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Destroyers – Wissenschaftler will Weltherrschaft

01 Sep

Eliminators

Von Volker Schönenberger

SF-Abenteuer // „Mad Scientists“ sind nicht totzukriegen und speziell im Segment niedrig budgetierter Science-Fiction-Streifen ein Quell immerwährender Freude. So auch in dem vom umtriebigen Charles Band („TerrorVision“, „Robot Wars“) 1986 für seine Empire Pictures produzierten „Destroyers“, im Original „Eliminators“ betitelt. Der verrückte Wissenschaftler ist hier Abbott Reeves (Roy Dotrice), der mit Unterstützung seines Assistenten Takada (Tad Horino) aus dem mit seinem Kleinflugzeug über der Wildnis Mexikos abgestürzten John (Patrick Reynolds) kurzerhand einen „Mandroid“ zusammengebastelt hat – einen Cyborg, halb Mensch, halb Maschine, zum Kämpfen gebaut. Ein Schelm, wer „RoboCop“ (1987) dabei denkt, aber Paul Verhoevens dystopischer Actionklassiker kam erst anderthalb Jahre nach „Destroyers“ in die Kinos.

Aus John wurde der Mandroid

Reeves schickt seinen Mandroid auch gern per Zeitmaschine in die Vergangenheit, damit er beispielsweise den Schild eines römischen Legionärs als Souvenir mitbringt. Doch es gelingt dem Wissenschaftler nicht, die menschliche Seele seines Geschöpfs auszumerzen. John alias Mandroid begehrt auf und flieht. Bald findet er sich in Gesellschaft der Robotikexpertin Nora Hunter (Denise Crosby) und des schlagkräftigen Bootsverleihers Harry Fontana (Andrew Prine) wieder. Das Trio macht sich auf, Reeves das Handwerk zu legen, denn dieser strebt nichts Geringeres als die Weltherrschaft an. Bald gesellt sich der Ninja Kuji (Conan Lee) zu ihnen, der ebenfalls ein Hühnchen mit dem Wissenschaftler zu rupfen hat. Unterstützung erhält das Quartett vom schwebenden Miniroboter „Spot“, den Nora konstruiert hat.

Nora Hunter weiß, wo der Hammer hängt

Ihr merkt schon: Es wimmelt von skurrilen bis hanebüchenen Ideen. Wenn irgendwann Affenmenschen den Weg unserer Heldin und Helden kreuzen, war allerdings schon vorher klar, dass wir es mit einem durchgeknallten Werk zu tun haben. Ein typischer Charles Band eben. Das kann man mit einigem Recht für trashig halten, aber da es sich um eine Produktion der 1980er-Jahre handelt, sind die visuellen Effekte und Tricks immerhin handgemacht, was auch im Billigsegment meist viel mehr Charme hat als CGI. Und Charme gibt es hier zuhauf, allein schon bei diversen völlig sinnlosen Explosionen.

Wo kommt der denn her?

Ein zusammengewürfelter Trupp ungleicher Gestalten kämpft sich durch die Wildnis, um einem Schurken Einhalt zu gebieten. Nach einer Weile fällt gar nicht mehr auf, dass einer von ihnen ein Cyborg ist. Seine Fähigkeiten kommen ebenso gelegen wie die der anderen. In Spanien gedreht, erweist sich „Destroyers“ als Mischung aus actionlastiger Science-Fiction und Dschungel-Abenteuer. Die comichafte Überzeichnung der Story wie auch der Figuren macht viel Freude, sodass ich bei der einen oder anderen Unzulänglichkeit in puncto Storytelling gern ein Auge zudrücke.

Auch Harry Fontana ist nicht auf den Kopf gefallen

Kurzer Blick auf die Filmografien der Darsteller, begonnen mit der Darstellerin: Denise Crosby hat in „Friedhof der Kuscheltiere“ (1989) die Ehefrau Rachel Creed gespielt (wusste ich’s doch, dass ich sie von irgendwoher kenne) und auch in Walter Hills „Nur 48 Stunden“ (1982) mitgewirkt. Sie ist auch heute noch aktiv, etwa mit Auftritten in der letzten Staffel der Serie „Suits“ (2011–2019). Andrew Prine hatte eine Rolle als Brigadegeneral der Konföderierten im Bürgerkriegsdrama „Gettysburg“ (1993). Denselben Offizier spielte er 2003 auch in „Gods and Generals“. Prine wurde zudem von Rob Zombie in dessen okkultem Schocker „The Lords of Salem“ (2012) als Reverend besetzt. Für Mandroid-Darsteller Patrick Reynolds stehen immerhin Auftritte als Tänzer in den Film-Musicals „Hair“ (1979) und „Xanadu“ (1980) zu Buche, für die er leider nicht mal Credits einheimste. Der Part als Cyborg in „Destroyers“ wurde seine größte Rolle. Besser als nichts.

Sogar ein Ninja mischt munter mit

Die Wicked Vision Entertainment GmbH hat „Destroyers“ als 36. Teil ihrer „Collector’s Series“ im Mediabook mit Blu-ray und DVD veröffentlicht. Die drei Covervarianten des Wicked-Mediabooks können im Online-Shop des Labels direkt geordert werden, wobei sie aktuell nicht immer alle dort gelistet sind. Labelboss Daniel Perée teilte mir aber mit, dass alle drei Motive noch lieferbar sind, im Zweifel also nachfragen! Im Booklet lässt sich der erfahrene Texter Christoph N. Kellerbach kenntnisreich über die Entstehung des Films und „die Glorie von Peter Manoogian“ aus. Wobei „Glorie“ natürlich relativ und ironisch zu sehen ist, wenn man sich die überschaubare Filmografie des Amerikaners anschaut, der so bedeutsame Werke der Filmgeschichte wie „Terror Night – Hochhaus in Angst“ (1987) und „Demonic Toys“ (1992) inszeniert hat. Zwischen 1984 und 2018 stehen lediglich elf Regiearbeiten zu Buch, 13 Mal war er immerhin als Produzent aktiv, kann auch einige Credits als Regieassistent, Second Unit Director und Produktionsmanager vorweisen.

Mad Scientist aus dem Lehrbuch: Abbott Reeves

Aus dem Zusatzmaterial auf den Discs stechen das Video-Vorwort von Produzent Charles Band und die deutsche Diskussionsrunde „Empire of the Full Moon“ mit Dr. Rolf Giesen, Dr. Gerd Naumann und Matthias Künnecke heraus. Wir wollen ja etwas erzählen über die Herstellung von billigen Filmen, die erfolgreich sind. So Giesen. Schön, wenn es solche wertigen Boni in eine Veröffentlichung schaffen, zumal diese beiden exklusiv für die Wicked-Veröffentlichung produziert worden sind. Für Freunde des rührigen Produzenten und gelegentlich auch Regisseurs Charles Band stellt „Destroyers“ ein Pflichtprogramm dar. Alle anderen dürfen ein Auge riskieren, wenn sie mit derlei billiger, aber liebevoll inszenierter Genreware inklusive leichter Trash-Schlagseite umgehen können.

Die Filme der „Collector’s Series“ der Wicked Vision Distribution GmbH haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet.

Es geht rund

Veröffentlichung: 31. Juli 2020 als 2-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, drei Covermotive, eins à 444 und zweimal 222 Exemplare)

Länge: 96 Min. (Blu-ray), 92 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Eliminators
USA/SP 1986
Regie: Peter Manoogian
Drehbuch: Paul De Meo, Danny Bilson
Besetzung: Andrew Prine, Denise Crosby, Patrick Reynolds, Conan Lee, Roy Dotrice, Peter Schrum, Peggy Mannix, Fausto Bara, Luis Lorenzo, José Moreno
Zusatzmaterial: Vorwort von Charles Band, „Empire of the Full Moon“ – Diskussionsrunde mit Dr. Rolf Giesen, Dr. Gerd Naumann und Matthias Künnecke (52 Min.), deutscher VHS-Vorspann, Originaltrailer, Bildergalerie, 24-seitiges Booklet mit einem Text von Christoph N. Kellerbach
Label/Vertrieb: Wicked Vision Distribution GmbH

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & 3er-Packshot: © 2020 Wicked Vision Distribution GmbH

 

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