die Sammlung aufgenommen werden soll.

Deputy Lloyd Muldoon muss rätselhafte Bluttaten aufklären

Ein Prolog führt uns ins Jahr 1968: Im Warren County in Tennessee folgt die kleine Leanne Muldoon (Braelyn Watt) ihrer Katze in den Wald. Das hätte sie besser nicht getan – eine schattenhafte Kreatur fällt über sie her. Mutter Muldoon (Christie Lynn Smith) findet nur noch die abgetrennte Hand ihrer Tochter.

13 tote Rinder sind nur der Anfang

Gut 40 Jahre später trifft der Schriftsteller Denny White (Brad Thornton) dort ein. Er ist gerade von seiner Freundin verlassen worden, will einen Neustart wagen und an seinem Buch weiterschreiben, weshalb er bei seinem alten Freund Bill Fisher (James Marshall) unterkommt. In der Nacht seiner Ankunft werden 13 Rinder des Farmers Frank Bodell (Brian Russell) niedergemetzelt. Von ihnen bleiben nur ein paar blutige Überreste. In der Kleinstadt wachen Sheriff Jimmy Muldoon (Costas Mandylor) und sein jüngerer Bruder Deputy Lloyd Muldoon (Louis Mandylor) über die Einhaltung der Gesetze. Während Denny zügig mit der bildhübschen Bibliothekarin Sara Belmont (Francesca Cecil) anbandelt, müssen der Sheriff und seine Frau (Josie Davis) befürchten, dass sie ein Opfer der Finanzkrise werden und ihr Haus an die Bank verlieren. Diese Sorgen treten allerdings angesichts einer dämonischen Bedrohung schnell in den Hintergrund.

Ein Ausbund an Hässlichkeit

Reichlich unglaubwürdig: Zwischenzeitlich ergeben Denny Whites Recherchen, dass sich in der Gegend seit vielen Jahren immer wieder grausliche Dinge ereignet haben, Menschen und Tiere getötet worden oder verschwunden sind – auch der mit Zeitungsmeldungen ansprechend gestaltete Vorspann deutet das an. Dennoch hat niemand die Bluttaten miteinander in Verbindung gebracht. Dieses gar nicht mal so kleine Logikloch gilt es zu ignorieren, ebenso die durchweg billige Optik einer Fernsehproduktion (die der Film womöglich auch ist, was ich nicht verifizieren konnte). Dann aber kommt man in den Genuss eines durchaus atmosphärischen Schockers, der mit Südstaatenstimmung punktet – bis hin zu einem kleinen Lynchmob, der auf Mörderjagd auszieht. So richtig neblig, wie es zwei der deutschen Titel andeuten, geht es allerdings nicht zu – meist sind es lediglich ein paar milchige Schlieren, die in Bodennähe herumwabern.

Mit den Mandylor-Brüdern Costas und Louis

Personell hervorheben kann man den aus „Das Geheimnis von Twin Peaks“ bekannten James Marshall, den in fünf Teilen der „Saw“-Reihe zu sehenden Costas Mandylor („Born a Champion“) und seinen ein Jahr jüngeren Bruder Louis („Rambo – Last Blood“). Die Maske der dämonischen Kreatur ist so lala geraten – siehe Fotos.

Woran erinnert uns diese Mundpartie?

Einen Ausbund an Originalität sollte niemand erwarten, mir reichte die einmalige Sichtung. Wer sich dafür keine Blu-ray oder DVD zulegen will, ein paar nach wenigen Sekunden wegklickbare Werbespots und eine recht lieblose deutsche Synchronisation hinzunehmen bereit ist, kann „The Cursed – Kleinstadt des Grauens“ kostenlos in voller Länge auf der Webseite und dem YouTube-Kanal des legalen Streaminganbieters Netzkino schauen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Costas Mandylor und Louis Mandylor haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Von Blutgier übermannt

Veröffentlichung: 29. März 2018 als Blu-ray, 9. März 2018 und 7. Mai 2015 als DVD, 24. Oktober 2011 als Blu-ray und DVD

Länge: 87 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Cursed
Alternativtitel: The Fog Returns – Nebel der Furcht / Fluch des Grauens – Nebel der Furcht
USA 2010
Regie: Joel Bender
Drehbuch: Devin Watson
Besetzung: Louis Mandylor, Costas Mandylor, Brad Thornton, Francesca Cecil, James Marshall, Tom Wright, Holt Boggs, Josie Davis, Christie Lynn Smith, Irish Ann Burch, Steel Chambers, Samuel Doak, Braelyn Watt, Brian Russell
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Bildergalerie, Trailershow, Wendecover
Label/Vertrieb 2018: Edel Germany / Best Entertainment
Label/Vertrieb 2015: SchröderMedia HandelsGmbH
Label 2011: Great Movies
Vertrieb 2011: dtp entertainment AG

Copyright 2021 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshots: © Edel Germany / SchröderMedia HandelsGmbH / Great Movies

 

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